Tag der offenen Tür in der Pioniertruppenschule - PiTS 2004.
Am 18. September 2004 fand der Tag der offenen Tür in der Magdeburgkaserne in Klosterneuburg (NÖ), dem Sitz der Pionier-truppenschule (PiTS) des Bundesheeres statt.
Dem Besucher erwartete ein so umfangreiches Informationsangebot, das es vermutlich nur wenige voll auskosten konnten. Vom Aufbau einer Pionierbrücke 2000, über Fahrten mit dem S-LKW oder mit Pionier-booten, bis hin zu einer Autogrammstunde mit HSV Olympiateilnehmern. Auch die Tore des kleinen aber feinen Pioniermuseums standen offen.
 

was verbirgt sich wohl
hinter dieser Tür?

Stichwort Pioniertruppenschule: die Schule ist für Forschung, sowie für Aus- und Weiterbildung im Pionierbereich verantwortlich. Ihr Kommandant ist gleichzeitig der Pionierchef des Bundesheeres.
Die PiTS gliedert sich in Stabs-, Grundlagen- und Lehrabteilung, in ein Minenzentrum, in ein Bauunterstützungszentrum, in die Patrouillenbootstaffel und in den Aufstellungstab VOREIN für internationale Aufgaben (Pionierkompanie und EOD-Team; etwa für das Minenräumen im Kosovo).
 
Hier nun eine kleine Auswahl unserer Aufnahmen:
 

SEITE 01
PiB 2000, Fahrzeuge, Minen
SEITE 02
Uniformen, Boote, Museum

alle Fotos
© doppeladler.com












Die Magdeburgkaserne wurde 1873 erbaut und ist nach Hauptmann Friedrich Freiherr von Magdeburg benannt. Ihm gelang die Zerstörung einer französischen Donaubrücke und trug so 1809 maßgeblich zum Sieg über Napoleon bei Aspern bei.

In Klosterneuburg gibt es bereits seit 1802 eine Pionierschule - genauer gesagt handelte es sich damals um eine sog. Pontonierschule.
Blick auf das Stabsgebäude der Kaserne.

Gleich neben der Magdeburgkaserne, in der Kuchelau, befindet sich die Marinekaserne Tegetthoff, in der u.a. die der PiTS unterstellte Patrouillen-bootstaffel stationiert ist.
 
die Pionierbrücke 2000
 
Pionierbrücke 2000 ist die österreichische Bezeichnung für die Faltfestbrücke FFB der deutschen Firma Eurobridge Mobile Brücken GmbH (System wird auch als Dornier Foldable Bridge bezeichnet).
Das Heer hat bisher sechs Einheitn beschafft. Eine Einheit besteht aus einem 8x8 Verlegefahrzeug von ÖAF und vier ÖAF Transportfahrzeuge, die alle Elemente der Brücke transportieren.
Mit der Pionierbrücke 2000 können 41m breite Gräben überbrückt werden. Sie hält selbst den schwersten Fahrzeugen des Heeres stand. Der Aufbau dauert maximal eine Stunde und kann von nur 6 Mann durchgeführt werden. Die nutzbare Fahrbahnbreite beträgt 4,3m.
Das Brückensystem hat sich bei Übungen und auch bei Katastrophen-einsätzen im Inland bereits bestens bewährt.

das Verlegefahrzeug ist das Herz des Systems.
Mit ihm werden die Transportfahrzeuge ent- und beladen und alle Elemente verlegt bzw. zusammengefügt.
das Verlegefahrzeug im Einsatz.
Hier wird der Vorbauträger errichtet.
die über 6m langen Vorbauträgerelemente werden vom Verlegefahrzeug von den Transportfahr-zeugen gehoben, mit den anderen Elementen verbunden und Stück für Stück über den Graben geschoben.
der Vorbauträger wird über den Graben geschoben. Am Ende des Trägers ist der sogenannte Uferbalken angebracht.
sitzt der Vorbauträger am anderen Ufer auf, wird der diesseitige Uferbalken montiert.
Dann können die eigentlichen, fast 7m langen Brückenab-schnitte auf den Träger aufgeschoben werden.
Die Brückenabschitte entfalten sich erst durch das Anheben auf ihre volle Breite. Dadurch gibt es für die Transportfahrzeuge im Straßenverkehr keine Probleme.
zuletzt werden die Rampen montiert, dabei wird das schwere Verlegefahrzeug selbst zum ersten Nutzer der Brücke.
 
der Belastungstest
 
In Klosterneuburg war auch ein 28t schwerer Kampfschützenpanzer Ulan zu Gast. Er sollte demonstrieren, wieviel die fertige Pionier-brücke nun aushält.
Unter uns: das schwere Brückenlege-fahrzeug war für die Brücke eindeutig der härtere Brocken.
hinüber ans andere Ufer ...
... und zurück.
ein Kinderspiel - aber trotzdem nett anzusehen.
 
