JAGDKOMMANDO STÜRMT EINKAUFSZENTRUM

21. April 2018

BUNDESHEER, REPORTAGEN

Soldaten des Jagdkommandos beim CJSOCT-Workshop © BundesheerSoldaten des Jagdkommandos beim CJSOCT-Workshop © Bundesheer

München, 22. Juli 2016 – Ein 18-jährige Schüler tötet neun Menschen und verletzt fünf weitere durch Schüsse im Nahbereich und im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ). Ein Großaufgebot der Polizei ist in der ganzen Stadt im Einsatz – darunter auch 42 Cobra-Beamte aus Österreich. Die Polizei stellt den Täter in der Nähe des Einkaufszentrums, woraufhin dieser sich erschießt.
Anschläge auf Einkaufszentren gab es etwa auch am 18. Juni 2017 in Bogotá (Kolumbien) und am 7. April 2017 in Stockholm (Schweden). Ein besonders blutiger Anschlag ereignete sich am 21. September 2013 im Westgate-Einkaufszentrum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi.

Paris, 13. November 2015 – Im Zuge einer islamistisch motivierten Anschlagsserie wird auch ein Konzert im Bataclan-Theater überfallen. 90 Menschen werden ermordet. Es werden Geiseln genommen. Beim Zugriff der Polizeikräfte töteten sich die beiden Terroristen durch Auslösen ihrer Sprengstoffwesten.

Diese schrecklichen Vorfälle standen wohl Pate für den Höhepunkt eines Workshops von militärischen und polizeilichen Spezialeinsatzkräfte aus sechs Nationen unter der Leitung des heimischen Jagdkommandos. Das Szenario:

Wien, 11. April 2018 – Ein Konzert im Eventsaal des Einkaufszentrums Simmering wird von Terroristen überfallen. Sie eröffnen das Feuer und erschießen oder verletzen zahlreiche Konzertbesucher. Panik bricht aus. Die Täter verfolgen die flüchtenden Menschen durch das Einkaufzentrum und nehmen Geiseln. Die genaue Ausgangslage ist für die herbeigerufenen Spezialeinsatzkräfte zunächst unklar, ebenso wie viele Attentäter es gibt.

Oberst Hofer, der Kommandant des Jagdkommandos, Verteidigungsminister Kunasek und ein Jagdkommando-Soldat © BundesheerOberst Hofer, der Kommandant des Jagdkommandos, Verteidigungsminister Kunasek und ein Jagdkommando-Soldat © Bundesheer

Für Medienvertreter wurde gegen 22.00 Uhr im EKZ Simmering ein Showlauf veranstaltet. Dabei drang das Jagdkommando in das Einkaufszentrum ein, “säuberte” alle Teile des Gebäudes und befreite die Geiseln aus der Hand der Terroristen. Militärische Notfallsanitäter übernahmen unter Sicherung die Erstversorgung der zahlreichen Verwundeten – schließlich konnten überall Angreifer lauern. Erst als die Lage unter Kontrolle gebracht war, konnten zivile Rettungskräfte des Österreichischen Roten Kreuzes die Versorgung und den Abtransport der Verwundeten in die umliegenden Krankenhäuser übernehmen.

Die Möglichkeit, ein ganzes Einkaufszentrum inklusive dazugehörigem Konzertsaal und Parkgarage für Übungen zu nutzen, stellte eine Premiere dar. Verteidigungsminister Mario Kunasek, der bei der Vorführung anwesend war, betonte, dass es sich um ein realistisches Szenario handelt, denn „Anschläge auf Konzerte hat man in Europa schon erlebt“.
Oberst Horst Hofer, der Kommandant des Jagdkommandos, ergänzte: „Wir passen unsere Verfahren und Abläufe permanent an, je nachdem, was jetzt gerade als aktuelle Bedrohung wahrgenommen wird.“

Noch bis 04:00 Uhr wurden verschiedene Szenarien geübt. Man kann davon ausgehen, dass die einsatzmäßigen Übungen erst nach Abzug der Kameras stattfanden.

