Entwicklungen Fliegerabwehr

Flächenflugzeuge, Hubschrauber, Großgerät, Fliegerhorste, ...
theoderich
Beiträge: 29260
Registriert: So 29. Apr 2018, 18:13

Re: Entwicklungen Fliegerabwehr

Beitrag von theoderich »

Parlamentskorrespondenz Nr. 297 vom 09.04.2026
Debatte über Luftraumverteidigung, Personal und Beschaffungen im Landesverteidigungsausschuss
Ein weiteres zentrales Thema der Aussprache waren die Beschaffungen für das Bundesheer, wobei sich die Abgeordneten insbesondere für den Bereich der Luftverteidigung interessierten. So sprach Tanner unter Verweis auf die European Sky Shield Initiative (ESSI) gegenüber Manfred Hofinger (ÖVP), Douglas Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS) und Werner Kogler (Grüne) von einer "dringend notwendigen Integration in europäische Strukturen". ESSI sei im Bereich der Luftabwehr "sowohl militärisch als auch wirtschaftlich die zweckmäßigste Option". Noch 2026 sollen dahingehend alle notwendigen Beschaffungen eingeleitet werden. Ausschussobmann Volker Reifenberger (FPÖ) betonte, dass sich auch seine Fraktion für eine gemeinsame Beschaffung der Abwehrsysteme sowie für gemeinsame Ausbildungen und Übungen ausspreche. Als neutralitätsrechtlich problematisch erachtete er jedoch den gemeinsamen Betrieb des Systems.
https://www.parlament.gv.at/aktuelles/p ... 026/pk0297
opticartini
Beiträge: 738
Registriert: So 14. Okt 2018, 14:36

Re: Entwicklungen Fliegerabwehr

Beitrag von opticartini »

maro-airpower hat geschrieben: Sa 21. Mär 2026, 21:48
opticartini hat geschrieben: Sa 21. Mär 2026, 18:37 Zur Verteidigung des Luftraums in einem Kriegsfall nimmt die Bedeutung von herkömmlichen Kampfjets ab. Kosten-Nutzen-Rechnung = ungünstig.

Außerhalb von tatsächlichen Kriegshandlungen (also hoffentlich im Normalfall) wird's natürlich weiterhin Menschen in schnellen Flugzeugen brauchen, um Menschen in langsameren Flugzeugen, welche sich nicht vorschriftsmäßig verhalten, persönlich kontaktieren zu können.
Aktuell haben wir so die Grenze der Geschwindigkeit der Abfangdrohnen zwischen 300 bis 400 km/h. Gibt so Rekord/Sportgeräte die mit extremer Technik auch auf 600+ kommen. Aber der Hochstromwahnsinn ist (noch) nicht alltagstauglich.
Wenn das Wort "Drone" fällt, dann wird gerne an irgendwelche Spielzeuggeräte gedacht. Aber unbemannte Flugobjekte (also Luftfahrzeuge ohne Mensch an Bord), welche die Leistungsdaten von ausgewachsenen Kampfflugzeugen (mit Mensch drin) erreichen oder gar überschreiten, gibt es bereits. Nehmen wir noch Kamikazedrohnen dazu, dann umfasst das auch viele moderne Lenkwaffen, von Luft-Luft über Luft-Boden bis zu Boden-Boden. Eine "Meteor"- oder "AIM-120"-Rakete ist letztlich nichts anderes als eine Kamikazedrohne. In diesem Sinne gehört unbemannten Flugobjekten bereits jetzt der Himmel.

Die Nützlichkeit von herkömmlichen Kampfflugzeugen (mit Mensch drin) hat stark abgenommen. An vorderster Front haben sie nichts verloren, zumindest nicht bis mittels unbemannter Flugobjekte die Luftherrschaft erreicht wurde.
maro-airpower
Beiträge: 1161
Registriert: Do 19. Mai 2022, 16:29

Re: Entwicklungen Fliegerabwehr

Beitrag von maro-airpower »

opticartini hat geschrieben: Fr 10. Apr 2026, 17:51 Die Nützlichkeit von herkömmlichen Kampfflugzeugen (mit Mensch drin) hat stark abgenommen. An vorderster Front haben sie nichts verloren, zumindest nicht bis mittels unbemannter Flugobjekte die Luftherrschaft erreicht wurde.
Kann ich so nicht stehen lassen.
Es gibt Verschiebung hin zu mehr unbemannten Systemen...wirds auch am Boden geben.

