Zukunft des Wehrdienstes
Rebekka Salzer (ORF): Wir sind in der Vorphase einer globalen Auseinandersetzung, die sich im schlimmsten Fall weiter verschlechtern kann. Das sagt Oberst Markus Reisner von der Militärakademie in Wiener Neustadt. Es gibt Konflikte in Europa wie um die Ukraine oder Grönland, in Amerika wie in Venezuela oder seit Jahrzehnten im Nahen Osten oder in Afrika. Die Armeen aller Länder rüsten auf, so hat auch das Österreichische Bundesheer viele Beschaffungen erhalten oder bestellt. Was noch fehlt, sind Soldaten. Da hat eine Kommission diese Woche eine Verlängerung des Wehrdienstes und Milizübungen empfohlen, aber bis zu einer politischen Umsetzung wird es noch dauern. Claus Bruckmann hat sich umgehört.
Claus Bruckmann (ORF): Das Pionierbataillon Nummer drei in Melk, diese Rekruten sind vor zwei Wochen eingerückt und gewöhnen sich langsam an den militärischen Alltag und die Ausbildung. 90 Seiten umfasst der Bericht der Wehrdienstkommission.
Erwin Hameseder (Privat): Unsere Empfehlungen sind ein breiter Blumenstrauß für die Politik, wo wir sehr davon überzeugt sind, wenn man viel davon umsetzt, ist das ein sehr, sehr großer Anreiz in Zukunft für unsere Grundwehrdiener.
Walter Feichtinger (Privat): Wir haben den kürzesten Präsenzdienst und wir haben keine Übungspflicht. Daraus abgeleitet, die Aufgaben des Bundesheeres sind mit der jetzigen Formierung und mit dem jetzigen Zustand nicht zu erreichen.
BRUCKMANN: Acht Monate Wehrdienst und zwei Monate Waffenübungen sollen die militärische Verteidigung Österreichs verbessern.
Klaudia Tanner (ÖVP): Das muss ja alles beschlossen werden dann auch im Parlament und das ist jetzt der Startschuss für diesen Diskussionsprozess. Wofür ich stehe, ich glaube, das habe ich schon gezeigt, ja, zum einen einmal für eine budgetäre Ausstattung des Österreichischen Bundesheeres und auch für die entsprechende Einsatzbereitschaft.
BRUCKMANN: Grundsätzlich bekennen sich alle Parteien zur bewaffneten Landesverteidigung, auch die beiden Oppositionsparteien.
Volker Reifenberger (FPÖ): Unsere Hand ist ausgestreckt. Also wir sind für ein, wenn das Gesamtkonzept sozusagen passt, dann stehen wir dem positiv gegenüber und würden auch hier mitstimmen, aber eigentlich sollte bei so einem wichtigen staatspolitischen Thema überhaupt ein nationaler Schulterschluss vorherrschen. Also ich würde es mir ja wünschen, dass wir hier überhaupt einen einstimmigen Beschluss ins Auge fassen.
David Stögmüller (Die Grünen): Für uns Grüne ist klar, wir sind gesprächsbereit, wir werden aber einer plumpen Verlängerung einfach nicht zustimmen, sondern es braucht eine größere sicherheitspolitische Diskussion, die eben auch im Bundesheer geführt werden muss.
BRUCKMANN: Eine Einigkeit unter den drei Regierungsparteien muss aber erst hergestellt werden.
Friedrich Ofenauer (ÖVP): Ich bin guter Dinge, dass wir mit unseren Koalitionspartnern auf ein entsprechendes Ergebnis kommen werden. Wichtig ist, dass wir auf breiter politischer, aber auch gesellschaftlicher Basis anhand dieses Berichtes der Wehrdienstkommission diskutieren, weil eine Gesellschaft, die über Sicherheits- und Verteidigungspolitik diskutiert und sich der Bedrohungslagen bewusst ist, hat auch ein höheres Verteidigungs- und Wehrbedürfnis und einen höheren Wehrwillen.
Robert Laimer (SPÖ): Wir als Sozialdemokratie wollen auch den Grundwehrdienst auf Herz und Nieren prüfen. Das heißt, sämtliche Leerläufe, die es immer in jedem System gibt, abzuschaffen, um über weitere Maßnahmen zu sprechen.
BRUCKMANN: Das heißt, eine Verlängerung auf acht Monate wäre für Sie erst ein zweiter Schritt und ein erster Schritt wäre, sagen wir, den Grundwehrdienst zu verdichten?
