In the service of peace
  Die Exoten im Fuhrpark des Austrian Battalion auf den Golanhöhen.
Photo: Bundesheer
Frühling am Golan - der Pinzgauer in seinem Element.
Der Fuhrpark jener österreichischen Blauhelme, die zwischen Israel und Syrien stationiert sind, hat weit mehr zu bieten als den Puch G, den Pinzgauer und die beiden LKW-Typen Steyr 680 und 12M18. Nur 23 von 109 Fahrzeugen stammen auch aus Österreich.
Vier besonders interessante Typen möchten wir hier vorstellen: den finnischen Radpanzer XA-180, den Nyala aus Südafrika, den berühmten Mannschaftstransportpanzer M113A1 und die wohl exotischsten Fahrzeuge des Bataillons - Pistenraupen.
 
  Blauhelme auf den Golanhöhen.


Hochgebirgserfahrung von Vorteil! Der höchste UN Posten der Welt steht am Gipfel des Hermonberges - die "Edelweißhütte" auf 2.814m. Windgeschwindigkeiten
bis zu 150 km/h, erhebliche Schneefälle und Temperaturen bis zu - 15 Grad Celsius.
© Ein Heer für jede
Jahreszeit*
Die UNDOF (United Nations Disengagement Observer Force) überwacht bereits seit Mai 1974 den Waffenstillstand zwischen Israel und Syrien. Im Oktober 2003 waren 1.043 Blauhelme, 80 Militärbeobachter der UNTSO sowie 128 in- und ausländische Zivilisten vor Ort.
Der Einsatz der UNDOF ist gefährlich. Die unzählbaren Minen fordern immer wieder Todesopfer. Mittlerweile mussten insgesamt 40 Mann ihr Engagement mit dem Leben bezahlen (Oktober 2003).

Das AUSBATT (Austrian Battalion - engl. Schreibweise) wurde 1974 vom Suez-Kanal zu den Golanhöhen verlegt. Seither ist es dort für die etwa 40km lange, strategisch wichtige Truppentrennungszone vom Berg Hermon (2.814m) bis zur Stadt Kuneitra verantwortlich. Das Bataillon besteht aus 3 Jägerkompanien sowie Kommando- und Versorgungselementen.
Die Zahl der österreichischen Soldaten sank im Laufe der Zeit von etwa 500 auf derzeit bis zu 373 Mann. Der Großteil davon ist im UNDOF Hauptquartier Camp Faouar stationiert. Das Kontingent wird zweimal jährlich ausgetauscht. So haben bisher etwa 22.000 Österreicher eine Dienstzeit am Golan absolviert. Seit Mai 1998 ergänzen mittlerweile 95 slowenische Blauhelme das Bataillon.

25. Juni 1974
Auf der Suche nach einem abgestürzten israelischen Piloten fuhr der Landrover auf eine Panzermine. Zgf Hans Hofer, Kpl Helmut Sturm, Gfr Neuhauser und Whm Alija Voloder kamen dabei ums Leben. Es sind dies die ersten Gefallenen, die Österreich im Rahmen einer UN-Mission zu beklagen hat. Dieser Gedenkstein erinnert an die Opfer.
Photo: Ein Heer für jede Jahreszeit.
 
  Patria XA-180 "PaSi"

ein PaSi des österreichischen UNDOF Kontingents. Auf diesem Bild werden die Ausmaße des Fahrzeuges deutlich. © Bundesheer/PK*
Der PaSi kam ursprünglich mit einem finnischen Blauhelm-Kontingent in die Region. Als die Finnen im Dezember 1993 abgezogen und durch polnische Soldaten ersetzt wurden, beschloss die UNDOF einige PaSi, die ja schon vor Ort waren, zu leasen und stellte drei Fahrzeuge dem österreichischen Kontingent zur Verfügung. Ende 2004 kamen durch eine Fuhrpark-Umschichtung gleich 20 zusätzliche XA-180 zum AUSBATT (ersetzten die abge-zogenen Nyalas).
Der Name PaSi kommt vom finnischen Wort für Panzer "Panssari" und dem Namen des Herstellers "Sisu" aus Finnland.

