Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Flächenflugzeuge, Hubschrauber, Großgerät, Fliegerhorste, ...
theoderich
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich »

Wäre mir aber neu, dass Komponenten für SAAB-Flugzeuge aus Österreich stammen würden.

stratos
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von stratos »

Frag mal bei der Firma Test - Fuchs in Groß - Siegharts nach ! Die Burschen haben schon für den MRCA TORNADO Diagnosesysteme entwickelt.

theoderich
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich »

SAAB hat bereits offiziell mit der Vermarktung der JAS-39C/D als Nachfolger der österreichischen Eurofighter-Flotte begonnen. Die Seite ist, wenn man die Captures von Internet Archive betrachtet, irgendwann zwischen dem 29. Mai und dem 5. Juni 2020 online gegangen:

https://saab.com/de/region/austria/

Und die Kontaktperson von SAAB in Österreich ist bereits im Umfeld des NKF/"Air 2030"-Programms aufgefallen:
  • Christian Trottmann
    Communications Manager Western Europe
    Berufserfahrung
    • Saab
      1 Jahr 8 Monate
      • Communications Manager Western Europe
        Jan. 2020 – Heute
        7 Monate
      • Communication Manager Switzerland
        Dez. 2018 – Heute
        1 Jahr 8 Monate
        Thun, Kanton Bern, Schweiz
    • Senior Projektleiter Marketing & Kommunikation
      ARGUS DATA INSIGHTS® Schweiz AG
      Sep. 2015 – Nov. 2018
      3 Jahre 3 Monate
    • Leiter Unternehmenskommunikation
      Zürich Tourismus, Schweiz
      Nov. 2012 – Juni 2015
      2 Jahre 8 Monate
    • Communications Specialist
      DKSH
      Dez. 2011 – Okt. 2012
      11 Monate
    • Leiter Information und Medien
      Rega
      Apr. 2009 – Nov. 2011
      2 Jahre 8 Monate
    • Stv. Redaktionsleitung / Produzent
      Tele24, Tele Züri, RingierTV
      Sep. 1998 – März 2009
      10 Jahre 7 Monate
    https://ch.linkedin.com/in/christian-trottmann-45a20820
  • Hoher Luftwaffen-Offizier arbeitet als Gripen-Lobbyist (26. Januar 2019)
    Christian Trottmanns Begeisterung für Kampfflugzeuge muss gross sein. Der Kommunikationsprofi ist «Speaker der Patrouille Suisse». Wenn die rote Fliegerstaffel am Himmel ihre Runden zieht, erläutert er dem Publikum am Boden das Geschehen.
    Obwohl selber nicht Pilot, ist der Oberstleutnant Teammitglied der Patrouille Suisse. Zudem schreibt er enthusiastische Fliegerartikel für die «Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift», das Sprachrohr der Offiziersgesellschaft.

    Damit ist nun Schluss. Verteidigungsministerin Viola Amherd hat diese Woche entschieden, dass Trottmann aus dem Team der Patrouille Suisse entlassen wird, sobald ein Nachfolger gefunden ist. Trottmann wird auch nicht mehr für die Militärzeitschrift schreiben. Der Grund: Seit Dezember hat der Fliegerfan beim Flugzeugbauer Saab eine Stelle als Lobbyist. Seine Aufgabe: Er soll dafür sorgen, dass sich die Schweiz bei der bevorstehenden Kampfjetbeschaffung für den Düsenjet von Saab entscheidet, den Gripen.
    Im VBS aber fürchtet man, Trottmanns Doppelrolle würde den Anschein erwecken, Saab geniesse einen Startvorteil.

    Bild
    Oberstleutnant und Lobbyist: Christian Trottmann.

    Mit Amherds Entscheid wird aber kaum Ruhe einkehren: Denn der Interessenkonflikt des Lobbyisten ist nur zur Hälfte gelöst. Während der Oberstleutnant bei der Patrouille Suisse abdanken muss, soll er bei der Luftwaffe als Chef Fachstab Kommunikation weiterhin Dienst leisten. VBS-Kommunikationschef Renato Kalbermatten begründet Trottmanns Verbleib so: «Als Milizoffizier der Armee wird er, wie das in unserem Milizsystem üblich ist, weiterhin Dienst bei der Luftwaffe leisten.» Die Frage, warum diese Funktion weniger heikel sein soll als jene bei Patrouille Suisse, bleibt unbeantwortet.

