der Bau der S.M.S. Zenta im
Maßstab 1/700.
ein Gastbeitrag von Jim Baumann aus England über das Resinmodell von WSW.
 

die SMS Zenta in 1/700.
alle Photos: © Baumann

Die S.M.S. Zenta hatte, obwohl einer der weniger bekannten Kleinen Kreuzer, eine ungewöhnliche und ereignisreiche Laufbahn. Für ein Schiff ihrer Größe bewältigte sie bedeutende Entfernungen rund um den Erdball. Deshalb fand ich es angemessen, die wichtigsten Ereignisse ihres aktiven Dienstes in einer kurzumrissenen Geschichte zusammenzustellen, die durchaus spannendes Lesematerial darstellt.
 

Die S.M.S. Zenta wurde im März 1899 als Kleiner Kreuzer für die Österreich-Ungarische Flotte fertiggestellt. Sie war die Namensgeberin für eine Klasse von drei Schiffen mit S.M.S. Aspern und S.M.S. Szigetvar als ihren Schwesterschiffen. Ursprünglich war sie vorgesehen, in fremden Gewässern zu kreuzen, vorrangig um im Ausland "Flagge zu zeigen", obwohl Österreich-Ungarn keine übermäßigen kolonialen Ambitionen hatte.

Sie war 96,6m lang und hatte eine Wasserverdrängung von 2.543t. Ihre Bewaffnung bestand aus acht 12cm Skoda Kanonen in der Form von Einzelgeschützen, acht Schnellfeuergeschützen sowie Maschinengewehren und Torpedorohren. Ihre volle Besatzungsstärke betrug 308 Mann.

Zu Beginn war sie in der Lage, eine Geschwindigkeit von über 20 Knoten zu erreichen. Mit einer Ladekapazität von 470 Tonnen Kohle hatte sie bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 12 Knoten einen Bewegungsradius von 3.800 Seemeilen. Um diesen zu erweitern und im Ausland effektiver präsent zu sein, war sie, im Gegensatz zu ihren Schwesterschiffen, zusätzlich mit einer Segeltakelage ausgestattet.
Im ganzen verfügte sie über eine Segelfläche von 585 m², verteilt auf Rahsegel, Gaffel und Stagreiter Klüver.
 
Die leichte Schräglage durch die Besegelung lässt das Modell besonders dynamisch wirken.
 
die Reisetätigkeit und das Schicksal der S.M.S. Zenta.
Die Zenta verließ Pola am 10. November 1899 mit Kurs auf den Fernen Osten, mit Zwischenstops in Port Said, Suez, Aden und Colombo. In Singapur traf sie am 3. Januar 1900 ein, wo sie vierzehn Tage lang blieb. Danach setzte sie ihre Reise nach Hongkong, Macau und Schanghai fort, besuchte in Japan Nagasaki, Kagoshima und Sasebo.

Unterwegs erreichte der Zenta die Nachricht, dass sich die Lage in China durch den Boxeraufstand schnell verschlechterte. Sie wurde zurückgerufen, um bei der Evakuierung von internationalem Botschaftspersonal sowie der Österreich-Ungarischen Delegation mitzuhelfen.
75 Besatzungsmitglieder nahmen an einer Entsatzexpedition nach Tientsin unter der Leitung des britischen Admirals Seymour teil.
Doch das ist schon wieder eine andere, faszinierende Geschichte …

Nach dieser 23 Monate dauernden Reise kehrte sie nach Hause zurück und wurde bis Oktober 1902 in Reserve versetzt.
Zu diesem Zeitpunkt brach sie zu einer erneuten Fernreise auf, diesmal entlang der afrikanischen Küste nach Kapstadt. Von da aus segelte sie nach Südamerika, wo sie in verschiedenen Häfen, unter anderem Montevideo, anlegte, bis sie am 10. Mai 1903 in Buenos Aires festmachte.
Sie legte am 22. Juni 1903 in Rio de Janeiro an, bevor sie den Atlantik überquerte und unter anderem die Häfen von Funchal, Cadiz, Tangier, Malaga, Tunis und Korfu ansteuerte.
Eine wahrhaft epische Reise für einen solchen kleinen Kreuzer!
Danach wurde sie wieder in Reserve versetzt und nahm bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges lediglich an den jährlichen Marinemanövern teil.