LAIMER: So ist es, die Verlängerung steht ganz am Ende des Tages.
Douglas Hoyos (NEOS - Das Neue Österreich): Es sind ja auch unterschiedliche Dinge, die in diesen Berichten behandelt werden. Es gibt eine Vielzahl von Maßnahmen, die sehr einfach und leichter umzusetzen sind, wo teilweise auch die Zusammenhänge mit dem Regierungsprogramm drinnen sind, wenn ich an die Stellungsstraße et cetera denke. Also ich glaube, gerade diese Dinge werden sehr rasch über die Bühne gehen können.
BRUCKMANN: Die Kommission wünscht sich, dass manches schon bis 1. Jänner umgesetzt werden kann. Glauben Sie, gibt es bis zum 1. Jänner '27 genug Betten und genug ausgebildete Ausbildner, damit das Programm starten kann?
STÖGMÜLLER: Das ist genau die Frage. Gibt es überhaupt genug Personal, ist die Infrastruktur bereit? Es ist hier ein zeitlicher Druck da. Ich freue mich darüber, umso früher mehr wir in Verhandlungen kommen, umso früher können wir genau diese Fragen beantworten.
LAIMER: Einige Prüfbesuche haben schon eklatante Mängel auch in den Kasernen-Unterkünften gezeigt und was besonders wichtig ist, wir brauchen auch die Ausbildner dementsprechend, um feldtaugliche Soldaten zu truppentauglichen Soldaten zu machen.
REIFENBERGER: Wir haben schon viel zu viel Zeit verloren. Es war die Aussetzung und dann die Abschaffung des alten Systems im Jahr 2006 schon ein Riesenfehler und jetzt darf man nicht noch lange verhandeln im politischen Klein-klein, sondern jetzt müssen schnell Entscheidungen getroffen werden, dass dieses Datum vielleicht halten kann. Obwohl mir schon bewusst ist, auch von der militärischen Umsetzung, dass das nicht leicht ist.
OFENAUER: Der 1. Jänner '27 bleibt ein Ziel, würde sagen, wenn es der 30. Juni '27 ist oder der 1. Jänner 28, dann ist das auch nicht so schlimm. Wichtig ist, dass schnell noch im ersten halben Jahr eine entsprechende Entscheidung getroffen wird.
HOYOS: Ich glaube, es geht hier weniger um ein einzelnes Datum, sondern um ein grundsätzliches Schritt-für-Schritt-Arbeiten an diesem gemeinsamen Ziel, Österreich und das Leben der Österreicherinnen und Österreicher und der Europäerinnen und Europäer sicher zu gestalten.
TANNER: Ist vielleicht schon etwas auch davor durchsetzbar. Denken Sie nur daran, dass man die Stellung auch für so vieles andere nutzen kann, den Weg davor vielleicht auch interessanter machen kann, wir auch als Bundesheer mehr an Flexibilität für Einrückungstermine zum Beispiel auch finden können. Vielleicht ist sogar das eine oder andere - und das hoffe ich - vor dem 1.1.'27 umsetzbar.
BRUCKMANN: Diese drei Rekruten könnten sich auch gut einen achtmonatigen Grundwehrdienst vorstellen. Was hat sie für das Bundesheer motiviert?
Johannes Miedler (Privat): Persönlich extrem interessiert an großen, technischen, schweren Geräten und da ist natürlich das Pionierbataillon eigentlich Nummer eins Anlaufstelle. Ich hätte mir sonst den Zivildienst nicht wirklich vorstellen können, ja, deswegen bin ich zum Bundesheer gegangen.
BRUCKMANN: Wäre für Sie Zivildienst eine Option gewesen?
Fabian Huber (Privat): Wenn es nach meiner Mutter gegangen wäre, ja, aber für mich persönlich nicht, weil ich auch denke, dass das für mich persönlich diese Disziplin auch etwas Gutes hat, das zu lernen und dass man das einfach im alltäglichen Leben auch danach, nach den sechs Monaten, anwenden kann im zivilen Leben.
Elias Hödl (Privat): Am Anfang wäre es auch eine Idee gewesen, in den Zivildienst zu gehen, aber aufgrund auch, damit ich vielleicht hier auch den Lastwagenführerschein machen kann, habe ich mich entschieden fürs Bundesheer.
BRUCKMANN: Doch bis zu einer Verlängerung des Grundwehrdienstes wird noch einiges Wasser die Donau beim Pionierbataillon drei in Melk und im politischen Willen hinunterfließen.