Mattle: „Ich lasse mir von Wien aus kein Krankenhaus zusperren“
Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) will die Zuständigkeiten für Bildung und Gesundheit neu ordnen. Eine Wehrpflicht für Frauen lehnt er ab.
Die Presse:„Wir haben Karten gespielt, die Zeit abgesessen“, hört man oft, wenn man nach dem Wehrdienst fragt. Woran erinnern Sie sich?
Anton Mattle: Für mich war es eine wertvolle Zeit. Ich war acht Monate lang als Systemerhalter in einer Fernmeldekompanie, konnte Fachkenntnisse gewinnen und prägende Freundschaften knüpfen.
2006 wurde die Wehrpflicht gekürzt, die verpflichtenden Milizübungen wurden abgeschafft. Am 20. Jänner dürfte die Reformkommission Gegenteiliges empfehlen. Eine gute Idee?
Ich warte gespannt, was die Experten erarbeitet haben. Fest steht aber: Die Republik hat viel Geld in die Hand genommen, um ihre Verteidigungsfähigkeit wiederherzustellen. Es ist hochtechnisches Gerät im Einsatz – da muss man genau schauen, ob die Ausbildungszeit reicht, um es bedienen zu können.
Wird der Wehrdienst verlängert, gilt das wohl auch für den Zivildienst. Dieser bindet junge Menschen aktuell neun Monate.
Ein Dienst an der Republik bedeutet nicht, die Menschen von etwas abzuhalten, sondern ist die Chance, einmal etwas zurückzugeben von vielen Dienstleistungen, die jeder Bürger von der Republik empfängt.
Sollten dann nicht auch Frauen zum Dienst an der Allgemeinheit verpflichtet werden?
Da bin ich konservativ: Der Wehrdienst wurde für Männer eingeführt, Frauen können freiwillig einen Heeresdienst leisten. Für alle gibt es das freiwillige soziale Jahr.
Als derzeitiger Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz nahm er zudem zu einer Reihe weiterer aktueller Themen Stellung – von einem Social-Media-Verbot bis zu einer Verlängerung des Grundwehrdienstes.
Verlängerung von Grundwehrdienst vorstellbar
Offen zeigte sich Mattle indes für eine Verlängerung des Grundwehrdienstes: „Österreich hat ja viel Geld in die Hand genommen, um das österreichische Bundesheer zu ertüchtigen. Jetzt werden Geräte auch angeschafft, die auch ein hohes Maß an qualifizierter Ausbildung bedürfen. Deshalb kann ich mir also durchaus auch vorstellen, dass längere Ausbildungszeiten auch beim Herr notwendig sind.“ Auch eine damit einhergehende Verlängerung des Zivildienstes sei denkbar, allerdings wolle er hier der Expertenkommission nicht vorgreifen, so Mattle.
ANDERERSEITS stellt es überhaupt eine merkwürdige Entwicklung dar, dass der Zivildienst, der ursprünglich ja nur in Ausnahmefällen genehmigt wurde, wenn ein Wehrpflichtiger glaubhaft aus Gewissensgründen den Gebrauch der Waffe verweigerte, nun so ohne Weiteres möglich ist.
Schon klar, die Zivildiener werden in der Pflege und in anderen Sozialbereichen dringendst gebraucht. Aber eigentlich gibt es in Österreich eben die Wehrpflicht, und zwar für alle – mit Ausnahme ausgewiesener Pazifisten. Und zur Lösung des Pflegeproblems sollte man vielleicht – alternativ zur Wehrpflicht – eine Dienstpflicht auch für Frauen einführen.