    Trottmann selber war nicht erreichbar. Für etliche im VBS ist der Fall aber klar: Es sei ein absolutes No-go, dass ein Gripen-Lobbyist als Vorgesetzter in der Kommunikation der Luftwaffe tätig sei, sagt ein ranghoher VBS-Beamter. Gerade diese Woche habe Trottmann Journalisten als Luftwaffen-Kommunikator durch das Fluggelände Dübendorf geführt. «Offenbar hat man aus dem Gripen-Debakel von 2013 nichts gelernt», heisst es aus Armeekreisen.
    https://www.tagesanzeiger.ch/sonntagsze ... y/22715818

Hier die Informationen zur alten Lobbyingfirma, die im Vorfeld der "Draken"-Nachbeschaffung etabliert worden ist:
Österreichbüro

Im Hinblick auf die Bedeutung des österreichischen Marktes für militärische und andere High-Tech-Systeme des Konzerns hat die Saab AB im Jahr 1993 ein eigenes Büro in Wien eröffnet.
Es koordiniert die Marketingaktivitäten für das Gripen-System in Österreich sowie die erweiterte industrielle Zusammenarbeit. Am 1.10.1998 wurde dieses Büro in eine 100%ige österreichische Tochterfirma umgewandelt

Saab Aerospace
Marketingservice GmbH
Universitätsstr. 5
1010 Wien
Tel. + 43 1 402 24 340
Fax. + 43 1 402 24 349

Der Geschäftsführer ist Herrn Roger Lantz
http://web.archive.org/web/200201221101 ... gripen.at/
stratos hat geschrieben:
Mi 1. Jul 2020, 21:29
Frag mal bei der Firma Test - Fuchs in Groß - Siegharts nach ! Die Burschen haben schon für den MRCA TORNADO Diagnosesysteme entwickelt.
TEST-FUCHS fertigt aber auch nicht für Saab, sondern Prüfstände für Eurofighter, Tornado, F-15 oder F-16. Speziell für den Eurofighter wurde ein Steuerflächen-Testgerät entwickelt. Sie bauen auch Treibstoffpumpen für den Kampfpanzer "Leopard 2" und den Mannschaftstransportpanzer "Fuchs". So weit aus der Firmenhomepage ersichtlich, haben sie sehr viel mit Airbus und der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH zu tun, aber nichts mit SAAB. Und TTTech produziert einen Datenbus für eine Triebwerkssteuerung (FADEC) von Honeywell, die u.a. in der Aermacchi M-346 oder der F-16 zum Einsatz kommt.
Zuletzt geändert von theoderich am Sa 4. Jul 2020, 14:25, insgesamt 6-mal geändert.

opticartini
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von opticartini »

theoderich hat geschrieben:
Mi 1. Jul 2020, 20:22
Wäre mir aber neu, dass Komponenten für SAAB-Flugzeuge aus Österreich stammen würden.
Ein Flugzeug ist ein komplexes Gerät, mich würds eher wundern, wenn da nicht irgendwo eine österreichische Firma daran beteiligt wäre. Die sog. Eurofighter-Gegengeschäfte zeigen die Komplexität.

Anders gesagt: Um dein Auto zu reparieren braucht ein Automechaniker eine Hebebühne, Werkzeuge, Prüfgeräte etc. Wenn der Automechaniker gutes Geschäft macht, freuen sich auch die Hersteller der Werkzeuge, die Maschinenbauern, die die Hersteller der Werkzeuge mit Maschinen zum Herstellen der Werkzeuge beliefern, die Rohstoff- und Werkstoffproduzenten und -verarbeiter, die die Werkzeughersteller und Maschinenbauern mit Rohstoffen beliefern usw.

Aber ja, ein Faktencheck der Aussage oben wäre interessant, wie viel da wirklich österreichische Arbeitnehmer und der Staat profitieren. Gerade beim Kauf von Rüstungsgütern scheinen Politiker und deren Gönner aus der Wirtschaft ganz wild auf die "Gegengeschäfte" zu sein (in der Schweiz hat man sich immerhin auf mäßige 60 % des Kaufpreises geeinigt, im Gegensatz zu dem Wahnwitz, der bei uns betrieben wurde). Darauf haben sich die Hersteller eingestellt und sind auf diese Fragen vorbereitet.
theoderich hat geschrieben:
Mi 1. Jul 2020, 21:44
SAAB hat bereits offiziell mit der Vermarktung der JAS-39C/D als Nachfolger der österreichischen Eurofighter-Flotte begonnen:

https://saab.com/de/region/austria/
Die führen doch schon seit Jahren Österreich als "potentiellen Kunden".

