Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

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theoderich
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich » Fr 8. Feb 2019, 23:01

propellix hat geschrieben:
Fr 8. Feb 2019, 21:57
IRST als Pod-Lösung
PIRATE wird doch nach wie vor produziert - Stichwort: Katar und Kuwait. Nur die deutsche Luftwaffe verwendet einen Zielbehälter als IRST:

Bild
In the UK, following trials of a development IRST from Marconi Avionics (later BAE Systems and now part of Selex ES) for the UK Ministry of Defence in March 1995, work progressed on the parallel development of a dual-role IRST/FLIR system - PIRATE (Passive InfraRed Airborne Tracking Equipment) - for the Typhoon.

PIRATE is a joint development from the trinational consortium of EuroFirst, led by the Italian part of Selex ES (formerly Galileo Avionica, originally FIAR), with Thales (formerly Pilkington) Optronics of the UK and Grupo Tecnobit of Spain as major partners. Germany, as one of the four Eurofighter partners, opted out of the IRST capability. The PIRATE production contract for Typhoon was awarded in December 2003.

The PIRATE sensor head is mounted just ahead of the Typhoon's cockpit canopy (the optimum positioning for IRST air-to-air operations) and slightly to the left of the aircraft centreline (allowing for limited 'look-down' in FLIR mode). Working in both MWIR and LWIR spectrums, PIRATE automatically detects the IR signature of aircraft at long ranges (beyond visual range in excess of 50 km) over the entire field of regard. The signals-processing technology used in PIRATE demonstrates a very high suppression rate of false alarms and is derived from proven algorithms used by the Thales Air Defence Alerting Device.

As part of Typhoon's integrated avionics suite, PIRATE performs automatic detection and track-while-scan operation in its IRST mode and, in FLIR mode, IR imagery for cockpit multifunction head-down displays (HDDs) and helmet-mounted displays (HMDs).
https://www.janes.com/images/assets/018 ... rchers.pdf

opticartini
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von opticartini » Sa 9. Feb 2019, 00:54

propellix hat geschrieben:
Fr 8. Feb 2019, 21:57
Leute, da werden medial und in der gesamten öffentlichen Diskussion Äpfel mit Birnen verglichen; Tatsache ist und bleibt:
ALLE Typhoons (auch unsere) brauchen die aktuellen Mode S-Transponder, denn sonst dürfen sie ab etwa 2020 nicht mehr im zivilen Luftraum fliegen; dieser Austausch kostet für unsere ganze Flotte einen einstelligen Millionenbetrag. Das ist die EINZIGE zwingende Obsoleszenz!
>>>
Bei Tranche-1-Maschinen sind alle Mikroprozessoren vom Typ Motorola 68020, der als General Purpose Processor (GPP) bezeichnet wird. Bei diesen LRU-Rechnern kann die Anwendungssoftware nur mit dieser einen bestimmten Hardware des jeweiligen Missionscomputers arbeiten, was Änderungen erschwert bzw. unmöglich machen kann. Um der Obsoleszenz entgegenzuwirken, wurde das Praetorian-Selbstschutzsystem (DASS) kurz vor der Auslieferung (ab 2002) mit PowerPC4A-Prozessorkarten von Radstone Technology ausgerüstet. Es handelt sich um eine Sonderanfertigung auf Basis von COTS-Produkten, um mit den Randbedingungen des DASS fertigzuwerden. Ebenfalls wurde zwischen Hardware und DASS-Anwendungssoftware das Betriebssystem VxWorks installiert, um die Anwendungssoftware hardwareunabhängiger zu machen.

Flugzeuge der Tranche 2 und 3 sind deshalb softwareseitig identisch, da die Anwendungssoftware bzw. ihre Updates auf demselben Betriebssystem laufen und ASAAC-konform sind (Evolution Packages). Flugzeuge der Tranche 1 können und werden hingegen nur beschränkt durch Software-Updates verbessert (Drops). Eine Lösung des Tranche-1-Obsoleszenzproblems ist zurzeit (5/2014) nicht in Sicht; denkbar ist eine Hochrüstung auf ASAAC-Standard, wie dies bereits bei den meisten IPAs getan wurde. Denkbar ist auch eine Umrüstung auf den GPMC für alle Eurofighter aller Tranchen, wenn dieser verfügbar ist. Eine Lösung sollte auch maßgeblich von Österreich als einzigem Tranche-1-Exportkunden abhängen.

