Freibad oder Panzer: Finanzierungsdebatte
Hans Bürger (ORF): Wie sehen Sie denn derzeit die Bundespolitik? Ich will jetzt nicht den großen Themenschwenk machen. Wir haben im Studio zwei, das ist die Sendung um halb sechs immer bei uns in ORF 2, haben wir so eine Rubrik, die völlig originellerweise „Frag den Bürger“ heißt. Da gibt es einige, die in den letzten Wochen gefragt haben und ausgerechnet haben offenbar selbst einen Herrn Herbert, ich habe mir das angeschaut, der sagt: „Ein neues Freibad kostet genauso viel wie ein neuer Panzer.“ Jetzt ist das natürlich schon ein bisschen ein seltsamer Vergleich. Aber kommen Sie selbst mit der Bevölkerung in diese Diskussion hinein, wo es heißt: „Herst, ihr gebt hier aus Milliarden für die Sicherheit unglaubliche Mengen, da spielt offenbar Geld überhaupt keine Rolle mehr und bei uns sperrt ihr das Schwimmbad zu.“ Was ist da los?
Johannes Pressl (Gemeindebund): Also diese so direkte Diskussion, wie Sie schildern, haben wir auf der Gemeindeebene nicht, wenn Sie darauf ansprechen, wie hält es der Gemeindebundpräsident mit der Sicherheit? Wie hält er das vielleicht auch mit einer Wehrdienstreform? Und ich möchte die Frage jetzt gar nicht vorwegnehmen.
Christina Traar (Kleine Zeitung): Kommt noch, keine Sorge.
PRESSL: Dann reden wir nachher noch drüber.
BÜRGER: Ja, ja, aber freilich, das wäre der indirekte Einstieg gewesen.
PRESSL: So direkt wird auf der Gemeindeebene nicht argumentiert. Wir sind schon immer, wenn wir eine gewisse Leistung oder ein Zusperren argumentieren müssen, unabhängig von dieser allgemeinen Logik. Aber ich nehme es auf, das Thema Sicherheit als Thema...
BÜRGER: Haben Sie gewusst, dass ein Panzer so viel kostet wie ein neues Schwimmbad?
PRESSL: Ich habe es nicht gewusst, ich habe es damals aus der Flugzeugdiskussion, dass es hier um Milliarden geht, ja, das weiß ich, ja.
BÜRGER: Aber Entschuldigung, jetzt habe ich Sie unterbrochen.
PRESSL: Ja, aber wenn Sie, wenn Sie darauf ansprechen, wie diese Sicherheitsdiskussion, auch diese Wehrdienstdiskussion, die geht ja nicht spurlos an uns in den Gemeinden vorbei, aber gar nicht so sehr aus Finanzierungsgründen, sondern auch aus Gründen, wie halte ich es mit dem Staat? Ist dieser Staat für sich wehrfähig? Es gibt hier einige Grundsätze, wie sich der Staat definiert, auch über seine Verteidigungsfähigkeit. Persönlich, habe das jetzt intensiv verfolgt, bin auch vor vielen, vielen Jahren schon zwölf Monate beim Bundesheer gewesen, habe dann noch zwei Monate Zivildienst, also Milizdienst gemacht, noch vier Monate Zivildienst, da ist eine Einheit aufgelöst worden, deswegen kenne ich diesen Bereich auch noch und ich spreche mich ganz deutlich für eine Wehrdienstverlängerung aus. Ich finde das absolut richtig, was diese Kommission jetzt auf den Tisch gelegt hat, „8 plus 2“, das, glaube ich, muss Österreich jetzt machen und dafür trete ich auch ein, auch seitens der Gemeinden.
Stellungnahme zur Volksbefragung über die Wehrpflicht
TRAAR: Und Ihr eigener Bundeskanzler möchte nicht das jetzt umsetzen, was die Wehrpflichtkommission oder diese Kommission, die sich das wirklich angeschaut hat, zu dem Schluss hier gekommen ist, sondern er will das Volk zuerst befragen. Als jemand, der natürlich sehr direkten Kontakt hat zu den Bürgerinnen und Bürgern, ich höre heraus, dass Sie das nicht so gemacht hätten.
PRESSL: Also wie die Bundesregierung das jetzt ausdiskutiert, das ist Sache der Bundesregierung. Ich glaube, der Herr Bundeskanzler hat hier einen Vorschlag gemacht, um auch die Menschen einzubeziehen. Was ich garantieren kann, ist, wenn eine Volksbefragung kommt, dann werden wir es auf der Gemeindeebene sauber umsetzen. Am Ende des Tages heißt das dann nämlich 10 000 Wahlkommissionen einrichten, das heißt, 80 000 Menschen auch wieder in diese Wahlkommissionen zu besetzen, das ist unser Job, ja, das können wir in den Gemeinden am besten. Und ich möchte noch einen Vorschlag gleich dazu machen, mir ist immer wichtig, dass wir darüber reden. Wehrdienstverlängerung, ja oder nein, das muss eine inhaltliche Diskussion sein, aber wenn wir schon über das, wie reden, ja, wie wir das jetzt machen, dass diese Entscheidung auch kommt, dann könnte ich mir zum Beispiel vorstellen, dass wir auch wieder mal über E-Voting reden. Das würde uns in den Gemeinden, wenn wir schon mehr die Menschen befragen wollen, sehr, sehr vieles erleichtern. Da könnten wir auch diese digitalen Wege viel besser nutzen. Also das ist die Diskussion, die wir dazu auch noch haben.