 

DER CJSOCT-WORKSHOP

Schon seit 2. April 2018 übten insgesamt 80 Angehörige von militärischen und polizeilichen Spezialeinsatzkräften aus sieben (?) Nationen gemeinsam im Rahmen eines CJSOCT-Workshops (“Combined Joint Special Operations Counter Terrorism”) in Wien, Niederösterreich und Burgenland. Auf der Agenda standen verschiedene Anti-Terror-Lagen im urbanem Umfeld. Unter der Leitung des heimischen Jagdkommandos nahmen laut offizieller Pressemeldung militärische Spezialeinsatzkräfte aus Dänemark, Polen, Schweden und den USA (1st Special Forces Command / Green Berets) am Workshop teil. Das Einsatzkommando COBRA sowie Polizeieinheiten aus Deutschland (zumindest SEK Baden-Württemberg und Hessen) und Dänemark vervollständigten das Teilnehmerfeld. Auf Bildmaterial der APA sind allerdings auch Soldaten der Special Operations Group aus Estland zu sehen.

Jagdkommando-Soldat beim Erstürmen eines Personenzuges © Bundesheer

Der CJSOCT-Workshop dauerte noch bis 13. April 2018 an. Naturgemäß hält man sich größtenteils bedeckt über die Namen der teilnehmenden Einheiten und welche Einsätze genau trainiert wurden. Öffentlich gemacht wurden noch einige wenige Bilder und Videos des Jagdkommandos beim Erstürmen von Gebäuden und von Zügen der ÖBB. Die Teilnehmer aus anderen Staaten wurden nicht in Aktion gezeigt. Laut Oberst Hofer standen „möglichst viele vorstellbare Szenarien und welche, die schon in ähnlicher Form in der Realität passiert sind“ auf dem Trainingsplan. Und auf die Frage, wer hier von wem lernt: “Wir lernen alle voneinander, keiner ist besser oder schlechter, aber es gibt verschiedene Herangehensweisen. Jeder schaut sich die Herangehensweise des Nachbarn an und versucht das Beste für sich herauszuholen.“

VIDEOS VOM CJSOCT-WORKSHOP

Im Zuge des Workshops sind drei interessante Videos veröffentlicht worden, die das Jagdkommando in Aktion zeigen. Neben dem Zugriff im Einkaufszentrum Simmering sieht man die Spezialeinheit auch beim Angriff auf einen Personenzug und auf ein Haus. In den Videos erkennt man übrigens gut, dass sich die Spezialeinsatzkräfte ihre Sturmgewehre StG 77 A2 Kommando gerne individuell konfigurieren: Der kurze AUG Handguard von Claw Gear (anstelle des Laufgriffs); Picatinny-Schiene des AUG A2 oder die flache, nach hinten verlängerte Schiene wie beim kürzlich vorgestellten StG-77 1 MP.


Das Jagdkommando beim Erstürmen des Einkaufszentrums Simmering. Das Video ist im Youtube-Kanal des Österreichischen Bundesheeres erschienen. Link zum Video.


Das Jagdkommando beim Erstürmen eines Personenzuges. Das Video ist im Youtube-Kanal des Österreichischen Bundesheeres erschienen. Link zum Video.


Das Jagdkommando beim Erstürmen eines Hauses. Das Video ist im Youtube-Kanal des Österreichischen Bundesheeres erschienen. Link zum Video.

Anti-Terror Einsätze im Inland sind in Österreich grundsätzlich Aufgabe der Polizei bzw. des Einsatzkommandos COBRA. Das Bundesheer kommt mit seinen Spezialeinsatzkräften erst nach Anforderung durch das Innenministerium im Rahmen eines sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatzes zur Unterstützung zum Einsatz. Damit dieser Trumpf sticht, sind laufend realitätsnahe Übungen erforderlich.

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