"Die Infanterie lernt fliegen" |
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Ein
Report über die Ausbildung für luftbewegliche Einsätze des Jägerbataillon
25 (JgB25) von Helmut Skrdla für Doppeladler.com.
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Das Abzeichen des Jägerbataillons 25.
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alle Fotos:
© Helmut Skrdla
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| JgB25 - eine vielseitige und professionelle
Einheit. |
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Das Jägerbataillon 25 , stationiert in der Klagenfurter Khevenhüller-Kaserne,
ist eine der wenigen voll luftbeweglichen Infanterieformationen
des österreichischen Bundesheers, die einzige in Bataillonsgröße,
und damit "der Luftlandespezialist" in der
7. Jägerbrigade. Bestehend aus Bataillonskommando und fünf
Kompanien (eine Kommandokompanie, drei Jägerkompanien und die
Kampfunterstützungskompanie "KuKp") verfügt
die Einheit über eine beträchtliche Kampfkraft.
Eine besondere Auszeichnung sei gleich vornweg erwähnt: Im
Rahmen der Übung
Dispute 05 hat sich das JgB25 bereits stellvertretend für
alle anderen österreichischen Infanteriebataillone einem strikten
NATO-Asessment unterzogen, im Zuge dessen die Kompatibilität
in den operationellen Prozeduren (englischer Funkverkehr etc.) mit
NATO-Einheiten geprüft wurde. Anhänger der österreichischen
Neutralität mögen dies seltsam finden, doch im Rahmen
der "Partnership for Peace" (PfP) Einsätze ist ein
solches Zusammenwachsen und Angleichen der Strukturen praktisch
unvermeidlich (siehe Kosovo).
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Agusta Bell AB 212 |
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| Der Kaderanteil am JgB25 Personal beträgt etwa 30%, die dritte
Kompanie, die sogenannte "Kaderkompanie", besteht sogar
zu 100% aus Kadersoldaten und ist fast permanent irgendwo im Auslandseinsatz.
1994 im Truppenversuch als "Luftlandeaufklärungskompanie"
bzw. "Rapid Reaction Force" gegründet, wurde diese
Kompanie 2002 offiziell als erste KIOP / KPE (Kräfte für
internationale Operationen / Kaderpräsenzeinheit) aufgestellt.
Die Geschichte der Auslandseinsätze begann aber bereits wesentlich
früher und beinhaltet unter anderem folgende Operationen: |
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| 1997 |
ATHUM ALBA OSCE Einsatz in Tirana/Albanien
(2 Monate) |
| 1999 |
ATHUM ALBA 2 Skodra/Albanien
(2 Monate) |
| 1999 |
- 2000 KFOR 1 First Mission als Personenschutz
Wach Sicherungszug (Aufklärungseinsätze) (7 Monate) |
| 2003 |
ISAF Kabul/Afghanistan (4 Monate) |
| 2004 |
KFOR als Kontingentsverstärkung
(1 Monat, Verlegung innerhalb von 24 Stunden!!!) |
| 2005 |
ISAF Kunduz/Afghanistan (2 Monate) |
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Das Jägerbataillon 25 darf sich also mit Recht als eine Eliteformation
des österreichischen Bundesheers betrachten, wenn es darum
geht, schnellstens Kräfte für Missionen im Rahmen von
UN-Friedensicherungsaufträgen oder PfP Operationen bereitzustellen.
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Dieser Anspruch zeigt sich übrigens auch in einigen
interessanten Details der Ausrüstung - beispielsweise ist die
Doppelbewaffnung von Kaderpersonal mit einer zusätzlichen Pistole
80 neben dem Sturmgewehr 77 weit verbreitet, da eine geholsterte
Pistole im Auslandsdienst oft als wesentlich weniger aggressionserweckend
und für den persönlichen Schutz als ausreichend angesehen
wird. Außerdem hat das JgB25 bereits vollständig auf
den Kampfanzug Neu umgestellt, den Kadersoldaten oft noch mit privat
beschafften Ausrüstungsteilen (Flecktarn-Helmüberzüge,
Pistolenhalfter etc.) erweitern - was offensichtlich vom Kommando
durchaus gutgeheißen wird und nicht auf größeren
Widerspruch stößt. |
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Die volle "Luftbeweglichkeit" des Bataillons stützt
sich vor allem auf die sogenannte "Ausbildung für luftbewegliche
Einsätze" die mehrmals jährlich abgehalten wird und etwa
zwei Wochen dauert. Diese Ausbildung wird sowohl mit Grundwehrdienern
(GWDs) als auch Kader durchgeführt, wobei für die Kadersoldaten
auch eigene zusätzliche Kurse, sogenannte "Kaderfortbildungskurse",
zur Vermittlung von weiterführenden Fähigkeiten veranstaltet
werden.