Die Tranche-1-Maschinen sind durch die begrenzte Rechenleistung softwareseitig beschränkt: So ist es zum Beispiel während eines Bombeneinsatzes möglich, ein Luftziel mittels ESM/ECM zu orten und per AMRAAM zu beschießen (Details), allerdings kann dann nicht mehr auf Luft-Boden-Modus gewechselt werden. Wurde erst bei Tranche 2 durch höhere Rechenleistung behoben.

Die Tranche-2-Flugzeuge wurden ab Oktober 2008 ausgeliefert und beseitigten Obsoleszenzen und erweiterten die Grundfähigkeiten des Luft-Luft- und Bodenkampfes. Das Phase 1 Enhancement (P1E) wurde 2007 vertraglich fixiert. Wurde später in Phase A (P1EA) und Phase B (P1EB) aufgeteilt. IPA4 und IPA7 schlossen die Testflüge dazu am 28. Oktober 2013 ab, das Software-Update stand Ende 2013 zur Verfügung. Im Zuge des Tranche-3-Vertrages wurde das Common Obsolescence Removal Programm (CORP) kofinanziert, welches Obsoleszenzen bei manchen Avionikboxen von Tranche 2 und 3 beseitigen soll.

https://de.wikipedia.org/wiki/Eurofighter_Typhoon

Der Motorola 68020 ist der erste echte 32-Bit-Mikroprozessor der Motorola 68000er-Familie. Er kam 1984 auf den Markt und besteht aus zirka 190.000 Transistoren.

https://de.wikipedia.org/wiki/Motorola_68020
<<<

Österreich kann natürlich seine Hardware und die darauf aufbauende Software alleine weiterbetreiben, wird sich diese aber bald selbst be- und versorgen müsssen (sog. "Insellösung"), mit steigendem Aufwand und Kosten, es sei denn … man beseitigt eben diese Obsoleszenzen jetzt.
theoderich hat geschrieben:
Fr 8. Feb 2019, 23:01
propellix hat geschrieben:
Fr 8. Feb 2019, 21:57
IRST als Pod-Lösung
PIRATE wird doch nach wie vor produziert - Stichwort: Katar und Kuwait. Nur die deutsche Luftwaffe verwendet einen Zielbehälter als IRST:
Wie gesagt: Wäre nett wenn die ganze Flotte PIRATE hätte, realistischer ist, dass ein paar Pods angeschafft werden, die man dann je nach Bedarf dranhängt.

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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich » Sa 9. Feb 2019, 09:52

opticartini hat geschrieben:
Sa 9. Feb 2019, 00:54
Wie gesagt: Wäre nett wenn die ganze Flotte PIRATE hätte, realistischer ist, dass ein paar Pods angeschafft werden, die man dann je nach Bedarf dranhängt.
Was Du damit bloß wieder aussagen willst? Österreich hat nie für "die ganze Flotte" PIRATE bestellt. Bei der Angebotseinholung waren acht Sensoren für 24 Flugzeuge vorgesehen, beim Kaufvertrag dann sechs Sensoren für 18 Flugzeuge. Das IRST ist modular - es ist also nicht in jedem Eurofighter fix integriert, sondern kann je nach Bedarf ein- bzw. ausgebaut werden; die Verkabelung ist schließlich bereits vorhanden. Dasselbe gilt auch für DASS.

