{"id":4805,"date":"2013-01-17T00:34:27","date_gmt":"2013-01-16T23:34:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.doppeladler.com\/da\/?p=4805"},"modified":"2013-01-21T09:03:52","modified_gmt":"2013-01-21T08:03:52","slug":"wehrpflicht-berufsheer-argumente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.doppeladler.com\/da\/oebh\/wehrpflicht-berufsheer-argumente\/","title":{"rendered":"WEHRPFLICHT VS. BERUFSHEER &#8211; ARGUMENTE"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4797\" style=\"margin-top: 0px; margin-bottom: 0px;\" alt=\"Volksbefragung zur Wehrpflicht\" src=\"https:\/\/www.doppeladler.com\/da\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/title-volksbefragung1.jpg\" width=\"540\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.doppeladler.com\/da\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/title-volksbefragung1.jpg 540w, https:\/\/www.doppeladler.com\/da\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/title-volksbefragung1-300x111.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/p>\n<p>Haben Sie sich schon entschieden, wo Sie am 20. J\u00e4nner 2013 Ihr Kreuzerl machen werden? Standpunkte und Meinungen haben Sie vermutlich schon viele geh\u00f6rt. Wir haben die Diskussion der letzten Monate aufmerksam verfolgt und auch unsere LeserInnen zu Ihrer Meinung befragt. <strong>In der Folge fassen wir die wichtigsten Argumente <em>f\u00fcr<\/em> eine Reform der Wehrpflicht und <em>f\u00fcr<\/em> ein Berufsheer wertneutral zusammen.<\/strong> Dabei sind die Vorteile des einen Systems zumeist auch die Nachteile des anderen. Im letzten Teil besch\u00e4ftigen wir uns mit Themen, die oft als Argumente gebracht werden, aber auf Basis unserer Beobachtungen nicht zwangsweise f\u00fcr das eine oder andere Modell sprechen.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>10 gute Argumente f\u00fcr die Beibehaltung der Wehrpflicht.<\/strong><\/li>\n<li><strong>10 gute Argumente f\u00fcr die Einf\u00fchrung eines Berufsheeres.<\/strong><\/li>\n<li><strong>zum Abschluss 10 Argumente, die auf Basis unserer Beobachtungen wenig stichhaltig erscheinen.<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<h2><\/h2>\n<h2>ARGUMENTE F\u00dcR DIE REFORM DER WEHRPFLICHT<\/h2>\n<p><strong><strong>1. Profis bereits im Einsatz.<\/strong> <\/strong>Das Bundesheer ist nach einem Mischsystem aufgestellt und hat bereits heute echte Profis in seinen Reihen \u2013 ob als Berufssoldaten, als Zeitsoldaten oder bei der Miliz. Das Heer ist national und international als leistungsf\u00e4hige Sicherheitsorganisation anerkannt. Eine Verunglimpfung der derzeitigen Soldaten als Laien ist nicht gerechtfertigt.<\/p>\n<p><strong>2. Keine Rekrutierungsprobleme.<\/strong> Wehrpflichtigen bzw. Milizheere kennen im Gegensatz zu Berufsheeren nahezu keine Rekrutierungsprobleme. Weder in Bezug auf die Zahl der Soldaten, noch in qualitativer Hinsicht.<br \/>\nIm Grundwehrdienst lernen viele junge M\u00e4nner den Soldatenberuf kennen und entscheiden sich f\u00fcr eine Weiterverpflichtung. Die heutigen Berufs-, Zeit- und Milizsoldaten haben sich nur zu einem sehr geringen Anteil bereits vor dem Grundwehrdienst zum Milit\u00e4rdienst verpflichtet.<br \/>\nHoher Wohlstand, geringe (Jugend-)Arbeitslosenraten und ein hohes Lohnniveau sind grunds\u00e4tzlich keine guten Ausgangsbedingungen zur Rekrutierung eines Berufsheeres und machen umfangreiche (teure) Anreize erforderlich.