Seit Beginn des Krieges führte sie eine Flotte von sechs Torpedobooten an, die den Hafen von Montenegro blockierten. Dort wurde sie eingekesselt von einem Marinegeschwader, bestehend aus französischen und britischen Schlachtschiffen und Panzerkreuzern, die verhinderten, dass sie nach Norden entkommen konnte. Nachdem die Zenta der SMS Ulan, die eine höhere Geschwindigkeit erreichen konnte, die Flucht ermöglichte, wurde sie von 17 (!) Schiffen zusammengeschossen, wobei 179 Besatzungsmitglieder ihr Leben verloren.
Augenzeugen nach zu urteilen, sank sie mit fliegenden Fahnen und feuernden Geschützen.
Überlebende Offiziere und Besatzung schwammen an Land und wurden bis 1916 als Kriegsgefangene in Montenegro interniert.
 
  das WSW Resin-Modell in 1/700
  Ich habe das Modell von SMS Zenta aus dem sehr guten und akkuraten WSW Resinbausatz gebaut. Zusätzlich verwendete ich den exzellenten und übersichtlichen 1:100 Bauplan sowie das Begleitheft mit Detailzeichnungen von Peter Kovacs aus Ungarn in Verbindung mit dem "Typenblatt" (Merkblatt zur Klassenidentifizierung) von Robert Tögel von der österreichischen Website "The Modeller" sowie Photoquellen aus Büchern, aufgelistet am Ende des Artikels.

Der Bausatz ist, ohne zu übertreiben, einfach exzellent, eine genaue Gussform, die dem sorgfältigen Bau der Urform zu verdanken ist. Ich nutzte die Resinschornsteine nachdem ich sie ausgebohrt hatte, ersetzte aber die gegossenen Dampfröhren mit Draht. Die Halterungen, mit denen die Röhren an den Schornsteinen befestigt waren, sind aus einem winzigen Klecks Weißleim gemacht, der die Verbindung zwischen beiden herstellt, sehr sauber und einfach.

Von Anfang an hatte ich vor, das Schiff in Fahrt unter Segeln darzustellen, da es mit einer zusätzlichen Takelage ausgestattet war, um auf der Reise nach China Kohle sparen zu können
Erwin Sieche wies mich darauf hin, dass keinerlei Photos von Schiffen der Zentaklasse existieren, die den Nachweis erbringen würden, dass die Segel auch eingesetzt wurden.
Für mich ist es historisch nachvollziehbar, dass das auf die Rahsegel und wahrscheinlich auch auf die Besansegel verzichtet wurde, aber ich schlussfolgerte, dass meiner Meinung nach, ein kleines Schiff wie die Zenta in der steten Dünung des Indischen Ozeans sehr unangenehm gerollt haben würde, so dass man die geringe Anstrengung, die Klüversegel zu heißen, in Kauf genommen haben würde, um das Schiff zu stabilisieren.
Also stellte ich Zenta unter Hilfsbesegelung dar.
 

Ich wollte, dass man in der Lage ist, durch die Brücke hindurchzusehen. Die ursprünglichen Fenster waren als Erhöhungen dargestellt, obwohl leicht zu bemalen, hatten sie doch nicht den Effekt, den ich erzielen wollte. Deshalb schnitt ich das vordere Steuerhaus, zusammen mit all den soliden Relings, ab und baute die Brücke aus Messingteilen wieder auf. Für die Fenster verwendete ich 1/500 Leitermaterial, bevor ich ein neues Dach und die Brückenverlängerung hinzufügte.
Die verbliebenen Fenster waren auch Erhöhungen, die ich flach schliff und danach, als Fensterrahmen, kleine Vierecke aus Leitermaterial mit verdünntem Mattlack anklebte.
Diese wurden dann ganz einfach mit verdünnter schwarzer Farbe bemalt.
Genauso ging ich bei den hinteren Decksaufbauten vor, nur dass ich dort kleinere Vierecke aus dem 1/700 Leitermaterial von WEM* nutzte. Weitere Leitervierecke verwendete ich, um das Holzpaneling an der Vorderseite der Brücke darzustellen.

auf diesem Foto sind Teile
der Schiffsartillerie gut zu erkennen.
 

Die 47mm Schnellfeuergeschütze ersetzte ich vollständig mit von Grund auf neu gebauten Teilen, ihre Schilde bestehen aus Papier, das, nachdem es an richtiger Stelle eingeklebt, völlig mit Sekundenkleber getränkt wurde, was die Schilde absolut verfestigte.

Weiterhin bohrte ich all die Mündungen der Ventilatoren aus und stellte zwei mehr her, wie aus den Schiffsplänen hervorging.
Die Kohlenbunkerklappen sowie die runden Ventilatoren bestehen aus Nieten aus dem Modelleisenbahnladen (!), die in vorgebohrten Löchern eingelassen wurden.
Ein kleines Oberlicht hinter dem letzten Deckhaus wurde in Einklang mit dem Kovac-Plan angefertigt.
Winzige gebogene Stützen, die das vordere Brückendeck über dem Gefechtsstand halten, sind aus gezogenem Kupferdraht gemacht.

Denselben gezogenen Kupferdraht benutzte ich, um die Wanten herzustellen. Die dünneren horizontalen Webleinen bestehen aus einem schwarzem Gussast, wie auch die Fussperde an den Rahen auf dem vorderen Mast.
 

