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| Rund 1.300 Soldaten des Österreichischen Bundesheeres befinden sich derzeit (Oktober 2008) in friedenssichernden Einsätzen im Ausland. Auch wenn die Lage derzeit - auch Dank des österreichischen Engagements - in den Operationsgebieten weitgehend stabil ist, sind die Einsatzkräfte in Auslandseinsätzen immer einer Reihe von Gefahren ausgesetzt und der bestmögliche Schutz unserer Soldaten sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Einsätze des Bundesheeres sind im Rahmen der Europäischen Union laut Artikel 23f Bundesverfassungsgesetz (B-VG) im gesamten Bereich der Petersberg-Aufgaben möglich: humanitäre Aufgaben und Rettungseinsätze, friedenserhaltende Aufgaben sowie Kampfeinsätze bei der Krisenbewältigung - einschließlich friedensschaffender Maßnahmen. Bei den bislang im Vordergrund stehenden humanitären und friedenserhaltenden Aufgaben sind Minen und Blindgänger (z.B. Submunition von Cluster-Bomben) vergangener Konflikte als größte Gefahrenquellen zu bezeichnen. Tatsächlich hat Österreich auch bereits Minenopfer zu beklagen - z.B. 1974 am Golan. Im Rahmen von friedenserhaltenden Einsätzen ist jedoch auch die Möglichkeit von direktem Beschuss oder die Bedrohung durch behelfsmäßige Sprengkörper (Improvised Explosive Devices, IED) durchaus real. Auch der Einsatz von ABC Kampfmittel gegen österreichische Soldaten ist grundsätzlich denkbar, bzw. erfordert auch der Einsatz von Nebel- oder Tränengas Schutzmaßnahmen. |
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25. Juni 1974 - ein Landrover des österreichischen UNDOF Kontingents am Golan fährt auf eine Mine auf - 4 Tote. Dieser Gedenkstein erinnert an die Opfer. |
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| Besonders exponiert sind die Soldaten unterwegs und leicht gerät man in einen Hinterhalt. Geschützte Fahrzeuge sind deshalb eine Schlüsselausrüstung. Seit der Einführung des Radpanzers Pandur 6x6 und des Allschutz-Transportfahrzeugs Dingo 2 stehen unterhalb von Kampf- oder Schützenpanzern geschützte Fahrzeuge für friedensschaffende Operationen zur Verfügung. Sie sind günstiger in Anschaffung und Betrieb, besser für ausgedehnte Patrouillen geeignet und leichter in den Einsatzraum zu transportieren. Zudem wirken sie weniger bedrohlich auf die Zivilbevölkerung. Doch selbst gemessen an den heutigen Anforderungen ist die Anzahl dieser Fahrzeuge beim Bundesheer längst nicht ausreichend und mit den steigenden Anforderungen der Zukunft bei weitem nicht vereinbar. Noch immer werden in Auslandeinsätzen regelmäßig ungeschützte Fahrzeuge wie der Puch G oder der Pinzgauer eingesetzt. Aus diesem Grund wurde vom Verteidigungsministerium 2008 die Einführung von zwei Klassen geschützter Fahrzeuge eingeleitet: 145 Allschutz-Transportfahrzeuge zur Ergänzung der bereits eingeführten Dingo 2 und 150 geschützte Mehrzweckfahrzeuge in der 7-8,5t Klasse. Laut Darstellung von Minister Darabos im Landesverteidigungs-ausschuss waren dafür etwa 240 Mio. € vorgesehen. Die Klasse der geschützten Mehrzweckfahrzeuge konnte das Iveco LMV für sich entscheiden. Der Kaufpreis betrug 104 Mio. €. Folgende Typen gelten/galten als Referenzfahrzeuge und auch als Favoriten für die beiden Ausschreibungen: |
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![]() Dingo 2 - © Doppeladler.com |
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![]() Survivor II - © Achleitner |
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![]() RG-31 Mk5E - © BAE Systems |
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![]() LMV Lince - © Iveco |
Einsatzgewicht: 6,5 t (Level 3 Panzerung) / Nutzlast: 1,2t (Level 3 Panzerung) Triebwerk: IVECO F1D Common Rail EURO 3 mit 185 PS (136 kW), Höchstgeschwindigkeit: 130km/h / Reichweite 500+km Wattiefe: 0,7 m (1,2 m mit Vorbereitung) Besatzung: 1+4 bis 1+6 (Langversion) |
![]() Eale IV - © Doppeladler.com |
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| Mit Durchführung der beiden oben beschriebenen (für
das Verteidigungsministerium) prioritären Beschaffungsvorhaben alleine
ist der Bedarf an gepanzerten Radfahrzeugen des Bundesheeres längst nicht
gedeckt. Unter anderem ist immer noch die Beschaffung weiterer Radpanzer
ausständig, bei der mit hoher Wahrscheinlichkeit die Steyr-Daimler-Puch