Pirate IRST

https://www.leonardocompany.com/en/-/pirate_irst

COOK Boyd: PIRATE the IRST for Eurofighter TYPHOON, in: Bjørn F. ANDRESEN, Gabor F. FULOP, Marija STROJNIK (Hgg.): Proceedings of SPIE, Vol. 4820 (2003)
The Passive InfraRed Airborne Tracking Equipment (PIRATE) has been developed for the Eurofighter aircraft. The equipment is mounted in the forward fuselage and fully integrated into the weapon system.
Eurofighter will welcome this Pirate
The Pirate’s hardware is housed in a compact, single line-replaceable unit that contains the optical system and signal processing assemblies.
https://www.ainonline.com/aviation-news ... ome-pirate

Bild
http://grupooesia.com/en/portfolio-prod ... flir-irst/
Zuletzt geändert von theoderich am Mo 11. Feb 2019, 04:33, insgesamt 3-mal geändert.

innsbronx
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von innsbronx » So 10. Feb 2019, 13:45

propellix hat geschrieben:
Fr 8. Feb 2019, 22:04
Die dt. Luftwaffe hat ein viel größeres Problem mit dem Tornado-Ersatz, nämlich die nukleare Teilhabe. Die brauchen einen Atomwaffenträger damit sie ihrer Verpflichtung im Rahmen der NATO nachkommen können. Da sie formal aus Sicht der Siegermächte nicht souverän sind, könne sie aus dieser Verpflichtung nicht einfach "aussteigen".
Das ist ein vollkommener Blödsinn. Die BRD ist vollkommen souverän und kann komplett selbständig entscheiden, ob sie an der nuklearen Teilhabe weiterhin partizipieren wollen oder nicht. Sicher gibt es einen politischen Druck und wechselseitige Verpflichtungen innerhalb der NATO, aber das war's dann schon. Ich nehme aber an, dass die BRD diese Fähigkeiten nicht aufgeben wird wollen.

opticartini
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von opticartini » So 10. Feb 2019, 23:39

theoderich hat geschrieben:
Sa 9. Feb 2019, 09:52
opticartini hat geschrieben:
Sa 9. Feb 2019, 00:54
Wie gesagt: Wäre nett wenn die ganze Flotte PIRATE hätte, realistischer ist, dass ein paar Pods angeschafft werden, die man dann je nach Bedarf dranhängt.
Was Du damit bloß wieder aussagen willst? Österreich hat nie für "die ganze Flotte" PIRATE bestellt. Bei der Angebotseinholung waren acht Sensoren für 24 Flugzeuge vorgesehen, beim Kaufvertrag dann sechs Sensoren für 18 Flugzeuge. Das IRST ist modular - es ist also nicht in jedem Eurofighter fix integriert, sondern kann je nach Bedarf ein- bzw. ausgebaut werden; die Verkabelung ist schließlich bereits vorhanden. Dasselbe gilt auch für DASS.
Na wenn das so ist. Ich ging davon aus, dass PIRATE und DASS mehr oder weniger fix im Gerät verbaut sind und daher nicht so flexibel und günstig wie Pods zum Dranhängen sind.

Wäre interessant zu erfahren, wie viel diese Dinger kostet und wie schnell man sie ein- und ausbauen kann.

theoderich
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich » Mo 11. Feb 2019, 04:05

An den Preisen aus dem Kaufvertrag von 2003 wäre das Heer nicht zugrunde gegangen:
  • Luftraumüberwachungsflugzeuge (Kaufverträge, Finanzierung der Beschaffung, Gegengeschäftsvertrag) (Bund 2005/3)
    Technische Einrichtungen

    5.1 Um Ziele auch bei Nacht und Schlechtwetter eindeutig erfassen und bestimmen zu können, sah die Angebotseinholung den Ankauf von acht Stück (Muss–Forderung) elektrooptischen Zielerfassungs–Einrichtungen vor. Der Kaufvertrag sah dagegen den Ankauf von sechs Stück zum Preis von 8,4 Mill. EUR vor.

    Weiters bot die Firma Eurofighter acht Selbstschutz–Systeme gegen Bedrohungen aus der Luft an (Muss–Forderung). Der Kaufvertrag sah hingegen den Ankauf von sechs Selbstschutz–Systemen zum Preis von rd. 44,6 Mill. EUR vor. Den Selbstschutz–Systemen fehlte jedoch ein System, das auf Kampfflugzeuge abgefeuerte Lenkwaffen IT–gesteuert erfasst.

    Damit Kampfflugzeuge Bedrohungen rechtzeitig erkennen können, sind in Bedrohungsbibliotheken gespeicherte Bedrohungsbilder erforderlich. Für den Aufbau einer solchen Bedrohungsbibliothek werden Einrichtungen benötigt, welche die Firma Eurofighter um rd. 34,1 Mill. EUR anbot (Soll–Forderung). Im Kaufvertrag schien keine derartige Einrichtung auf.

