Oberster EU-General Brieger: „Keine wirksame Luftabwehr“ ohne Sky Shield
https://www.profil.at/oesterreich/obers ... /403001866Sie sind der ranghöchste Militär in der EU und waren Generalstabschef in Österreich. Was würde aus Ihrer Sicht passieren, wenn sich Österreich aus dem Raketenschutzschirm Sky Shield zurückzieht?
Robert Brieger Wir würden in den bedauernswerten Zustand zurückfallen, über keine wirksame Luftabwehr zu verfügen. Ich glaube nicht, dass das wünschenswert ist.
Es ist eine Initiative aus Deutschland, 21 Staaten nehmen teil. Ist sie mit der Neutralität vereinbar?
Brieger Ja. Der Zweck ist, die notwendige Flieger- und Drohnenabwehr in kurzer, mittlerer oder größerer Reichweite gemeinschaftlich zu beschaffen und so günstigere Konditionen zu erzielen. Und einen Datenaustausch zu pflegen – der Luftraum endet ja nicht in Neusiedl. Wir schauen jetzt schon über die Grenze, diesen Datenaustausch müsste man verdichten.
Wäre ein Rückzug ein Schaden für die Reputation, Finanzen und Sicherheit Österreichs?
Brieger Definitiv.
Die FPÖ spricht sich gegen Sky Shield aus. Müsste sie davon absehen?
Brieger Wenn man mich fragte, würde ich empfehlen, diesen Prozess nicht zu unterbrechen, weil er im Interesse der Sicherheit Österreichs ist. Dass solche sicherheitspolitischen Grundfragen zum Gegenstand innenpolitischer Auseinandersetzungen gemacht werden, ist generell bedauerlich.
Mario Kunasek hat Sie zum Generalstabschef ernannt, in seiner Biografie haben Sie ihn explizit als Verteidigungsminister gelobt. Hört der Freiheitliche nicht auf Ihre Expertise?
Brieger Ich bin nicht sicher, ob Mario Kunasek als steirischer Landeshauptmann bei den Koalitionsverhandlungen das Sagen hat. Es ist bekannt, dass ich Kontakte zur freiheitlichen Partei habe. Und meine Ansichten zu Sky Shield wie auch in verschiedenen anderen Grundhaltungen sind dort bekannt.
- Herbert Scheibner: Ein Neustart in Österreich ist notwendig – für alle (Gastkommentar)
Hinsichtlich Sky Shield, für das es bis jetzt nur Absichtserklärungen gibt, sollte die Notwendigkeit eines Raketen- und Drohnenabwehrsystems außer Streit gestellt werden. Welches System bestgeeignet ist und ob eine gemeinsame Beschaffung vorteilhaft ist, sollte umfassend, ohne politische Scheuklappen, erhoben und das effizienteste System beschafft werden. Ein Projekt über sechs Milliarden Euro kann nicht so nebenbei beschlossen werden. Mit der völkerrechtlichen Neutralität hat das nichts zu tun, ist diese doch schon mit der Verfassungsreform 1998 weitgehend aufgehoben worden – die damalige Regierung hat nur vergessen, das offen zu kommunizieren.
https://www.derstandard.at/story/300000 ... -fuer-alleHerbert Scheibner ist ehemaliger Politiker (FPÖ, BZÖ) und Präsident des Thinktanks Europäisches Institut für Terrorismusbekämpfung und Konfliktprävention (EICTP). Scheibner war Verteidigungsminister in der im Jahr 2000 gebildeten ersten schwarz-blauen Koalition.