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Infobox: "Luftlandeausbildung" vs. "Ausbildung für luftbewegliche
Einsätze"
Wer vielleicht schon früher mit dem JgB25 zu tun hatte, erinnert
sich eventuell an die sogenannte "Luftlandeausbildung". Die beiden
Namen beschreiben genau den gleichen Ablauf, allerdings wurde unlängst
festgelegt dass das JgB25 keine "Luftlandeeinheit" im Sinne z.B.
einer amerikanischen 101st Airborne Division darstellt, weil einige
integrierte Unterstützungsbestandteile (Kampfhubschrauber, Artillerie
etc.) fehlen. Deshalb erfolgen die Schulungen jetzt unter neuem
Namen, aber mit denselben Inhalten. Ironischerweise kann es bei
Übungsszenarien dann durchaus trotzdem mal vorkommen, dass z.B.
ein Black Hawk abgestellt wird um "Kampfhubschrauber zu spielen"
- welcher in Auslandseinsatz von einer anderen Nation gestellt werden
würde. |
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Der grundlegende Ausbildungsplan umfasst Sicherheitsbestimmungen im und
rund um die Maschinen, das Verhalten bei Notfällen, Landezonenorganisation
(inklusive dem Einweisen von Maschinen), korrektes Ein- und Aussteigen
am Hubschrauber, Beladen nach Verladeplan sowie das drillmäßig
geübte Einhängen von Außenlasten (schwere Waffen etc.).
Auch erste taktische Kleinaufgaben (Sicherung nach dem Absitzen) werden
geübt.
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Wenn es die Zeit erlaubt und genügend Maschinen verfügbar sind,
wird auch weiterführend ausgebildet - im Rahmen einer Lage (einer
Situationsbeschreibung) müssen dann verschiedene Gefechtsaufgaben
wie Gegenangriff, kampfkräftige Aufklärung oder auch Peacekeeping
Szenarios erfüllt werden.
Das Ausbildungsziel der kombinierten Übungen GWDs/Kader ist zweiteilig:
die Rekruten sollen Basiswissen über den Transport per Hubschrauber
und taktische Aufgaben aus der Luftlandung heraus erlangen, gleichzeitig
soll der Kaderanteil des Bataillons Gelegenheit haben, im großen
Rahmen selbstständige taktische Planung und weiterführende taktische
Operationen zu beüben.
In den Kaderfortbildungskursen wird den einzelnen Kompanien noch wesentlich
mehr abverlangt: Dort werden Lufttransporte geplant, Befehlsausgaben
gelehrt (auch Befehlsausgabe an Piloten), Landezonen erkundet und betrieben
(bei Tag und Nacht), außerdem wird Fallschirmabsprung mit anschließenden
Gefechtsaufgaben geübt. Zusätzlich nutzt man diese Kurse,
um neues Gerät und Verfahren zu evaluieren, wobei die Ausbildung
durchaus auch im Winter und hochalpinen Gelände stattfinden kann.
Im Rahmen der Ausbildungswochen Juni/Juli 2006 hatte Helmut Skrdla für
Doppeladler.com die Gelegenheit, einen Tag der weiterführenden
taktischen Gefechtsausbildung zu beobachten.
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Mjr Ertl, stellvertretender Kommandant des JgB25.
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Major Volkmar Ertl, stellvertretender Kommandant des JgB25
und außerdem Übungsleiter, hatte sich für den Sommer 2006 eine sehr realitätsnahe,
an echte Auslandseinsätze angelehnte Situationsbeschreibung ausgedacht.