Aber sie sind an vorderster Front in der Ukraine - es werden von beiden Seiten täglich Kampfflugzeuge eingesetzt.

Sie waren über dem Iran. Womit belegt ist, dass moderne Kampfflugzeuge integrierte Flugabwehrnetze überwältigen können.

Und solange es keine gesicherte Möglichkeit gibt die Systeme aus der Ferne zu kontrollieren - und die gibt es in letzter Konsequenz nicht - solange wirst du Menschen brauchen die den Konflikt vor Ort führen.
theoderich
Beiträge: 29260
Registriert: So 29. Apr 2018, 18:13

Re: Entwicklungen Fliegerabwehr

Beitrag von theoderich »

theoderich hat geschrieben: Di 12. Nov 2019, 17:24 Foreign Affairs Council (Defence), 12. November 2019

https://www.consilium.europa.eu/de/meet ... 019/11/12/
Österreich ist seit letztem Jahr am Projekt TWISTER zur Entwicklung eines Frühwarn- und Abwehrsystems gegen ballistische Raketen und Hyperschallwaffen beteiligt (Koordinator: Frankreich; Projektteilnehmer: Österreich, Finnland, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Spanien). Das muss zwischen Februar 2025 und April 2025 fixiert worden sein (Damals sind gerade die Koalitionsverhandlungen zwischen FPÖ und ÖVP gelaufen.):

TIMELY WARNING AND INTERCEPTION WITH SPACE-BASED THEATER SURVEILLANCE (TWISTER)
Coordinator FR

Project Members AT FI FR GE IT NL ES

PROJECT DESCRIPTION

The project aims at strengthening the ability of Europeans to better detect, track and counter hyper-velocity threats, in close cooperation with NATO, through a combination of enhanced capabilities for space-based early warning and endo atmospheric interceptors.

The project will address different types of threats, like ballistic missiles up to 3500 km range (including manoeuvring ballistic missiles and re-entry vehicles), high-altitude supersonic/hypersonic cruise missiles, hypersonic glide vehicles and other high manoeuvring Air Breathing Targets (ABT).

Early-warning satellites will provide reliable and timely information on initial detection of the threats, their trajectory and their characterisation, in order to allow their neutralization by an endo-atmospheric multirole interceptor.

OBJECTIVES/PRODUCTS

To this end, the project intends to:
  • Develop a common understanding of the requirements and threats,
  • Develop a future European space-based Early Warning capability carrying out the initial detection and tracking of those threats before handing them over to ground based radars,
  • Develop a new multirole endo atmospheric interceptor able to face a large set of current and future complex and evolving air and missile threats.
https://www.pesco.europa.eu/project/tim ... e-twister/

Beim Projekt ODIN’S EYE II (multinatiOnal Development INitiative for a Space-based missilE earlY-warning architecture II) ist ein österreichisches Unternehmen von Anfang an Mitglied des Konsortiums.
Zuletzt geändert von theoderich am So 12. Apr 2026, 14:59, insgesamt 1-mal geändert.
Woyzeck
Beiträge: 279
Registriert: Mi 15. Nov 2023, 14:55

Re: Entwicklungen Fliegerabwehr

Beitrag von Woyzeck »

maro-airpower hat geschrieben: Sa 11. Apr 2026, 11:07 Kann ich so nicht stehen lassen.
Es gibt Verschiebung hin zu mehr unbemannten Systemen...wirds auch am Boden geben.

Aber sie sind an vorderster Front in der Ukraine - es werden von beiden Seiten täglich Kampfflugzeuge eingesetzt.
Ich denke doch, dass sich ihr Nutzen in den letzten Jahren verändert hat, da es wesentliche Änderungen bei weitreichenden air-to-ground-Waffensystemen gab (Gleitbomben und Cruise Missiles, weit geringere Kosten, dadurch höhere Verbreitung) bzw. die FlA heute ein Niveau erreicht hat, das den Einsatz von Jagdbombern über dem Gefechtsfeld faktisch verunmöglicht hat. Kampfflugzeuge dienen heute dazu, weitreichende Waffensysteme in die Luft zu bekommen, um deren Reichweite zu erhöhen bzw. zum Abfangen von ebendiesen. Wobei das schnell unökonomisch wird.
maro-airpower hat geschrieben: Sa 11. Apr 2026, 11:07 Sie waren über dem Iran. Womit belegt ist, dass moderne Kampfflugzeuge integrierte Flugabwehrnetze überwältigen können.

