MINI-DROHNEN FÜR DAS BUNDESHEER?

11. Juni 2012

BUNDESHEER, NEWS

AeroVironment RQ-11B RavenAufklärungsdrohne für den Nächstbereich – AeroVironment RQ-11B Raven

Drohnen sind längst keine High-Tech-Wunder mehr, die nur den großen Armeen der Welt vorbehalten sind, sondern gehören heute zur Standardausrüstung. Tatsächlich ist das Österreichische Bundesheer eine der letzten Streitkräfte Europas, dass noch keine unbemannten Fluggeräte einsetzt. Doch das soll sich bald ändern.

Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) hat für 2013 den reichlich späten Einstieg in das Drohnen-Zeitalter angekündigt. Konkret wurde die Beschaffung von sechs Drohnen-Systemen (je 2 bis 4 Fluggeräte) um etwa 2 Millionen Euro eingeleitet. Laut Darabos sollen die Drohnen zum Schutz der Soldaten im Auslandseinsatz, für die Katastrophenhilfe und auch für die Grenzraumüberwachung eingesetzt werden.

Sehen wir uns an, um was es gehen könnte. Beim kolportierten Invest und den genannten Stückzahlen kommt man auf etwa EUR 330.000,- pro System. Umgelegt zwischen 80.000,- und 170.000,- Systemkosten pro fliegender Sensorplattform. Angesichts dieser bescheidenen Zahlen und der Umschreibung als “Modellflugzeuge” geht es um den Ankauf von tragbaren Aufklärungsdrohnen für den Nächstbereich – um SUAV (Small Unmanned Aerial Vehicle).

TRAGBARE DROHNEN-SYSTEME

Die tragbare Drohnen-Systeme gehören zu der am weitesten verbreiteten Leistungsklasse der unbemannten Fluggeräte. Jede Armee, der das Leben der eingesetzten Soldaten etwas wert ist, setzt sie ein. Ein System besteht zumeist aus einem Laptop-artigen Steuereinheit, einer Antenne und aus mindestens zwei zerlegbaren Fluggeräten in Kisten. Viele der SUAV werden wie ein Papierflieger in die Luft geworfen oder benötigen ein kleines Katapult für den Start. Zur Bedienung reichen meist 2 Mann aus.

Die Reichweite bzw. Einsatzdauer, die Flughöhe, die Geschwindigkeit und das max. mögliche Gewicht des Sensorpakets (und damit dessen Leistung) sind in dieser Klasse stark eingeschränkt. Aber Drohnen zur Aufklärung im Nächstbereich liefern die Antworten auf so wichtige Fragen wie: Was befindet sich hinter dem nächsten Hügel? Welche Überraschung wartet auf mich um die nächste Straßenecke? Dabei ist der Kommandant vor Ort nicht auf die Anforderung externer Unterstützung angewiesen, sondern hat die Drohne selbst „im Gepäck“ und nach wenigen Minuten die Antworten, die er benötigt.

Das derzeit erfolgreichste Modell in dieser Drohnen-Klasse ist die AeroVironment RQ-11 Raven. Anand dieses Typs wollen wir zeigen, was Aufklärungssysteme für den Nächstbereich leisten und was sie kosten.

Die Entwicklung der Raven startete bereits Ende der 1990er Jahre. Sie wurde 2003 bei den US Streitkräften eingeführt. Die Konflikte im Irak und in Afghanistan führten zu einer raschen Verbreitung. Bis Anfang 2012 wurden etwa 19.000 Ravens der Version RQ-11A und RQ-11B ausgeliefert. Wir konnten uns selbst bei einer Vorführung einer tschechischen Drohne ein Bild von der Raven machen und waren vom geringen Geräuschpegel überrascht.