Es mag verwundern das in einer Übung mit Grundwehrdienern für Peacekeeping-Szenarien
trainiert wird, aber wie Mjr Ertl eindeutig klarstellt, geht es immer
auch vorrangig um die Weiterbildung und Erhalt der Fähigkeiten des Kaderpersonals,
den anders als GWDs müssen diese tatsächlich in riskanten Missionen ihr
Können unter Beweis stellen. In derartig anspruchsvollen Aufgabenstellungen
mitzuarbeiten ist für GWDs nicht immer ganz einfach, denn abzüglich Grundausbildung,
Assistenzeinsatz an der burgenländischen Grenze und ähnlichen anderen
Aufgaben bleibt durch den verkürzten sechsmonatigen Wehrdienst nicht mehr
viel Zeit für eine weiterführende infanteristische Ausbildung.
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Hier im Detail die Lagebeschreibung des hypothetischen Szenarios:
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"Lage Pegasus":
Nach mehreren Monaten Bürgerkrieg zwischen
"Seeland" und "Holzland" hat die UN erfolgreich
interveniert, einen Waffenstillstand ausgehandelt, und beide Seiten
haben ihr Militär in die Stützpunkte zurückgezogen.
Unter UN-Mandat und im Rahmen der "Partnership for Peace"
wird eine internationale Friedenstruppe (SEAFOR) entsandt, die den
Waffenstillstand überwachen soll.
Leider kam es in Seeland in letzter Zeit vermehrt
zu Anschlägen der "Holzland Freedom Party" (HFP),
einer paramilitärischen Organisation, von der vermutet wird,
dass sie insgeheim durch Schmuggelgüter, speziell durch Waffen,
von der Holzland-Regierung unterstützt wird. Die Seeland-Regierung
droht nun damit, ihre eigenen Einheiten wieder ins Gefecht zu senden
um "für Ordnung zu sorgen", und bringt damit die
SEAFOR in Zugzwang.
Ein derartiges Waffenlager der HFP, nahe eines
Bauernhofs auf einer Anhöhe gelegen, wurde durch eine ungenannte
Quelle aufgedeckt, und soll nun durch JgB25 ausgehoben werden." |
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Wer nun an den Sicherungseinsatz im Kosovo denken muss, liegt übrigens
richtig. Die Reorganisation des Bundesheers in eine effiziente Truppe
für Unterstützungseinsätze im Ausland spiegelt sich eben
auch stark darin wieder, dass in diversen Übungsszenarien nicht mehr
die Raumverteidigung gegen russische Panzerdivisionen trainiert wird.
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Da es zum Zeitpunkt der Übung durch die Hochwasser im Gebiet an der
Thaya, und durch das Bereithalten einer ständigen Helikopter-Reserve
nicht wie früher möglich war, genügend Maschinen freizubekommen
um eine Luftbewegung in Bataillonsstärke durchzuführen, musste
der Angriff auf das Waffenlager in mehreren Teilen und Tagen "gespielt"
werden.
Am Vortag des Doppeladler.com Besuchs hatte die Kampfunterstützungskompanie
ihren Teil der Aufgabe, nämlich das Aufstellen eines äußeren
Sicherungsrings rund um die Anhöhe unter Zuhilfenahme schweren Waffen
(speziell schwerer Granatwerfer, welche außen am Lasthaken einflogen),
bereits geübt und war wieder abgerückt.
Beim tatsächlichen Zugriff auf die Schmuggler, der von der ersten
Kompanie ausgeführt wurde, war diese Sicherungslinie dann also nur
mehr "theoretisch" vorhanden, musste aber natürlich vom
Kompaniekommandanten im Rahmen der Einsatzplanung berücksichtigt
werden.
Dieser hatte in der Nacht bereits das Gelände durch Scharfschützenteams
erkunden lassen, und außerdem auf Basis von "Drohnenaufklärung"
(zur Verfügung gestellt von der Übungsleitung) sowie Luftaufnahmen
und Geländekarten das weitere Vorgehen festgelegt. Der Transport
der Kompanie würde zwei Flüge mit der verfügbaren Formation
aus fünf Maschinen erfordern, welche nahe dem Hügel aber noch
außerhalb feindlicher Reichweite anlanden würden. Ein Jägerzug
und der Panzerabwehrzug (ohne PAR-Waffen) würden mit dem ersten "Lift"
eingeflogen und dann die Sicherung übernehmen, während die anderen
beiden Züge mit dem zweiten "Lift" eingeflogen und dann
nördlich und südlich des Gehöfts entlang vorgehend das
Waffenlager ausheben würden.
Soweit der Einsatzplan. Die Durchführung des Zugriffs erzählt
sich am besten in der auf
Seite 02 folgenden Foto-Geschichte. |