der Pandur II
 
dieser Pandur II 6x6 gehört leider nicht dem Bundesheer, sondern dem Hersteller, der Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeug AG.
Dieses Fahrzeug ist mit dem 25mm LAV-25-Turm von Delco Systems ausgerüstet, mit dem auch die LAVs des USMC bewaffnet ist.
hinter dem letzten Rad befinden sich die Waterjets für den Antrieb im Wasser.
der Pandur II bewirbt sich u.a. in der Tschechei für einen Großauftrag. Diese tschechische Soldaten hat sich offensichtlich bereits entschieden.
 
das Minenzentrum
 
Die PiTS betreibt ein Minenkompetenz-zentrum. Hier läuft das gesamte Minen-Know-How des Heeres zusammen.
Die Minensuche und das Minenräumen sind zwei Schlüsselbereiche bei Auslandseinsätzen. Das Know-How des Zentrums schützt nicht nur eigene Soldaten, sondern auch die Zivilbevölkerung.

Links der Schutzanzug für die Minenräum-Teams (EOD - Explosive Ordnance Disposal) des Bundesheeres.
Gesucht wird mit Minendetektoren und mit Minensuchstäben. ('Stricknadeln mit Griff')
Das händische Räumen gilt immer noch als die verlässlichste Variante.
durch das Tragen solcher Spider-Boots wird die Wirkung von versehentlich ausgelösten Minen reduziert.
ein kleiner Teil der Lehrsammlung.
Die Schnittdarstellung-en zeigen eine Blastmine und eine projektilbildende Mine gegen Panzerfahr-zeuge.
Darunter sieht man Modelle von Anti-Personen-Minen, Richtsplitterladungen und zwei weitere Panzerabwehrminen.
Auch Fotos von getroffenen Fahrzeugen und Menschen wurden ausgestellt.
Anti-Personenminen.
Rechts sieht man drei Versionen von Richtsplitterminen.
Ganz vorne ein Modell aus ex-Jugoslawien, in der Mitte die amerikanische Claymore-Mine und ganz hinten die österreichische Richtsplitterladung.
Im Gegensatz zu den anderen hat das heimische Modell keinen Selbstauslöser, es muss von Hand gezündet werden und ist daher keine Mine oder Sprengfalle.
die vom Bundesheer verwendeten Panzerabwehrminen.

Anti-Personenminen sind in Österreich tabu, denn Wien unterzeichnete das Abkommen zu deren Ächtung.
eine Anti-Personenmine in freier Wildbahn. Selbst im sehr kurzen Gras so gut wie nicht zu erkennen.
Karte mit den Minenfeldern im Kosovo. In Suva Reka sind die Österreicher stationiert. Beachte die Konzentration an der Grenze (linker Rand) und am ehemaligen Frontverlauf (rechts oben).
Eine große Bedrohung stellen auch Blindgänger von Streubomben dar, die die NATO massenhaft über den Kosovo abge-worfen hat. Die kleinen gelben Zylinder sehen aus wie Spielzeug.
Im Minenzentrum des Heeres darf nichts dem Zufall überlassen werden. Die Vorbereit-ung für einen möglichen Einsatz im Sudan (Dafur) waren im September schon weit fortgeschritten!
Im ganzen Land gibt es riesige Minenfelder und viele Blindgänger. Die ältersten Minenfelder stammen noch aus dem 2. Weltkrieg, es kamen aber immer wieder welche dazu.

Die österreichische Firma Schiebel ist eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich der Minensuchgeräte. Z.B. stammt das weit verbreitete AN-19/2 (US Army AN/PSS-12) aus diesem Haus.

links: das MIMID - ein extrem kompakter Minendetektor.
rechts: das COMID kann Minen bei nahezu jedem Untergrund aufspüren und ist fast so kompakt wie das MIMID. Hier voll aufgeklappt.

 
Pioniergerät und sonstiges
 
natürlich wurde in Klosterneuburg auch ein großer Teil des Pioniergeräts vorgestellt.

Hier z.B. ein Radlader Fiat Allis 645B-BH.
ein Radlader der 436-Familie von JCB.
die Pioniere setzen den 6x6 S-LKW von ÖAF in vielen Varianten ein.
hier mit einem Poton-Element.
ein gehärteter S-LKW von ÖAF.
Die Fahrzeuge mit der gepanzerten Kabine sind vorallem auf dem Balkan im Einsatz.
Mit dem gehärteten
S-LKW konnte man (als Beifahrer) eine Probefahrt auf einem sehr anspruchsvollen Rundkurs machen.
der 10 Tonner ist erstaunlich geländegängig.
auch mit diesem Kommando-Pinzgauer und mit einem offenen Puch G konnte man mitfahren.
auch ein BTR-80 und ein BMP-2 sind mit ein bisschen Glück am Gelände zu finden.
die Drasch-Zelte für etwa 10 Mann sind geräumig und sehr schnell und einfach aufzubauen. Am rechten Bildrand erkennt man die Warmluftzufuhr.
die ABC-Truppe demonstrierte wie rasch sie notfalls ein Tanklöschfahrzeug 4000 heranführen und die Brandbekämpfung mit zwei Schläuchen aufnehmen kann.
      
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