KPZ LEOPARD – UMBAUTEN LOHNEN SICH

9. Januar 2012

BUNDESHEER, NEWS, WEITERE THEMEN

Pionierpanzer Kodiak mit MinenpflugPionierpanzer Kodiak mit Minenpflug © Rheinmetall Defence

Das Österreichische Bundesheer führte ab 1997 insgesamt 114 Kampfpanzer vom Typ Leopard 2A4 ein. Die Panzerfahrzeuge wurden damals gebraucht von den Niederlanden übernommen. Im November 2011 wurde bekannt, dass im Zuge des Sparpakets die Panzertruppe des Bundesheeres erheblich reduziert wird. Im Falle des Leopard 2A4 wird der Bestand auf 56 Stück heruntergesetzt. 58 Kampfpanzer sollen veräußert werden.

40 Stück hat sich bereits der Hersteller, der deutsche Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG (KMW) gesichert. KMW zahlt für die mittlerweile fast 30 Jahre alten Leoparden 400.000 Euro pro Stück – d.h. insgesamt 16 Mio. Euro. Es handelt sich um 37 Kampfpanzer und 3 Fahrschulpanzer, die anstelle des Turms einen verglasten Aufbau tragen.
Doch warum greift KMW so rasch zu? Das Münchner Unternehmen versucht den Markt für gebrauchte Leoparden unter Kontrolle zu halten. Die Version A4 entspricht zwar nicht mehr modernsten Standards, sie eignet sich jedoch hervorragend als Ausgangsbasis für Umbauten. Ein lukrativer Markt, an dem bereits einige Unternehmen mitnaschen. Nach dem Umbau verkauft KMW die Panzer um gutes Geld an eines der vielen Länder weltweit, die nach wie vor an dem ausgezeichneten Fahrzeug interessiert sind.

Unabhängig von den konkreten Umbauplänen für die österreichischen Leoparden möchten wir im folgenden beispielhaft aufzeigen, was man aus dem A4 machen kann.

BERGEPANZER 3 BÜFFEL

Der Büffel (Armored Recovery Vehicle ARV Buffalo) ist der schwere Bergepanzer der Leopard 2 Familie. Wo es möglich ist verwendet das Kampfunterstützungsfahrzeug die Bauteile des Kampfpanzers, wodurch ein Umbau eines A4 zum Bergepanzer leicht möglich ist und auch schon von anderen Ländern vorexerziert wurde. Das Bundesheer hatte temporär bereits drei Büffel aus den Niederlanden angemietet.
Militärischer Einsatz
: Bergen und Abschleppen auch der schwersten Heeresfahrzeuge möglich. Unterstützung von Instandsetzungsarbeiten im Feld. Unterstützung beim Wechsel eines Leopard 2 Triebwerks oder eines kompletten Turms.
Einsatz bei der Katastrophenhilfe
: Schweres Bergegerät mit hoher Standfestigkeit und hoher Geländegängigkeit. Einsatz bei z.B. nach Unfällen mit schweren LKWs oder Zugsunglücken, etc.

Hersteller: Rheinmetall Defence und Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG (Fahrgestell)
Besatzung: 3 Mann
Gefechtsgewicht: 53,4 t
Ausstattung:
Hauptwinde Zugkraft: Spillwinde 35 t (350 kN), 70 t (700 kN) mit Umlenkrolle, 105 t mit 2 Umlenkrollen; Seillängen: 180 m mit 33 mm Durchmesser, 280 m mit 7 mm Durchmesser
Hilfswinde Zugkraft: 6,5 kN
Krananlage: Hublast: 30 t; maximaler Schwenkbereich der Krananlage: 270°; maximale Zugkraft am Haken: 295 kN
kombiniertes Räum- und Stabilisierungsschild
Elektroschweißanlage und diverse Werkzeuge für Reparaturen im Feld