Technische Daten AeroVironment RQ-11B Raven

Hersteller: AeroVironment, Inc (USA)
Abmessungen: Länge 0,9 m / Spannweite: 1,4 m
Gewicht: 1,9 kg
Motor: Aveox 27/26/7-AV Elektromotor
Geschwindigkeit: 32-81 km/h
Flughöhe: 30-152 m über Grund
Reichweite: 10 km; 60-90 Minuten Flugzeit mit Akkus, 80-110 Minuten mit Einweg-Batterien
Nutzlast: Die Raven liefert Echtzeit Farb- oder einfache Infrarot-Filmaufnahmen zur Bodeneinheit und kann auch Bodenziele mit Infrarot Laser beleuchten – in Summe etwa 184 Gramm Nutzlast.

Die Drohne wird ist in wenigen Minuten ausgepackt und einsatzbereit und wird von Hand gestartet. Das SUAV wird wie ein Modellflugzeug geflogen. Der Flugpfad kann aber auch über GPS Wegepunkte vorprogrammiert werden, wobeu der Operator jederzeit händisch eingreifen kann. Die Landung kann man sich als kontrollierter Absturz uas geringer Höhe und mit geringer Geschwindigkeit vorstellen.

Die Kosten der Raven: Spanien zahlte beim Ankauf von neun RQ-11B Systemen zu je drei Drohnen und je zwei Steuergeräten etwa 344.000 Euro pro System. Das liegt knapp über den Rahmen, den man sich im BMLVS vorstellt. Der Preis ist natürlich von der Stückzahl und dem gewählten Package abhängig.

Da die Raven ursprünglich aus einer Zeit stammt, in der ein iPhone noch Zukunftsmusik war, wird sie laufend verbessert. Das letzte Update machte aus ihr die RQ-11B digital.

Sollten die Drohnen tatsächlich kommen (diskutiert wurde ja schon öfter), dann werden sie vermutlich nicht den Luftstreitkräften, sondern bei den Aufklärungs- und Artilleriebataillonen eingegliedert. In der Zielstruktur der drei bestehenden AAB ist eine “Technische Aufklärungskompanie” und darin ein UAV-Zug vorgesehen.

Um die Beschaffung vorzubereiten wurden durch die Heerestruppenschule / Institut Aufklärung (HTS/InstAufkl) bereits mehrtägige Firmenerprobungen der größeren Hubschrauber-Dohne Camcopter S-100 von Schiebel sowie der kleineren Typen Raven und Puma von AeroVironment am TÜPl Allentsteig durchgeführt.

TYPISCH ÖSTERREICHISCH

Bloß keine Panikmache. Unter diesem Motto wurde die Botschaft übermittelt, dass das Heer an die Beschaffung von UAV denkt. Sofort wird gleichzeitig beschwichtigt:

Unsere Drohnen sind auf jeden Fall keine Waffenträger“, erklärte Minister Darabos “Es wird keine Drohnen in Österreich geben, die ein ähnliches Potenzial haben wie Drohnen der US-Armee beispielsweise in Pakistan. Damit ist nun hoffentlich klargestellt, dass das Bundesheer nicht an die Anschaffung von richtigen Waffensystemen denkt. Wo kämen wir denn dann hin?

Um den Ankauf gegenüber der Bevölkerung zu rechtfertigen war dem Ministerium der Schutz der im Ausland eingesetzten Truppe nicht gut genug. Daher wurden auch weniger martialische Einsatzmöglichkeiten dargestellt: Grenzraumüberwachung, Such- und Rettungseinsätze, Naturkatastrophen. Aufgrund der geringen Leistungsdaten der kleinen Drohnen und vor allem auch aufgrund deren Anfälligkeit gegen Wind und Niederschläge sind aber tragbare Systeme kaum für solche Missionen geeignet. Dafür müssten größere und leistungsfähigere (und teurere) Fluggeräte beschafft werden, wie sie viele mit Österreich vergleichbaren Staaten bereits betreiben oder gerade beschaffen. Verschwiegen wird auch, dass der Einsatz von Drohnen im freien Luftraum über Österreich derzeit rechtlich noch gar nicht möglich ist.
Seitenblick: Das Innenministerium möchte von einem Drohneneinsatz zur Grenzraumüberwachung nichts wissen. Der Heereseinsatz im Burgenland ist nicht mehr erforderlich.

EINIGE IMPRESSIONEN

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