Putzig finde ich die Aussage: "Mit kontinuierlichen Upgrades und Weiterentwicklungen bleibt das Gripen-System während der ganzen Lebensdauer technologisch auf dem neuesten Stand."

Da kennen die aber Österreich schlecht, technologisch auf neuestem Stand zu sein ist so ziemlich das letzte worauf bei uns geachtet wird.

forumla1express
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von forumla1express »

theoderich hat geschrieben:
Mi 1. Jul 2020, 21:44
SAAB hat bereits offiziell mit der Vermarktung der JAS-39C/D als Nachfolger der österreichischen Eurofighter-Flotte begonnen. Die Seite ist, wenn man die Captures von Internet Archive betrachtet, irgendwann zwischen dem 29. Mai und dem 5. Juni 2020 online gegangen:
Auch wenn es vielleicht nicht die wahrscheinlichste Lösung darstellt, aber ich traue es der Politik durchaus zu, abbezahlte Eurofighter im Jahr 202X gegen Saab Gripen C/D (!) zu tauschen. Alleine der Gedanke daran ist Wahnsinn, weil man selbst C/D Gripen nicht günstig oder geschenkt bekommt und die Fähigkeiten auch nicht gesteigert werden. Und bei unserer Nutzungsdauer wären wir dann in Europa mit Sicherheit die einzigen die mit C/D Gripen im Jahr 204X arbeiten.

Hat jemand vom Fach nähere Infos zu den weiteren EF T1 Upgrades der spanischen Luftwaffe? Gibt es da schon mehr als ein Testflugzeug oder Preise pro Flieger?

theoderich
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich »

opticartini hat geschrieben:
Mi 1. Jul 2020, 22:41
Die führen doch schon seit Jahren Österreich als "potentiellen Kunden".
Aber bisher eher unterschwellig, in Präsentationsunterlagen und via Gefälligkeitsartikeln in österreichischen Medien. Diese Marketingwebsite ist ein ganz neues Niveau.
forumla1express hat geschrieben:
Mi 1. Jul 2020, 22:53
Hat jemand vom Fach nähere Infos zu den weiteren EF T1 Upgrades der spanischen Luftwaffe? Gibt es da schon mehr als ein Testflugzeug oder Preise pro Flieger?
HUERTAS Salvador Mafé: Spanish 'spaceships': Honing the Typhoon, in: Air Forces Monthly (October 2019), p. 66-70
The final Tranche 1 jet was received on August 10, 2007 completing the production run for the EA. All were retrofitted to Service Release Proposal (SRP) 4.3 and Production Software Configuration (PSC) 3.31+ standards, with the OFP01E tape, while a first jet upgraded to OFP02 (C.16-23, SS003) was delivered in February. Among other improvements, OFP02 includes almost all the same capabilities as the Tranche 3A standard, including Meteor beyond-visual-range air-to-air missile (BVRAAM) and GBU-48 dual-mode laser/GPS-guided bomb capabilities.

There were originally 19 Tranche 1 jets, but CE.16-08 crashed in August 2010 and Instrumented Production Aircraft 4 (IPA4, C.16-20 ‘11-91’) was retrofitted to Tranche 2 (and later to Tranche 3A) standard for industry tests.

Dr4ven
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von Dr4ven »

https://www.derstandard.at/story/200011 ... -behauptet

Eurofighter laut Kunasek-Kommission weniger teuer als bisher behauptet

Der lange unter Verschluss gehaltene Bericht unter dem blauen Verteidigungsminister empfahl keine Abkehr vom Eurofighter samt Wechsel zu einer Alternativflotte