Und solange es keine gesicherte Möglichkeit gibt die Systeme aus der Ferne zu kontrollieren - und die gibt es in letzter Konsequenz nicht - solange wirst du Menschen brauchen die den Konflikt vor Ort führen.
Der Iran hat für mich v.a. gezeigt, dass Kampfflugzeuge gegen einen Gegner, der die oben genannten weitreichenden Waffensystemen in ausreichender Stückzahl verfügt sehr ineffizient bis nutzlos sind. Die Amerikaner hatten zahlreiche FlA-Systeme und Kampfflugzeuge im Einsatz, ziemlich sicher auch ein umfangreiches und detailliertes Lagebild und dennoch gelang es den weit unterlegenen Iranern auch nach Wochen gnadenlosen Bombardements Hochwertziele der Amerikaner am Boden zu zerstören.

Das ist das, was mich am Aufbauplan auch so stört und was ich mit "das Bundesheer schläft in der Pendeluhr" gemeint habe. Die beschafften Mittel wären vermutlich 1:1 auch vor 10 Jahren so beschafft worden, wenn man das Geld gehabt hätte. Man plant für den Konflikt von gestern. 10 Milliarden für Kampfflugzeuge ausgeben zu wollen, die nach wenigen Stunden am Boden zerstört wären, weil man sie nicht schützen will, das ist einfach absurd.

Unser Engagement im Drohnenbereich ist bestenfalls symbolisch. Unverständlich, wenn man bedenkt, dass man bei dieser Technologie mit relativ wenig Geld vorne dabei sein könnte. Eine Milliarde in ein umfangreiches Drohnenprogramm, das sich nicht auf die Beschaffung weniger teurer Systeme beschränkt, sondern auf ein Programm, wie man da in den nächsten Jahren am Ball bleiben will, das wäre sicher sinnvoller investiertes Geld. Und da gäbe es genug militärisch-zivile Zusammenarbeitsmöglichkeiten. Wir haben das Know How, wir haben den Ukrainekrieg als Versuchslabor vor der Nase, die Industrie würde da sehr gerne mitmachen und der Standort würde gestärkt, bei gleichzeitigem Steigern des Autonomiegrads, da wir diese Systeme dann selbst herstellen könnten und nicht um Fantastilliarden bei den Rheinmetalls und Airbussen bestellen müssen.

China hat mittlerweile KI-gesteuerte Drohnenschwärme, die einfach von einem LKW aus gestartet werden, so wie die Shaheds der Iraner. Wir könnten sowas auch, man müsste nur wollen.
propellix
Beiträge: 651
Registriert: Mo 30. Apr 2018, 09:37

Re: Entwicklungen Fliegerabwehr

Beitrag von propellix »

Woyzeck hat geschrieben: So 12. Apr 2026, 14:54... Unverständlich, wenn man bedenkt, dass man bei dieser Technologie mit relativ wenig Geld vorne dabei sein könnte. Eine Milliarde in ein umfangreiches Drohnenprogramm, das sich nicht auf die Beschaffung weniger teurer Systeme beschränkt, sondern auf ein Programm, wie man da in den nächsten Jahren am Ball bleiben will, das wäre sicher sinnvoller investiertes Geld. Und da gäbe es genug militärisch-zivile Zusammenarbeitsmöglichkeiten. Wir haben das Know How, wir haben den Ukrainekrieg als Versuchslabor vor der Nase, die Industrie würde da sehr gerne mitmachen und der Standort würde gestärkt, bei gleichzeitigem Steigern des Autonomiegrads, da wir diese Systeme dann selbst herstellen könnten und nicht um Fantastilliarden bei den Rheinmetalls und Airbussen bestellen müssen.
Ja schon, in Österreich geht das aber nicht, weil dann nicht eine Kette von irgendwelchen Prospektenlesern und Erbsenzählern den BESCHAFFUNGSAKT hin- und her schieben könnten, die wahrscheinlich IMMER NOCH nach dem Proporz bestellet werden; und vor allem könnte der RECHNUNGSHOF und die WKSTa solche Beschaffungen nicht Jahre danach in aller Öffentlichkeit zerfetzen. Wo wäre die Existenzberechtigung ebendieser Leute dann?
maro-airpower
Beiträge: 1161
Registriert: Do 19. Mai 2022, 16:29

Re: Entwicklungen Fliegerabwehr

Beitrag von maro-airpower »