<br \/>\nOhne die Musterung g\u00e4be es keinen gesundheitlichen Fr\u00fcherkennungsdienst f\u00fcr junge M\u00e4nner mehr.<\/p>\n<p><strong>3. Heer als Spiegelbild der Gesellschaft.<\/strong> Die Wehrpflicht sorgt daf\u00fcr, dass M\u00e4nner aus allen Gesellschaftsschichten und auch Staatsb\u00fcrger mit Migrationshintergrund ihren Milit\u00e4rdienst ableisten. Der gemeinsame Dienst wirkt integrativ und das Heer profitiert von den unterschiedlichen F\u00e4higkeiten, die diese Personen einbringen. Viele Stimmen f\u00fcrchten, dass ein Berufsheer zum \u201eStaat im Staat\u201c werden k\u00f6nnte. Internationale Erfahrungen zeigen, dass ein reines Berufsheer vor allem Menschen mit geringem Bildungs- und Einkommensniveau anzieht.<br \/>\nUmgekehrt kommen auch F\u00e4higkeiten, die Grundwehrdiener beim Bundesheer erlernt und erlebt haben Gesellschaft und Wirtschaft zugute.<\/p>\n<p><strong>4. H\u00f6here Autarkie.<\/strong> Die Wehrpflicht erm\u00f6glicht durch Mannst\u00e4rke bzw. durch die Aufwuchsf\u00e4higkeit eine weitgehend eigenst\u00e4ndige und umfassende Landesverteidigung. Als neutraler Staat sollte \u00d6sterreich notfalls auch autark wichtige Einsatzaufgaben im Krisen- und Kriegsfall erf\u00fcllen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>5. Resilienz der Gesellschaft.<\/strong> Das System der Wehrpflicht steigert die Widerstandsf\u00e4higkeit (Resilienz) der gesamten Gesellschaft gegen\u00fcber konventioneller und unkonventioneller Bedrohungen. Zum einen, weil gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung eine milit\u00e4rische Grundausbildung erhalten haben. Die Grundwehrdiener haben bereits \u00fcber einen kurzen Zeitraum im Feld \u2013 ohne Strom und flie\u00dfendes Wasser \u2013 gelebt, Erste-Hilfe-Kurse besucht usw.. Durch Anpassungen der im Grundwehrdienst vermittelten Inhalte l\u00e4sst sich die Resilienz der Gesellschaft weiter steigern.<\/p>\n<p><strong>6. Hohe Flexibilit\u00e4t.<\/strong> Das heutige Mischsystem besteht aus Grundwehrdienern, Berufs-, Zeit- und Milizsoldaten sowie zivilen Angestellten. Je nach Bedarf kann der Anteil einer Gruppe am Gesamtsystem erh\u00f6ht oder verkleinert werden. Daher k\u00f6nnten auch eine Reihe der derzeit diskutierten Verbesserungsvorschl\u00e4ge \u2013 etwa die Reduktion der Berufssoldaten zugunsten von Zeitsoldaten und neue Formen der Miliz &#8211; im bestehenden System umgesetzt werden. Die Zahl der Wehrpflichtigen kann durch Adaption der Tauglichkeitskriterien ver\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p><strong>7. Geringeres Risiko.<\/strong> Eine Systemumstellung ist riskant. Die Erfahrungen zeigen, dass es Regierungen bei der Abschaffung\/Aussetzung der Wehrpflicht stets zu eilig haben. So ein Prozess ben\u00f6tigt jedoch Zeit. Am Tag der Aussetzung \/ Abschaffung der Wehrpflicht fehlen auf einen Schlag alle Grundwehrdiener. Die Miliz ist in ihrem derzeitigen Zustand kaum mobilisierbar. Es vergehen Jahre, bis wieder eine nennenswerte Mannst\u00e4rke zur Verf\u00fcgung steht, denn auch die derzeit vorhandenen Berufssoldaten k\u00f6nnen nur zum Teil f\u00fcr Eins\u00e4tze herangezogen werden.