Medienberichte 2026

Landesverteidigung, Einsätze & Übungen, Sicherheitspolitik, Organisation, ...
theoderich
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Re: Medienberichte 2026

Beitrag von theoderich »

  • „Krone“-Kommentar
    Kleine Fische in der großen Welt
    Dieser Vorgang wirft für einen kleinen Staat existenzielle Fragen auf, die nicht mit dem Kauf von ein paar Raketen, Radpanzern oder Hubschraubern zu beantworten sind. Neutralität schützt nicht vor technologischer Erpressbarkeit. Gerade modernste Waffensysteme nützen wenig, wenn die Kommunikation, Navigation und Aufklärung von Leuten und ihren Konzernen abhängen, auf die Österreich keinen Einfluss hat. Wenn unklar ist, ob die Verteidigungsfähigkeit noch der Republik oder schon ihren Lieferanten gehört, ist es nur schade ums Geld.
    https://www.krone.at/4344101


https://bsky.app/profile/bundesheerbaue ... h3uz5pnc26

https://bsky.app/profile/cpandi.bsky.so ... gy6eeqd22u

https://bsky.app/profile/cpandi.bsky.so ... hmm3ttf22y

https://bsky.app/profile/cpandi.bsky.so ... ic67na3227

https://bsky.app/profile/cpandi.bsky.so ... ie4enry227
theoderich
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Re: Medienberichte 2026

Beitrag von theoderich »

Umfrage zeigt:
Mehr Europa beim Heer? Österreicher sind dafür!

https://www.krone.at/4345483


Mehrheit in Österreich für EU-Berufsheer

https://www.kleinezeitung.at/artikel/41 ... berufsheer


Bundesheer: Rechnungshof sieht Umsetzung des Aufbauplans in Gefahr

https://www.derstandard.at/story/300000 ... -in-gefahr
theoderich
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Beitrag von theoderich »

ZIB 13:00

23. Oktober 2026, 13.34 Uhr

RH warnt vor Problemen bei Bundesheer

https://orf.at/av/video/onDemandVideoNews103010
theoderich
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Re: Medienberichte 2026

Beitrag von theoderich »

Bundesheer: RH sieht Umsetzung des Aufbauplans in Gefahr

https://orf.at/stories/3445976/
theoderich
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Beitrag von theoderich »

Österreich soll bald verteidigungsfähig sein – es gibt ernste Zweifel daran
Der Aufbauplan 2032+ ist ein Papier des Verteidigungsministeriums, das beruhigend und beunruhigend zugleich sein kann. Beruhigend, weil das Bundesheer dort nachzeichnet, wie es Österreich „gegen jeden militärischen Angriff verteidigen“ können wird. Beunruhigend, weil dieses Ziel erst ab dem Jahr 2032 vollständig erreicht sein soll. Immerhin: Nach jahrelangen Sparprogrammen für die Truppe schrieben alle fünf Parlamentsparteien im Jahr 2022 in ein Gesetz, dass das Verteidigungsressort das nötige Budget erhalten soll.

Doch der Rechnungshof sieht nun die Gefahr, dass der Aufbauplan gar nicht umgesetzt werden kann – und sich das Land damit nicht vor jeglichen militärischen Angriffen verteidigen kann. Die Prüferinnen und Prüfer legen in einem neuen Bericht auf 98 Seiten dar, wie sie zu ihrem Schluss kommen: Einerseits fehlen dem Bundesheer Hunderte Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Mitarbeiter, um wichtige Aufgaben zu erfüllen. Andererseits kosten viele Nachbeschaffungen mehr als ursprünglich angenommen. Beides könnte zu Verzögerungen beim Erreichen der Verteidigungsfähigkeit führen.