PIONIERPANZER 3 KODIAK

Der Kodiak (Armoured Engineering Vehicle AEV Kodiak) ist der Pionierpanzer der Leopard 2 Familie. Wie der Büffel basiert auch dieses Kampfunterstützungsfahrzeug auf dem Fahrgestell des Kampfpanzers Leopard und eignet sich in gleicher Weise für Umbauten.
Militärischer Einsatz
: Anlegen oder Beseitigen von Hindernissen auf dem Gefechtsfeld, Anlegen von Deckungen / Feldbefestigungen, Durchbrechen von Minensperren, Durchbrechen von Straßensperren unter Panzerschutz (siehe Kosovo)
Einsatz bei der Katastrophenhilfe
: Beseitigen von Schlammmassen nach Hochwässern oder Schneemassen, Freimachen von Straßen nach Lawinen- oder Muren-Abgängen, etc.

Hersteller: Rheinmetall Defence und RUAG Land Systems AG. Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG für das Fahrgestell
Besatzung: 3 Mann
Gefechtsgewicht: MLC70
Ausstattung:
Knickarmbagger in Mittenanordnung mit Schnellwechseleinrichtung zum Einsatz zusätzlicher pionierspezifischer Werkzeuge
Räum- und Stützschild
2 x 9 t Spillwinde (Mehrfachzug bis 62 t)
Umrüstsatz Minendurchbruch

PANZERSCHNELLBRÜCKE 2 LEGUAN

Die Panzerschnellbrücke Leguan auf Basis des Leopard 2 kann in wenigen Minuten eine 26 Meter lange Brücke oder zwei 14 Meter lange Brücken verlegen. Die Brücken verfügen dabei über eine Tragfähigkeit von bis zu MLC 80.
Militärischer Einsatz / Einsatz bei der Katastrophenhilfe
: rasches Überbrücken von Gräben und kleinen Flüssen; kurzfristiger Ersatz zerstörter Infrastruktur (Nach Sprengungen oder Naturkatastrophen)

Hersteller: Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG
Besatzung: 2 Mann
Gefechtsgewicht: 62,5 t
Ausstattung: automatisches LEGUAN Brückenlegesystem

KAMPFWERTSTEIGERUNGEN

Grundsätzlich lässt sich der Kampfpanzer Leopard 2A4 auch zu den derzeit modernsten Kampfpanzer-Versionen, wie etwa dem Leopard 2A7+ oder dem Leopard PSO (Peace Support Operations), hochrüsten. Allerdings wäre der technische Aufwand enorm und geht für viele Nutzer am Bedarf vorbei. Für die weit verbreitete Version A4 existieren eine Reihe von Upgrade-Paketen, die den Kampfpanzer für typische Einsätze im 21. Jahrhundert fit machen sollen. Die hier vorgestellten Upgrade Pakete haben gemeinsam, dass sie das Hauptaugenmerk auf den Schutz der Besatzung bei asymmetrischen Bedrohungen legen und nicht auf die Duellfähigkeit für den Kampf Panzer gegen Panzer. So verzichtet man z.B. auf die für den Leopard 2 verfügbare durchschlagsfähige L/55 Panzerkanone.

Fallbeispiel Kanada: Leopard 2A4M CAN
Der A4M CAN (Canada) ist ganz auf die Bedürfnisse des kanadischen Afghanistan-Einsatzes zugeschnitten. Kanada war gerade dabei den Kampfpanzer für veraltet zu erklären, als der Einsatz in Afghanistan nach einem gut geschützten und sehr geländegängigen Kampffahrzeug zur direkten Feuerunterstützung verlangte. Die ehemals niederländischen Leopard A4 wurden bei KMW mit dem Minenschutz und der Zusatzpanzerung aktueller Leoparden ausgestattet. Spall Liner im Kampfraum verbessern den Minenschutz zusätzlich. Weitere Verbesserungen sind ein digitaler-elektrischer Turmantrieb, hydraulische Kettenspanner, verbesserte Stoßdämpfer und Bremsen, ein ECM-System, neue Bediengeräte für Kommandant und Ladeschützen, ein neues Brandbekämpfungssystem, Wärmebildkameras für Fahrer (vorne+hinten), Klimaanlage mit Kühlwesten für Besatzung sowie Vorbereitungen für den Einsatz von Minenräumpflügen. Das Gefechtsgewicht erreicht so 61,8 Tonnen. Verantwortlich für den Umbau war die Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG selbst.