Woyzeck hat geschrieben: So 12. Apr 2026, 14:54
Ich denke doch, dass sich ihr Nutzen in den letzten Jahren verändert hat, da es wesentliche Änderungen bei weitreichenden air-to-ground-Waffensystemen gab (Gleitbomben und Cruise Missiles, weit geringere Kosten, dadurch höhere Verbreitung) bzw. die FlA heute ein Niveau erreicht hat, das den Einsatz von Jagdbombern über dem Gefechtsfeld faktisch verunmöglicht hat. Kampfflugzeuge dienen heute dazu, weitreichende Waffensysteme in die Luft zu bekommen, um deren Reichweite zu erhöhen bzw. zum Abfangen von ebendiesen. Wobei das schnell unökonomisch wird.
Das mit der Ökonomie hat mit einer Verschiebung der Reichweiten und Kosten zu tun. Vom Kampfflugzeug als Träger einer Freifallbombe (WK1-Vietnam+) zum Kampfflugzeug als Träger einer Kurzstrecken A/G-Lenkwaffe (Kalter Krieg, AGM-65) zum Kampfflugzeug als Träger einer Abstandslenkwaffe A/G-Lenkwaffe (Storm Shadow) - dann der markante Bruch, das Ende des INF-Vertrags. Auf einmal sind Boden/Boden-Waffen mit 500+km Reichweite nicht mehr "verboten".

Und auf einmal bekomm ich um das Geld eines Kampfflugzeuges (~100 Mio.) rund 1.000 Abstandwaffen á 100.000,- mit dem selben Radius. Und die bodengestützte FlA kommt mit dem einen Kampfflugzeug zurecht, aber nicht mit 1.000 Abstandwaffen.

Was uns noch fehlt und woran ja insbesondere dir Ukraine arbeitet sind skalierbare günstige Abfangsysteme. Etwas, das man von der westlichen Industrie, die ausschließlich goldplattierte Lösungen mit ewigen Lieferzeiten (uns selbst dann passts noch nicht) leider nicht erwarten kann.

Als obsolet sehe ich die Kampfflugzeuge nicht. Am Boden extrem gefährdet waren sie schon immer. Und das Ö. seit jeher in der Pendeluhr schläft und mit allen Voraussetzungen es nie geschafft hat Kavernen zu bauen...es ist trostlos.
Darüber hinaus ist das kleine Israel, von allen Seiten mit Abstandswaffen beschossen sehr wohl in der Lage erfolgreich mit Kampfflugzeugen zu operieren - offensiv wie defensiv.

Ich sehe als wahrscheinlichste "Landesverteidigung" derzeit immer noch als "Hinterland" mit Bedrohung durch Abstandswaffen, die zumindest durchfliegen. Und gegebenenfalls Trupps von asynchronen Kräften, die im Hinterland Sabotage, Anschläge etc. verüben.
Reicht eh - weil - mal angenommen - Der Brand jetzt bei "KnAAZ, Sukhoi" war eine Drohne(KI?)...wie Operation Spiderweb...
Wir brauchen angesichts potentiell mehrerer Infiltrationskräfte mit (Klein-)Drohnen entsprechende Abwehr/Abfangsysteme für eigentlich alles...also kritische Infrastruktur, zumindest die höhere Verwaltung, Kasernen sowieso, Schlüsselindustrie und Rüstungsbetriebe.

Mit 100 LKWs und je 50 Drohnen zu 1.000 Euro macht man heute das gesamte Bundesheer per Erstschlag zu Schrott....ferngsteuert.

Woyzeck hat geschrieben: So 12. Apr 2026, 14:54 China hat mittlerweile KI-gesteuerte Drohnenschwärme, die einfach von einem LKW aus gestartet werden, so wie die Shaheds der Iraner. Wir könnten sowas auch, man müsste nur wollen.
China hat sehr viel, man hört aber von nirgendwo Lobeshymnen über das Zeug... also ~~~
muck
Beiträge: 1560
Registriert: Do 9. Jul 2020, 05:10

Re: Entwicklungen Fliegerabwehr

Beitrag von muck »

Woyzeck hat geschrieben: So 12. Apr 2026, 14:54 Der Iran hat für mich v.a. gezeigt, dass Kampfflugzeuge gegen einen Gegner, der die oben genannten weitreichenden Waffensystemen in ausreichender Stückzahl verfügt sehr ineffizient bis nutzlos sind. Die Amerikaner hatten zahlreiche FlA-Systeme und Kampfflugzeuge im Einsatz, ziemlich sicher auch ein umfangreiches und detailliertes Lagebild und dennoch gelang es den weit unterlegenen Iranern auch nach Wochen gnadenlosen Bombardements Hochwertziele der Amerikaner am Boden zu zerstören.
Dieses Argument gibt für mich keinen Sinn.