Conrad Seidl, Nina Weißensteiner 2. Juli 2020, 11:10 90 Postings
Wien – Wenige Tage bevor Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) ihre Entscheidung darüber bekanntgeben will, wie es mit Österreichs Luftraumüberwachung weitergeht, liegt dem STANDARD die unter Türkis-Blau erstellte und bis heute unter Verschluss gehaltene Empfehlung der Evaluierungskommission ihres Vorgängers Mario Kunasek (FPÖ) vor. Das Ergebnis des 34-seitigen Dokuments mit dem Titel "Interner Bericht der Evaluierungskommission aktive Luftraumüberwachung" und dem Untertitel "Zur Kenntnisnahme Koordinierung", versehen mit dem Datum 27. Juni 2018, wurde dem STANDARD bestätigt – und dürfte für einige mit der Causa befasste politische Entscheidungsträger im Land unangenehm sein, wie auch seine lange Geheimhaltung zeigt.

Denn in dem Papier ist auf Seite 33 unter "Punkt 176" zu lesen, welche "Empfehlungen" dieser Kommission von jenen unter Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) abweichen. Explizit heißt es an dieser Stelle: "Die Evaluierungskommission ist aufgrund von ergänzenden Informationen und der Evaluierung von Preisinformationen bei den Kostenberechnungen zum Ergebnis gekommen, dass der Wechsel zu einer Alternativflotte selbst innerhalb eines 30-jährigen Betrachtungszeitraums nicht jenes Einsparungspotenzial erreicht, das im Bericht der Sonderkommission 'Aktive Luftraumüberwachung' (Name der Soko unter Doskozil, Anm.) ausgewiesen wird."

Doskozil hatte im Wahlkampfsommer 2017 auf Basis vorheriger Berechnungen das Aus für die Eurofighter verkündet, weil deren weiterer Betrieb zu teuer wäre – mit einem anderen Abfangjäger, etwa dem schwedischen Gripen, käme die Republik billiger davon, lautete die Argumentation nach der damals aufgekündigten rot-schwarzen Koalition. Seinen Standpunkt wiederholte Doskozil auch noch, als er schon lange in der burgenländischen Landesregierung war. Seine türkise Nachfolgerin Tanner schloss sich den Eurofighter-Gegnern schon kurz nach ihrer Amtsübernahme im Jänner an. Aber all das erscheint nun in neuem Licht.

Denn die Kehrtwende, mit der die Experten die Anschaffung einer Alternativflotte zum Eurofighter ab Mitte 2018 wieder infrage stellten, wird von der Kommission unter Kunasek damit begründet, dass ihrer "Analyse Informationen zugrunde" liegen, die "im ersten Halbjahr 2017 noch nicht zur Verfügung standen". Doch dazu später.

Hintergrund: Die zur Überschallgeschwindigkeit fähigen Eurofighter in Zeltweg werden vor allem dann eingesetzt, wenn es um die Verfolgung schneller unkooperativer Flugzeuge geht. Um langsamer fliegende Flugzeuge zu verfolgen, reicht es, ihnen einen oder zwei der viel kostengünstiger zu betreibenden Saab 105OE Jet-Trainer hinterherzuschicken, die derzeit in Hörsching stationiert sind. An rund 150 von 365 Tagen eines Jahres erfolgt die aktive Luftraumüberwachung mit den viel langsameren Saab 105OE, die maximal 970 Stundenkilometer schnell sind, das sind etwa 78 Prozent der Schallgeschwindigkeit.

Doch die ursprünglich als "Jagdbomber" angeschaffte Saab 105OE hat kein Bordradar, keine Selbstschutzeinrichtung, keine Nachtsichteinrichtungen und eine unzureichende Bewaffnung. Aus technisch-logistischen Gründen muss der reguläre Ausbildungs- und Einsatzbetrieb des Systems Saab 105OE im Jahr 2020 endgültig eingestellt werden, die Nachbeschaffung wurde aber immer wieder aufgeschoben.

Entscheidung verschleppt

Weil die Eurofighter der Tranche 1 nach dem Vergleich von Ex-Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) im Jahr 2007 ebenfalls nachgerüstet werden müssten, hat Doskozil das gesamte System noch einmal nachrechnen lassen – und seinen für den Eurofighter nachteiligen Bericht Türkis-Blau hinterlassen. Doch die ÖVP-FPÖ-Koalition wollte es im Jänner 2018 noch einmal genau wissen – ein halbes Jahr später kam der entgegengesetzte Bericht, der offenbar in den Stahlschrank wanderte und bisher auch dort blieb, weil sich die damaligen Regierungsspitzen um die absehbar unpopuläre Entscheidung drückten.