Fahrzeuge im Freien

Der Rechnungshof analysierte das Personal, die Ausrüstung und die Infrastruktur. Und stieß auch auf vermeintlich kleine Hindernisse, die zu größeren Problemen führen könnten – sollten sie nicht rechtzeitig beseitigt werden. Zum Beispiel beim Heereslogistikzentrum Salzburg: Weil es nicht genügend Garagen oder andere Abstellplätze gibt, mussten neue Fahrzeuge und Maschinen monatelang im Freien abgestellt werden. Das könnte langfristig zu neuen Kosten führen: „Nach drei Jahren Standzeit im Freien ist mit Reparaturkosten von bis zu 50 Prozent der Anschaffungskosten zu rechnen“, zitiert der Rechnungshof Informationen aus dem Bundesheer.

Und das Bundesheer kann sich zusätzliche Ausgaben nicht leisten – auch nicht, nachdem sich alle Parteien zu mehr Budget bekannt haben: Im Landesverteidigungsbericht aus dem Jahr 2022 waren 16,582 Milliarden Euro für Investitionen bis 2032 vorgesehen, um den Aufbauplan zu erfüllen. Im September 2025 – als der Rechnungshof prüfte – plante man im Heer allerdings mit einem benötigten Budget von rund 49 Milliarden Euro. Woher diese Erhöhung um 197 Prozent komme, fragten die Prüfer nach. Unter anderem durch neue technische Entwicklungen, eine massive Preissteigerung im Rüstungsbereich und zusätzliche Kosten für Ersatzteile, Infrastruktur und Ausbildung, die man hineingerechnet habe, argumentiert das Verteidigungsressort. In seinen jährlichen Landesverteidigungsberichten habe das Bundesheer diese zusätzlich benötigten Mittel nicht transparent genug dargelegt, kritisiert der Rechnungshof.

Jets kosteten 300 Millionen Euro mehr

Was solche Kostensteigerungen für Folgen haben, zeichnen die Prüfer an einem Beispiel nach: der Nachbeschaffung der Unterschallflieger. Das Bundesheer ersetzte seine Saab-105-Maschinen durch Leonardo-Jets aus Italien. Die geplanten Kosten stiegen bis 2025 auf 1,5 Milliarden Euro, also 300 Millionen Euro mehr als ursprünglich angenommen. Durch diese zusätzlichen Ausgaben müssen andere Beschaffungen möglicherweise verschoben werden, wie etwa die Drohnenabwehr. Allerdings stiegen die nötigen Budgetmittel für diesen Bereich von 150 auf 500 Millionen Euro. Und diese potenziellen Zusatzkosten können wiederum andere Käufe verzögern.

Der Punkt ist insofern spannend, weil im aktuellsten Bericht ohnehin die Sorge nachzulesen ist, dass dem Heer langfristig die nötigen Mittel für den Aufbauplan fehlen könnten. Das Bundesheer bekommt – vor allem im Vergleich zu anderen Bereichen – zwar nach wie vor mehr Geld. Doch der Spardruck, unter dem die gesamte Bundesregierung leidet, ging auch am Verteidigungsressort nicht völlig vorbei. Das erklärte Ziel ist immerhin, die Verteidigungsausgaben bis 2032 auf zwei Prozent des Bruttoinlandproduktes zu erhöhen. Für 2027 sollten die Ausgaben auf 1,4 Prozent, 2028 auf 1,55 Prozent steigen, doch das Doppelbudget fällt eindeutig darunter.

Für die Beschaffung, die Wartung, die Benutzung des neuen Geräts braucht das Bundesheer neben Geld noch eine weitere wichtige Komponente: Personal. Und hier gibt es eigentlich den noch größeren Mangel, analysiert der Rechnungshof. Im Milizstand, also bei Personen, die einen zivilen Job haben und zeitweise zum Heer wechseln, fehlen rund 37.000 (Unter-)Offizierinnen und -Offiziere. Beim Berufskader sind es 1864 Menschen, die für diese Führungsjobs fehlen. Und in den Bereichen, die für die Instandsetzung von Gerät zuständig sind, brauchte es doppelt so viel voll ausgebildetes, einsetzbares Personal.

