VON KANONEN UND PRÄSIDENTEN

1. Juli 2012

BUNDESHEER, REPORTAGEN

Kampfpanzer Leopard 2 A4 der Kampfgruppe 35 © Doppeladler.comKampfpanzer Leopard 2 A4 der Kampfgruppe 35 © Doppeladler.com

21. Juni 2012. In den frühen Morgenstunden dringen schwer bewaffnete Rebellen der Redland Tigers in die entmilitarisierte Zone (EMZ) ein. Ihr Angriffsziel ist die Hauptstadt, um den demokratisch gewählten Präsidenten zu stürzen. Eine Aufklärungskompanie der multinationalen Schutztruppe, die in den letzten beiden Wochen diesen Abschnitt der EMZ überwacht hatte, entgeht der Rebellenvorstoß freilich nicht.
Vorsorglich wurde die EU geführte Truppe von den Vereinten Nationen mit einem robusten Mandat ausgestattet – wie bereits im Tschad ist der Waffeneinsatz zur Durchsetzung militärischer Notwendigkeiten erlaubt.
Für diesem Bereich verantwortlich ist die Kampfgruppe 35. Der Kampfgruppenleiter erhält neue Befehle …

So aktuell dieses Lagebild klingt – es handelt sich glücklicher Weise nur um das fiktive Szenario für ein Kampfgruppenschießen der 3. Panzergrenadierbrigade. Die EMZ ist der Truppenübungsplatz Allentsteig und die zu schützende Hauptstadt heißt Zwettl. Etwa 500 Soldaten der Dritten spielten vom 18.bis 21. Juni 2012 das Szenario in fünf Konfliktphasen durch.

Ein Präsident spielte aber tatsächlich an jenem Tag eine Hauptrolle. Bundespräsident Dr. Heinz Fischer besuchte gemeinsam mit Generalstabschef Edmund Entacher den Höhepunkt des Kampfgruppenschießens – das Gefechtsschießen aller verbundener Waffen im scharfen Schuss. Auch DOPPELADLER.COM war dabei.

STURM AUF KÜHBACH

Wie in der Einleitung angedeutet, erhält die Kampfgruppe 35, die zur Gänze aus Einheiten des Österreichischen Bundesheeres besteht, den Auftrag, den Rebellenvorstoß auf Zwettl zu stoppen.
Die Kampfgruppe ist dafür durchaus gut aufgestellt – sie besteht nicht nur aus der bereits erwähnten Aufklärungskompanie zu 4 Zügen, die sich aufgrund der starken Rebellenkräfte, die auch mit Panzerunterstützung vorgehen, aus dem Raum zurückzieht. Im Gegenzug bezieht die Jägerkompanie der Kampfgruppe, bestehend aus 4 Jägerzügen und einem Panzerabwehrlenkwaffenzug Riegelstellungen und kanalisiert den Vorstoß der Redland Tigers in die Gegend rund um die verlassene Ortschaft Kühbach.
Die für Gegenstöße vorbehaltene Einsatzreserve bildet eine mechanisierte Kompanie, bestehend aus zwei Panzerzügen (8 Kampfpanzer Leopard 2A4), einem Panzergrenadierzug (auf Schützenpanzer Ulan) und einer Panzerpioniergruppe auf Schützenpanzer SPz A1 “Saurer”. Zur Feuerunterstützung kann der Kampfgruppenkommandant auf eine Panzerhaubitzen-Batterie mit zwei Geschützstaffeln (insgesamt 8 M-109A5Ö) und einem schweren Granatwerferzug mit 6 12 cm Granatwerfern 86 zurückgreifen. Eine Pionier-Übersetzkompanie mit einem Fährenzug steht bereit, falls es ein Gewässer zu überqueren gilt.
Die Kampfgruppe 35 wird durch Saab 105 Oe, Bell OH-58B Kiowa, Sikorsky S-70A-42 Black Hawk und Alouette III aus der Luft unterstützt. Ein Fliegerleittrupp sorgt für die Koordination der Luftnahunterstützung.

Die folgenden Bilder zeigen den koordinierten Gegenstoß auf die Ortschaft Kühbach, in der sich die Rebellen nach erfolglosen Verhandlungen zu ihrem Rückzug verschanzt haben und auf alles feuern, was sich bewegt. Das Kampfgruppenschießen erfolgt im scharfen Schuss, daher auf Zielscheiben und aus Sicherheitsgründen natürlich auch in einiger Entfernung. Ein Vorgehen nach taktischen Überlegungen stand gegenüber einer Show im Vordergrund. Dennoch sind ein paar interessante Schnappschüsse gelungen.

GALERIE

Das gemeinsame Gefecht verschiedener Waffengattungen – hier Infanterie, Panzer, Artillerie, Luftstreitkräfte, Pioniere etc. – wird als Kampf der verbundenen Waffen bezeichnet. Dieses taktische Konzept ist höchst effektiv, muss aber durch den engen Abstimmungsbedarf unter einzelnen Einheiten regelmäßig geübt werden. Übungen wie dieses Kampfgruppenschießen, dass auch im scharfen Schuss durchgeführt wird, sind zur Erhaltung der Einsatzfähigkeit des Bundesheeres essentiell. Man kann nicht alles mit Duell-Simulatoren üben.

Das zugrunde liegende Szenario zeigt, dass auch in Konflikten moderner Prägung Kampfpanzer und Panzerhaubitzen wichtige Aufgaben erfüllen – ohne die Unterstützung schwerer Waffen wäre der Sturm auf Kühbach vielleicht noch heute im Gange. Hohe Verluste wären zu erwarten.

BUNDESPRÄSIDENT IN ACTION

Um 11.30 Uhr landete Black Hawk 6M-BE mit dem Oberbefehlshaber des Bundesheeres, Bundespräsident Dr. Heinz Fischer an Bord, am Truppenübungsplatz. Dort wurde er vom Kommandanten der 3. Panzergrenadierbrigade, Brigadier Mag. Anton Wessely, bereits erwartet. Mit einem Schützenpanzer SPz A1 “Saurer” erfolgte der Transfer zum Schießplatz, wo er mit großem Interesse das Gefecht mitverfolgte. Als von der Absicht der Redland Tigers berichtet wurde, den Präsidenten zu stürzen, schluckte der Ehrengast wohl.
Nach dem Schießen wurde dem Präsidenten ein Jugendtraum vieler Männer erfüllt. Der Oberbefehlshaber setzte sich höchst persönlich an die Steuerknüppel eines Kampfpanzers Leopard 2 A4. Darüber hinaus landete er zwei Volltreffer mit der 120 mm Panzerkanone. Brigadier Wessely verlieh Fischer daraufhin das schwarze Barett der Panzertruppe.

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