DÄDALUS 2012 – SCHUTZSCHIRM FÜR DAVOS

3. Februar 2012

BUNDESHEER, REPORTAGEN

Eurofighter Typhoon 7L-WC - Austrian Air ForceEurofighter Typhoon 7L-WC ist Teil des Schutzschirms für das WEF 2012 in Davos © Werner P

Bereits zum neunten Mal beteiligte sich das Österreichische Bundesheer an der Luftraumsicherung für das Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum – WEF) im schweizerischen Davos. Das WEF 2012 fand im Zeitraum vom 24. bis 29. Jänner 2012 statt und war das bislang größte Weltwirtschaftsforum. Etwa 40 Staats- und Regierungschefs sowie 2.600 einflussreiche Personen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutierten über die großen Herausforderungen unserer Zeit.

Auch wenn keine konkrete terroristische Bedrohung für das WEF 2012 bekannt war, sind derartig hochrangige Treffen verlockende Ziele für Terroristen. Eine Bedrohung geht auch von gefährlichen Störaktionen gewaltbereiter Demonstranten bzw. Aktionisten aus.
Seit den Angriffen auf das World Trade Center und das Pentagon mit Passagierflugzeugen am 11. September 2001 werden Großveranstaltungen nicht nur am Boden, sondern auch in der Luft abgeschirmt. Bekannte Beispiele aus Österreich sind die Fußball-EM 2008 oder Österreichs EU-Ratspräsidentschaft inkl. dem EU / USA Gipfeltreffen im Jahr 2006.

Dementsprechend wurde auch heuer wieder um Davos eine Flugverbotszone von 25 nautischen Meilen, d.h. etwa 46 Kilometer Radius errichtet. Dieses “Temporary Restricted Area” reicht auch weit in das österreichische Staatsgebiet hinein, weshalb sich das Bundesheer an der Luftraumsicherungsoperation für das Weltwirtschaftsforum beteiligt, um den Schweizer Bemühungen um einen sicheren Ablauf nicht mit einer offenen Flanke entgegenzuwirken.

EIN EINGESPIELTES TEAM …

Bereits zum neunten Mal wurde zur Unterstützung des WEF durch das Bundesheer eine Luftraumsicherungsoperation durchgeführt. DÄDALUS 2012 lautet der Name der österreichischen Operation, benannt nach einem Universalgenie der griechischen Mythologie, der mit seinem glücklosen Sohn Ikarus mit Flügeln aus Wachs und Federn aus der Gefangenschaft floh.
Das schweiz-österreichische Teamwork rund um das WEF funktioniert mittlerweile perfekt. Es hat sich auch mittlerweile herumgesprochen, dass der Einsatz von beiden Seiten ernst genommen wird. Die Zahl der Zwischenfälle sank gegenüber den ersten Jahren deutlich ab. Jede Verletzung des gesperrten Luftraums wird entdeckt und führt in der Regel rechtliche Konsequenzen nach sich. Abgefangenen und damit eindeutig identifizierten Piloten droht ein Verwaltungsverfahren durch die zivilen Behörden.

… AM BODEN

Eine Luftraumsicherungsoperation wie DÄDALUS 2012 ist mit hohem technischem und personellem Aufwand verbunden. Zusätzlich zur permanenten passiven Luftraumüberwachung durch die Großraum-Radaranlagen des Systems “Goldhaube” wurde der Luftraum über Tirol und Voralrberg durch drei mobile Aufklärungs- und Zielzuweisungsradargeräte (AZR) , drei Skyguard Feuerleitgeräte der Fliegerabwehr, zwei Flugmeldetrupps und zwei mobile Funkfluganlagen überwacht. Die Daten laufen in der Führungszentrale in St. Johann im Pongau (Salzburg) zusammen. Von dort aus erfolgt ein direkter elektronischer Datenaustausch mit der Schweizer Luftwaffe. Nur durch ein derart verdichtetes Überwachungsnetz stellt man sicher, dass sich keine Eindringlinge im Radarschatten von Bergkämmen heranpirschen können.

… IN DER LUFT

Als aktives Element der Luftraumsicherung wurden vier Typen von bewaffneten Luftfahrzeugen eingesetzt, um den Luftraum über Tirol und Vorarlberg zu sichern. Damit war gewährleistet, in allen Höhenlagen sowohl auf langsam als auch auf schnell fliegende Ziele reagieren zu können. Besonders langsame und bodennahe Eindringlinge werden von bewaffneten Hubschraubern Bell OH-58B Kiowa abgefangen. Der Pilatus PC-7 und der Saab 105Oe werden die etwas schnelleren Zielen in niedriger und mittlerer Flughöhe zugeteilt. Für Abfangeinsätze gegen schnelle Eindringlinge in mittlerer bis großer Flughöhe werden Eurofighter Typhoons bereitgehalten. Dank ihres leistungsfähigen CAPTOR Radars können die Typhoons auch zur Überwachung des Luftraums eingesetzt werden und so die bodengestützten Sensoren ergänzen. Dank der Look-Down Fähigkeit des CAPTOR kann der Typhoon auch in die tiefsten Alpentäler blicken.
Zusätzlich standen für Transportaufgaben, Übungseinlagen und mögliche Rettungseinsätze Pilatus PC-6 Turbo Porter und Hubschrauber der Typen Sikorsky S-70A-42 Black Hawk, Agusta Bell AB 212 und Sud-Aviation SA 316B Alouette III bereit.