Das Bundesheer betont BIP-Ziel

Bleibt eine große Frage: Und jetzt? Der Rechnungshof empfiehlt – neben einer transparenten Darstellung der Zusatzkosten – Personaloffensiven, das Ausnutzen der Möglichkeit, Milizsoldaten zu Kommandofunktionen zu verpflichten und ein besseres Zusammenarbeiten und Zusammenwirken der einzelnen Bereiche. Das Bundesheer verweist auf mehrere Maßnahmen, um mehr Personal zu finden (verpflichtende Milizübungen sind laut Regierungsplan ohnehin bald wieder vorgesehen). Und man nutzt den Bericht, um jetzt schon Druck für die nächsten Budgetverhandlungen aufzubauen: „Der Rechnungshof bestätigt unseren Kurs“, sagt Generalsekretär Arnold Kammel, „und das dringend notwendige Ziel, das Verteidigungsbudget bis zum Jahr 2032 auf zwei Prozent des BIP anzuheben.“
https://www.sn.at/politik/innenpolitik/ ... art-680242
Zuletzt geändert von theoderich am Sa 24. Okt 2026, 12:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von theoderich »

Grundwehrdienst: Sechs Monate als eines der wichtigsten Motive
Die Bundesjugendvertretung forderte die Politik hingegen auf, auf die Stimmen der Jugendlichen zu hören. „Wir appellieren daher an die Regierung, die derzeit geplante Ausweitung des Wehrdienstes nicht umzusetzen“, so Vorsitzende Anna Schwabegger in einer Aussendung. Stattdessen brauche es eine bessere Ausbildung und bessere Rahmenbedingungen für Grundwehrdiener.

SPÖ-Jugendsprecher Paul Stich betonte wiederum, dass die Wehrdienstreform nicht nur einen längeren Dienst, sondern auch mehr Sold, sieben Tage Urlaub und eine qualitätsvollere Ausbildung bringen soll.
https://kurier.at/politik/inland/grundw ... /403200428
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Re: Medienberichte 2026

Beitrag von theoderich »

Wettkampf der Umfragen: Neutralität, EU-Armee oder Nato?
Weil Österreich am Montag seinen Nationalfeiertag feiert, erblickten am Freitag gleich drei Befragungen zum heimischen Bundesheer und zur Neutralität das Licht der Öffentlichkeit. Bei Umfragen ist es jedoch wie bei Juristen: Fragt man zwei, erhält man drei Meinungen. Das hat jedoch nichts mit der Qualität der Studien zu tun. Entscheidend sind vielmehr der Auftraggeber und dessen Erkenntnisinteresse, die sich in der konkreten Fragestellung niederschlagen. Schon Goethe ahnte, dass nur wer weise fragt, auch vernünftige Antworten erhält.

„Drei Viertel der Jugendlichen sprechen sich für Österreichs Verteidigung aus“ – und gleich 81 Prozent für die Beibehaltung der Neutralität: Das sind aus Sicht des Bundesheeres die beiden wichtigsten Ergebnisse seines ersten Jugendmonitors, für den das Market Institut im Juli 1.010 Personen zwischen 13 und 18 Jahren online befragte. Allen Kritikern der von der Dreierkoalition geplanten Verlängerung des Wehrdiensts von derzeit sechs auf künftig neun Monate sprang eine andere Zahl ins Auge: Gleich 54 Prozent der Jugendlichen finden, dass auch sechs Monate ausreichen würden, 32 Prozent halten das – im Einklang mit sämtlichen Parlamentsparteien – für zu kurz. Vom Bundesheer haben mit 59 Prozent die meisten Jugendlichen ein positives Bild, 24 Prozent lehnen das Heer ab.

Die Fragestellung entscheidet

Ganz anders der Fokus der vom pinken Außenministerium in Auftrag gegebenen Umfrage: Demnach würden 60 Prozent ein europäisches Berufsheer sehr oder eher positiv sehen. Laut der von Gallup durchgeführten Befragung (1.000 Personen ab 16 Jahren) stehen sogar 75 Prozent der Idee einer europäischen Verteidigungsunion wohlwollend gegenüber; bei beiden Themen gilt: Je jünger, desto positiver. Ein Glück, dass sich Außenministerin Meinl-Reisinger in ihrer Politik bestätigt sieht. Die Neos sehen bekanntlich die Neutralität und den Wehrdienst grundsätzlich skeptisch.

