Christine Thönicke-Frenkenberger (ORF): "Und wir bleiben bei den NEOS als kleinerer Regierungspartner und kommen zu unserer wöchentlichen Interviewserie. [Off-Stimme: "Im Journal zu Gast."] ist NEOS-Klubobmann Yannick Shetty. Das Interview wurde vor dem Rauswurf seines Parteikollegen Veit Dengler aufgezeichnet.
Für Shetty sind das gestern beschlossene Doppelbudget und die ersten Reformen der Dreierregierung, trotz Kritik, ein großer Erfolg. Bei der Reform der Wehrpflicht sieht er noch keinen Kompromiss der Regierung. In Sachen Sozialhilfe ,arbeite' die Regierung zu langsam, sagt Shetty im Gespräch mit Victoria Waldegger."
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Victoria Waldegger (ORF): "Kein Interview ohne Wehrpflicht. [SHETTY lacht] Sie lachen ... Aber seit sechs Monaten verhandeln ÖVP, SPÖ und NEOS wie eben eine solche Reform der Wehrpflicht ausschauen könnte. Jetzt liegt offenbar ein Kompromissvorschlag da. ÖVP und SPÖ finden den gut. Sechs Monate Grundwehrdienst - also so viel wie jetzt - und drei oder vielleicht auch zwei Monate Milizübungen. Was sagen Sie dazu?"
Yannick Shetty (Klubobmann, NEOS): "Dass wir, so wie in der Vergangenheit, laufende Verhandlungen nicht kommentieren. Auch das, was Sie jetzt gerade berichten, waren keine offiziellen Statements der Parteien, sondern waren Berichterstattungen über scheinbare Verhandlungs ... [WALDEGGER: "Na ja, der Bundeskanzler ...]
WALDEGGER: "... hat den Kompromiss auf den Tisch gelegt, in einem Interview."
SHETTY: "Also, es sind viele ... es sind viele Modelle am Tisch. Die Verhandlungen laufen. Was ich Ihnen sagen kann, ist die gute Nachricht: Sie sind fortgeschritten, also es tut sich etwas. Und auch da würd' ich für ein bisschen mehr Geduld plädieren.
Ich weiß, dass die Betroffenen natürlich schnell eine Reform wollen. Sechs Monate Verhandlungsprozess für eine wirklich große Reform ist jetzt nicht ewig. Sie wissen, es gibt Themen [WALDEGGER: "Aber angesichts der geopolitischen Lage ..."] geschätzt, die ..."
WALDEGGER: "... hat man allerdings auch nicht die Zeit!"
SHETTY: "Das ist richtig. Deswegen werden wir das auch zügig jetzt zu einem Ende bringen. Aber es gibt derzeit einfach noch nichts spruchreifes."
WALDEGGER: "Sie haben immer wieder das ,Skandinavische Modell' genannt. Vielleicht muss man das kurz erklären: Da müssen alle Frauen und Männer mit 18 Jahren einen Fragebogen ausfüllen, die Besten werden zur Musterung quasi eingeladen. Einrücken ist nur freiwillig. [SHETTY: "Mhm."] Das funktioniert recht gut im Norden. Sie halten das offenbar auch für ein Erfolgsmodell.
Aber das zielt eben im Norden auf Frauen und Männer ab. [SHETTY: "Mhm."] Also soll das in Österreich auch für Frauen gelten?"
SHETTY: "Nein, das sieht unser Vorschlag nicht vor, der, genau genommen, nicht unser Vorschlag ist, sondern der Wehrdienstkommission. Die haben natürlich einen Vorschlag gemacht bezüglich Wehrpflichtverlängerung und Miliz. Aber sie haben auch weitere Modelle präferiert. Und eines davon, als mittelfristige Komponente, ist das skandinavische Modell.