Österreichische Blauhelme mit einem ihrer PaSi.
Im Hintergrund ein Steyr 680. © Bundesheer/PK











der Fahrerstand.
© Bundesheer/PK



der geräumige Innenraum.
© Bundesheer/PK

Die Entwicklung des PaSi geht bis ins Jahr 1979 zurück. Im Dezember 1983 bestellte die finnische Armee die ersten 50 Fahrzeuge. Auch die ersten neun XA-180 in der UN Version wurden damals speziell für die finnischen UN-Truppen beschafft. Die UN-Version besitzt verbesserte Klimaanlagen und keinen Wasserantrieb. Sie wird von Schweden, Norwegen, Irland, Ghana und Österreich eingesetzt.

Auf der Basis des XA-180 entstand eine kleine Fahrzeugfamilie, die 1994 zu den Serien X-185 und später zur Serie XA-200 weiterentwickelt wurde. Letztere unterschieden sich durch stärkere Motoren, stärkere Panzerung und durch den Verlust der amphibischen Eigenschaften.
Fahrzeuge dieser Serien betreiben neben Finnland auch die Niederlande und Norwegen. Erst im Jahr 2000 bestellte Schweden 104 XA-203 von der finnischen Patria Vehicles OY. Etwa 1.100 PaSi wurden bisher hergestellt.
Das Fahrzeug gilt als besonders zuverlässig. Angeblich ging erst ein einziger PaSi verloren - bei einem Unfall in Bosnien.

 
  Technische Daten XA-180 PaSi
Typ amphibischer Transportpanzer 6x6
Hersteller Sisu Defence OY / Patria Vehicles OY, Finland
Abmessungen Länge: 7,35m / Breite: 2,9m / Höhe: 2,3m / Bodenfreiheit: 0,4m
Leergewicht 12,5t
Gefechtsgewicht 15,5t
Motor Valmet 611, 6 Zylinder, 180kW / 236PS, wassergekühlter Turbodiesel, automatisches Getriebe
Höchstgeschwindigkeit 95 km/h (8km/h im Wasser)
Tankinhalt 290 Liter
Reichweite 900km
Steigfähigkeit 70%
max. Neigung 60%
Panzerung 10 mm Stahl (gegen Granatsplitter und 7,62mm Projektile)
Besatzung 2 + 10 Mann
Bewaffnung 12,7mm MG(optional), 10 Rauchgranatwerfer
Optional ABC-Ausstattung, Nachtsichtfähigkeit

Der gute Minenschutz des XA-180 rettete Mitte der 90er Jahre österreichischen Blauhelmen das Leben.
© Bundesheer/PK

Der Reifen zerfetzt, Schaden an der Aufhängung, mehr ist nicht passiert.
© Bundesheer/PK

So sieht ein Pinzgauer 6x6 nach einem Minentreffer aus. Auch dieses Photo stammt von den Golanhöhen.
Ein guter Beweis, dass sich Investitionen in den Schutz unserer Soldaten in Auslandseinsätzen auszahlen.

Der Minenschutz des Steyr Pandur ist vermutlich noch besser als der des XA-180.
© Ein Heer für jede Jahreszeit

In den geräumigen und relativ gut geschützten XA-180 steigt man einfach lieber ein.
Gut zu erkennen: die fehlenden Propeller in der ringförmigen Abdeckung.

© Bundesheer/PK

  Falls Sie einen Modellbausatz vom XA-180 kennen, dann schicken Sie mir doch bitte ein kurzes eMail!
Als Basis für einen Eigenbau kann Revells Transportpanzer 1 (Fuchs) dienen, die UN Version des XA-180 verfügt über ähnliche Reifen.
 
  der gepLKW RG-31 Nyala.


der Nyala mit dem
Kennzeichen UNDOF 6434. Seine eigenartige Form kann Leben retten.
© Uwe Schwinghammer
28 Nyalas wurden 2002 in den Fuhrpark der UNDOF aufgenommen. Die Fahrzeuge sind zuvor bei der Observer Group Lebanon im Südlibanon eingesetzt worden.

Der Nyala wurde 1993 von der südafrikanischen Firma TFM entwickelt. Das Unternehmen hatte im Laufe der Zeit wertvolle Erfahrungen mit den vielen Landminen in der Region gesammelt und lies sie in die Entwicklung des Nyala einfließen.