Wie passen die 81 Prozent der Jugendlichen, die sich in der Umfrage des Verteidigungsministeriums für die Neutralität aussprechen, zusammen mit der überdurchschnittlichen Zustimmung junger Erwachsener zu einer europäischen Verteidigungsunion samt Berufsheer in der Befragung des pinken Außenministeriums zusammen? Inhaltlich gar nicht, aber es ist eben alles eine Frage des Auftraggebers und der Fragestellung.

Neos und Grüne setzen auf Nato und Europa

Das ohnehin verschwommene Lagebild zur Verteidigungspolitik in Österreich wird durch die dritte Studie mit 500 Befragten immerhin ein wenig klarer. Hier hat Hajek Public Opinion Strategies im Auftrag von ATV in Erfahrung gebracht, dass 42 Prozent der Befragten im Falle eines militärischen Angriffs auf die österreichische Neutralität und das Bundesheer setzen. 22 Prozent trauen der NATO am ehesten zu, Österreich wirksam zu schützen. Eine künftige EU-Armee wird von 17 Prozent bevorzugt. 19 Prozent gaben keine Antwort oder wissen es nicht.

Nach Parteipräferenzen aufgeschlüsselt ist wenig überraschend, dass die Wähler der FPÖ zu 60 Prozent, der ÖVP zu 49 Prozent und der SPÖ zu 36 Prozent auf die Kombination von Neutralität und Bundesheer setzen. Bei den Neos liegen Nato und EU-Armee mit rund 32 Prozent gleichauf; überraschend ist das Bild bei den Wählern der Grünen: Hier sind EU-Armee und Nato mit je 40 Prozent gleichauf; nur 12 Prozent setzen auf Neutralität und Bundesheer. Wenn das die grünen Politiker wüssten.
https://www.kleinezeitung.at/artikel/41 ... -oder-nato

  • Hehre Ziele (Kommentar)
    Am Nationalfeiertag werden Bundespräsident und Verteidigungsministerin die Wehrfähigkeit der Republik wieder hochleben lassen - Heeresschau am Heldenplatz inklusive. In der Realität schaut vieles freilich anders aus. So urgiert der Rechnungshof, dass die Kosten für den von der Regierung angestoßenen "Aufbauplan 2032+" von den kalkulierten 16,6 Milliarden Euro Richtung 50 Milliarden galoppieren. Wegen der Teuerung und auch, weil etwa die zehn Milliarden für die Eurofighter-Nachfolge gar nicht inkludiert sind. Angesichts der Budgetnöte wird die Modernisierung des Heeres vielfach zum Wunschdenken einiger Offiziere.

    Recht wackelig ist auch das zweite Standbein dieser Offensive. Ob die Verlängerung des Grundwehr- und Zivildienstes ab kommendem Jahr die nötige Verfassungsmehrheit erhalten wird, ist auch am Ende eines ganzen Verhandlungsjahres noch höchst ungewiss. Abseits des Abschreitens von Ehrenformationen ist es deshalb hoch an der Zeit, im Sinne der Wehrfähigkeit wieder Fakten zu schaffen.
    https://www.nachrichten.at/meinung/komm ... 47,4225365

https://www.facebook.com/share/r/14vPo5SgS6r/
Zuletzt geändert von theoderich am Sa 24. Okt 2026, 22:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Medienberichte 2026

Beitrag von theoderich »

Kommandant für sofortige Zivildienst-Verlängerung

https://wien.orf.at/stories/3376719/

https://on.orf.at/video/14345168/wien-h ... -interview


Bundeskanzler Stocker im "Ö1 Journal zu Gast"
Ö1 Mittagsjournal | SA | 24 10 2026

12:08

https://oe1.orf.at/player/20261024/846590/1792836520000


Austrian Defence Lab analysiert Österreichs Verteidigungsfähigkeit

24.10.2026, 12.30 Uhr
Ö1 Mittagsjournal

https://orf.at/av/audio/163356
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Re: Medienberichte 2026

