Männer drängen zum Zivildienst, Bundesheer rechnet mit Einschnitten
Im heurigen Oktober wurden 1698 Zivildiensterklärungen abgegeben. Das entspricht einem Plus von knapp 32 Prozent gegenüber dem Oktober des Vorjahres. Über die Zahlen hat zunächst die „Kronen Zeitung“ berichtet, die Auswertung aus dem Ressort von Zivildienstministerin Claudia Bauer (ÖVP) liegt auch der „Presse“ vor.
Der Ansturm auf den Zivildienst ist seit dem heurigen August bemerkbar. Damals wurden 1327 Zivildiensterklärungen abgegeben – ein Plus von knapp 52 gegenüber demselben Monat des Vorjahres. Zuvor hatte die Bundesregierung Ende Juli 2026 bei einem Ministerrat bekannt gegeben, sich auf eine Verlängerung des Wehrdienstes geeinigt zu haben. Er soll künftig statt sechs Monaten neun Monate dauern (davon sind zwei Monate über mehrere Jahre gestaffelt über Milizübungen abzuleisten). Der Zivildienst soll hingegen vorerst weiterhin neun Monate dauern und erst verlängert werden, falls sich nicht ausreichend Grundwehrdiener melden.
Wehrdienst-Reform gilt bisher nicht
Jene Männer, die derzeit zur Stellung gehen, sind von der geplanten Neuregelung nicht betroffen. Die Reform ist noch nicht beschlossen worden und dürfte frühestens mit Jahresbeginn in Kraft treten. Wer derzeit seine Stellung absolviert, fällt also jedenfalls noch in das geltende System. Dennoch hat alleine bereits die Debatte über die Verlängerung massive Auswirkungen. Insgesamt wurden heuer bis Ende Oktober bereits 14.599 Zivildiensterklärungen verzeichnet, um 8,5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Aus dem Bundesheer heißt es, dass sich der Umschwung seit dem Sommer auch bei den Grundwehrdienst-Erklärungen widerspiegle. Dass es heuer nämlich mehr Stellungspflichtige als sonst und daher generell mehr Erklärungen für den Zivil- und Wehrdienst gebe, sei nicht der Fall. Damit führe der Ansturm auf den Zivildienst natürlich auch zu einem deutlichen Rückgang bei den Meldungen für das Bundesheer.
Bundesheer rechnet mit Einschränkungen
In Militärkreisen wird davon ausgegangen, dass sich der Trend fortsetzen und sich möglicherweise nach dem tatsächlichen Inkrafttreten der Reform verschärfen wird. Dies werde sich schon im nächsten Jahr – nach der Stellung rücken die Männer frühestens nach sechs Monaten zum Militär ein – auf das Bundesheer auswirken, heißt es. In den vergangenen Jahren standen dem Militär jeweils um die 15.000 Grundwehrdiener zur Verfügung. Diese Größenordnung wird das Bundesheer wohl künftig nicht mehr erreichen.
Im Militär wird überlegt, wie man sich anpassen könnte und wie man die noch verfügbaren Grundwehrdiener einsetzt. „Bei den Wachsoldaten werden wir nicht viel machen können. Es geht nicht, dass wir einfach militärische Liegenschaften nicht mehr bewachen“, heißt es. Ebenso wenig werde es möglich sein, beispielsweise bei der ABC-Abwehr oder den Pionieren zu sparen – diese seien essenziell für die Katastrophenbewältigung. Auswirken werden sich die sinkenden Zahlen daher vor allem auf jene Einheiten, deren vorrangige Aufgabe die militärische Landesverteidigung ist – unter anderem die Jäger, Panzer- und Fliegerabwehrbataillone. „Es wird da schlicht weniger Soldaten geben und die Bataillone werden schrumpfen“, schildert ein Militär.
Die ÖVP drängt darauf, den Wehr- und Zivildienst gleichzeitig zu verlängern. Bisher ist sie daran am Widerstand vor allem der Neos gescheitert. Zivildienstministerin Bauer hielt am Montag in einer Stellungnahme fest, es dürfe „kein Ungleichgewicht entstehen“: „Wir brauchen beide Dienste, ohne dass einer auf Kosten des anderen geht.“
Ob die Reform überhaupt eine parlamentarische Mehrheit findet, ist unklar. Für einige Änderungen braucht die Koalition auch die Zustimmung der Opposition. Die FPÖ lehnt die Reform ab. Die Grünen wollen hingegen, dass Zivildiener mehr Gehalt bekommen und gleich viel wie Grundwehrdiener verdienen – dagegen sträubt sich wiederum die ÖVP, da dies den Zivildienst im Vergleich zum Grundwehrdienst noch einmal attraktiver machen würde.