Medienberichte 2026
-
theoderich
- Beiträge: 29753
- Registriert: So 29. Apr 2018, 18:13
Re: Medienberichte 2026
Zuletzt geändert von theoderich am Mo 1. Jun 2026, 19:30, insgesamt 2-mal geändert.
-
theoderich
- Beiträge: 29753
- Registriert: So 29. Apr 2018, 18:13
Re: Medienberichte 2026
- Abschreckung ist besser als Krieg (Leitartikel)
https://kurier.at/meinung/bundesheer-we ... /403165221Die Herren waren irritiert, um nicht zu sagen: ungehalten. Am Montag wandten sich Vertreter von Miliz, Industrie und Rotem Kreuz an die Öffentlichkeit, und ihre Botschaft war simpel: Bei der Wehrpflicht „brennt der Hut“, es hat etwas zu passieren – jetzt und nicht irgendwann.
Man muss es – leider – auch an dieser Stelle wiederholen: Vier Monate sind vergangen, seit eine parteiübergreifende Kommission recht ausgefeilte Vorschläge zur Reform von Wehr- und Zivildienst vorgelegt hat. 2.700 Arbeitsstunden von 23 Expertinnen und Experten wurden zu einem fast 100 Seiten zählenden Grundlagenpapier verdichtet.
Das politische Ergebnis zur Stunde bleibt dennoch eine Nullmeldung. Hält die Regierung die Vorschläge der Experten für unausgegoren? Fehlt ihr – aus welchen Gründen auch immer – der Mut, die Empfehlungen umzusetzen? Nähere Auskünfte darüber sind schwierig.
Für Militär, Rotes Kreuz, Zivilschutzverbände und Experten ist die Sache freilich ziemlich einfach: Wehr- und Zivildienst müssen deutlich verlängert werden.
Nicht, weil man die jungen Menschen ärgern oder ihnen wertvolle Lebenszeit stehlen will, sondern weil die Ausbildung in der aktuellen Form fahrlässig ist.
Im Prinzip geht es darum, dass Österreichs Grundwehrdiener in sechs Monaten zwar eine minimale Basisausbildung erhalten. Das, was bei einer Mobilmachung zählt, nämlich im großen Stil mit anderen Verbänden zu agieren, können sie aber noch nicht. Um eine Analogie zum Fußball zu bemühen: Wären Grundwehrdiener Kicker, könnte man sagen: Sie kennen die Grundregeln, sie können laufen, passen und köpfeln. Wie aber die Mannschaft zu agieren hat, damit sie Tore schießt, Spiele gewinnt oder gar in einem WM-Turnier besteht, davon haben die jungen Herren zu wenig Ahnung – weil sie das heute kaum trainieren.
Übelmeinende sehen in der Verlängerung der Wehrpflicht wie im Kauf von neuen Waffensystemen primitive Kriegstreiberei. Doch das ist zu simpel gedacht. „Wir investieren nicht in den Krieg, wir investieren in die Abschreckung“, hat die Forschungsdirektorin am NATO Defense College, Florence Gaub, jüngst in Wien gesagt.
Denn: Schurkenstaaten scheren sich im Ernstfall nicht um Völkerrecht, Verfassung oder Neutralität. Sie prüfen, was Militär und Gesellschaft eines Landes können – und entscheiden pragmatisch. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn uns die Demokratiefeinde zutrauen, unsere Art zu leben mit Kraft zu verteidigen, bleibt Österreich der Worst Case im Idealfall erspart. Dafür gilt es freilich die Voraussetzungen zu schaffen. Und eine davon ist: Die Grundwehrdiener müssen bestmöglich ausgebildet sein.
-
theoderich
- Beiträge: 29753
- Registriert: So 29. Apr 2018, 18:13
Re: Medienberichte 2026
Wie die Regierung in die Heeresreform taumelte
https://www.kleinezeitung.at/artikel/27 ... m-taumelte
Wehrpflicht: Kommt doch noch eine Volksbefragung?
Wehrdienst-Debatte weiter ohne Ergebnis
https://ooe.orf.at/stories/3356775/
https://www.kleinezeitung.at/artikel/27 ... m-taumelte
Wehrpflicht: Kommt doch noch eine Volksbefragung?
https://kurier.at/politik/inland/volksb ... /403165220Erwin Hameseder ist Milizbeauftragter der Regierung und Vorsitzender jener Kommission, die der Dreier-Koalition im Jänner eine Verlängerung von Wehr- und Zivildienst empfohlen hat.