Beitrag von theoderich »

Generalleutnant Ségur-Cabanac: „Nicht jeder Konflikt beginnt mit Schüssen“
Er war Einsatzchef des Bundesheeres, bereitete Österreich gegen den Durchmarsch sowjetischer Divisionen vor und plante Missionen in Afrika. Im KURIER erklärt der pensionierte Generalleutnant Christian Ségur-Cabanac, warum die Neutralität von Beginn an im sowjetischen Interesse war, was die Schweizer Neutralität von Österreich unterscheidet und welches Sprichwort die Außenpolitik Russlands erklärt:

KURIER: Herr General, Österreich versteht seine Neutralität traditionell als Schutz vor militärischen Konflikten. Hätte uns die Neutralität im Ernstfall wirklich geholfen?

Der Blick auf die Geschichte ist interessant. Denn die Neutralität wurde am 26. Oktober 1955 – bemerkenswerterweise mit den Stimmen von ÖVP und SPÖ und gegen jene der FPÖ – beschlossen. Die Sowjetunion hatte schon damals ein vitales Interesse daran, dass die Schweiz und Österreich einen neutralen Riegel bilden, der den NATO-Raum geografisch trennt.

Die Neutralität war also von Beginn an im strategischen Interesse Russlands?

Ja. Österreichs geografische Lage hat sich seit Jahrhunderten kaum verändert. Wir sind ein wichtiger Ost-West-Korridor, insbesondere durch das Donautal in Richtung Süddeutschland. Hinzu kommen die Verkehrsverbindungen aus dem ungarischen und tschechischen Raum sowie die alpinen Transversalen - etwa über den Brenner. Die Schweiz hat die Neutralität seit dem Wiener Kongress 1815 und konnte im Ersten und Zweiten Weltkrieg weitgehend außerhalb der unmittelbaren Kriegshandlungen bleiben. Das hat in Österreich die Vorstellung bestärkt, die Neutralität an sich sei ein sicherheitspolitisches Schutzkonzept.

Die Schweiz hat die Neutralität immer mit einer robusten Selbstverteidigung verbunden. Warum hat Österreich die militärische Seite der Neutralität anders verstanden?

Weil wir damit den Sozialstaat finanzieren konnten. Es hat sich für uns sehr positiv ausgewirkt, dass vergleichsweise wenig Geld für die Landesverteidigung ausgegeben wurde. Die verbreitete Haltung lautete sinngemäß: Wenn die Russen kommen, nützt das Militär ohnehin nichts.

Und stimmt das?

So würde ich das nicht sagen. In den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelte man mit der Raumverteidigung unter General Emil Spannocchi ein Konzept, das den geografischen und militärischen Gegebenheiten Rechnung trug. Österreich hat weder große Bevölkerungsressourcen noch Bodenschätze. Aber wir haben eine sehr leistungsfähige Infrastruktur, die für Angreifer interessant ist. Im Konfliktfall hätte der Warschauer Pakt über Österreich versucht, rasch in den süddeutschen Raum vorzustoßen. Spannocchi hat deshalb die Idee entwickelt, Raum gegen Zeit zu tauschen. Ein Angreifer sollte möglichst viel Zeit verlieren.

Es ging nicht darum, einen Angriff völlig abzuwehren, sondern ihn so zeitaufwendig wie möglich zu machen?

Das war die Idee. Ein Angreifer sollte erkennen, dass die Durchquerung Österreichs mehr Zeit kosten würde, als wenn er unser Staatsgebiet umginge. Nach dem Zerfall des Warschauer Paktes 1991 wurde mir bei Kontakten mit militärischen Vertretern aus Nachbarstaaten immer wieder bestätigt, dass die österreichische Raumverteidigung ernst genommen wurde.

Manche argumentieren, Aufrüstung, Sanktionen und die Beteiligung an internationalen Maßnahmen würden der österreichischen Neutralität widersprechen. Was entgegnen Sie?

