Schweiz: Programm "Air2030"

Wehrtechnik & Rüstung, Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik
theoderich
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Re: Schweiz: Programm "Air2030"

Beitrag von theoderich »

Finnland muss den F-35 teuer nachrüsten. Auch auf die Schweiz kommen hohe Kosten zu
Finnland ist einer der wichtigsten Kunden des F-35-Programms. Es hat insgesamt 64 Tarnkappenbomber bestellt. Der Rückhalt für das Milliardenprogramm ist gross.

Doch spätestens seit diesem Frühling sorgt die Beschaffung auch dort für Misstöne. Während Präsident Stubb die Jets in Empfang nahm, postete der Abgeordnete Johannes Yrttiaho in den sozialen Netzwerken scharfe Kritik: «Die Ausstattung der Flugzeuge ist schwächer als vertraglich vereinbart», so der Parlamentarier des Linksbündnisses. Die Debatte angestossen hatte die Zeitung «Helsingin Sanomat». In einer grossen Recherche hatte sie aufgezeigt, dass die Jets weniger können, als bei der Bestellung vereinbart worden war. «Der Hersteller des F-35 hat zu viel versprochen», so der Titel des Artikels. Was die Finnen jetzt schon ärgert, dürfte bald auch in der Schweiz zum Thema werden.

Die zugesicherte Modernisierung hat jahrelange Verspätung

Der Grund ist, dass die USA den F-35 laufend weiterentwickeln. Das grösste und bisher ehrgeizigste Erneuerungspaket ist der sogenannte «Block vier». Er umfasst unter anderem bessere Sensoren und Radarsysteme sowie neue Möglichkeiten der elektronischen Kriegsführung. Der Hersteller Lockheed Martin hatte ursprünglich bis zu 80 zusätzliche Funktionen versprochen. Das Upgrade sollte bis 2026 einsatzbereit sein.

Doch es hat jahrelange Verspätung. Mittlerweile soll ein stark abgespecktes Paket bis 2031 fertig sein – also erst nach der Auslieferung der Jets. Die «Helsingin Sanomat» kritisiert, dass Finnland dafür einen hohen Preis bezahle: «Die Luftwaffe muss einen erheblichen Teil der fehlenden Funktionen später selbst und auf eigene Kosten installieren.»

Die Schweiz hat den Kaufvertrag für ihre F-35 praktisch gleichzeitig mit Finnland unterschrieben. Und steht damit vor der gleichen Problematik. Doch auf der Website des Verteidigungsdepartements (VBS) ist bis heute zu lesen: «In den Schweizer Fliegern werden alle Block-4-Systemkomponenten eingebaut sein.»

Bemerkenswert ist, was der frühere Projektleiter Darko Savic im Sommer 2022 versprochen hatte. Der als «Mr. Kampfjet» bekannte Savic sagte in der Sicherheitskommission des Nationalrats: «Block 4 ist die Version, die wir ausgeliefert erhalten. Das ist auch die Version, die mit dem Festpreis verbunden ist. Da kommen keine weiteren Kosten auf uns zu.»

Diese Aussage ist aus heutiger Sicht gleich mehrfach falsch. Weil die USA Verspätung haben, werden die Schweizer Jets genau gleich wie die finnischen mit einer abgespeckten Version der neusten Technologie eintreffen. Auch das Versprechen, dass der Schweiz keine Kosten entstünden, ist kaum mehr haltbar. Und wie mittlerweile das ganze Land weiss, gab es auch nie einen Fixpreis.

Auch die Schweiz muss in die eigene Tasche greifen
Die ganze Geschichte zeigt einmal mehr, wie abhängig die Käufer des Tarnkappenjets von den Abläufen und Regeln der USA sind. Wer den Flieger bestellt, muss nach jahrelangem Warten schlicht und einfach die Version abnehmen, die die USA dann ab Band lassen, und den vereinbarten Preis bezahlen. Selbst wenn sich in Aussicht gestellte Modernisierungen verspäten und erst in einigen Jahren zur Verfügung stehen.

Das Bundesamt für Rüstung Armasuisse bestätigt, dass die neuen Jets bei der Auslieferung noch nicht über alle neuen Funktionen verfügen. Die Jets würden in der zum «Auslieferungszeitpunkt aktuellen Block-4-Konfiguration» geliefert, schreibt es auf Anfrage. Und: «Aufgrund von Verzögerungen im amerikanischen F-35-Programm werden einzelne zusätzliche Block-4-Fähigkeiten schrittweise eingeführt.»

Schon heute ist klar, dass die Schweiz dafür viel Geld in die Hand nehmen muss. Denn damit der F-35 später sämtliche neuen Funktionen überhaupt nutzen kann, müssen die Jets nachgerüstet werden. Das erste grosse technische Upgrade der neuen Flotte ist schon in den 2030er Jahren geplant. Dann muss die Schweiz bereits die Turbinen modernisieren, damit diese genügend Strom für die zusätzlichen elektronischen Funktionen liefern. Weil die USA auch mit diesem Upgrade jahrelange Verspätung haben, weiss bis heute niemand, wie viel das kosten wird. «Das Upgrade ist noch in Entwicklung. Weshalb noch keine genauen Kostenangaben gemacht werden können», schreibt Armasuisse.

