Bumerang für Kanzler
Nach rotem Affront nun doch keine Volksbefragung?
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Obersteiermark
Bundesheer rüstet auf und bleibt "konstante Baustelle"
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Rekruten schikaniert? Kritik an „Missständen“ bei der Garde in Horn
Hoher Besuch traf vergangene Woche in der Radetzky-Kaserne in Horn ein: Mehrere Nationalratsabgeordnete und weitere Mitglieder der Parlamentarischen Bundesheerkommission inspizierten dort die Grundausbildung der Gardesoldaten. Von Schikanen und altertümlichen Methoden, denen die Grundwehrdiener ausgesetzt seien, berichtet Grünen-Wehrsprecher David Stögmüller. Diese Kritik bestätigt auch SPÖ-Wehrsprecher Robert Laimer im „Presse“-Gespräch: „Dort werden schon sehr alte, ,pädagogische‘ Werte vermittelt.“ Darüber sollte man gerade jetzt aufgrund der Debatte um einen längeren Wehrdienst reden, sagt Laimer.
In Horn sprach sie auch mit einzelnen Grundwehrdienern der Garde. Wie deren Erlebnisse zu deuten sind, darüber ist sich die Kommission aber offenbar nicht ganz einig. Im Gegensatz zu Laimer und Stögmüller berichtet FPÖ-Wehrsprecher Volker Reifenberger, ihm seien keine gröberen Missstände oder Auffälligkeiten untergekommen. Sein Parteikollege Reinhard Bösch, amtsführender Vorsitzender der Kommission, kommentiert den Besuch in Horn nicht näher. Der Bericht dazu müsse erst intern fertiggestellt werden. Nur so viel: Man werde darin „einige Korrekturvorschläge“ festhalten.
„Unter Aufsicht duschen“
Stögmüller und Laimer kritisieren, dass die Rekruten der Garde in Horn durch die Ausbildung gehetzt werden und nicht einmal richtig Zeit zum Essen und Duschen hätten. Die Infrastruktur sei für die Unterbringung so vieler Grundwehrdiener überhaupt ungeeignet, monieren die Nationalratsabgeordneten.
„Die jungen Männer müssen sich nackt vor den Duschen aufstellen und erst länger warten. Wenn sie dann einmal drankommen, müssen sie unter Aufsicht eines Unteroffiziers duschen, sich shampoonieren und abduschen. Und das alles in einer Minute. Das geht doch nicht“, kritisiert Stögmüller. In den Unterkünften der Rekruten gebe es dann nicht einmal Vorhänge: „Da scheint nachts die Außenbeleuchtung die ganze Zeit rein.“
Sozialdemokrat Laimer ortet auch bei den Essenszeiten einen ungebührlichen Zeitdruck: „Die Essenszeit beträgt 15 Minuten – da ist aber schon die Zeit drinnen, die man in der Schlange wartet. Die Letzten, die dann drankommen, haben dann wirklich kaum noch Zeit zum Essen.“ Von Ruhezeiten brauche man in der dortigen Grundausbildung überhaupt gar nicht erst reden, meint Laimer. Er verstehe, dass die Ausbildung fordernd sein müsse und es einen Druck gebe, diese in wenigen Wochen durchzuführen. Es handle sich hier aber schon um „Missstände“, die man abstellen müsse.
„Gebäude ist ungeeignet“
„Die Presse“ sprach über die Kritik mit Oberst Georg Frischeis, dem Kommandanten der Garde. Die Gardesoldaten werden nach ihrer Grundausbildung in Horn in der Maria-Theresien-Kaserne in Wien stationiert. Auch Frischeis ist dort stationiert. Beim Besuch in Horn war er anwesend – nicht jedoch bei den Gesprächen der Kommissionsmitglieder mit den Rekruten. Er betont, dass es sich bei diesen Gesprächen um „subjektive Wahrnehmungen“ einzelner Grundwehrdiener gehandelt habe.
