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Re: Mehrfachraketenwerfer für das Bundesheer?

Verfasst: Sa 27. Jun 2026, 13:03
von iceman
Wird die Artillerie ganz gestrichen oder kommt eine Modernisierung viel später, weil keine Steilfeuerunterstützung kann ich mir nicht vorstellen.

Re: Mehrfachraketenwerfer für das Bundesheer?

Verfasst: Sa 27. Jun 2026, 13:24
von theoderich
Wenn ich den Landesverteidigungsbericht richtig deute, kommen möglicherweise Precision Guidance Kits ("Munition für weitreichende und hochpräzise Waffenwirkung") für die seit 2019 eingeführte M795 und ganz kleine Stückzahlen von Loitering Munitions. Ob das für die wenigen Jahre Sinn macht, die die M-109A5Ö noch in Dienst bleiben bevor sie höchstwahrscheinlich ersatzlos ausgemustert werden, steht auf einem anderen Blatt.

maro-airpower hat geschrieben: Fr 26. Jun 2026, 17:24 - Und die zweite Kernaufgabe - Infiltrationsgruppen die hier robuster Sabotage und Störungen durchführen in den Griff zu kriegen. Und da kann ich HS und M346 mit begrenzten Bodenangriffsfähigkeiten, auch mal wo Kampfpanzer als nützlich sehen - aber sorry - kein MRLS.

Es sei denn wir wollen damit im Verbund mit NATO/EU kämpfen und/oder im Ausland....
Wie man sich die Eingliederung und die Nutzung von Raketenartillerie vorgestellt hat, ist letztes Jahr im "Truppendienst" erklärt worden:
Unterstützungskonzepte

[...]

Eine wichtige Rolle kommt der weitreichenden Feuerunterstützung in der Einsatzführung der 7. Jägerbrigade/Jagdkampf zu. Die auf allen Führungsebenenvorhandenen Joint Fire Support-Elemente (streitkräftegemeinsame taktische Feuerunterstützung) sollen den Einsatz der voraussichtlich in Zukunft im Bundesheer eingeführten Raketenartillerie ermöglichen. Im Projekt WE7X wird daher erprobt, wie ein Aufklärungs-Wirkungsverbund („Recce-Strike Complex“) eingeführt werden kann.

Aufgrund der großen Ausdehnung verfügen die Jagdkampfkompanien und -züge über gesteigerte Fähigkeiten im Bereich der Aufklärung, da der Raum ansonsten nicht abdeckbar wäre. Darüber hinaus müssen innerhalb der Brigade zukünftig eine Vielzahl an Drohnen zur Zielaufklärung verfügbar sein. Daraus lässt sich gemeinsam mit der Raketenartillerie und anderen Wirkmitteln ein schlagkräftiger Recce-Strike Complex bilden.
https://www.truppendienst.com/beitraege ... gdkampf-20

Die Idee, mit geringen Mitteln einen sehr großen Raum bewirken zu können, macht ja Sinn.

Re: Mehrfachraketenwerfer für das Bundesheer?

Verfasst: Sa 27. Jun 2026, 20:34
von maro-airpower
theoderich hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 13:24 Die Idee, mit geringen Mitteln einen sehr großen Raum bewirken zu können, macht ja Sinn.
Naja - geringe Mittel. Der Fire Point Chef im Interview.

Die FP-7 als ballistische Rakete mit 200-300km und 150kg Gefechtskopf ist wirtschaftlich bereits obsolet. Weil es System gibt die das um weniger als ein Zehntel des Preises schaffen....und er schränkt ein, mit Ausnahme zeitkritscher Ziele.

Die USAF wird eine eine Luft/Luft+Luft/Boden Rakete mit 1.840km in Auftrag geben...“Air Force Long Range Weapon”.
Lenkung und Steuerung teilautonom/vollautonom geht schon über Distanzen von 150-200km <10.000,- das Stück.