<br \/>\nAuch das Risiko von folgenschweren politischen Fehlentscheidungen ist bei einer Reform des bestehenden Systems geringer als bei einer Neuentwicklung. Die Qualit\u00e4t der derzeitigen Diskussion l\u00e4sst nicht auf eine professionelle Umsetzung hoffen. Ist die Wehrpflicht einmal abgeschafft, l\u00e4sst sie sich realpolitisch kaum mehr einf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>8. Unabh\u00e4ngig von Wirtschafts- und Sicherheitslage.<\/strong> Die Einsatzbereitschaft eines Wehrpflichtigenheeres \/ Milizheeres ist nicht von der allgemeinen Wirtschaftslage (Konjunktur) und der Sicherheitslage abh\u00e4ngig. In einem Berufsheer schwanken dagegen der Rekrutierungserfolg und auch die K\u00fcndigungsrate. Der Soldatenberuf &#8211; und damit der Dienst in einem Berufsheer &#8211; ist in wirtschaftlich schlechten Zeiten, in denen keine gef\u00e4hrlichen Eins\u00e4tze zu erwarten sind, am attraktivsten.<\/p>\n<p><strong>9. Kosten.<\/strong> Das \u00f6sterreichische Mischsystem ist auch das Ergebnis der jahrzehntelangen Unterdotierung des Verteidigungshaushalts. Grundwehrdiener erm\u00f6glichen hohe Mannst\u00e4rken bei vergleichsweise geringen Kosten. Will sich das Heer am freien Arbeitsmarkt behaupten, m\u00fcssen marktgerechte Geh\u00e4lter gezahlt werden. L\u00e4ngerdienende erwerben dar\u00fcber hinaus teure Pensionsanspr\u00fcche.<br \/>\nDie \u00fcberwiegende Anzahl der Experten geht schon aufgrund der Systemumstellung bei der Einf\u00fchrung eines Berufsheeres von deutlichen Mehrkosten aus. H\u00f6here Milit\u00e4rausgaben sind allerdings in den kommenden Jahren nicht zu erwarten bzw. nicht vorgesehen.<\/p>\n<p><strong>10. Zivildienst.<\/strong> Die Abschaffung der Wehrpflicht hat auch die Abschaffung des Wehrersatzdienstes zur Folge. Ein alleiniger Fortbestand des kaum mehr wegzudenkenden Zivildienstes verst\u00f6\u00dft gegen die Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention und ist rechtlich nicht m\u00f6glich.<br \/>\nBei Einf\u00fchrung eines Berufsheeres ist eine Kompensation des Wegfalls des Zivildienstes erforderlich. Der derzeit diskutierte Vorschlag dazu ist das bezahlte \u201eFreiwillige Sozialjahr\u201c. Die Vor- und Nachteile gegen\u00fcber dem Zivildienst gestalten sich \u00e4hnlich wie bei der Wahl zwischen Wehrpflicht und Berufsheer.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>ARGUMENTE F\u00dcR EIN BERUFSHEER<\/h2>\n<p><strong>1. Prinzip Freiwilligkeit.<\/strong> Ein Berufsheer rekrutiert sich auf Basis von freiwilligen Meldungen zum Milit\u00e4rdienst. Die m\u00e4nnlichen Staatsb\u00fcrger w\u00fcrden von ihrer Pflicht, den Wehrdienst oder Wehrersatzdienst abzuleisten, befreit werden. Angesichts der derzeit g\u00fcnstigen Sicherheitslage, konventionelle Bedrohungen sind in naher Zukunft nicht absehbar, empfinden viele Menschen einen verpflichtenden Milit\u00e4rdienst als nicht mehr angemessen.<br \/>\nOhne Wehrpflicht kommt es zu keiner unfreiwilligen Unterbrechung der Ausbildungszeit bzw. des Erwerbslebens.<\/p>\n<p><strong>2. H\u00f6here Motivation.<\/strong> Angemessen entlohnte Freiwillige sollten grunds\u00e4tzlich eine h\u00f6here Motivation f\u00fcr Ihre Aufgaben aufbringen als verpflichtete Grundwehrdiener. Auch die bereits heute im Bundesheer besch\u00e4ftigten Berufssoldaten sind trotz der schwierigen Rahmenbedingungen noch sehr motiviert.<\/p>\n<p><strong>3. Mehr Spezialisten.