    5.2 Das BMLV konnte dem RH keine Begründung für die Stückreduzierung bei den technischen Einrichtungen bzw. die fehlenden Systeme nennen, weshalb er empfahl, den Bedarf an den zu erwartenden Einsatzszenarien zu ermitteln.

    5.3 Das BMLV nahm die vom RH getroffenen Empfehlungen und Schlussfolgerungen zur Kenntnis. Es wies jedoch darauf hin, dass es sich um künftige Ergänzungen des Systems handle, welche nicht Gegenstand der Einführung und Betriebsplanung gewesen seien.
    7.1 Die Angebotseinholung sah für vier der zu beschaffenden Flugzeuge Träger für Aufklärungseinrichtungen vor (Muss–Forderung). Im Kaufvertrag schien diese Leistung nicht mehr auf.

    7.2 Eine Erklärung für das Fehlen der für die Luftaufklärung notwendigen Einrichtungen konnte das BMLV dem RH nicht geben.

    7.3 Das BMLV verwies auf die Einführungsphase des Flugzeuges, in welcher Aufklärungsbehälter für das Aufgabenspektrum nicht vorgesehen seien.

    7.4 Der RH erwiderte, dass die Träger in der Angebotseinholung eine Muss–Forderung darstellten, um für bestimmte Einsätze Aufklärungsbehälter anbringen zu können.
    https://www.rechnungshof.gv.at/fileadmi ... 005_03.pdf
  • Luftraumüberwachungsflugzeuge: Vergleich der Republik Österreich mit der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH (Bund 2009/1)
    Abbestellung von Selbstschutz– und elektrooptischen Zielerfassungssystemen

    28.1 Durch den Vergleich wurden jeweils die sechs Sätze Selbstschutz– sowie elektrooptische Zielerfassungssysteme und die dazugehörigen Ersatz– und Umlaufteile abbestellt. Diese Systeme hatten bei der Angebotsbewertung im Vergabeverfahren zwingend zu erfüllende Bewertungskriterien (Muss–Kriterien) dargestellt.

    Die elektrooptischen Zielerfassungssysteme waren vorgesehen, um Ziele auch bei Nacht und Schlechtwetter eindeutig erfassen und bestimmen zu können. Mit den Selbstschutzsystemen sollten die Piloten Bedrohungen aus der Luft frühzeitig erkennen können.

    Die von der Schweiz geliehenen Flugzeuge der Type F–5E „Tiger“ und die zuvor vom BMLV verwendeten Flugzeuge der Type Saab 35–OE „Draken“ verfügten über Warneinrichtungen. Das BMLV begründete die Abbestellung der Selbstschutz– und elektrooptischen Zielerfassungssysteme mit der „Anpassung der Anforderungen“.

    Durch die Abbestellung ergab sich eine Preisreduktion von insgesamt rd. 69 Mill. EUR. Weiters entfielen Ausgaben für die Erhaltung und den laufenden Betrieb der Selbstschutzsysteme. Die Höhe der damit verbundenen Kostenreduktion konnte vom RH mangels Planungsdaten nicht überprüft werden.

    Laut BMLV sei die technische Möglichkeit für die Nachrüstung vorhanden. Eine Regelung für eine allfällige optionale Nachbeschaffung dieser Systeme wurde nicht vereinbart.

    28.2 Der RH stellte fest, dass durch die Abbestellung der Systeme Reduktionen bei Investitionen und Betriebskosten erzielt wurden. Er zeigte jedoch auf, dass im Vergabeverfahren als zwingend zu erfüllende Leistungselemente (Muss–Kriterien) wegfielen und bemängelte, dass in den Vergleich keine Option für eine spätere Nachbeschaffung der Systeme aufgenommen wurde.

    Der RH verwies in diesem Zusammenhang auf seine Feststellung aus dem Jahr 2004, wonach durch den verringerten Leistungsumfang die Effizienz der Flugzeuge nicht in vollem Umfang genützt werden kann (Reihe Bund 2005/3 S. 22 TZ 23).