Wir präferieren da insbesondere die Ausgestaltung in Schweden. Und da ist es, so wie Sie gesagt haben, eine Stellungspflicht für alle. Dort auch dann werden Frauen und Männer inkludiert. Wir würden davon abweichen und sagen: ,Alle zur Stellung einladen'. Das ist auch gut, damit wir als Gesellschaft die Gesundheitsdaten zum Beispiel von allen Frauen haben; wir wissen viel mehr über die Männergesundheit als über die Frauengesundheit, weil alle Frauen mit 18 nicht zur Stellung kommen. Aber dann definiert das Oberbefehlskommando eine gewisse Zahl, wie viel wir pro Jahr an Soldaten brauchen. Alle, die bei der Stellung waren, bekommen einen Brief, können sich freiwillig melden für einen zwölfmonatigen Dienst. Wenn die Zahl, die erforderlich ist, erreicht wurde, dann sind wir happy. Und wenn sie nicht erreicht wurde, wird aus all jenen, die bei der Stellung waren, wird das Delta, der Unterschied, wird verpflichtet.
Und ich glaub', dass das wirklich ein super Modell wär' und, wie Sie sagen: Skandinavien funktioniert das sehr gut."
WALDEGGER: "Aber das wird nicht einmal diskutiert. Also, warum erwähnen Sie das immer wieder?"
SHETTY: "Na, das wird ... also das ... da möcht' ich vehement widersprechen! Das ist ein ganz zentraler Punkt in den Verhandlungen."
WALDEGGER: "Das heißt, Sie bringen das immer wieder ein. Gibt's da ,Chancen auf eine Einigung', sag' ich mal?"
SHETTY: "Das ist ein netter Versuch, aber auch das werd' ich nicht kommentieren! Was ich bestätigen kann ist, dass wir das einbringen und zwar als ganz zentralen Punkt von uns. Die Wehrdienstkommission hat ja kurzfristige Vorschläge gemacht, das wär' die Miliz und die Verlängerung der Wehrpflicht, mittelfristige Vorschläge, das skandinavische Modell und vor allem auch Stärkung der europäischen Komponenten. Und genauso diskutieren wir's auch."
WALDEGGER: "Also Sie glauben, dass das langfristig etwas möglich wäre. An der Reform hängt aber auch der Zivildienst. Sie waren Zivildiener. Könnte man mit Ihnen den Zivildienst verlängern?"
SHETTY: "Auch das ist Gegenstand von laufenden Verhandlungen."
WALDEGGER: "Sie äußern sich dazu nie. Warum nicht? Die Diskussion, die findet in der Öffentlichkeit statt. Das interessiert ja viele Menschen."
SHETTY: [lacht] "Es interessiert viele Menschen, weil Sie darüber berichten, obwohl die Regierung jetzt immer wieder gesagt hat, dass wir Verhandlungen am Verhandlungstisch führen und nicht ,Im Journal zu Gast' und ich glaub', das wär' auch meine Erfahrung gewesen in den letzten Monaten, dass immer dann, wenn wir als Regierung Dinge hinter verschlossenen Türen verhandelt haben, dann ist am Ende was rausgekommen. Und immer dann, wenn man glaubt, man muss Verhandlungen über die Medien führen, dann - ja - macht man das vielleicht zur eigenen Positionierung und Profilierung, aber dann geht in der Sache nichts weiter. Und weil wir wollen, dass das Bundesheer wehrfähiger wird, weil wir was tun müssen - also da ist definitiv Aufholbedarf - führen wir die Verhandlungen am Verhandlungstisch."
WALDEGGER: "Allerdings, die Positionen Ihrer beiden Koalitionspartner, die sind bekannt ... [SHETTY: "Unsere ist auch bekannt."]"
SHETTY: "Wir glauben, es gibt Verbesserungsbedarf bei der Miliz! Also, so wie's derzeit ist, sollte es, glaub' ich, nicht bleiben. Das ist, glaub' ich, bekannt. Weil wir kein funktionierendes Milizheer haben. Und über die genaue Ausgestaltung - 6 plus 2, 6 plus 3, 8 plus 1, 5 minus 4 - darüber diskutieren wir in der Koalition."
WALDEGGER: "Die ÖVP hat da immer wieder Deadlines gesetzt. Jetzt auch eine neue. Und zwar: Bis zum Sommerministerrat Ende Juli soll's eine Einigung geben. Ist das auch Ihr Ziel?"
SHETTY: "Unser Ziel ist, so rasch wie möglich zu einer Entscheidung zu kommen. Ich halt' nichts davon, dass wir uns selber Deadlines geben. Wir werden das in der Koalition diskutieren. Und sobald's eine Einigung über alle wesentlichen Eckpunkte gibt, werden wir's präsentieren."