Shetty: "Werden das richtige Instrumentarium wählen"
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Martin Thür (ORF): "Ich würde gerne noch zu einem anderen Thema kommen, weil es heute auch ganz aktuell ist. Wie soll es mit der Wehrpflicht weitergehen? Der Vorsitzende der Wehrdienstkommission fordert nämlich ganz dringend Entscheidungen, zur Not auch mit einer Volksbefragung, gegen die er eigentlich war. Warum lässt sich die Regierung, warum lassen sich die Koalitionsparteien da so Zeit?"
Yannick Shetty (NEOS - Das Neue Österreich): "Na ja, man muss die Dinge ein bisschen ordnen. Das ist eine grundlegende Frage, die nicht Teil des Regierungsprogramms war. Im Regierungsprogramm wurde gesagt, wir setzen eine Wehrdienstkommission ein. Es gab zur Frage der Verlängerung der Wehrpflicht keine Einigung im Regierungsprogramm. Die Wehrdienstkommission hat Vorschläge gemacht, übrigens Dutzende Vorschläge, wo wir viele auch ganz gut finden, die auch unstrittig sind, und unter anderem auch die Frage des Modells, wie viele Monate müssen junge Burschen zum Bundesheer? Und diese Frage diskutieren wir derzeit, aber ich würde schon bitten, da geht es um eine ganz, ganz grundlegende Frage. Und mir ist es ein bisschen auch zu verknappt. Also man kann eine Meinung haben, längere Wehrpflicht ist gut oder nicht gut. Aber niemand glaubt doch ehrlich, dass wir wehrfähiger werden, nur weil junge Burschen zwei Monate länger im Bundesheer sind. Das kann ein Bestandteil sein, aber da geht es um Fragen der Luftraumüberwachung, da geht es um Fragen einer gemeinsamen europäischen Verteidigungspolitik, wie sich Österreich auch stärker da einbringt. Und die Fragen muss man gemeinsam diskutieren und da würde ich auch bitten, dass man auch dem Prozess Geduld gibt, weil es soll ja ein gutes Ergebnis sein am Ende des Tages."
THÜR: "Aber wird es eine Reform mit 1.1.'27 geben, kann die Wehrdienstreform mit 1.1.'27 in Kraft treten?"
SHETTY: "Also mein ehrlicher Anspruch ist, dass wir das zügig und redlich und seriös machen, dass wir keine Scheinverhandlungen führen, dass wir die rasch zu einem Ergebnis bringen. Das ist auch das, was sich die Menschen erwarten. Aber das war etwas, was der Leiter der Wehrdienstkommission sich gewünscht hat, und das ist verständlich, aber das ist die Frage des Gesetzgebers und der Frage der Mehrheiten. Wenn wir die schaffen zu organisieren bis dahin, dann wird es sich ausgehen. Und wenn nicht, dann nicht."
THÜR: "Staatssekretär Sepp Schellhorn hat sich ganz explizit für das Acht-plus-zwei-Modell ausgesprochen, entgegen Ihrer Parteilinie. Hat Sie das enttäuscht?"
SHETTY: "Enttäuscht nicht, weil ich weiß, das sehen viele als Schwäche, wenn in einer Partei eine Meinungsvielfalt da ist und wir trotzdem nicht alle zerstritten sind. Ich habe das Gefühl, die Menschen kennen nur das Eine, eine Partei, wo es unterschiedliche Meinungen gibt und Dauerstreit, oder alle sind stromlinienförmig immer derselben Meinung. Ja, der Sepp Schellhorn hat eine Privatmeinung, die abweicht von unserer Parteiposition und das ist, glaube ich, okay und aushaltbar in einer Demokratie."
THÜR: "Ich weiß nicht, ob nur Journalistinnen, Journalisten enttäuscht sind. Der stellvertretende Klubobmann poltert da laut, Nikolaus Scherak hat auf ,X' gepostet: ,Ich fände es ja super, wenn Personen, die von einer Partei für ein Staatssekretariat nominiert werden, sich das eigene Parteiprogramm mal zu Gemüte führen und für dieses kämpfen würden.' Und: ,Man muss sich wirklich nicht wundern, wenn sich viele Menschen von der Politik abwenden oder sich zu den Populisten hinwenden, wenn man nach dem Wahltag offenbar vergessen hat, wofür man gewählt wurde.' Was antworten Sie Nikolaus Scherak?"
SHETTY: "Ich antworte, was ich Ihnen gesagt habe, dass ich es aushaltbar finde, in einer Partei unterschiedliche Meinungen zu haben und trotzdem ziehen alle an einem Strang. Und trotzdem gibt es nicht die ganze Zeit irgendwelche Debatten, wie ich es in anderen Parteien die ganze Zeit vernehme, wo es nur um Personalfragen geht. Der Nikolaus Scherak hat da eine andere Position, das ist, glaube ich, auch kein Geheimnis. Der Sepp Schellhorn hat seine Privatmeinung kundgetan und ich sehe da keinen großen Unfall darin."