Die sicherheitspolitische Situation Österreichs hat sich mit dem EU-Beitritt fundamental verändert. Wir sind Teil einer Union mit 27 Mitgliedstaaten und haben Verpflichtungen übernommen. Man kann sich nicht als neutraler Staat herausreden und sagen: Das geht uns nichts an. Wenn ein Mitgliedstaat angegriffen wird, sieht der EU-Vertrag eine Beistandspflicht vor. Die konkrete Art der Unterstützung muss politisch festgelegt werden. Aber die grundsätzliche Verpflichtung lässt sich nicht wegdiskutieren.

Unterschätzt die Zivilbevölkerung, was tagtäglich an Angriffen passiert? Generalstabschef Vodosek spricht von 100.000 Cyber-Attacken – pro Tag.

Das, was Sie beschreiben, nennt man hybride Kriegsführung. Aber mit diesem Begriff können viele Menschen wenig anfangen. Neben den klassischen militärischen Bereichen Land und Luft sind der Weltraum und insbesondere der Cyberraum als bedrohte Bereiche anzusehen. Angriffe dort können massive Auswirkungen auf andere Infrastrukturen haben, von Spitälern bis zur allgemeinen Versorgung. Es wäre nötig, hybride Kriegsführung verständlicher zu erklären. Nicht jeder Konflikt beginnt mit Schüssen oder einem Einmarsch. Schon vorher können andere Formen der Einflussnahme und Sabotage erhebliche Auswirkungen auf das gewohnte Leben haben.

Warum sollte ein Staat unsere Infrastruktur angreifen, wenn er gar nicht vorhat, in Österreich einzumarschieren?

Wir müssen der Realität einfach ins Auge sehen: Ein Zweck der hybriden Kriegsführung besteht darin, die Bedrohung stufenweise zu erhöhen und günstige Voraussetzungen für militärstrategische Ziele zu erreichen.

Sie meinen die Expansion Russlands?

Wenn man die vergangenen 25 Jahre betrachtet, gibt es viele Hinweise auf die außenpolitischen Absichten von Wladimir Putin. Er hat bei verschiedenen Gelegenheiten, etwa bei der Münchner Sicherheitskonferenz, deutlich gemacht, welche Bedeutung er dem Zerfall der Sowjetunion beimisst. Offensichtlich versucht er, Russland als Nachfolgestaat der Sowjetunion wieder mehr Gewicht in der Welt zu verschaffen. Dass dabei auch Ressentiments gegenüber Europa eine Rolle spielen, liegt auf der Hand.

Wie erklären Sie Menschen, dass Österreich ein großes Interesse daran haben muss, wie der Ukraine-Krieg ausgeht?

Das zeigen die vergangenen 25 Jahre.

Inwiefern?

Sie kennen das Sprichwort, dass mit dem Essen der Appetit kommt. Mit dem Erreichen eines Ziels wächst der Appetit auf weitere. Ein Ende des Krieges zu russischen Bedingungen – etwa durch die Abtretung von 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets – würde meiner Ansicht nach die Angelegenheit nicht dauerhaft befrieden. Moskau könnte das eher als Zeichen westlicher Schwäche verstehen - und weitere Ambitionen anstrengen - etwa in den baltischen Staaten.

Wie lange kann Russland seine Kriegswirtschaft aufrechterhalten?

Ich kann den Zustand der russischen Wirtschaft und ihre Belastbarkeit nicht fundiert beurteilen. Es ist aber evident, dass die Fortsetzung des Krieges auf dem derzeitigen Niveau auch auf russischer Seite Druck erzeugt, die Angelegenheit zu beenden. Das lässt sich nicht unbegrenzt fortsetzen. Irgendwann ist die Bereitschaft der Bevölkerung erschöpft, diese Politik mitzutragen.
https://kurier.at/politik/inland/segur- ... /403200472


Oberst Reisner: »Wir haben heute keine Möglichkeit, unseren Kindern Entbehrung beizubringen«

https://www.diepresse.com/41312546/ober ... en-kindern
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