    28.3 Laut Stellungnahme des BMLV habe es für die militärische Einsatzausstattung keinen Bedarf und keine Grundlagen gegeben, weshalb aus Gründen der Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit darauf verzichtet worden sei.

    28.4 Der RH verwies neuerlich darauf, dass die im Vergabeverfahren als zwingend zu erfüllenden Leistungselemente wegfielen, und hielt seine Ansicht aufrecht.
    https://www.rechnungshof.gv.at/berichte ... -gmbh.html

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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von opticartini » Di 12. Feb 2019, 08:27

theoderich hat geschrieben:
Mo 11. Feb 2019, 04:05
An den Preisen aus dem Kaufvertrag von 2003 wäre das Heer nicht zugrunde gegangen:
DASS scheint ziemlich teuer zu sein, aber ca. 1,4 Millionen pro Stück für PIRATE schrecken nicht. Allerdings sieht das ein wenig anders aus, wenn man es in Relation zum Nutzen setzt, vor allem im Vergleich zu einem stinknormalen FLIR.

Wofür dient IRST?
Finden und verfolgen von Zielen in Reichweiten bis zu ca. 90 Kilometern (also BVR = beyond visual range), wobei die Effektivität z. B. von Wetterbedingungen, Umgebungstemperatur, Präsenz von anderen wärmeabstrahlenden Objekten, Flughöhe und Geschwindigkeit der zu verfolgenden Ziele beeinflusst wird.
Diese Aufgabe kann Radar besser, mit größerer Reichweite und unabhängiger von äußerlichen Einflüssen.

Welchen Vorteil hat IRST (neben dem Einsatz als FLIR) im Gegensatz zu Radar?
1) Es ist komplett passiv, das Ziel weiß nicht, dass es beobachtet wird.
2) Es kann auch Ziele mit geringem Radarquerschnitt aufspüren.

Gegen welche Ziele hilft das?
Sog. "nicht-kooperative" Flugzeuge mit Stealth-Eigenschaften, die nicht wissen sollen, dass sie verfolgt werden. Das sind in erster Linie (feindliche) Kampfflugzeuge.

Wann trifft Österreich auf nicht-kooperative Kampfflugzeuge?
Nachdem Österreich als neutrales Land keine Angriffskriege führt, würde dies dann passieren, wenn feindliche Kampfflugzeuge das Land angreifen. Zu diesem Zeitpunkt ist politisch derart viel schiefgelaufen, dass sich Österreich im Krieg gegen einen Feind mit Stealth-Flugzeugen befindet, wo davon auszugehen ist, dass das österreichische Bundesheer ohnehin wenig ausrichten könnte. Sprich: Militärisch wäre dieser Konflikt nicht zu gewinnen.

Natürlich kann es auch zum Aufspüren von "befreundeten" (Stealth-)Flugzeugen hergenommen werden, welche unbefugt den österreichischen Luftraum durchqueren. Allerdings würde dies bedingen, dass man bereits weiß (durch bodengestützte Überwachung), dass sich dort etwas befindet und daher Eurofighter losschickt, um visuellen Kontakt aufzunehmen. Das heißt die Eurofighter würden durch Bodenkontrolle und in relativer Nähe durch eigenes Radar und nicht mittels IRST an die Ziele herangeführt.

Daher: Der praktische Nutzen eines IRST – also alles was über die Funktionen eines FLIR hinausgeht – ist in Anbetracht der Kosten sehr gering. Ich schätze mal das dürfte auch der Grund sein, warum Deutschland das Teil nicht im Einsatz hat, auch nicht in der Luftüberwachung im Rahmen von NATO-Einsätzen (z. B. Baltikum), siehe:

Auf der anderen Seite existiert bereits ein besseres EF-Radar...