Sie ignorieren, dass die amerikanische und israelische Luftwaffe über dem Iran nahezu Narrenfreiheit genießen—es gibt mehr als genug Videos, die den Erdkampf von A-10 und F/A-18 zeigen—, und dass die gesamten Verluste der Angreifer, sowohl in der Luft als auch am Boden, im Promillebereich der eingesetzten Kräfte liegen. Im Krieg kommt es nun mal zu Verlusten.

Die USA haben ihre Verluste am Boden im Übrigen zumindest teilweise selbst ermöglicht. Wenn ich z.B. KC-135 Flügelende an Flügelende auf der Ramp parke, muss ich mich nicht wundern, dass das dem Gegner auffällt und er angreift.

Konventionelle bemannte Flugzeuge tragen die Hauptlast der Kämpfe; sogar zu Luftkämpfen ist es bereits gekommen; sie sind demnach durchaus relevant.
Woyzeck hat geschrieben: So 12. Apr 2026, 14:5410 Milliarden für Kampfflugzeuge ausgeben zu wollen, die nach wenigen Stunden am Boden zerstört wären, weil man sie nicht schützen will, das ist einfach absurd.
Ich bin zwar auch der Meinung, dass Österreich statt 12 M-346 und 36 Gen IV oder gar Gen V-Flugzeugen lieber mehr Geld in die bodengebundene Flugabwehr stecken sollte; 12 L-39NG und 24 Stck eines Hauptwaffensystems würden es sicherlich auch tun.

Aber dass die gesamten Luftstreitkräfte "nach wenigen Stunden am Boden zerstört wären", diese Aussage erscheint mir einfach unrealistisch. Ein solches Szenar kann nur auf zwei Weisen eintreten:

Erstens; ein großer konventioneller Landkrieg erreicht Mitteleuropa, und Österreichs Nachbarn sind nicht in der Lage oder willens, einen Angriff auf Österreich abzuwenden, der immerhin über ihre Territorien hinweg geführt werden müsste.

Zweitens; eine Sabotageaktion à la Operation Spinnennetz.

Zu Erstens: 1999 scheiterte die NATO trotz vollständiger Luftherrschaft darin, die winzige jugoslawische Luftwaffe vollständig am Boden zu vernichten. Russland scheitert seit 2022 daran, die (im Vergleich ebenfalls winzige) ukrainische Luftwaffe aus dem Spiel zu nehmen, obwohl man zu Anfang erst Luftüberlegenheit hatte, und heute tagtäglich hunderte Drohnen einsetzt.

Selbst eine starke Flugabwehr kann einfache Maßnahmen wie eine situationsangemessene Dislozierung und Tarnung nicht ersetzen, und umgekehrt können solch einfache Maßnahmen bereits einen beachtlichen Schutz bieten.

Ähnlich gilt auch im zweiten Falle; den in der Operation Spinnennetz angegriffenen Fliegerhorsten fehlte es durchaus nicht an Flugabwehr und Mitteln zur elektronischen Kampfführung. Es gab einfach haarsträubende taktische und organisatorische Defizite, man fühlte sich sicher und unterließ einfachste Vorsichtsmaßnahmen.

Will sagen, selbst wenn Österreich jede Einrichtung der Luftstreitkräfte mit Patriot, IRIS-T und Skyguard pflastern würde, könnte ein Vernichtungsschlag am Boden immer noch erfolgen. Die Stellschrauben sind andere.
Woyzeck hat geschrieben: So 12. Apr 2026, 14:54Unser Engagement im Drohnenbereich ist bestenfalls symbolisch. Unverständlich, wenn man bedenkt, dass man bei dieser Technologie mit relativ wenig Geld vorne dabei sein könnte. Eine Milliarde in ein umfangreiches Drohnenprogramm, das sich nicht auf die Beschaffung weniger teurer Systeme beschränkt, sondern auf ein Programm, wie man da in den nächsten Jahren am Ball bleiben will, das wäre sicher sinnvoller investiertes Geld. Und da gäbe es genug militärisch-zivile Zusammenarbeitsmöglichkeiten. Wir haben das Know How, wir haben den Ukrainekrieg als Versuchslabor vor der Nase, die Industrie würde da sehr gerne mitmachen und der Standort würde gestärkt, bei gleichzeitigem Steigern des Autonomiegrads, da wir diese Systeme dann selbst herstellen könnten und nicht um Fantastilliarden bei den Rheinmetalls und Airbussen bestellen müssen.
Unbemannte Kampfmittel sind aufgrund ihrer im Vergleich zu herkömmlichen Waffensystemen geringeren Komplexität zwar billiger, haben durch sie aber auch einen entscheidenden Nachteil: Die Lebensdauer einer Systemgeneration beträgt nur noch Wochen, weil schnell Gegenmaßnahmen entwickelt werden.