Mit der infrastrukturellen Situation in Horn ist der Oberst ebenfalls unzufrieden. „Das dortige Gebäude ist nicht geeignet“, sagt er. Man habe sich aber dafür entscheiden müssen, weil es – nach langem Hin und Her – das „einzig permanent verfügbare Gebäude“ für die Ausbildung sei. Hinzu komme, dass bei den Ausbildern schlicht das Personal fehle – „ein Grundübel“: „Da rächt sich der Aufnahmestopp vergangener Jahre.“ Zwar gehe der Trend aufwärts, es seien zuletzt einige junge, dynamische Unteroffiziere hinzugekommen: „Aber die langjährigen, erfahrenen Ausbilder, da gibt es halt noch einen Mangel.“
„Miese Infrastruktur“
Bei dieser „miesen Infrastruktur“ müsse man zugleich „sehr viele Rekruten“ ausbilden, sagt Frischeis. Den Vorwurf, dass man aber die jungen Männer schikaniere oder quäle, weist der Oberst strikt zurück. Es gehe darum, innerhalb der knapp bemessenen Zeit eine gute und geordnete Ausbildung für die zahlreichen Soldaten sicherzustellen.
So würden sich die Soldaten stetig abwechseln, wer als Erster und als Letzter beim Essen drankomme, schildert Frischeis. „Ja, das ist am Anfang ein Lernprozess für junge Grundwehrdiener. Am Anfang ist das schwierig, die Zeit ist limitiert. Aber sobald sie einmal schnell greifen gelernt haben, ist das bei den Rekruten kein Thema mehr.“ Auf 220 Rekruten würden derzeit in dem Gebäude etwa 22 Duschköpfe kommen. Damit das Prozedere funktioniere und alle drankommen, „muss das Duschen rasch erledigt werden“, sagt Frischeis: „Zumal wir ja auch auf Besonderheiten Rücksicht nehmen müssen wie auf Muslime, die nur in der Unterwäsche duschen.“ Da könne nun einmal nicht jeder ewig lange in der Dusche stehen, wie es manche Grundwehrdiener möglicherweise von zuhause gewohnt seien.
„Nicht ideal“ sei aber, wenn Unteroffiziere tatsächlich in den Duschräumen stehen und von den nackten Rekruten als Kontrolleure wahrgenommen werden: „Auch wenn das natürlich keinen bösen Zweck hat, könnte es von Einzelnen als Verletzung ihrer Intimsphäre missverstanden werden.“ Der Oberst hat daher nach seinem Besuch in Horn die Order gegeben, dass das Kaderpersonal die Duschräume nicht mehr betreten darf.
„Kultur muss sich ändern“
„Wir haben die Weisheit sicher nicht mit dem Löffel gefressen und werden die Kritik der Bundesheerkommission berücksichtigen. Unbestritten ist, dass wir uns der Verantwortung für unsere Grundwehrdiener stellen und diese ein wesentliches Potenzial der Garde sind“, sagt Frischeis. Interne Umfragen im Bundesheer würden zeigen, dass die Zufriedenheitswerte der Rekruten in der Garde mit ihrer Ausbildung sehr hoch sei. „Und in der Ausbildung geht es schon darum, aus einem Zivilisten innerhalb kurzer Zeit einen Soldaten zu machen. Aus 220 jungen Männern müssen wir eine funktionierende Gemeinschaft zimmern.“ Bei einem längeren Wehrdienst mit einem „8 plus 2“-Modell – für das spricht sich Frischeis aus – hätte man dafür in der Ausbildung „mehr Zeit“.
Laimer erhofft sich, dass im Zuge der Wehrdienst-Debatte mehr über die Grundausbildung und „Missstände“ geredet wird. Stögmüller fordert: „Es geht um die Kultur im Bundesheer. Da muss sich etwas ändern“.
https://www.diepresse.com/20550481/rekr ... de-in-horn