TRAAR: Aber das haben Sie jetzt elegant umschifft, um mir nicht zu sagen, ob Sie diese, diese Idee der Volksbefragung unterstützen? Also ich höre heraus, dass es viel Aufwand wäre, dass die Gemeinden das durchführen würden, aber Sie sind ja als Vertreter der ÖVP, finden Sie, dass das der richtige Weg ist?
PRESSL: Wenn es kommt, werden wir es hundertprozentig umsetzen, ganz sauber. Aber noch einmal, es ist jetzt eine Frage der Bundesregierung, die die intern ausdiskutieren muss und Sie kennen da alle Dinge, die herangezogen werden, ob was im Regierungsprogramm steht, ob nichts drinnen steht, ob es der eine so oder so will. Also da will ich mich nicht mehr näher äußern dazu.
BÜRGER: Sind Sie zufrieden mit der Art der Bundespolitik, wie sie in den letzten Tagen betrieben worden ist?
PRESSL: Zur Bundesregierung an sich, wenn Sie jetzt das letzte Jahr anschauen...
BÜRGER: Ich habe gesagt, die letzten Tage.
PRESSL: Na ja, ich komme auf die letzten Tage, wenn Sie das letzte Jahr anschauen, glaube ich, dann hat es einiges gegeben, was man ihr gar nicht zugetraut hätte. Wir haben jetzt eine Inflation von zwei Prozent. Wir haben verschiedenste Leistungen...
BÜRGER: Ja, die aber zum größten Teil nicht hausgemacht ist.
PRESSL: ... Leistungen in der Energiefrage. Also ich glaube, man hat hier schon sehr hohes Bemühen angelegt. Dass eine Dreierkoalition auch drei Köpfe hat, die drei Meinungen haben und dahinter auch Ideologien haben, das war von vornherein klar. Und weil das schwierig ist, glaube ich, dass es die Bundesregierung bisher gut gemacht hat, aber, und da bin ich möglicherweise auch bei Ihnen, da muss jetzt noch mehr kommen, weil die Herausforderungen einfach viel, viel größer noch sind. Ich gehe davon aus, dass die Bundesregierung auch viele andere Probleme schaffen wird. Einfach ist es nicht, aber die Zeiten sind halt auch nicht einfach.
BÜRGER: Also die habe jetzt auch mit einigen Vertretern der Wehrdienstkommission gesprochen, mit Vertretern des Bundesheeres, mit allen möglichen. Eigentlich sind alle entsetzt, niemand will diese Volksbefragung. Wird sie kommen? Oder glauben Sie, dass in der letzten Sekunde, da gesagt wird, war vielleicht doch ein Fehler?
PRESSL: Ich kann es Ihnen nicht sagen. Mir ist wichtig, dass eine Wehrdienstverlängerung kommt und ich möchte Ihnen hier noch was dazu sagen, weil es mir aus Staatsinteresse und auch aus Gemeindeinteresse wichtig ist, es wird jetzt immer inhaltlich vergessen, dass wir auch einen Zivildienst haben. Und es steht ja da auch der Vorschlag drinnen, dass wir den Zivildienst von neun auf zwölf Monate verlängern sollten. Ich habe mir das ausgerechnet, rund 14 000 Zivildiener derzeit, in etwa 45 Prozent aller Wehrpflichtigen, machen Zivildienst. Wenn Sie diese drei Monate drauflegen, dann bekommen Sie 3 500 voll Äquivalentjahre pro Jahr dazu, also Mann-Jahre, die auch in der Pflege, im Rettungsdienst, in der Behindertenbetreuung, in vielen anderen Bereichen sozial für dieses Land arbeiten können. Und ich möchte den Bogen hier auch zur Finanzierung spannen. Ich glaube, wenn wir eine demografische Entwicklung haben, die uns in vielen Bereichen viel mehr auch an Kosten abverlangt, dann wäre genau das auch umfassend der richtige Weg, ja, dass wir hier entsprechend auch verlängern und auch junge Menschen hier noch einen Zusatzbeitrag für das gesamtstaatliche Gefüge, gerade im Bereich Soziales, Gesundheit, leisten.
BÜRGER: Aber das kommt ja sowieso, diese Verlängerung.
PRESSL: Ich hoffe, dass sie kommt, ist eine Entscheidung insgesamt jetzt Wehrdienstverlängerung, Zivildienstverlängerung, wenn das insgesamt kommt, ja, dann ist da richtig.