Vor allem aber ist der Raiffeisen-Manager keiner, der für seine öffentliche Kampfrhetorik bekannt ist. Insofern ist es durchaus bemerkenswert, dass der Milizoffizier (Dienstgrad: Generalmajor) nunmehr sehr scharfe Begriffe verwendet – und zwar in Richtung der Regierung. „Die Ignoranz gegenüber geopolitischen Realitäten und Entwicklungen ist nicht mehr zu akzeptieren und zu dulden!“, sagt Hameseder. Sein Ärger hat vor allem mit einem Projekt zu tun: mit der Wehrpflicht – und ihrer Verlängerung.
Hameseder ist beileibe nicht allein: Ob Peter Koren von der Industriellenvereinigung, Peter Kaiser vom Roten Kreuz, Armin Richter vom Milizverband oder auch Erich Cibulka, der als Chef der Plattform Wehrhaftes Österreich gut 250.000 Mitglieder vertritt: Sie alle forderten am Montag im Rahmen eines Schulterschlusses die Umsetzung des Modells „Österreich Plus“, das eine Verlängerung von Wehr- und Zivildienst bedeutet. „Kommen Sie endlich in die Gänge!“, donnerte Cibulka an die Adresse der Dreier-Koalition.
Wenig bis gar kein Verständnis haben die Vertreter der Plattform für Vorstöße, wie sie am Wochenende unter anderem aus den Reihen der SPÖ gekommen sind.
Wie berichtet hat deren Wehrsprecher eine abgespeckte Variante des Modells „Österreich Plus“ vorgeschlagen – nämlich ein 6 plus 2.
Koalitionsfreier Raum
Ein solches „Rosinenpicken“ sei wenig sinnvoll, befindet Hameseder.
Der Präsident des Milizverbandes, Armin Richter, zeichnet ein nachgerade dramatisches Bild: Die Ausbildung der heimischen Soldaten sei unzureichend. „Es ist ethisch untragbar, mit halb ausgebildeten Soldaten in den Einsatz zu gehen.“
Sollte die Regierung nicht in Bälde eine Verlängerung paktieren, sei es Zeit, einen „koalitionsfreien Raum“ zu eröffnen, damit die Verlängerung beschlossen werden kann.
In diesem Zusammenhang brachte Erwin Hameseder noch ein anderes Thema zurück auf den Tisch: Sollten die Koalitionsparteien keine rasche Einigung schaffen, bleibe „wohl nur eine Volksbefragung als letzter Ausweg“.
Zur Erinnerung: ÖVP-Kanzler Christian Stocker hatte eine solche unabgesprochen und durchaus zum Unmut der beiden anderen Koalitionspartner SPÖ und Neos Anfang des Jahres ins Spiel gebracht, um die Gemütslage der Wähler zu klären.
In den vergangenen Monaten war von der Volksbefragung aus vielerlei Gründen keine Rede mehr.
Nun könnte die paradoxe Situation eintreten, dass die Pattstellung in der Regierung die alte Stocker-Idee wieder aufs Tapet bringt.
Die Mitglieder der erwähnten Wehrdienst-Plattform machten zwar deutlich, dass ihnen eine rasche Entscheidung ohne Volksbefragung lieber wäre. Aber notfalls werde man „massiv dafür eintreten“, dass die Bevölkerung befragt werde – es gehe um die Sicherheit der Bevölkerung.
Abgesehen von den schleppenden Verhandlungen und der fehlenden Entscheidung enervieren die Vertreter der Plattform auch die nun wieder diskutierten Argumente. So sieht IV-Vertreter Peter Koren die Verlängerung von Wehr- und Zivildienst vor allem „als Chance, dass junge Männer zusätzliche Qualifikationen wie Führungserfahrung erwerben“.
Die Argumentation, dass eine Verlängerung von Wehr- und Zivildienst eine zusätzliche Belastung für die heimischen Unternehmen bedeute, weist der IV-Vertreter mit dem Vergleich zwischen Milizübungen und Krankenstandstagen zurück: Eine Verlängerung der Wehrpflicht würde zwischen 350.000 und 950.000 Übungstage im Jahr bedeuten.
„Wenn wir das den Krankenstandstagen mit rund 55 Millionen Stück im Jahr gegenüberstellen, so ist das eine verschwindende Größe.“
In der Bundesregierung war Montagabend weitgehend unklar, wie es weitergeht. Während Verteidigungsministerin Klaudia Tanner seit Monaten das Modell Österreich Plus der Wehrdienstkommission präferiert, hat die SPÖ wie erwähnt eine kürzere Variante ins Spiel gebracht. Die interne Sprachregelung der Neos lautet: Man wolle die Frage „grundlegend diskutieren“. Und ob und wie die Grünen und oder die FPÖ einer Verlängerung zustimmen – was ja zumindest für den Zivildienst verfassungsmäßig zwingend nötig wäre – ist zur Stunde offen.
Wehrdienst-Debatte weiter ohne Ergebnis
https://ooe.orf.at/stories/3356775/