<\/strong> Die Anforderungen an moderne Streitkr\u00e4fte haben sich ver\u00e4ndert. Waffensysteme werden komplexer, auch die Abwehr von Cyber-Angriffen erfordert gut ausgebildete Spezialisten. Auch das derzeitige Mischsystem verf\u00fcgt \u00fcber solche Spezialisten, der fortlaufende Trend zur Spezialisierung erfordert jedoch eine st\u00e4ndig steigende Zahl von Berufssoldaten.<\/p>\n<p><strong>4. H\u00f6here Einsatzbereitschaft.<\/strong> Die F\u00e4higkeit sehr kurzfristig auf Bedrohungen sowie auf Krisen im Ausland reagieren zu k\u00f6nnen war f\u00fcr viele Staaten ein wichtiger Grund zur Umstellung auf ein Berufsheer. Die Zahl der pr\u00e4senten Kr\u00e4fte, die rasch f\u00fcr anspruchsvolle Aufgaben zur Verf\u00fcgung stehen, ist in einem Berufsheer gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p><strong>5. Neue Berufschancen.<\/strong> Ein Berufsheer er\u00f6ffnet den \u00d6sterreicherInnen zus\u00e4tzliche Karrierechancen. Innerhalb der Streitkr\u00e4fte als Zeitsoldat (3 bis 9 Jahre), als Berufssoldat (langfristig) und als Milizsoldat (parallel zum Zivilberuf). F\u00fcr die Zeit nach dem Heer sollen Zeitsoldaten nach dem derzeit diskutierten Konzept Ausbildungszeiten in der L\u00e4nge eines Drittels ihrer aktiven Dienstzeit erm\u00f6glicht werden. Der Erfolg eines Berufsheeres h\u00e4ngt stark von der Attraktivit\u00e4t dieser Angebote ab.<\/p>\n<p><strong>6. Effiziente Ausbildung.<\/strong> Beim Grundwehrdienst steht eine lange Ausbildungsphase einer kurzen Verwendungsf\u00e4higkeit f\u00fcr milit\u00e4rische Aufgaben gegen\u00fcber. Dann r\u00fcsten die Wehrpflichtigen ab. Im diskutierten Konzept des Berufsheeres bleiben auch Zeitsoldaten zumindest 3 Jahre lang im System erhalten.<br \/>\n\u201eTrain as you fight\u201d &#8211; Dieser Grundsatz, wonach m\u00f6glichst in jenem Verbund trainiert wird, in dem auch in den Einsatz gegangen wird, ist bei einem Berufsheer, in dem es eine Verpflichtung zu Auslandseins\u00e4tzen gibt, leichter umzusetzen.<\/p>\n<p><strong>7. Motor f\u00fcr Ver\u00e4nderung.<\/strong> Die Beibehaltung der Wehrpflicht birgt die Gefahr in sich, das notwendige Reformen zu zaghaft oder gar nicht umgesetzt werden. Eine Entscheidung pro Berufsheer zwingt zu drastischen Ver\u00e4nderungen in der Organisation, im Rechtssystem (von der Verfassung bis zum Dienstrecht), des Standortskonzeptes usw.. Im Idealfall k\u00f6nnten Fehler der Vergangenheit, etwa beim Umgang mit der Miliz, die langsam zum Papiertiger verkommt, im Rahmen des Systemwechsels leichter korrigiert werden.<\/p>\n<p><strong>8. Geschlechtergerechtigkeit.<\/strong> Die Allgemeine Wehrpflicht gilt nur f\u00fcr M\u00e4nner. F\u00fcr Frauen gibt es derzeit einen freiwilligen Ausbildungsdienst beim Bundesheer. Bei Einf\u00fchrung eines Berufsheeres werden beide Geschlechter in dieser Beziehung gleichgestellt.<\/p>\n<p><strong>9. Kosten.<\/strong> Die Kosten f\u00fcr jenen Teil des Bundesheeres (Personal, Infrastruktur), der sich ausschlie\u00dflich mit der Auswahl und Ausbildung der Grundwehrdiener befasst, fallen bei einem Berufsheer teilweise weg. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen auch Berufs- und Zeitsoldaten gemustert und ausgebildet werden, dennoch kommt es zu einer Umverteilung von Budgetmittel in andere Bereiche. Kosteneinsparungen sind in Summe jedoch nicht zu erwarten (siehe Argument \u201eKosten\u201c bei Wehrpflicht).