Fallbeispiel Singapur: Leopard 2A4 SGP
Singapur kaufte 96 Leopard 2A4 aus deutschen Beständen. 30 dienen dem Inselstaat lediglich als Ersatzteillager. Einige Panzer wurden mit dem Evolution-Paket des deutschen Panzerschutz-Experten IBD Deisenroth Engineering ausgerüstet. Nationaler Partner ist ST Kinetics. Weitere Kampfwertsteigerungen sind geplant. Insbesondere ist man am aktiven Schutzsystem ADS (Active Defence System) von Rheinmetall Defence interessiert.
Wie weit das Upgrade des A4 noch gehen kann zeigt Rheinmetall Defence mit dem modular aufgebauten MBT Revolution Konzept. Es beinhaltet neben der beschriebenen Schutzmodule ein neues digitales Turmsystem, ein modernes Feuerleitsystem, ein neu entwickeltes Kommandanten-Periskop, Sensorik zur Erhöhung der Situational Awareness, ferngelenkte Waffenstationen, neue Munitionsarten, Klimatisierung, neue Stromerzeugungsaggregate usw.

Fallbeispiel Türkei: Leopard 2NG (Next Generation)
Der türkische Rüstungskonzern Aselsan hat das Leopard 2NG (Next Generation) Upgrade-Paket entwickelt. Es besteht aus einer ballistischen Zusatzpanzerung, Minenschutz, einem modernen Feuerleitsystem, einem elektrischen Turmantrieb, einer ferngesteuerte Waffenstation, einem Laserwarnsystem, einem Battlefield Management System und ein Wärmebildgerät für den Fahrer. Das Fahrzeuggewicht steigt durch die Umbauten auf 65 Tonnen. Am NG Paket sind die Türkei und Finnland interessiert.

AUCH FÜR ÖSTERREICH?

Nach Abzug der 40 Panzer für KMW verbleiben derzeit 18 als überzählig angesehene Fahrzeuge in Österreich, die, anstatt sie zu verkaufen, als Ersatzteilspender oder als Basis für Umbauten zu Kampfunterstützungsfahrzeugen dienen könnten.
Insbesondere Büffel Bergepanzer und Kodiak Pionierpanzer wären auch für das Bundesheer interessant. Wie dargestellt erfüllen diese Typen nicht nur rein militärische Zwecke, sie wären auch wertvolle Ausrüstung für die Katastrophenhilfe. Im Falle einer Einführung des BPz Büffel beim Bundesheer könnte man zudem die vorhandenen, aber weniger leistungsfähigen Bergepanzer M88A1 außer Dienst stellen. So ließe sich die Anzahl der beim Heer verwendeten Panzertypen weiter reduzieren.
Mit dem PiPz Kodiak stünde dem Heer Pioniergerät zur Verfügung, das deutlich leistungsfähiger wäre als die vorhandenen Pionierpanzer A1 (4KH 7FA). Ein Minenpflug existiert für diese leichten Panzer nicht. Die PiPz A1 könnten im Gegenzug reduziert oder ebenfalls außer Dienst gestellt werden. Da das Heer die Leopard-Fahrgestelle bereits (noch) besitzt wäre die Beschaffung günstiger.

Der Kampfpanzer erfüllt auch heute noch im militärischen Krisenmanagement wichtige Aufgaben. Er erhöht die Durchsetzungsfähigkeit und die Überlebensfähigkeit der eingesetzten Truppe. Im Libanon bilden französische Leclerc die eiserne Faust der UN Schutztruppe. In Afghanistan sichern Kampfpanzer Konvois und leisten direkte Feuerunterstützung.  Aufgrund des niedrigen Schutzniveaus sind die österreichischen Kampfpanzer Leopard 2A4 ohne Kampfwertsteigerungen für solche Auslandseinsätze nicht mehr geeignet. Da ständige kleinere Investitionen in die Leoparden nahezu ausgeblieben sind, wäre nun eine gößere Kraftanstrengung nötig.

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