Keine Eurofighter: Budget sprengt Rüstungspläne
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Wer will aufsteigen? Das Bundesheer sucht Piloten-Nachwuchs
Ein paar Dutzend junger Burschen stehen in einem Gebäude des Flugplatzes Langenlebarn im Bezirk Tulln. Sie alle haben die Stellung hinter sich gebracht und wissen, dass sie körperlich für eine Pilotenausbildung geeignet sind. „Körperlich“ - die Einschränkung ist wichtig, denn das alleine reicht nicht, wie die Burschen bald erfahren werden. Sie wurden zum Piloten-Informationstag eingeladen, um zu erfahren, was sie erwartet, sollten sie eine Karriere im Cockpit anstreben.
Nachdem alle ihre Daten angegeben haben, geht's ab in den Hörsaal, der auch tatsächlich so heißt. Dort empfängt sie Andreas Huemer, seit 1992 Pilot beim Bundesheer und einer jener wenigen, die den Eurofighter fliegen. Eineinhalb Stunden lang werden die Burschen an seinen Lippen hängen, nicht einmal ein Hüsteln ist zu hören.
Fliegerisches Personal
„Wir Piloten sind die Spitze des Eisberges“, sagt Huemer, „wenn wir aufsteigen, haben viele Leute vieles richtig gemacht.“ Denn neben denen, die Jets, Hubschrauber oder Transportflugzeuge fliegen, brauche es ungleich mehr an fliegerischem Personal: Fluglotsen, Techniker, Controller. Auch für sie gelten hohe Anforderungen wie Belastbarkeit, Stressresistenz, räumliches Vorstellungsvermögen – all das, was Piloten auch mitbringen müssen.
In Österreich werden für die Pilotenausbildung nur die Besten genommen. Die Truppe ist so klein und das Feld der tauglichen Bewerber so eng, dass man sich keine Ausfälle leisten kann, erläutert Pilot Huemer. Das bedeutet, dass die Zahl der Auszubildenden schwanken kann.
Strenges Auswahlverfahren
Wer Militärpilot werden will, muss ein fünfstufiges Auswahlverfahren durchlaufen, das sich über 12 Monate zieht. Es beginnt mit einer psychologischen Voruntersuchung, bestehend aus mehrstündigem Intelligenztest, dem ein vierstündiger fliegerspezifischer Test folgt. Ein Tag unter Stress also.
Wer nicht besteht, kann diesen Test einmal nach 12 Monaten wiederholen. 450 Bewerber waren im Vorjahr zu diesem Auswahlverfahren angemeldet, „maximal zehn bis zwölf bleiben übrig“ umreißt Huemer, wie hier ausgesiebt wird.
Wirbelsäule beansprucht
Wer das hinter sich gebracht hat, wird medizinisch auf Herz und Nieren getestet. Piloten sind extremen körperlichen Belastungen ausgesetzt. Besonders die Wirbelsäule wird beansprucht. Weshalb Piloten, ähnlich wie Formel-1-Fahrer, ihre Nackenmuskeln mit Gummibändern trainieren.
Es folgt das „fliegerische Assessment“, bei dem die Anwärter soziale Kompetenz und Teamfähigkeit unter Beweis stellen müssen. An der Stelle kann es für Anwärter auch ein bisschen gemein werden, sagen die Ausbildner: es werden Aussagen angezweifelt, unangenehme Fragen gestellt. Wie reagieren die potenziellen Piloten darauf?
Die ersten 24 Monate der Ausbildung sind für alle Anwärter gleich, erst dann muss man eine Entscheidung treffen: Hubschrauber, Transportmaschine oder Jet? Individuellen Wünschen kann dabei nicht immer entsprochen werden, entscheidend ist der Bedarf des Bundesheeres.
Jetpiloten werden in Sardinien trainiert
Vier Standorte für Militärpiloten gibt es in Österreich: Langenlebarn, Hörsching, Zeltweg und Aigen im Ennstal. Jene, die sich für eine Jetausbildung entscheiden, werden in Italien (Lecce auf Sardinien) ausgebildet, weil das Bundesheer diese Ausbildung in Österreich derzeit nicht anbieten kann.
Deshalb wird dieses Ausbildungsmodul zugekauft. Und noch eine Spezialität gibt es bei den Jetpiloten: Sie brauchen eine Matura, denn in Italien müssen Piloten Offiziere sein – was eine Matura voraussetzt.
https://kurier.at/chronik/niederoesterr ... /403168497Drei Jahre zur Ausbildung ins Ausland
Eine Ausbildung auf einem Militärjet bedeutet jedenfalls drei Jahre Auslandsaufenthalt. „Ihr seid nicht immer zuhause, ich sage das in Zeiten der Work-Life-Balance nur dazu“, merkt Huemer an.
Wer die teure und aufwendige Ausbildung zum Militärpiloten absolviert, muss sich ab Beginn der fliegerischen Ausbildung für zehn Jahre Dienst beim Bundesheer verpflichten.