Zur Erinnerung: Der Bericht der Kommission unter Kunasek wurde zwar den damaligen türkis-blauen Regierungskoordinatoren, Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) und Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ), zur Kenntnis gebracht – doch Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wollte bekanntlich keine rasche Entscheidung treffen: Rund um einen Ministerrat im Dezember 2018 gab Kurz bekannt, dass man neue Erkenntnisse des dritten U-Ausschusses rund um die Eurofighter und/oder etwaige Gerichtsverfahren abwarten wolle – beides ist bekanntlich bis dato nicht erfolgt.

Vierzig Varianten berechnet

Entscheidungsgrundlagen hätte es allerdings reichlich gegeben, denn der interne Bericht listet im Detail auf, wie vierzig Varianten zur künftigen Luftraumüberwachung durchgerechnet wurden – anhand von acht konkreten Szenarien, die das Bundesheer über Österreich womöglich zu bewerkstelligen hat – "die sichere und erfolgreiche Reaktion auf alle 8 beschriebenen Szenarios ist nur durch überschallschnelle Abfangjäger möglich", erklären die Experten.

Anschließend wurde in "sechs Hauptoptionen" "geclustert", welche Anschaffungsmöglichkeiten infrage kommen – wobei finanziell ein zwanzigjähriger Durchrechnungszeitraum als am aussagekräftigsten qualifiziert wurde.

Und da kommt heraus, dass man mit dem Eurofighter ganz gut weitermachen könnte, wenn man die 2007 abbestellten Systeme zumindest teilweise nachrüstet. Zudem gibt der Bericht von 2018 zu bedenken, dass Österreich ein eigenes Trainingsflugzeug brauchen würde, um bei der Ausbildung von Eurofighter-Piloten nicht völlig vom Ausland (Kosten von bis zu 100.000 Euro pro Flugstunde) abhängig zu sein. Für die Luftraumüberwachung – zur Unterstützung der überschallschnellen Abfangjäger – würden diese Trainer aber nicht mehr eingesetzt. Wenn man allerdings einen Teil der Ausbildung im Ausland belässt und nur eine Flotte von Überschall-Abfangjägern (und keine Jet-Trainer im Inland) aufrechterhält, liegen die Kosten mit Eurofightern über 20 Jahre gerechnet bei 4,0 bis 4,5 Milliarden, eine alternative europäische Flotte käme auf 3,9 bis 4,5 Milliarden.

Tanner am Zug

In fast allen Handlungsoptionen wird einberechnet, dass auch drei zweisitzige Kampfflugzeuge (die für Ausbildungsflüge geeignet sind) beschafft werden. Bei der "Entscheidung zum Weiterbetrieb der Eurofighter Typhoon der Tranche 1" sei "jedenfalls mit der Eurofighter-Typhoon-Betreibernationen jegliche Synergie bei der logistischen Unterstützung zu suchen, um weitere Einsparungspotenziale zu lukrieren". Summa summarum wird daher "empfohlen, zunächst die Entscheidung über das Primärsystem zu treffen und darauf basierend die Beschaffung des Trainersystems zu beauftragen".

In diesen Tagen ist nun Verteidigungsministerin Tanner am Zug, die sich mit dem Hersteller Airbus, einst EADS, im Februar ("Wird mich noch kennenlernen!") überworfen hat – angesichts eines aufsehenerregenden Vergleichs des Konzerns mit der US-Justiz, im Zuge dessen dieser rund um die Anschaffung der Eurofighter in Österreich "politische Zahlungen" in Höhe von 55 Millionen eingeräumt hat.

Die Zeit drängt

Der letzte Kommissionsbericht von 2018 zeigt unter Punkt 177 allerdings auf, dass im Interesse von Österreichs Sicherheit "noch 2018 eine politische Entscheidung herbeizuführen" sei, "um die erforderlichen Beschaffungen 2019 einzuleiten und spätestens 2022 ff zu realisieren, um den Verlust der Fähigkeit zur aktiven Luftraumüberwachung ab 2022 zu verhindern". Und, ebenfalls brisant: In Kunaseks Kommission war unter den Mitgliedern laut Bericht auch zumindest ein "Vertreter" der Finanzprokuratur – diese vertritt Österreich im jahrelangen Rechtsstreit mit Airbus bekanntlich als Anwältin der Republik. "Des Weiteren" sei "festzuhalten, dass das Bundesministerium für Finanzen und der Rechnungshof eine Prüfung des generischen Rechenmodells abgelehnt" hätten.