Spezialfahrzeug GmbH zum Zug kommen würde. Im Mech-Paket aus 1996 war die Beschaffung von 224 Mannschaftstransportpanzer MTPz Pandur und 45 Aufklärungspanzer AuklPz Pandur (mit 30mm Turm SP-30 des SPz Ulan) vorgesehen, doch nur 68 MTPz wurden beschafft. Laut Generalstabschef Edmund Entacher ist die Beschaffung weiterer Radpanzer "keineswegs aufgegeben". Im Gespräch sind derzeit 60 Fahrzeuge Pandur II 6x6 für den Mannschaftstransport mit einer Waffenstation für ein 12,7mm Maschinengewehr. Entsprechende Budgetmittel sind aber nach wie vor nicht vorhanden. Bei der Truppe gibt es viele Stimmen, die das Geld für weitere Allschutz-Transportfahrzeuge bevorzugt in Radpanzer investieren würden. Der Pandur II kann auf Wunsch das gleiche Minenschutzniveau erreichen wie die oben beschriebenen Allschutz- Transportfahrzeuge. |
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Die Bechaffung weiterer Radpanzer ist ein wichtiges Projekt, aber aufgrund von Budgetknappheit derzeit nicht durchzuführen. Rechts das derzeit favorisierte Fahrzeug in entsprechender Konfiguration: ein Pandur II 6x6 mit einem 12,7mm MG in der Waffenstation Kongsberg Protector RCWS 12,7. © Steyr SSF |
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| Um Schutzklassen für die Insassen von gepanzerten Fahrzeugen vergleichbar zu machen hat die NATO die AEP-55 STANAG 4569 ("Standardization Agreement") eingeführt: |
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| Einige Beispiele: Dingo 2 - ballistisch 2+, Minenschutz 3b (optional Schutz gegen projektilbildende Minen) PMV Survivor II - ballistisch 1 (bis 3), Minenschutz 1 (bis 3b) RG-31 Mk5E - ballistisch 2, Minenschutz 2b (jedoch mehr unter Rad) Eagle IV - ballistisch 2 (bis 3), Minenschutz 2a (bis 3a) Iveco LMV - ballistisch 1 (bis 4), Minen 2a Pandur II (laut Janes) - ballistisch bis 4, Minenschutz bis 3a Doch Vorsicht - die Prüfverfahren sind nicht genormt und die Hersteller geben oft selbst keine Klassifizierung an! Grundsätzlich gilt: je höher die vom Kunden geforderte Schutzklasse, desto mehr leidet die Beweglichkeit/Geländetauglichkeit und verkützt sich die Lebensdauer des Fahrzeugs aufgrund der Gewichtsbelastung. Auch die Nutzlast nimmt ab. Laut Informationen des BMLV aus dem Jahr 2004 war man damals übrigens mit einem Minenschutz vom Level 3 gegen 86% der Bedrohung durch Minen geschützt. |
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Iveco LMV Lince der italienischen Armee in nach einem
IED Treffer. Das Fahrzeug ist zerstört, die Insassen nur leicht
verletzt - aufgrund der Erschütterung.
© Esercito Italiano |
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| Diskussion und aktuelle News zu den beiden Ausschriebungen
"Allschutz-Transportfahrzeug" und "geschütztes Mehrzweckfahrzeug"
finden Sie |
| Wichtige Updates: 27.02.2010: Laut Nachrichtenmagazin "Profil" ist es bei der im Mai 2009 gestoppten Anschaffung von 145 Allschutz-Transportfahrzeugen zu Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe gekommen sein. Es besteht der Verdacht, dass der Dingo 2 bevorzugt worden sei (daher hätte dieser wohl den Zuschlag bekommen). Eine interne Kommission und die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Bewertungs-kommission. 04.05.2009: Der ORF berichtet, dass die Anschaffung der Allschutz-Transportfahrzeuge laut Minister Darabos aus budgetären Gründen aufgeschoben wird. 17.01.2009: Das Verteidigungsministerium gibt den Gewinner in der Kategorie der geschützten Mehrzweckfahrzeuge bekannt: Beschafft werden 150 Iveco LMV Lince um 104 Mio. Euro. 51% der Wertschöpfung entsteht in Österreich. Artikel über den LMV 17.10.2008: Laut Kurier wurde von der Vergabekommission des Bundesheeres der Iveco LMV Lince an die erste Stelle bei den geschützten Fahrzeugen gereiht. Die Entscheidung des Ministeriums wird in den nächsten Wochen erwartet. 13.10.2008: Die Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeug GmbH beklagt in einer Aussendung, dass man es bei beiden Beschaffungsvorhaben für geschützte Fahrzeuge nicht in die engere Auswahl geschafft habe. Der RG-31 und der Eagle IV dürften daher aus dem Rennen sein. Dieser Artikel ist auch in "Der Offizier", der Zeitung der Österreichischen Offiziersgesellschaft, Ausgabe 1/2009, erschienen. |
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