DREI WEITERE BLACK HAWK?

9. Dezember 2013

BUNDESHEER, NEWS

Sikorsky S-70A-42 Black Hawk © Doppeladler.comErreicht die Black Hawk Staffel (mittlere Transporthubschrauberstaffel) nun doch Staffelstärke? © Doppeladler.com

Kaum ein Gerät des Bundesheeres ist bei der Truppe und in der Bevölkerung so beliebt wie die neun Transporthubschrauber vom Typ Sikorsky S-70A-42 Black Hawk. Zahlreiche Katastropheneinsätze und Einsätze am Balkan haben die Hubschrauber bereits hinter sich. Bis 2012 sammelten die S-70 an die 15.000 Flugstunden. Dennoch scheiterten bisher alle Versuche, die Staffel – wie ursprünglich vorgesehen – auf die international übliche Mindestgröße von 12 Stück zu erweitern. Verteidigungsminister Klug unternimmt einen neuerlichen Anlauf. Die Sterne stehen allerdings nicht günstig.

UPDATE 28.02.2014: Schon ist die Beschaffung wieder abgesagt: Im Artikel “Bundeshaushalt: So spart das Bundesheer” auf bundesheer.at wird nun offiziell dargestellt, dass das Bundesheer “seinen Beitrag zur Konsolidierung des Bundeshaushaltes” leisten muss und 45,4 Millionen Euro einsparen wird. Betroffen sind dabei auch zwei “Black Hawk Beschaffungsvorhaben”:

  • Beschaffung II: Die Modernisierung der Transporthubschrauber S-70 „Black Hawk“ wird heuer nicht umgesetzt. Summe: 6 Mio. Euro
  • Beschaffung III: Darüber hinaus sind zusätzliche Beschaffungen (3 Transporthubschrauber S-70 “Black Hawk” und 36 “Dingo”) nicht machbar.

Trotz dieser bedauerlichen, aber vorhersehbaren Entwicklung lassen wir den Rest des Artikels unverändert.

Die Beschaffung der österreichischen Black Hawks erfolgte im Dezember 2000 als Reaktion auf das Lawinenunglück von Galtür 1999. Schon damals wollte man mindestens 12 Hubschrauber beschaffen, orderte jedoch aus Kostengründen nur 9 Stück. Man sicherte sich aber vertraglich die Option auf eine Auftragserweiterung um 3 weitere Hubschrauber um rund 50 Mio. Euro. Immer wieder drängten die Fliegertruppe und auch die Oppositionsparteien auf die Ausnutzung der Option.

Im Jahr 2007 näherte sich die Produktion des in Österreich betriebenen Modells S-70A / UH-60L dem Ende. Längst war die Serienherstellung des Nachfolgemodells UH-60M in Anlaufen. Aus diesem Anlass bot Sikorsky dem Bundesheer an, die letzte Chance für einen Abruf der Option zu nutzen. Der niedrige Stückpreis von 12 Mio. Euro ergab sich auch aufgrund eines besonders günstigen Dollarkurses. Ex-Minister Darabos, der die Maschinen damals aus Rücklagen finanzieren hätte können, konnte sich zur Beschaffung nicht durchringen.

Sprung ins Jahr 2013. Österreich hat gerade eine weitere Jahrhundertflut hinter sich und Minister Klug präsentiert ein „Schutz und Hilfe Paket“. Darin ist auch die Aufstockung der Black Hawk Staffel um drei weitere Maschinen vorgesehen. Im August wird der Generalstab beauftragt, die Aufstockung auf zwölf Helikopter zu prüfen.

Am 05. Dezember 2013 informierte schließlich die US Defense Security Cooperation Agency den US Kongress über den möglichen Verkauf von drei H-60M Black Hawk Hubschrauber im Paket mit Zusatzausrüstung, Simulator, Trainingsleistungen und Logistik mit Schätzkosten in der Höhe von 137 Mio. Dollar (etwa 100 Mio. Euro). Darin enthalten:

  • 3x UH-60M Black Hawk
  • 3x Aircraft Survivability Equipment (ASE) – Selbstschutzsysteme
  • 7x T700-GE-701D Triebwerke (davon 1 Ersatztriebwerk)
  • 3x Aviation Mission Planning Systems
  • 1x Transportabler Black Hawk Operations Simulator (T-BOS)
  • 8x AN/AVS-9 Night Vision Goggles (Nachtsichtbrillen)
  • 1x Aviation Ground Power Unit
  • 8x Embedded GPS (Global Positioning Systems) mit Trägheitsnavigationssystem
  • Kommunikationssysteme: AN/ARC-231, AN/ARC-210, AN/ARC-220 und AN/ARC-201D Radios, Identification Friend or Foe (IFF) Systeme, AN/VRC-92 SINCGARS
  • Sonstiges: Ersatzteile, Dokumentation, Trainingsausrüstung und Trainingsleistungen, Werkzeuge und Testgeräte, technischer und logistischer Support.

Klingt eigentlich bereits recht konkret. Doch bereits kurz nach Bekanntwerden der Anfrage rudert man im Verteidigungsministerium wieder zurück. Denn die Gesamtkosten von rund 100 Mio. Euro liegen deutlich über den Wert der ursprünglichen Vertragsoption und Welten über dem Last-Chance Angebot aus 2007. Zum einen ist dies auf das umfangreichere Paket inkl. einem längst fälligen Simulator zurückzuführen. Die Beschaffung eines Simulators – hier geht es um ein recht einfaches mobiles Flight Training Device (FTD) – wurde 2001 sogar vom Rechnungshof eingefordert, um Ausbildungskosten zu sparen. Der erwähnte „Transportable Black Hawk Operations Simulator“ (T-BOS) von Rockwell Collins, dem Hersteller des Cockpits, wird auch von der US Army verwendet.
Die eigentliche Ursache der Mehrkosten liegt aber darin, dass die österreichische Version des UH-60L mit der Bezeichnung S-70A-42 natürlich längst nicht mehr lieferbar ist. Der angefragte UH-60M ist der modernere und leistungsfähigere Nachfolger.
Um einen logistischen Alptraum zu vermeiden müssten die bestehenden neun S-70A-42 auf den Stand UH-60M aufgerüstet werden. Es sieht derzeit nicht danach aus, als ob dieses Upgrade der gesamten Flotte in obigen Preis enthalten wäre, denn auch diese Maßnahme wird einige Millionen verschlingen.

Wie das Ministerium am 09. Dezember 2013 ausrichten lässt, befindet man sich derzeit noch bei der “Sondierung“. 100 Mio. Euro wolle man nicht ausgeben und lieber am Markt nach gebrauchten Maschinen suchen. Doch auch hier das gleiche Problem: gebrauchte Maschinen, die dem Standard S-70A-42 entsprechen, gibt es nicht. Man kann nur versuchen, möglichst gleiche Maschinen zu finden und diese dann umbauen.

Und so droht dieser neuerliche Anlauf, die Black Hawk Staffel tatsächlich auf Staffelgröße zu vergrößern und endlich auch einen Simulator zu beschaffen, erneut am Geldmangel zu scheitern. Gerade vor dem Hintergrund der derzeit laufenden Koalitionsverhandlungen, wo man versucht gewaltige Budgetlöcher mit kleinen Pflastern zu stopfen (oder eigentlich nur zu verdecken), sind größere Beschaffungsvorhaben schwer unterzukriegen. Eine Kaufentscheidung ist jedenfalls in den nächsten Wochen nicht zu erwarten.
Wir würden uns allerdings sehr freuen, 6M-BJ, 6M-BK und 6M-BL bald in Langenlebarn begrüßen zu dürfen.

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