Der Bund hat solche grösseren Nachrüstungen der Jets nicht in die Betriebs- und Lebenswegkosten des F-35 eingerechnet. Das heisst, dass es für solche Aktualisierungen zusätzliche Mittel braucht. Armasuisse schreibt: «Diese werden mit zukünftigen Armeebotschaften dem Parlament vorgelegt.»

Kritiker befürchten, dass die Modernisierung des Triebwerks erst der Anfang ist und bei den Hightech-Fliegern schon bald weitere teure Nachbesserungen auf die Agenda kommen. «Für weitergehende Upgrades können zusätzliche Kosten entstehen, deren Höhe heute noch nicht feststeht», schreibt das Bundesamt für Rüstung dazu.

Neben den technischen Änderungen an den Maschinen selber braucht es auch umfassende Software-Updates. Diese seien durch die Unterhaltsverträge mit den Amerikanern sichergestellt, versichert Armasuisse. «Für deren Einführung entstehen keine zusätzlichen Kosten ausserhalb dieser Verträge.» Allerdings heisst das nicht, dass diese Updates damit für die Schweiz kostenlos sind. Die Amerikaner werden sie bei den zukünftigen Servicepaketen der Eidgenossenschaft in Rechnung stellen.

Das Ganze lässt im Parlament die Alarmglocken läuten. «Der F-35 droht zum Fass ohne Boden zu werden», sagt die SP-Nationalrätin Linda De Ventura. Das VBS drücke sich davor, eine realistische Vollkostenrechnung zu machen. «Nachrüstungen und Updates sind ein zusätzlicher Kostentreiber. Es wird ganz sicher weitere Zusatzkredite brauchen.»

«Auch ich als Bürgerlicher beobachte die Kostensteigerungen beim F-35 mit Sorge», sagt der SVP-Nationalrat und Luftwaffenoffizier Markus Schnyder. Leider seien Mehrkosten heutzutage bei Grossprojekten schon fast Usus. Doch wegen der angespannten Sicherheitslage brauche die Schweiz den neuen Kampfjet unbedingt: «Ich stelle den F-35 auf keinen Fall infrage. Er ist das beste Flugzeug für die Schweiz.»
Die finnischen Behörden halten ebenfalls an der Beschaffung des F-35 fest und wehren sich gegen Kritik. Der Programmleiter Henrik Elo schreibt der «NZZ am Sonntag» auf Anfrage: «Wir sind bereit, die Kosten für die notwendigen Modernisierungen zu tragen.» Die Finnen haben die Mittel für die zahlreichen Nachrüstungen bereits eingeplant: «Diese Kosten werden im Rahmen der Finanzierung des F-35-Programms und des finnischen Verteidigungshaushalts gedeckt.»
https://www.nzz.ch/schweiz/kritik-am-ka ... d.10027877

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theoderich
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Beitrag von theoderich »

F-35 und das Projekt Rigi
Da warens nur noch 3
Vor einem Jahr gaben das VBS und der staatliche Rüstungsbetrieb Ruag bekannt: Vier der 36 für die Schweiz bestellten Kampfflugzeuge des Typs F-35 sollen bei der Ruag in Emmen LU endmontiert und getestet werden. Doch diese Ankündigung ist von der Realität eingeholt worden.

Der angebliche Schweizer Fixpreis für den US-Kampfjet ist Geschichte. Die drastischen Teuerungen bei den Amerikanern machen die Schweizer Bestellung kleiner. Weil das Volk bei der Abstimmung von 6 Milliarden ausgegangen ist, werden es weniger Kampfjets als 36. Das hat auch Konsequenzen für das Projekt Rigi, wie Recherchen von Blick zeigen. Statt den vier Kampfflugzeugen werden in Emmen nur noch drei Schweizer Kampfjets montiert. Weniger Arbeit für die Ruag bedeutet weniger Geld und weniger Skaleneffekte.

Das Projekt Rigi war VBS-intern umstritten. Offsetgeschäfte verteuern die Beschaffung massiv. Es wäre günstiger, fertig gebaute Flieger direkt aus den USA zu importieren, als Millionen an Steuergeldern in den Staatsbetrieb Ruag zu pumpen. Politisch hingegen sind Offsetgeschäfte gewollt. Die damalige VBS-Vorsteherin Viola Amherd (64, Mitte) wischte Bedenken weg und verwies auf den Nutzen für die Schweizer Wirtschaft, aber auch auf die Entwicklung von militärischem Know-how.

Ruag bemüht sich um Aufträge

Volkswirtschaftlich hingegen ist der Effekt jedoch irrelevant. «Unter Annahme einer Vollbeschäftigung der Schweizer Wirtschaft führen Offsetgeschäfte, gleich wie Armeeaufträge an schweizerische Unternehmen, zu keinem volkswirtschaftlichen Nutzen», heisst es in einem internen Papier des VBS, das Blick vorliegt. «Würden die Offsetgeschäfte nicht anfallen, müsste nach dem Opportunitätsprinzip davon ausgegangen werden, dass andere Aufträge gewonnen und ausgeführt werden könnten.»

Wie viel Know-how und welche Skaleneffekte die Ruag mit drei Kampfjets erwirbt, muss sie nun beweisen. Die Ruag bemüht sich darum, Aufträge aus anderen Ländern an Land zu ziehen. Kommende Woche möchte sie die Öffentlichkeit darüber informieren.
https://www.blick.ch/politik/f-35-und-d ... -3/6n64g0r

https://www.facebook.com/share/p/1Eds3quZxC/
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