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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von propellix » Di 12. Feb 2019, 09:13

opticartini hat geschrieben:
Di 12. Feb 2019, 08:27
Daher: Der praktische Nutzen eines IRST – also alles was über die Funktionen eines FLIR hinausgeht – ist in Anbetracht der Kosten sehr gering.
Dieser Meinung möchte ich entschieden widersprechen: Wenn IRST mit einem Aufzeichnungsmedium gekoppelt wäre, dann brauchen die Piloten nicht mehr mit irgendwelchen Kameras im Cockpit hantieren, dann kann man auch bei Nacht sicher identifizieren, und mittels IRST erkennt ein militärisches Ziel (überfliegende F-16 oder ähnliches; I. e. alles was KEIN TCAS an Bord hat) gar nicht, dass es verfolgt wird. Denn bei ECR-90 auf Stdby schlägt kein RWR an. Und TCAS (würde den sich nähernden T/P erkennen) haben Fighter außer den allerneuesten wie F-35 mWn nicht.
Gerade das Pirate-System wäre das Um- und Auf der Luftraumüberwachung. Da kann ich ja noch eher mit dem Verzicht auf DASS leben als mit dem Verzicht auf PIRATE!
Pirate wäre für mich bei der Typenentscheidung der Partiestoß für den Eufi gewesen, denn nur die Rafale hat ein ähnliches System. Und was macht die österr. Regierung? Setzt den "Jäger" ohne Fernglas auf den Hochstand. Das kann auch nur der Sozialdemokratie einfallen.

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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von opticartini » Mi 13. Feb 2019, 07:20

propellix hat geschrieben:
Di 12. Feb 2019, 09:13
Dieser Meinung möchte ich entschieden widersprechen
Du widersprichst nicht, sondern bestätigst, denn:

1) Zum Fotos machen reicht ein "normales" FLIR auch (ohne Search & Track, geringere Auflösung).

2) Ein Flugzeug, welches unbefugt über Österreich unterwegs ist, soll durchaus wissen, dass es beobachtet wird.

Daher auch meine Behauptung, dass der praktische Nutzen eines IRST – also alles was über die Möglichkeiten eines FLIR hinausgeht (!) – gering ist.

TCAS basiert darauf, dass die Transponder eingeschalten sind. Ein Eurofighter mit deaktiviertem Transponder wird von einem TCAS nicht erkannt, völlig egal ob das abzufangende Flugzeug ein solches hat oder nicht.

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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich » Mi 13. Feb 2019, 16:14

opticartini post_id=5085 time=1549960024 user_id=310 hat geschrieben:Wann trifft Österreich auf nicht-kooperative Kampfflugzeuge?
Nachdem Österreich als neutrales Land keine Angriffskriege führt, würde dies dann passieren, wenn feindliche Kampfflugzeuge das Land angreifen. Zu diesem Zeitpunkt ist politisch derart viel schiefgelaufen, dass sich Österreich im Krieg gegen einen Feind mit Stealth-Flugzeugen befindet, wo davon auszugehen ist, dass das österreichische Bundesheer ohnehin wenig ausrichten könnte. Sprich: Militärisch wäre dieser Konflikt nicht zu gewinnen.

Natürlich kann es auch zum Aufspüren von "befreundeten" (Stealth-)Flugzeugen hergenommen werden, welche unbefugt den österreichischen Luftraum durchqueren. Allerdings würde dies bedingen, dass man bereits weiß (durch bodengestützte Überwachung), dass sich dort etwas befindet und daher Eurofighter losschickt, um visuellen Kontakt aufzunehmen. Das heißt die Eurofighter würden durch Bodenkontrolle und in relativer Nähe durch eigenes Radar und nicht mittels IRST an die Ziele herangeführt.
IRST dient nicht nur dem "Aufspüren" von Flugzeugen bei abgeschaltetem Bordradar, sondern hauptsächlich der Identifizierung bei Nacht. U.a. eben auch von Luftfahrzeugen mit reduziertem Radarquerschnitt. Und so einen Unfug wie diesen "Angriffskrieg"-Satz habe ich in diesem Forum schon lange nicht mehr gelesen.
opticartini hat geschrieben:
Mi 13. Feb 2019, 07:20
1) Zum Fotos machen reicht ein "normales" FLIR auch (ohne Search & Track, geringere Auflösung).

2) Ein Flugzeug, welches unbefugt über Österreich unterwegs ist, soll durchaus wissen, dass es beobachtet wird.

