Wehrdienst-Reform: Fellner gegen Zivildienst-Pflichtübungen
Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) trägt bei der Wehrdienst-Reform nicht die ganze Linie seiner Bundespartei mit. Im Ö1-Mittagsjournal zeigte er sich gegenüber dem Vorschlag skeptisch, verpflichtende Übungen auch für Zivildiener einzuführen: „Die Sinnhaftigkeit hat sich mir noch nicht erschlossen.“ Stattdessen würde es Fellner noch immer gerne sehen, wenn Freiwilligenarbeit wie etwa bei der Feuerwehr mit einer Verkürzung des Grundwehrdiensts „belohnt“ würde.
Er habe den Eindruck, dass sich SPÖ und ÖVP auf eine gut funktionierende Ausgestaltung des Grundwehrdiensts einigen könnten, meinte Fellner nun. Ein längerer Zivildienst würde auch die betroffenen Organisationen entlasten, argumentierte der Landeshauptmann.
Übungen auch für Zivildiener sind für Fellner aber nicht sinnvoll. So verlasse man sich im Katastrophenfall zumeist auf ehrenamtliche Strukturen. Hier auch noch mit Zivildienern zu arbeiten, „halte ich nicht für zielgerichtet“. Sein eigener Vorschlag, unabhängig von der Länge des Grundwehrdienstes: Habe ein junger Mann etwa bereits mehrere Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr gedient, könnte dessen Grundwehrdienst um ein paar Wochen verkürzt werden.
https://kurier.at/politik/inland/wehrdi ... /403177088
Kärntens LH Fellner nicht auf SPÖ-Linie
20.7.2026, 12.29 Uhr
Ö1 Mittagsjournal
Felix Novak (ORF): "Eine weitere Reform ist ist die des Wehrdienstes, aktuell. Da haben Sie sich, anders als die Bundes-SPÖ, ja eine Verlängerung schon durchaus vorstellen können. Jetzt steht da ein Kompromiss im Raum. Liest man, hört man immer wieder. Ex-Verteidigungsminister Starlinger hat das das allerdings, diesen Kompromiss, als ,höchst verantwortungslos' bezeichnet. Weiterhin sechs Monate Präsenzdienst, dann drei Monate Übungen - geht das, aus Ihrer Sicht, in die richtige Richtung?"
Daniel Fellner (Landeshauptmann Kärnten, SPÖ): "Ich bin kein Sicherheitsexperte. Das möcht' ich vorwegschicken. Und ich glaube, dass solche Fragen sehr schwer zu lösen sind, wenn dann die unterschiedlichsten Meinungen da aufeinanderprasseln, von jenen, die wenig Kompetenz in diesem Bereich haben.
Aber mein Vorschlag wäre ja gewesen: Egal wie die Länge des Grundwehrdienstes definiert ist, dass man zumindest eines mit überlegt: Ob wir Menschen, die heute schon für andere Menschen wertvolle Arbeit verrichten, nicht in irgendeiner Art und Weise belohnen können.
Was mein' ich damit? Wenn ein junger Feuerwehrmann von 16 bis 18 Jahre seinen Dienst bei der Feuerwehr verrichtet, dann könnten wir irgendeinen Anteil nehmen - zwei Wochen, drei Wochen, ein Monat - den Grundwehrdienst dann verkürzen, weil er ja schon Wahnsinniges für die Gesellschaft geleistet hat und wahrscheinlich auch noch leisten wird. Das war mein Ansatz."
NOVAK: "Ist das [FELLNER: "Ich bin ..."] realistisch, in dieser Situation, wo's ja doch um die Verlängerung geht?"
FELLNER: "Ja, ich hab' irgendwie den Eindruck, dass sich SPÖ und ÖVP hier sehr wohl auf eine ... eine gut funktionierende Ausgestaltung des Grundwehrdienstes einigen könnten. Die NEOS sehen das anscheinend noch ein bisschen anders."
NOVAK: "Sie selbst haben ja Präsenzdienst geleistet. Sie kennen aber auch den Zivildienstbereich ganz gut. Sie waren ja Sanitäter, Sie waren in der Leitstelle.
Jetzt gibt's von der SPÖ das Modell, dass es da auch Übungen geben soll, mehrere Monate, beim Zivildienst. Ist das etwas, was aus Ihrer Sicht überhaupt sinnvoll wäre, in diesem Bereich?"
FELLNER: "Meine Meinung - und ich bin für den Zivildienst in Kärnten verantwortlich - wäre: Es wäre ein großer Vorteil, wenn der Zivildienst auch einen längeren Zeitraum betrifft. Das würde jene Organisationen, in denen Zivildiener arbeiten, sehr entlasten. Hier noch ,Übungen' absolvieren ... das hab' ich ... die Sinnhaftigkeit ist mir noch nicht ... hat sich mir noch nicht erschlossen, so ehrlich muss ich sein."
NOVAK: "Das heißt eben, neun Monate plus dann zwei Monate Übungen, das wär' jetzt nicht unbedingt Ihr Modell."
FELLNER: "Ich glaube, dass es im Katastrophenfall - das ist ja mit ein Thema, das hier bearbeitet worden wäre - verlass' ich mich auf ehrenamtliche Strukturen. Wir haben sehr, sehr gute Einsatzorganisationen. Wir haben die Feuerwehr, die innerhalb kürzester Zeit imstande ist, tausende von Männern und Frauen an einen Einsatzort zu schicken und leidergottes hab' ich das in den letzten Jahren sehr oft erleben müssen. Mit Zivildienern hier auch noch zu arbeiten, halt' ich nicht für zielgerichtet."
https://orf.at/av/audio/152850
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