<\/p>\n<p><strong>10. Freiwilliger Sozialdienst.<\/strong> Nach dem Wegfall des Zivildienstes soll ein bezahlter \u201efreiwilliger Sozialdienst\u201c den Bedarf an Personal im Sozialwesen decken. F\u00fcr diesen Dienst gelten grunds\u00e4tzlich \u00e4hnliche Vorteile, wie sie bei den Berufsheer-Argumenten \u201ePrinzip Freiwilligkeit\u201c und \u201eMotivation\u201c dargestellt sind.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>WENIG STICHHALTIGE ARGUMENTE<\/h2>\n<p>In diesem dritten Abschnitt wollen wir Argumente anf\u00fchren, die immer wieder in Diskussionen angef\u00fchrt werden, die allerdings bei n\u00e4herer Betrachtung nicht zwangsweise f\u00fcr oder gegen ein bestimmtes Modell sprechen.<\/p>\n<p><strong>1. Bev\u00f6lkerungsentwicklung.<\/strong> Das der Geburtenr\u00fcckgang in \u00d6sterreich das bestehende Wehrsystem gef\u00e4hrden w\u00fcrde ist nicht richtig. Die Geburtenzahlen sinken seit dem Abklingen des Babybooms nur mehr leicht, die Zahl der unter 19 J\u00e4hrigen bleibt langfristig stabil. Die Gesamtbev\u00f6lkerung steigt kontinuierlich an [<a href=\"http:\/\/www.statistik.at\/web_de\/statistiken\/bevoelkerung\/index.html\" target=\"_blank\">Quelle<\/a>]. Von den gro\u00dfen demografischen Prozessen, wie die langsame \u00dcberalterung der Gesellschaft, sind beide Modelle betroffen.<\/p>\n<p><strong>2. Eins\u00e4tze gegen die eigene Bev\u00f6lkerung.<\/strong> Gegner eines Berufsheeres bef\u00fcrchten, dass ein Berufsheer gegen die eigene Bev\u00f6lkerung in Marsch gesetzt werden k\u00f6nnte. Historisch betrachtet ist die Wehrpflicht allerdings kein Garant gegen solche Eins\u00e4tze. Gegenw\u00e4rtig attackieren in Syrien al-Assad-reue Wehrpflichtige die eigene Bev\u00f6lkerung. Die Befehlskette ist jedenfalls f\u00fcr jeden Soldat verpflichtend. Egal nach welchem System.<\/p>\n<p><strong>3. Systemerhalter.<\/strong> Viel diskutiert wird \u00fcber Systemerhalter, d.h. \u00fcber Grundwehrdiener, die nicht f\u00fcr Kampfaufgaben ausgebildet werden. Selbstverst\u00e4ndlich braucht eine Armee &#8211; egal wie sie organisiert ist &#8211; auch Kraftfahrer, Wachen und K\u00f6che. In einem Berufsheer sind die Kraftfahrer dann eben keine Grundwehrdiener sondern fest angestellt. Logistik bzw. die Versorgung ist ein Schl\u00fcssel f\u00fcr jeden erfolgreichen Einsatz. In beiden Wehrsystemen lassen sich Systemerhalter einsparen oder durch Berufssoldaten und Zivilbedienstete ersetzen. Ein Aspekt wird kaum diskutiert: Viele Grundwehrdiener bevorzugen \u201ebequeme\u201c Systemerhalteraufgaben und manche vertiefen so ihre Berufsf\u00e4higkeiten.<\/p>\n<p><strong>4. Auslandseins\u00e4tze ben\u00f6tigen Berufssoldaten.<\/strong> Das Bundesheer leistet bereits heute einen \u00fcberproportional hohen Beitrag f\u00fcr das internationale Krisenmanagement. Dazu gibt es aus den Reihen der Berufs-, Zeit- und vor allem auch der Milizsoldaten gen\u00fcgend Freiwilligenmeldungen. Eine Ausweitung der Auslandseins\u00e4tze ist nicht vorgesehen und kostenm\u00e4\u00dfig nicht bew\u00e4ltigbar.<\/p>\n<p><strong>5. Trend zum Berufsheer.<\/strong> Das Ende des Kalten Krieges war f\u00fcr viele Staaten Anlass, auf die Wehrpflicht zu verzichten. 17 Staaten haben seit 1990 die Wehrpflicht ausgesetzt oder ganz abgeschafft. Dieser Trend ist jedoch bis auf wenige Ausnahmen nur unter den NATO Staaten zu beobachten. Weltweit haben 170 Staaten eine Wehrpflicht. 