Während der Tagung befanden sich beinahe durchgehend Hubschrauber und Flächenflugzeuge des Bundesheeres im Luftraum über Westösterreich. Bei so viel Action in der Luft wird Sicherheit groß geschrieben. Eine 24 Mann starke Einsatzgruppe, das “Emergency Response Team Air (ERTA)“, stand für die Erstbewältigung eines Luftunglücks bereit.

LUFTRAUMSICHERUNG ÜBER DER SCHWEIZ

Zum Schutz des Weltwirtschaftsforums waren etwa 3.000 Mann der Schweizer Armee im Einsatz. Die Bodentruppen schützten und überwachten Infrastruktureinrichtungen in den Bereichen Verkehr, Strom- und Wasserversorgung, stellten einen wesentlichen Teil der Logistik sicher und unterstützten die medizinischen Vorsorgemaßnahmen. Die Schweizer Luftwaffe setzte als aktives Element zur Luftraumsicherung über der Schweiz die Typen McDonnell Douglas F/A-18C/D Hornet, Northrop F-5E/F Tiger II und Pilatus PC-7 ein. Die Hornets waren neben AIM-9 Sidewinder auch mit AIM-120 AMRAAM Mittelstrecken-Lenkwaffen bewaffnet und setzten für ihre Überwachungsaufgaben teilweise auch den Lockheed Martin AN/AAS-38B ‘Nite Hawk’ FLIR- und Laserzielerfassungs-Pod ein. Die Sparte Lufttransport stellte Helikopter der Typen Aérospatiale Super Puma, Eurocopter AS.532UL Cougar und Eurocopter EC635 für das WEF ab. Ihre Aufgabe war vor allem der Personentransport und die Unterstützung der Zivilbehörden.

OHNE BESONDERE VORKOMMNISSE

Das Weltwirtschaftsforum 2012 verlief ohne ernste Zwischenfälle oder Unfälle. Laut offizieller Presseerklärung der Schweizer Armee wurden während des WEF neun Verletzungen der Sperrzone im Schweizer Luftraum und eine auf österreichischer Seite festgestellt. Unbestätigten Meldungen zufolge wurde zumindest eine Maschine in der Schweiz zur Landung gezwungen. Soweit bekannt steckte hinter keinem der Zwischenfälle eine böse Absicht. Piloten von Kleinflugzeugen verletzen immer wieder temporär gesperrte Lufträume, wenn sie sich vor dem Start nicht ausreichend über ihre Flugroute informieren oder Navigationsfehler begehen.

Insgesamt waren an der Operation DÄDALUS 2012 etwa 1.100 Soldatinnen und Soldaten des Bundesheeres beteiligt. Die Kosten für die Operation betrugen laut Verteidigungsministerium etwa 600.000 Euro. Das sind jedoch lediglich die Kosten über den Regelbetrieb hinaus – z.B. für die zu leistenden Überstunden, Verpflegung und Einquartierung. Die teuren Flugstunden etwa werden vom jährlich zu fliegenden Stundenkontingent, das aus Gründen der Fähigkeitserhaltung verpflichtend zu absolvieren ist, abgezogen. Die jährliche DÄDALUS Operation gilt gleichzeitig auch als wichtige Übung der Luftstreitkräfte. Am Rande des Einsatzes werden immer wieder Übungseinlagen durchgeführt.

Die Kosten der Operation werden vom jeden Land selbst getragen. Österreich bekommt keinen Kostenersatz, kann aber im Falle einer Großveranstaltung in Österreich auf das gleiche Service durch die Schweizer Luftwaffe vertrauen. Die Finanzierung erfolgt zulasten des Heeresbudgets.

GALERIE DÄDALUS 2012

Weiterführende Links:

Wir bedanken uns bei den fleißigen Spottern, die uns großartige Fotos vom Einsatz zur Verfügung gestellt haben: Werner P, doncorleone117,  L. Isch (swiss-wings.ch) und Werner Stucki. Bitte beachten Sie die Copyright-Angaben.

Bookmark/FavoritesFacebookTwitterEmailPrintBeitrag empfehlen

, , , , , , , , , , , , , ,

BLEIBEN WIR IN VERBINDUNG!

Abonnieren Sie unsere Updates oder melden Sie sich [hier] für unseren eMail Newsletter an.