  Die Segel sind verstaut an Masten aus Edelstahl und Messingrahen, und die aufgeschnürten Besansegel wurden mit Weißleim aufgebaut.
Wieder und wieder überprüfte ich die verfügbaren Fotos, um sicher zu gehen, dass die Segel tatsächlich so sauber und straff verstaut waren, wie ich sie letztendlich am Modell dargestellt habe.
Die Klüversegel sind aus Papier gemacht, auf das ich vorher mit Bleistift die Nähte der Tuchbahnen eingezeichnet habe, sowie auch die Eckverstärkungen der Segel. Danach wurden sie absichtlich leicht ungleichmäßig mit Wasserfarben getönt.
Während sie noch nass waren, formte ich sie um Cocktailstäbchen herum und ließ sie dann auf dem warmen Heizkörper trocknen. Als sie trocken waren, fixierte ich sie mit Mattlackspray, damit sie formstabil bleiben und gegen die Luftfeuchtigkeit geschützt sind.
 
 
 

Das Meer habe ich aus Acrylgel medium aus dem Künstlerbedarf hergestellt. Der Rumpf wurde mit einem klein wenig Schräglage in die lange Dünung eingebettet.
Den Spalt zwischen Wasserlinie und Wasseroberfläche, der dadurch entstand, dass Zenta kein Vollrumpfmodell ist, füllte ich mit Weißleim ein und bemalte ihn , da das Unterwasserschiff durch die Krängung sichtbar wird.
Die rosafarbene Wasserlinienmarkierung ist korrekt…!
Das Modell wurde dann mit gezogenen Gussästen getakelt.
Die Verwitterungsmale geben dem Schiff das Aussehen eines rußigen, kohlebefeuerten Dampfers, der eine wochenlange ausgedehnte Seepassage hinter sich gebracht hatte.
Kein Rost, da das Schiff bei der Ausfahrt praktisch brandneu gewesen war.
 



diese Aufnahme vom Deck der Zenta zeigt zahlreiche Details. Beachten Sie auch die Figuren, die sich an Deck tummeln.
Die Figuren sind von GMM**, bemalt in Tropenausstattung, die Relings sind GMM Superfein Gold.
Das einzige Resinbestandteil des Bausatzes, das ich nicht nutzte, war ein Boot, das ich durch eines von WEM ersetzte. Das Fotoätzspeichenrad auf dem hinteren Deckhaus war ein Schiffsbootsrad aus dem WEM 1/350 Fotoätzset für die König.
Aus dem selben Set stammen die Handrelings, von denen ich die Querstreben verwendete, um die Stützen für die Sonnensegel herzustellen. Dadurch, dass sie aus Metall sind, sind sie, im Gegensatz zu gezogenem Gussast, der sich verbiegen kann, stark genug, um die Takelage des Sonnensegels zu tragen.
Dasselbe Material nutzte ich für die Leinwandrahmen der Niedergänge. Die Stufen der Unterdeckniedergänge sind aus altem 1/350 Leitermaterial, das ich nach unten hin dunkler bemalt habe. Die Illusion von Tiefe wirkt.
 
  Alles in allem war es ein Modell, das Spaß gemacht hat zu bauen. Der Basisbausatz ist von sehr hoher Qualität und gut recherchiert, Er stimmt mit den Plänen und Fotos überein, soweit ich das beurteilen kann. Es gibt keine Fehler, lediglich einige Weglassungen und Vereinfachungen.

Die Hinzufügung der Segel gab dem kleinen Schiff einen zusätzlichen interessanten Aspekt und inspirierte mich, zukünftig einige frühere Schiffe aus dem Zeitalter des Übergangs vom Segel- zum dampfbetriebenen Schiff mit noch komplexeren Takelagen zu wagen …

Ich kann diesen kleinen Schiffsbausatz jedem wärmstens empfehlen, der einen kleinen Kreuzer bauen möchte, und sich dabei abseits der ausgetretenen Pfaden halten will.
 
  Quellenangaben

ein Größenvergleich.

Wladimir Aichelberg
K.U.K. Dampfschiffe
Robert Tögel "The Modeller"
Typenblatt "Zenta-Klasse"
Claudia Hamm & Christian Ortner
Mit SMS Zenta in China
Lothar Baumgartner & Erwin Sieche
Die Schiffe der KUK Kriegsmarine im Bild Vol 2
Erwin Sieche
Kreuzer der KUK
Marine Arsenal 27
 


die Zenta läuft ab ...
 
Wir danken Jim Baumann dafür, dass er uns bereits zum 2. Mal einen so schönen Beitrag geschickt hat. Seine Frau hat ihn für uns ins Deutsche übersetzt.
Jim Baumanns sehenswerte Radetzky in 1/700 findet man ebenfalls auf diesen Seiten.
 
*)
**)
WEM: White Ensign Models
GMM: Gold Medal Models
      
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