24 L\u00e4nder besitzen eine Berufsarmee. [<a href=\"http:\/\/www.bundeswehr.de\/portal\/poc\/bwde?uri=ci:bw.bwde.streitkraefte.wehrpflicht.wehrdienstweltweit\" target=\"_blank\">Quelle<\/a>] Die Entscheidung f\u00fcr ein Wehrsystem sollte unter Ber\u00fccksichtigung nationaler Rahmenbedingungen fallen.<\/p>\n<p><strong>6. Neutralit\u00e4t und NATO.<\/strong> Die Frage der Zukunft der \u00f6sterreichischen Neutralit\u00e4t stellt sich unabh\u00e4ngig vom Wehrsystem. Es wird zunehmend schwierig die Landesverteidigung, die Katastrophenhilfe oder auch die Abwehr von Cyber-Angriffen eigenst\u00e4ndig durchzuf\u00fchren. Weitgehende Kooperation und eine Arbeitsteilung unter den Streitkr\u00e4ften Europas wird durch die Neutralit\u00e4t blockiert. Schweden, das von Berufsheer-Bef\u00fcrwortern oft als Vorbild genannt wird, ist nicht \u201eneutral\u201c sondern \u201eb\u00fcndnisfrei\u201c und setzt auf intensive Kooperationen mit anderen EU Staaten und Norwegen.<br \/>\nSchweden ist wie Irland auch Beweis daf\u00fcr, dass ein Berufsheer nicht zwangsweise zu einem NATO Beitritt f\u00fchrt. Im Gegenzug w\u00e4re auch ein NATO Beitritt mit dem bestehenden Wehrpflichtigenheer m\u00f6glich. NATO Mitglieder mit Wehrpflicht sind beispielsweise Norwegen, die T\u00fcrkei und Griechenland.<\/p>\n<p><strong>7. Katastrophenhilfe.<\/strong> Beide Modelle k\u00f6nnen grunds\u00e4tzlich qualitativ hochwertige Katastrophenhilfe leisten. Das Berufsheer bietet tendenziell Vorteile bei der Bereitstellung von Spezialisten. Die Wehrpflicht kann tendenziell einfacher und g\u00fcnstiger \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume hohe Mannst\u00e4rken zur Verf\u00fcgung stellen. Da auch ein Berufsheer (im Endausbau \u2013 siehe Wehrpflicht-Argument &#8222;Geringeres Risiko&#8220;) \u00fcber eine gewisse Mannst\u00e4rke und das Mischsystem \u00fcber (bisher) ausreichend viele Spezialisten verf\u00fcgt, ist eine Entscheidung kaum von der Katastrophenhilfe abh\u00e4ngig zu machen.<br \/>\nDie Frage der Rekrutierung und damit der Verf\u00fcgbarkeit einer ausreichenden Zahl Soldaten mit den erforderlichen Kenntnissen stellt sich insbesondere bei fl\u00e4chendeckenden Ereignissen ebenso wie bei rein milit\u00e4rischen Aufgaben (siehe Wehrpflicht Argumente &#8222;Keine Rekrutierungsprobleme&#8220; und\u00a0 &#8222;Geringeres Risiko&#8220;).<\/p>\n<p><strong>8. Lebenseinkommen.<\/strong> Der Verteidigungsminister, ein Bef\u00fcrworter des Berufsheeres, spricht von einem Verlust von f\u00fcnf Prozent des Lebenseinkommens, wenn die Grundwehrdiener sechs Monate aus dem Arbeitsprozess gerissen werden. Diese Berechnungen ergeben unrealistisch hohe Werte und vernachl\u00e4ssigen zudem die geringeren Lebenskosten w\u00e4hrend des Wehrdienstes. [<a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/politik\/bundesheer\/1328940\/Praesenzdiener-verdienen-77500-Euro-weniger\" target=\"_blank\">Quelle<\/a>] Berufsanf\u00e4nger haben geringe Einkommen und sind oft noch nicht ausschlie\u00dflich vom Gehalt abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p><strong>9. Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung.