Bundesheer sucht Kampfjets: Wer ersetzt den Eurofighter?
Bis zu einer Typenentscheidung in der milliardenschweren Beschaffung wird noch etwas Zeit vergehen, doch über mögliche Kandidaten wird bereits gegrübelt. Es sei das Ziel, „in Richtung eines hochtechnologischen, modernen Flugzeugs zu gehen“, sagt Generalleutnant Harald Vodosek, Rüstungsdirektor des Bundesheers, zur „Presse“.
„Wir schließen kein System aus und werden alle Angebote prüfen“, sagt Vodosek. Neben den Fähigkeiten des Flugzeuges werde es dabei auch darum gehen, ob sich die Jets beispielsweise in die Infrastruktur der Luftstreitkräfte integrieren lassen, wie und wo die Ausbildung der Piloten erfolgen wird und welche Munition eingesetzt werden kann.
Knackpunkt Gegengeschäfte
Wichtig sind laut dem Rüstungsdirektor auch Industriekooperationen. Früher wurden sie Gegengeschäfte genannt. Dadurch soll die Versorgungs- und Liefersicherheit für das Bundesheer gestärkt und auch heimische Unternehmen sollen in die Lieferkette integriert werden. Beim Kauf der zwölf Leonardo-M-346-Jets im November des Vorjahres wurden etwa mit Italien Industriekooperationen in Höhe von 400 Millionen Euro vereinbart. „Ich sehe bei praktisch jedem möglichen Anbieter, dass es dafür auch bei der Eurofighter–Nachfolge eine Bereitschaft gibt“ sagt Vodosek.
Letztlich sei vor allem entscheidend, „wann ist welches Luftfahrzeug für die Republik Österreich verfügbar“, so der Rüstungschef. „Wenn man ein Produkt erst im Jahr 2040 bekommen kann, muss man sich das schon überlegen.“ Die ersten neuen Kampfjets sollen nämlich laut Regierungsprogramm ab dem Jahr 2033 zulaufen, um den Eurofighter abzulösen und eine effektive Luftraumüberwachung und Luftverteidigung zu gewährleisten.
Die 15 Eurofighter werden seit 2007 eingesetzt und sollen laut Angaben des Verteidigungsministeriums allerspätestens 2037 bis 2039 außer Dienst gestellt werden. Derzeit plant das Bundesheer als Ersatz mit zumindest 36 überschallschnellen Kampfjets – zusätzlich zu den bereits bestellten, unterschallschnellen Leonardo M-346FA Jets, die als Ausbildungsflugzeuge dienen sollen, aber auch in der Luftraumüberwachung und Luftverteidigung eingesetzt werden.
Die Finanzierung der Eurofighter-Nachbeschaffung ist noch offen – budgetiert ist sie bisher nicht, eine milliardenschwere Investition wird es jedenfalls sein.
„Wir gehen davon aus, dass wir im ersten Quartal 2026 das Planungsdokument zur Eurofighter-Nachfolge erhalten werden“, sagt der Generalleutnant. Darin schreibt das Bundesheer nieder, wie Österreichs Luftverteidigung künftig organisiert werden soll und welche Aufgaben die neuen Kampfjets übernehmen sollen. Anhand dieser Vorgaben werden dann die genauen technischen Anforderungen für das Vergabeverfahren analysiert und festgeschrieben. Im Laufe des nächsten Jahres könnten dann Angebote eingeholt werden.
„Eine Möglichkeit wäre auch, dass andere Staaten Jets beschaffen und wir uns mit unserer Bestellung daran beteiligen, falls eine Beschaffungskooperation angeboten wird“, schildert Vodosek. Ziel sei es jedenfalls, „in dieser Legislaturperiode bis 2029 die Grundlage dafür zu bereiten, dass die Politik eine Entscheidung treffen kann“. Eine Vertragsunterzeichnung 2028 könnte sich durchaus ausgehen, so der Rüstungschef. Dadurch wäre auch ein erster Zulauf ab dem Jahr 2033 möglich.