Aufgrund der V-förmigen Wanne, der speziellen Konstruktion der Radaufhängung und der Panzerung schützt das Fahrzeug seine Insassen vor der gleichzeitigen Explosion von zwei TM-57 Panzerminen unter zwei beliebigen Rädern!
 


das gleiche Fahrzeug.
Beachte den Suchschein-werfer auf dem Dach.
© Uwe Schwinghammer

Minen sind bei Peacekeeping-Einsätzen immer eine große Bedrohung, und so kam es, dass der Nyala und seine Nachfolger heute weit verbreitet sind.
Auch die Vereinten Nationen selbst haben eine Anzahl von Nyalas beschafft. Die ersten 30 Fahrzeuge wurden im Mai 1995 für den Balkan beschafft. Seither findet man sie auf fast überall dort, wo Blauhelme im Einsatz sind - eben auch bei den Österreichern auf den Golanhöhen.
 


ein AUSBATT Konvoi. Zu sehen sind 3 Nyala.
© Bundesheer
  Technische Daten RG-31 Nyala
Typ minengeschütztes gepanzertes Patrouillenfahrzeug 4x4
Hersteller TFM, Olifantsfontein, Südafrika
(heute: Alvis OMC, Benoni, Südafrika)
Abmessungen 5,46m / Breite: 2,21m / Höhe: 2,50m
Gefechtsgewicht 6,8t
Motor Daimler-Benz OM 352, 6 Zylinder Dieselmotor, 123 PS
Höchstgeschwindigkeit 100 km/h
Reichweite 900 km
Panzerung Stahl, gegen Granatsplitter, leichte Handfeuerwaffen
Besatzung 1 + 9 Mann
Bewaffnung 7,62mm MG (optional)
Ausrüstung Suchscheinwerfer, Seilwinde

Übung einer Bergung aus einem Minenfeld. Der Soldat trägt einen Minensplitterschutzanzug und trägt die geborgene Person auf den Fahrspuren des Nyala im Hintergrund aus der Gefahrenzone. © Bundesheer
Mitte der 90er Jahre wurde TFM zunächst von der südafrikanischen Reumech OMC übernommen, die ihrerseits 1999 vom britischen Unternehmen Vickers Defence Systems aufgekauft wurde. Seitdem Vickers vom britischen Unternehmen Alvis PLC übernommen wurde heißt der Hersteller des Nyala Alvis OMC mit Standort Benoni, Südafrika.
Alvis OMC konnte insgesamt bereits über 3.000 minengeschützte Fahrzeuge verschiedener Typen absetzen.
Der RG-31 Nyala wurde zum RG-31M und RG-31Mk3 weiterentwickelt. Dabei wurde die Schutzwirkung und Modularität verbessert, das Gefechtsgewicht stieg auf 8,4t an.

Gerade beim Nyala werden die Nachteile bei der Nutzung von Fremdgerät deutlich: Nachdem 2002 die Fahrzeuge von der Libanon Mission übernommen wurden, wurden sie vom AUSBATT mit neuen Funkanlagen ausgerüstet. Ende 2004 nahm die UN den Österreichern aber wieder alle Nyalas weg, da sie bei anderen Missionen angeblich "dringender" gebraucht werden. Ersetzt werden sie durch weitere PaSi, die aber nicht den selben Schutz bieten.
In den Fahrzeugbestand des Bundesheeres wird mit dem Dingo 2 ein Fahrzeug mit einer ähnlichen Schutzwirkung eingeführt.
   
XA-180 PaSi auf Patrouille. Photo: Bundesheer/PK
*Hinweise zu den Bildquellen: Bundesheer/PK: Photos des österreichischen Bundesheeres, zur Verfügung gestellt von PK, der uns auf dieses interessante Thema gebracht hat.
Ein Heer für jede Jahreszeit
: Redakteur Manfred Rauchensteiner, Österreichischer Bundesverlag GmbH, Wien 1985
Panzerfahrzeuge: Die Panzerfahrzeuge des österreichischen Bundesheeres 1918-1988, Rolf M. Urrisk, H. Weishaupt Verlag, Graz 1989
Uwe Schwinghammer: Die Bilder stammen von seiner Photo CD "Bundesheer 1993-2003"
 
 Seitenanfang
SEITE 01
UNDOF, XA-180, Nyala
SEITE 02
M113A1, PB200, PB200D
Seit 1960 nahmen über 50.000 Österreicher an
über 50 Friedens- und Hilfseinsätzen im
Ausland teil.


30 JAHRE UNDOF
(1974-2004)

 

</Anzeige>