<\/strong> Die Berechnung der volkswirtschaftlichen Auswirkungen des Wehrsystems ist sehr komplex. Die Wehrpflicht hat Kostenvorteile oder Kostennachteile in nahezu allen Lebensbereichen \u2013 vom Arbeitsmarkt, dem Steueraufkommen, \u00fcber das Bildungssystem bis zum Gesundheitswesen. Es gibt Studien, die volkswirtschaftlich ein Berufsheer favorisieren [<a href=\"http:\/\/oe1.orf.at\/artikel\/327392\" target=\"_blank\">Quelle<\/a>]. Andere Studien sehen volkswirtschaftliche Vorteile der Wehrpflicht [<a href=\"http:\/\/kurier.at\/politik\/inland\/studie-warnt-vor-hohen-folgekosten-eines-berufsheers\/1.656.339\" target=\"_blank\">Quelle<\/a>]. Diese Argumente sollten bei der Entscheidung daher vorerst ausgeklammert werden.<\/p>\n<p><strong>10. Einsparungspotentiale.<\/strong> Solange in etwa die gleichen Aufgaben bei in etwa gleicher Mannst\u00e4rke erf\u00fcllt werden sollen, bringt kein Modell automatisch Einsparungspotentiale bei Personal, Ger\u00e4t oder Infrastruktur. Das derzeitige Heeresbudget von rund 2 Mrd. Euro reicht weder f\u00fcr das derzeitige Mischsystem, noch f\u00fcr ein Berufsheer aus. Es m\u00fcsste unabh\u00e4ngig von der Entscheidung des Wehrsystems auf ein Level angehoben werden, damit der laufende Betrieb (samt \u00dcbungsbetrieb) sichergestellt und laufende Investitionen in Ger\u00e4t und Infrastruktur m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p><strong>Danksagung und Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>Wir bedanken uns bei unseren Leserinnen und Lesern f\u00fcr die \u00dcbermittlung Ihrer Beitr\u00e4ge und ersuchen um Verst\u00e4ndnis, wenn wir nicht alle Meldungen ber\u00fccksichtigen konnten.<\/p>\n<p>Weitere Argumente finden Sie hier: <a href=\"http:\/\/www.salzburg.gv.at\/foldervbwehrpflicht_final.pdf\" target=\"_blank\">Informationen zur Volksbefragung der Salzburger Landesregierung<\/a><\/p>\n<p>Weitere Quellen f\u00fcr diesen Beitrag:<\/p>\n<ul>\n<li>http:\/\/www.bundesheer.at<\/li>\n<li>http:\/\/www.parlament.gv.at<\/li>\n<li>http:\/\/www.einsatz-fuer-oesterreich.at<\/li>\n<li>http:\/\/www.personenkomiteeunserheer.at<\/li>\n<li>Websiten der Tageszeitungen Die Presse und Der Standard<\/li>\n<li>\u2026 und nat\u00fcrlich Doppeladler.com (inkl. Forum und Facebook-Auftritt)<\/li>\n<\/ul>\n<h2>WEITERF\u00dcHRENDE INFORMATIONEN<\/h2>\n<ul>\n<li>Informationen zur Volksbefragung finden Sie in unserem Beitrag &#8222;<a title=\"VOLKSBEFRAGUNG ZUR WEHRPFLICHT\" href=\"https:\/\/www.doppeladler.com\/da\/oebh\/volksbefragung-wehrpflicht\/\" target=\"_blank\">Volksbefragung zur Wehrpflicht<\/a>&#8222;<\/li>\n<li>Unsere Wahlempfehlung finden Sie hier: &#8222;<a title=\"DIE WAHLEMPFEHLUNG\" href=\"https:\/\/www.doppeladler.com\/da\/oebh\/wahlempfehlung\/\" target=\"_blank\">Die Wahlempfehlung<\/a>&#8222;<\/li>\n<li>Zu den rechtlichen und politischen Grundlagen: &#8222;<a title=\"SICHERHEITSSTRATEGIE UND PROFILVARIANTE\" href=\"https:\/\/www.doppeladler.com\/da\/oebh\/sicherheitsstrategie-und-profilvariante\/\">Sicherheitsstrategie und Profilvariante<\/a>&#8222;<\/li>\n<li>Zu den Erfolgskriterien einer Heeresreform: &#8222;<a title=\"NEUES HEER UND ALLES WIRD GUT?\" href=\"https:\/\/www.doppeladler.com\/da\/oebh\/neues-heer\/\">Neues Heer und alles wird gut?<\/a>&#8222;<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haben Sie sich schon entschieden, wo Sie am 20. 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