Re: Entwicklungen Fliegerabwehr
Verfasst: Di 16. Sep 2025, 23:45
Putin legt das Drohnen-Dilemma des Westens schonungslos offen
https://www.diepresse.com/20103848/puti ... slos-offenMit Kanonen auf Spatzen
Der Vorfall warf aber nicht nur ein Schlaglicht auf die politische Verfassung des transatlantischen Bündnisses. Er legte auch die militärische Verwundbarkeit der Nato offen. Denn der Westen war gezwungen, sprichwörtlich mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Niederländische und polnische Kampfjets stiegen auf und zielten mit Luft-Luft-Raketen (Stückpreis bis zu einer Million Euro) auf Billigdrohnen aus Sperrholz wie die Gerbera-3, die um die 10.000 Euro kostet.
Die Drohnenabwehr frisst Unsummen – und reicht zugleich nicht aus. Russische Drohnenschwärme, wie sie täglich über die Ukraine herfallen, könnte der Westen allenfalls ein paar Wochen abwehren. Dann wäre das Arsenal erschöpft. Alfons Mais, Deutschlands ranghöchster Soldat, bezeichnete auch deshalb die Drohnenabwehr als eine der „größten Schwächen“ der Bundeswehr. Die Hightech-Luftabwehr ist auf Raketen und Marschflugkörper ausgelegt, nicht auf Schwarmangriffe mit Billigdrohnen.
Die Europäer sind mit diesem Problem nicht allein. Selbst das mächtigste Militär der Welt ist auf die Bedrohung durch Drohnenschwärme nicht ausreichend vorbereitet. Zumindest kommt eine aktuelle Studie des Center for a New American Security zu diesem Schluss. Im Falle eines Kriegs um Taiwan laufe die USA Gefahr, von der Masse chinesischer Drohnen überwältigt zu werden, warnen die Studienautoren.
Ukraine als Lehrmeisterin
Aussichtslos ist die Lage nicht. „Die Abwehr von Schwärmen billiger Angriffs- und Aufklärungsdrohnen ist möglich. Man muss dafür aber in die richtigen Technologien investieren und in Masse produzieren“, sagt Militärexperte Gustav Gressel zur „Presse“. Die Ukraine ist dabei eine Lehrmeisterin des Westens. Sie hat gezeigt, wie man iranische Shahed-Drohnen und deren russische Nachbauten ausschaltet.
Man muss sich eine wirksame Drohnenabwehr wie eine Zwiebel vorstellen. Sie besteht aus mehreren Schichten. „Zunächst einmal muss man feststellen, wo die Dinger fliegen“, sagt Gressel. Dafür müsste die Nato-Luftraumüberwachung erstens um passive Radars erweitert werden, die sich anders als die aktiven Radars kaum orten und damit auch nicht so leicht umfliegen lassen. Zweitens seien akustische Sensoren nötig. Auch hier hält die Ukraine Lektionen parat: Sie hat, etwas vereinfacht, ein Netz aus Mikrofonen errichtet, um den Himmel auf Drohnengeräusche abzuhören – das Projekt „Sky Fortress“. Im Baltikum, wo sie die Grenze zu Russland befestigen, wollen sie das Vorgehen nachahmen. Auch die EU springt jetzt auf den Zug auf.
Bei der Abwehr von Drohnen gibt es kein Allheilmittel. Gressel plädiert einerseits für mobile Teams, die nicht nur mit Störsendern, sondern auch mit Abfangdrohnen unterwegs sind, die in der Ukraine gute Ergebnisse erzielen. Solche ukrainischen Abfangdrohnen könnten schon heute in Dänemark und anderen EU-Ländern in Lizenz gefertigt werden, sagt Gressel. In der Ukraine schießen sie Drohnen aber auch mit Maschinengewehren vom Himmel: Hightech und Altmodisches verschmelzen. Zum Schutz wichtiger Infrastruktur müsste darüber hinaus eine Vielzahl an Fliegerabwehrkanonen aufgestellt werden. Allerdings gebe es davon „zu wenige“.
Österreich „oben ohne“
Österreich verfügt zurzeit nur über ein aktives bodengebundenes Luftabwehrsystem. Die Zwillingskanonen sind in Zeltweg stationiert. Sonst ist die Republik „oben ohne“, wie es neulich ein Offizier pointiert gegenüber den „Salzburger Nachrichten“ formuliert hat. Das gilt zumindest, solang sich nicht die Piloten in die Drohnenabwehr einschalten. Theoretisch könnten Eurofighter aufsteigen( einem Bericht zufolge entwickelt Hersteller BAE Systems billigere Raketen zur Drohnenabwehr). Gressel weist noch auf eine Alternative hin: Propellerflugzeuge des Bundesheers wie die PC-7 würden die langsamen Billigdrohnen gleichfalls „erwischen“. Auch das ist eine Lektion aus der Ukraine, die mit Kleinflugzeugen und Hubschraubern auf Drohnen schießt.