Am Ende seines Vortrags kommt Huemer noch auf einen möglichen Ernstfall zu sprechen: Wer im Cockpit sitze, könne durchaus einmal eine Schussfreigabe bekommen, „Neutralität hin oder her“. Allen müsse klar sein, dass das hier das Militär sei. Für Huemer kein Thema: „Ich habe den besten Job der Welt.“
Pressestunde: mit Markus Marterbauer, Bundesminister für Finanzen, SPÖ
14.6.2026, 11:05 Uhr | ORF 2
https://on.orf.at/video/14326892/presse ... anzen-spoeKritik an Budget für Bundesheer: Hat Sicherheit keinen Vorrang mehr?
Klaus Webhofer (ORF): "Ich möcht' noch ein anderes Thema ansprechen, das vorhin auch in den ... in der ZIB schon aufgetaucht ist. Das Bundesheer bekommt zwar nächstes Jahr ein wenig mehr Budget, ungefähr 100 Millionen, entfernt sich aber trotzdem immer weiter vom Regierungsziel, muss man sagen, nämlich, dass 2032 zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung ausgegeben werden sollen. Das ist ja auch so ein europäisches Ziel, muss man dazusagen. Hat Sicherheit keinen Vorrang mehr in der Regierung?"
Markus Marterbauer (Finanzminister, SPÖ): "Wir sind in einem Spar-, in einer Sparphase, in einer Sanierungsphase, und das wird von allen Regierungsparteien geteilt, auch von allen Ministerien. Alle sind wirklich dahinter, und bemühen sich, einzusparen."
WEBHOFER: "Aber es gibt dieses Commitment, zwei Prozent der Aus ... des BIP."
MARTERBAUER: "Ja, das kann ich nur, da kann ich Ihnen in dem Sinn nur recht geben, als im jetzigen Doppelbudget und dann im Bundesfinanzrahmen, der ja bis 2031 reicht, die zwei Prozent nicht sichtbar sind. Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir gewisse Anschaffungen, die sich das Verteidigungsressort besonders prioritär wünscht, ermöglichen. Da geht es zum Beispiel um diese Leonardo-Jettrainer, also wir bekommen Flugzeuge ab dem Jahr 2028, oder um die Mittelstreckenraketen, MRAD-Beschaffungsprogramm, auch das ist im Budget abbildbar. Aber sehr viel weiter geht's nicht. Und wenn man das in Relation zum BIP ausdrücken will, weil Sie das Zwei-Prozent-Ziel genannt haben, dann ist in der Rechnung des Bundesheeres, auf die sich die zwei Prozent auch beziehen, sind wir etwa bei 1,2 Prozent im Moment. Und das ist im Wesentlichen stabil für die nächsten Jahre. Wir haben ..."
WEBHOFER: "Dort werden wir dann auch 2032 sein, nur bei 1,2 Prozent."
MARTERBAUER: "Wir haben aber auch beschlossen in der Bundesregierung, dass wir das Thema, um das es sich ja oft dreht, die öffentliche Debatte, die Nachfolge der Eurofighter, die ganz, ganz teuer wird - angeblich, ich kann nur nacherzählen, was mir gesagt wird, fünf bis zehn Milliarden Euro, also so viel Geld, das kann ich mir gar nicht vorstellen, wie viel das ist - dass diese ... dieser Beschaffungsvorgang jetzt nicht im Zuge der Budgeterstellung geklärt wird, das haben wir geklärt, sondern dass wir im Herbst einen Prozess definieren werden, wie wir dort zu einer Entscheidung kommen. Das wird ganz, ganz schwierige Entscheidung, ganz, ganz schwierig!"
WEBHOFER: "Nur ganz kurz: Bei Ihnen hat man wirklich immer den Eindruck ein wenig, wenn man Sie über diese Flugzeuge reden hört, Sie haben eine gewisse Aversion dagegen, oder es interessiert Sie überhaupt nicht. Eigentlich Sie finden das gar nicht notwendig, dass man das hat. Stimmt der Eindruck?"
MARTERBAUER: "Ich kann das nicht beurteilen, ob wir das brauchen oder nicht, ja. Ich bin ein Ökonom und kein Verteidigungsexperte. Mein Wunsch ans Verteidigungsressort, an die Ministerin, war eine Prioritätenliste: Was ist das Wichtigste, zweit-, dritt- und so weiter. Da sind wir vorangekommen und die wichtigsten Maßnahmen sind auch abgehakt. Ich habe sie vorher, vorher Teile davon aufgezählt. Ich kann nicht beurteilen, ob wir 32, 36 oder was auch immer Abfangjäger brauchen..."
WEBHOFER: "Überhaupt welche."
MARTERBAUER: "... das ist nicht mein Job als Ökonom, ja. Ich schaue auf das Budget."