Würde Österreich jetzt für eine Milliarde aktuelle Produkte kaufen, ergäbe das zwar auf dem Papier eine beachtliche Macht, aber in realiter hätte man viel Geld für Waffen ausgegeben, die nach Erfahrungen an der Front bereits jetzt zu veralten drohen und z.B. schon sehr verwundbar gegenüber russischer EloKa sind.

Die richtige Antwort auf diese neue Waffenkategorie scheint mir zu sein, möglichst viele Soldaten im Bedienen (und in der Abwehr) von Drohnen zu schulen; viele Exemplare braucht es dazu nicht, nur einen Grundstock. Sinnvoller wären Produktionsstätten im eigenen Land (oder wenigstens sicher verfügbare Kontingente der Produktion des befreundeten Auslands), um im Fall der Fälle schnell die Produktion der jeweils neuesten Generation hochfahren zu können.
maro-airpower
Beiträge: 1161
Registriert: Do 19. Mai 2022, 16:29

Re: Entwicklungen Fliegerabwehr

Beitrag von maro-airpower »

muck hat geschrieben: Mi 15. Apr 2026, 07:02
Würde Österreich jetzt für eine Milliarde aktuelle Produkte kaufen, ergäbe das zwar auf dem Papier eine beachtliche Macht, aber in realiter hätte man viel Geld für Waffen ausgegeben, die nach Erfahrungen an der Front bereits jetzt zu veralten drohen und z.B. schon sehr verwundbar gegenüber russischer EloKa sind.
Da geh ich nicht voll mit. Ich halte nichts von große Mengen auf Lager zu legen, weils schnell veraltet. Trotzdem muss man das integrieren, üben und wenn es dann gebraucht wird dann müssen die erforderlichen Mengen da sein. Man braucht da kleine Unternehmen die da permanent beschäftigt werden und sich das know how erarbeiten und erhalten und Fertigungskonzepte die kurzfristig skalierbar sind.

Das sind keine Milliarden die da erforderlich sind. Sondern ein niedriger zweistelliger Mio. Betrag im Jahr. Und das muss man in den Kopf bekommen, dass man das verbraucht, wie ein Granate. Ich fahr nächste Woche in die Ukraine auf ein AI Drohne Symposion. Ich trau mich dort nicht erzählen, dass das ÖBH jede Drohne mit einer Kennung versieht....

Und insbesondere was die Fliegerabwehr betrifft. Von den ukrainischen Abfangdrohnen gibts Modelle die Ziele schon selbst erkennen, auffassen sich in der Endphase selbst lenken; Modelle die "aus dem Büro" über hunderte km gesteuert werden können; Modelle die bereits über Fla-Systeme wie Lenkwaffen gesteuert werden können; Modelle die immer noch 100% vom Menschen gesteuert werden.
Und wo ein Pilot aus einem zwei, drei Mann Team mit einer Drohne um 3.000 Euro einen Radius von rund 20 km abdecken kann. Wir haben nichts dergleichen. Wir könnten eine Mistral um 300.000 Euro verschießen und nach 300 Schuss wär die Show vorbei und die nächste Lieferung um 100 Mio. gibts dann ich drei Jahren.
Für die 100 Mio. hab ich hier 10 Jahre eine laufende (Lizenz)Produktion - und ja ich muss lernen, das sich die Dinger alle paar Monate ändern und man kein Ersatzteillager und Teilelisten und Bedienungsanleitungen die man im Lager liegen hat gibt...und dass sie beim üben verbraucht werden...

alps_spirit
Beiträge: 372
Registriert: Mi 1. Aug 2018, 07:36

Re: Entwicklungen Fliegerabwehr

Beitrag von alps_spirit »

Und mit der Implementierung solcher Cluster auch gleich die Bürokratisierung optimieren. Lange Zulassungsverfahren, Genehmigungen, etc. wären kontraproduktiv.
Antworten