Woyzeck hat geschrieben: ↑So 12. Apr 2026, 14:54
Der Iran hat für mich v.a. gezeigt, dass Kampfflugzeuge gegen einen Gegner, der die oben genannten weitreichenden Waffensystemen in ausreichender Stückzahl verfügt sehr ineffizient bis nutzlos sind. Die Amerikaner hatten zahlreiche FlA-Systeme und Kampfflugzeuge im Einsatz, ziemlich sicher auch ein umfangreiches und detailliertes Lagebild und dennoch gelang es den weit unterlegenen Iranern auch nach Wochen gnadenlosen Bombardements Hochwertziele der Amerikaner am Boden zu zerstören.
Dieses Argument gibt für mich keinen Sinn.
Sie ignorieren, dass die amerikanische und israelische Luftwaffe über dem Iran nahezu Narrenfreiheit genießen—es gibt mehr als genug Videos, die den Erdkampf von A-10 und F/A-18 zeigen—, und dass die gesamten Verluste der Angreifer, sowohl in der Luft als auch am Boden, im Promillebereich der eingesetzten Kräfte liegen. Im Krieg kommt es nun mal zu Verlusten.
Die USA haben ihre Verluste am Boden im Übrigen zumindest teilweise selbst ermöglicht. Wenn ich z.B. KC-135 Flügelende an Flügelende auf der Ramp parke, muss ich mich nicht wundern, dass das dem Gegner auffällt und er angreift.
Konventionelle bemannte Flugzeuge tragen die Hauptlast der Kämpfe; sogar zu Luftkämpfen ist es bereits gekommen; sie sind demnach durchaus relevant.
Woyzeck hat geschrieben: ↑So 12. Apr 2026, 14:5410 Milliarden für Kampfflugzeuge ausgeben zu wollen, die nach wenigen Stunden am Boden zerstört wären, weil man sie nicht schützen will, das ist einfach absurd.
Ich bin zwar auch der Meinung, dass Österreich statt 12 M-346 und 36 Gen IV oder gar Gen V-Flugzeugen lieber mehr Geld in die bodengebundene Flugabwehr stecken sollte; 12 L-39NG und 24 Stck eines Hauptwaffensystems würden es sicherlich auch tun.
Aber dass die gesamten Luftstreitkräfte "nach wenigen Stunden am Boden zerstört wären", diese Aussage erscheint mir einfach unrealistisch. Ein solches Szenar kann nur auf zwei Weisen eintreten:
Erstens; ein großer konventioneller Landkrieg erreicht Mitteleuropa, und Österreichs Nachbarn sind nicht in der Lage oder willens, einen Angriff auf Österreich abzuwenden, der immerhin über ihre Territorien hinweg geführt werden müsste.
Zweitens; eine Sabotageaktion à la Operation Spinnennetz.
Zu Erstens: 1999 scheiterte die NATO trotz vollständiger Luftherrschaft darin, die winzige jugoslawische Luftwaffe vollständig am Boden zu vernichten. Russland scheitert seit 2022 daran, die (im Vergleich ebenfalls winzige) ukrainische Luftwaffe aus dem Spiel zu nehmen, obwohl man zu Anfang erst Luftüberlegenheit hatte, und heute tagtäglich hunderte Drohnen einsetzt.
Selbst eine starke Flugabwehr kann einfache Maßnahmen wie eine situationsangemessene Dislozierung und Tarnung nicht ersetzen, und umgekehrt können solch einfache Maßnahmen bereits einen beachtlichen Schutz bieten.
Ähnlich gilt auch im zweiten Falle; den in der Operation Spinnennetz angegriffenen Fliegerhorsten fehlte es durchaus nicht an Flugabwehr und Mitteln zur elektronischen Kampfführung. Es gab einfach haarsträubende taktische und organisatorische Defizite, man fühlte sich sicher und unterließ einfachste Vorsichtsmaßnahmen.
Will sagen, selbst wenn Österreich jede Einrichtung der Luftstreitkräfte mit Patriot, IRIS-T und Skyguard pflastern würde, könnte ein Vernichtungsschlag am Boden immer noch erfolgen. Die Stellschrauben sind andere.
Woyzeck hat geschrieben: ↑So 12. Apr 2026, 14:54Unser Engagement im Drohnenbereich ist bestenfalls symbolisch. Unverständlich, wenn man bedenkt, dass man bei dieser Technologie mit relativ wenig Geld vorne dabei sein könnte. Eine Milliarde in ein umfangreiches Drohnenprogramm, das sich nicht auf die Beschaffung weniger teurer Systeme beschränkt, sondern auf ein Programm, wie man da in den nächsten Jahren am Ball bleiben will, das wäre sicher sinnvoller investiertes Geld. Und da gäbe es genug militärisch-zivile Zusammenarbeitsmöglichkeiten. Wir haben das Know How, wir haben den Ukrainekrieg als Versuchslabor vor der Nase, die Industrie würde da sehr gerne mitmachen und der Standort würde gestärkt, bei gleichzeitigem Steigern des Autonomiegrads, da wir diese Systeme dann selbst herstellen könnten und nicht um Fantastilliarden bei den Rheinmetalls und Airbussen bestellen müssen.
Unbemannte Kampfmittel sind aufgrund ihrer im Vergleich zu herkömmlichen Waffensystemen geringeren Komplexität zwar billiger, haben durch sie aber auch einen entscheidenden Nachteil: Die Lebensdauer einer Systemgeneration beträgt nur noch Wochen, weil schnell Gegenmaßnahmen entwickelt werden.
Würde Österreich jetzt für eine Milliarde aktuelle Produkte kaufen, ergäbe das zwar auf dem Papier eine beachtliche Macht, aber in realiter hätte man viel Geld für Waffen ausgegeben, die nach Erfahrungen an der Front bereits jetzt zu veralten drohen und z.B. schon sehr verwundbar gegenüber russischer EloKa sind.
Die richtige Antwort auf diese neue Waffenkategorie scheint mir zu sein, möglichst viele Soldaten im Bedienen (und in der Abwehr) von Drohnen zu schulen; viele Exemplare braucht es dazu nicht, nur einen Grundstock. Sinnvoller wären Produktionsstätten im eigenen Land (oder wenigstens sicher verfügbare Kontingente der Produktion des befreundeten Auslands), um im Fall der Fälle schnell die Produktion der jeweils neuesten Generation hochfahren zu können.