Daher auch meine Behauptung, dass der praktische Nutzen eines IRST – also alles was über die Möglichkeiten eines FLIR hinausgeht (!) – gering ist.
Viel Spaß beim Identifizieren eines Luftfahrzeugs in der Nacht "ohne Search & Track" und mit "geringerer Auflösung". Und ein Luftfahrzeug, das "weiß, dass es beobachtet wird" und bewusst den österreichischen Luftraum verletzt, wird alles tun, um sich einer Identifizierung, einem Landezwang und einer diplomatischen Protestnote zu entziehen!
opticartini hat geschrieben:
Mi 13. Feb 2019, 07:20
TCAS basiert darauf, dass die Transponder eingeschalten sind. Ein Eurofighter mit deaktiviertem Transponder wird von einem TCAS nicht erkannt, völlig egal ob das abzufangende Flugzeug ein solches hat oder nicht.
Wenn es so einfach wäre, könnte man sich die Luftraumüberwachung mit militärischem Primärradar komplett sparen. Die aktive Luftraumüberwachung dient hauptsächlich dazu, nicht nur die Hoheitsrechte, sondern auch die Neutralität des österreichischen Staatsgebiets im Konfliktfall durchzusetzen. Glaubst du ernsthaft, dass ausländische Militärluftfahrzeuge mit eingeschaltetem TCAS in unseren Luftraum eindringen würden, damit wir kein "überteuertes" und "unnötiges" ECR-90, PIRATE und RAT-31DL brauchen?!?

Darüber hinaus dient TCAS nicht der Identifizierung von Luftfahrzeugen, sondern lediglich als Kollisionswarnsystem. Es erfordert einen aktivierten Mode S Transponder. Wird dieser Transponder bewusst ausgeschaltet, ist das System blind.
  • Introduction to TCAS II
    Version 7.1
    Mode S Surveillance

    Because of the selective address feature of the Mode S system, TCAS surveillance of Mode S equipped aircraft is relatively straightforward. TCAS listens for the spontaneous transmissions, or squitters, that are generated once per second by the Mode S transponder. Among other information, the squitter contains the unique Mode S address of the sending aircraft. The Mode S address is known internationally as the ICAO 24-bit aircraft address.

    Following the receipt and decoding of a squitter message, TCAS sends Mode S interrogations to the Mode S address contained in the squitter.
    TCAS tracks the range and altitude of each Mode S target. These target reports are provided to the collision avoidance logic for use in the detection and advisory logic, and for presentation to the pilot on the traffic display. The relative bearing of the target is also provided to the collision avoidance logic for use in the Horizontal Miss Distance Filter and so that the target’s position can be properly shown on the traffic display.
    https://www.faa.gov/documentLibrary/med ... ooklet.pdf
  • What are the impacts of a total loss of transponder on the controller?

    As I said at the start, all altitude and identification information is lost, and the track as well, if no primary radar is present – effectively making the aircraft invisible to the controller. This results in an increase in workload due to loss of situational awareness, reliance on procedural control/voice reporting and a severely reduced
    ability to provide tactical instructions – including issuing instructions for collision avoidance. Even if primary radar is available, altitude and, possibly, identification will be lost so there will also be workload impacts in this situation as well.
    https://www.eurocontrol.int/sites/defau ... ert-19.pdf
  • RAF fighter jets not fitted with safety systems to prevent civilian collisions despite Government pledge (24. Januar 2016)
    The majority of Britain’s fighter jets have not been fitted with safety systems that would help prevent a catastrophic mid-air collision with a passenger plane, despite the Government pledging to install them almost 20 years ago, The Independent on Sunday can reveal.
    New figures from the Ministry of Defence (MoD) show that less than half of Britain’s 90-strong Tornado fleet is fitted with a traffic collision avoidance system (TCas). This is a type of electronic collision warning system (CWS), which uses radar to show the position of other planes, and automatically alerts pilots. None of Britain’s 131 Typhoon fighters has it fitted, and the F-35s that Britain has ordered will not have it installed.
    An MoD spokesman said: “The introduction of a CWS/TCas is not, and never will, be a panacea for avoiding air collisions.”
    https://www.independent.co.uk/news/uk/h ... 30511.html

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