Hab auf der eurosatory mit einem deutschen Rüstungsmanager gesprochen wie so es von "X" nicht eine einfachere, billigere Variante gibt wenn wir doch wissen, dass die Ziele nicht so anspruchsvoll sind.... ehrliche Antwort, weil im billigen Systeme die Spanne nicht da ist und deshalb kein Interesse....

In unseren Köpfen ist immer noch nicht angekommen, dass der INF Vertrag Geschichte ist und man Reichweiten auch problemlos vierstellig denken kann, dass ich in drei Jahren alle 15Min. ein 20cm Auflösung von der gesamten Erdoberfläche bekomme - und selbst wenn nicht - das Zeug navigiert optisch via Geländemerkmale.
Schau dir den Iran an, selbst als "Kleinstaat" kann man Systeme mit strategischen Reichweiten bauen und einsetzen.

3350 so ERAMs (link) kosten 720Mio. Euro....ein Feststoffbooster um das vom Boden starten zu können einen Nasenrammel....
https://militaeraktuell.at/russischer-v ... er-rakete/

Es wird mit was Reichweiten betrifft mit Blick auf die heutige und morgige Realität zu kurz und oder zu teuer gedacht.

Re: Mehrfachraketenwerfer für das Bundesheer?

Verfasst: Sa 27. Jun 2026, 20:53
von theoderich
maro-airpower hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 20:34Schau dir den Iran an, selbst als "Kleinstaat" kann man Systeme mit strategischen Reichweiten bauen und einsetzen.
Die Iraner hatten auch nie eine andere Wahl, dauersanktioniert und von ausländischen Bezugsquellen nahezu ganz abgeschnitten. Und sie haben mit dieser Technologie immerhin fast dreißig Jahre Erfahrung - Österreich hat überhaupt keine.

Guest Post – Always Be Casting: An Estimate of Iranian Solid Rocket Motor Production

https://www.armscontrolwonk.com/archive ... roduction/ In Israel gibt es mit Tomer, das 2015 aus IMI (Israel Military Industries) ausgegliedert worden ist, ein staatliches Unternehmen, das mit immerhin ca. 750 Mitarbeitern Motoren für ballistische Raketen und Trägerraketen produziert. Und in Westeuropa MBDA (inkl. TDW, Bayern Chemie und Roxel), Avio, Diehl Defence, SAAB, Kongsberg und Nammo.

Das Knowhow in Österreich erschöpft sich in Projekten von Studenten (Zugegeben, nicht uninteressant, aber eben kein Industriemaßstab.):

https://austria-in-space.at/en/portrait ... m-graz.php

https://spaceteam.at/en/lamarr-en/

Aus dem Budget des BMLV wären die Entwicklungsarbeiten kaum finanzierbar. Der Budgetposten "Versuche und Erprobungen auf kriegstechn. Gebiet" ist verschwindend gering (2026: 56.000 EUR; 2027: 70.000 EUR; 2028: 105.000 EUR). Und das Verteidigungsprogramm FORTE, das vom BMF (UG 15: Finanzverwaltung - Detailbudget 15.01.06 Sicherheitsforschung) finanziert wird, hat heuer einen Etat von 4,95 Mio. EUR (Quelle: Ausschreibungsleitfaden 2026), fokussiert aber ausdrücklich nicht auf Waffensysteme.

Re: Mehrfachraketenwerfer für das Bundesheer?

Verfasst: So 28. Jun 2026, 00:01
von iceman
Was für einen Sinn hat dann noch diese Jagdkampfbrigade, wenn diese Systeme nicht zulaufen?

Re: Mehrfachraketenwerfer für das Bundesheer?

Verfasst: So 28. Jun 2026, 00:23
von theoderich
Es wiegt wesentlich schwerer, dass die geplanten Gefechtsfahrzeuge für die kleinen Verbände der Brigade großteils nicht beschafft werden. Ich nehme an, dass man den Status quo mit "Pinzgauer" und mittlerem bzw. schwerem Granatwerfer aufrecht erhalten wird. Vielleicht auch noch vereinzelte PAR, ein paar PAL und Loitering Munitions. Aber ganz sicher keine Ausstattung für den Einsatz.