Das dürfte damit zusammenhängen, dass auch die von Kunaseks Experten errechneten verschiedenen Varianten erhebliche Unsicherheiten und Bandbreiten bei der Kostenentwicklung annehmen – die dem Bericht zugrunde liegenden Preisauskünfte sind ausdrücklich "unverbindlich". Fest steht nur: Für die Luftraumüberwachung werden über die nächsten zwei Jahrzehnte weitere Milliardenbeträge aufzubringen sein – zwischen 3,9 und 5,4 Milliarden sollen es bis 2039 sein.

Kunasek kritisiert türkise Funkstille

Auf Anfrage, warum die Empfehlungen des internen Berichts so lange nicht publik werden durften, erklärt Ex-Verteidigungsminister Kunasek, wie es dazu kam: "Wir haben den Bericht damals der ÖVP übergeben, um eine Lösung zu finden – doch man hat keinerlei Interesse daran gezeigt. Eine Entscheidung erschien dort offenbar zu teuer und zu unpopulär – es herrschte Funkstille." Immer wieder habe er daher versucht, auch zeitlich Druck dafür aufzubauen, weil der Bericht aus seiner Sicht auch noch im Unterausschuss des Parlaments diskutiert werden sollte, um mit allen Parteien über eine Lösung zu beraten. "Doch das passte der ÖVP nicht ins PR-Konzept." Kunasek befürchtet daher, dass sich auch Ministerin Tanner bei ihrer anstehenden Entscheidung zur künftigen Luftraumüberwachung eher "von PR und Umfragen" leiten lassen werde – "anstatt von sicherheitspolitischen Notwendigkeiten". (Conrad Seidl, Nina Weißensteiner, 2.7.2020)
Es sieht so aus, als ob die Frau Weissensteiner munter wurde.

theoderich
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich »


  • Eurofighter: Unpopuläre Entscheidung (Kommentar)
    Das Minibudget führt auch zu einer verzerrten Wahrnehmung der Kosten: Weil es insgesamt zu wenig Geld für das Militär gibt, erscheinen einige Kostenpositionen im Verhältnis zu anderen außergewöhnlich hoch. Das betrifft den Personalkostenanteil ebenso wie die Kosten der Fliegerkräfte. Bei denen weiß man seit Jahren, dass die Saab 105OE ausgemustert gehört und dass auch der Eurofighter nicht einfach wie bisher weiterbetrieben werden kann.

    Eine zeitgemäße Luftraumüberwachung kostet eben Milliardenbeträge. Selbst Experten drücken sich davor, diese Kosten genau anzugeben, weshalb man nicht klar sagen kann, ob ein Weiterbetrieb des Eurofighters oder eine Alternative billiger ist. Populär ist weder noch. Populär ist auch die Entscheidung darüber nicht. Diese zu treffen wird Ministerin Klaudia Tanner dennoch nicht erspart bleiben.
    https://www.derstandard.at/story/200011 ... ng?ref=rss
derStandard hat geschrieben:Eurofighter laut Kunasek-Kommission weniger teuer als bisher behauptet
Das nennt man "billiger" oder "günstiger" - und sicher nicht "weniger teuer".
Zuletzt geändert von theoderich am Fr 3. Jul 2020, 00:06, insgesamt 2-mal geändert.

Acipenser
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von Acipenser »

....ein Staatsgeheimnis das jedem bekannt war: Die Eurofighter sind abbezahlt und neue Kampfjets kosten eine Stange Geld!

Geri
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Registriert: Mi 18. Sep 2019, 18:13

Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von Geri »

Meine Frage passt zwar nicht ganz zum Thema, aber trotzdem.
Man hört schon seit Wochen (fast täglich über einen längeren Zeitraum) im Salzkammergut Eurofighter fliegen.
Was ich sehr positiv sehe.
So etwas gab es in der Vergangenheit nicht (außer 1x/Jahr die Überschallflüge).
Weiß jemand warum dies so ist?
Wird das gemacht um die Bevölkerung zu nerven um keine neuen Jets anschaffen zu müssen.

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