Seite 53 von 54

Re: Medienberichte 2026

Verfasst: Di 23. Jun 2026, 08:55
von theoderich
Großübung des Bundesheers in Buckliger Welt

https://noe.orf.at/stories/3359598/

Re: Medienberichte 2026

Verfasst: Di 23. Jun 2026, 09:23
von iceman
capitan hat geschrieben: Di 23. Jun 2026, 08:35 Solange kein eigenes leistungsbezogenes Militär - Dienstrecht für Kadersoldaten eingeführt ist brauchen die Herren Soldaten - Beamten gar nicht von einer Wehrdienstverlängerung träumen und schon gar nicht reden.

Bei jeder Milizübung kommt man sich wie auf einen Amt vor aber nicht wie im Militär - Gesprächsthema Nummer Eins unter den Kadersoldaten ist die Funktionsgruppe, dann ob Überstunden bezahlt werden und zuletzt wie dumm und unfähig alle anderen sind - obwohl selber unfähig eine Woche einer Übung sinnvoll durchzuplanen.

Es gibt dazu natürlich auch wohltuende Ausnahmen aber diese werden von Jahr zu Jahr weniger!

Diesen Personenkreis - obwohl selber seit über 30 Jahren Milizsoldat/-offizier - werde ich meine Kinder nicht anvertrauen.
Sehr richtig!
Habe ich selber auch so erlebt.
Mir war klar, dass die Bauernbündlerin Tanner den Raiffeisengeneral Hametseder nicht wiedersprechen wird.
Gibt es Zahlen wie viele Soldaten eines Jahrgangs wirklich militärisch ausgebildet werden, wieviele sind bloß Systemerhalter, wie viele verpflichten sich länger für das Bundesheer, wieviele entscheiden sich für eine Milizlaufbahn?
Als ersten Ansatz würde ich aus den sechs Monaten das Maximum rausholen.

Re: Medienberichte 2026

Verfasst: Di 23. Jun 2026, 16:08
von Doppeladler
capitan hat geschrieben: Di 23. Jun 2026, 08:35 Solange kein eigenes leistungsbezogenes Militär - Dienstrecht für Kadersoldaten eingeführt ist brauchen die Herren Soldaten - Beamten gar nicht von einer Wehrdienstverlängerung träumen und schon gar nicht reden.
Da ist es schon wieder. "Solange etwas so ist, brauchen wir das andere nicht" - das hört man jetzt ständig bei Wehrdienstreform, ÖBH 2032+, neue Kampfflugzeuge etc.. Und das ist gefährlich, weil das zu kompletten Stillstand führt. In der Politik ein beliebtes Mittel, irgendetwas nicht tun zu müssen. Natürlich ist auch ein vernünftiges Militär-Dienstrecht erforderlich, aber warum soll das eine Vorab-Bedingung sein?
Auch gelesen: "Solange es keine Wehrpflicht für Frauen gibt". "Solange die Syrer nicht abgeschoben werden". "Solange wir keine Drohnen haben". "Solange es Systemerhalter gibt". "Solange die Kasernen so ausschauen". "Solange es im GWD Leerläufe gibt". usw.

Re: Medienberichte 2026

Verfasst: Di 23. Jun 2026, 16:21
von capitan
Zuerst muss das System effektiv und effizient sein, dann kann überlegt werden neue Ressourcen zu geben.

Wer immer mehr verlangt ohne sich zu hinterfragen - ja und die Beamten - Soldaten leben in ihrer eigenen Blase - verhindert damit auch anstehende und notwendige Reformen.

Re: Medienberichte 2026

Verfasst: Di 23. Jun 2026, 16:29
von Doppeladler
Ständig hinterfragen und weiterentwickeln muss ich doch in jeder Struktur. Ich muss ein System, das ich loswerden möchte, nicht (weitgehend) perfektionieren, bevor ich es ändern darf.

Re: Medienberichte 2026

Verfasst: Di 23. Jun 2026, 18:00
von theoderich
Wehrpflichtreform / :Vertane Chance als Symptom für die Schwäche der Regierung

https://www.falter.at/zeitung/20260623/ ... -regierung

https://www.facebook.com/share/p/1F4sbnPqMm/


Der „Tourist“ als Spion: Wie das Bundesheer bespitzelt wird

https://www.diepresse.com/32186850/der- ... paeht-wird

Re: Medienberichte 2026

Verfasst: Di 23. Jun 2026, 20:53
von iceman
Doppeladler hat geschrieben: Di 23. Jun 2026, 16:29 Ständig hinterfragen und weiterentwickeln muss ich doch in jeder Struktur. Ich muss ein System, das ich loswerden möchte, nicht (weitgehend) perfektionieren, bevor ich es ändern darf.
Nach der Volksbefragung war das Thema Wehrpflicht für die ÖVP abgehakt, das Resultat war, es hat sich nichts geändert. Genau das gleiche wird jetzt wieder passieren.

Re: Medienberichte 2026

Verfasst: Mi 24. Jun 2026, 00:14
von theoderich
iceman hat geschrieben: Di 23. Jun 2026, 09:23 Als ersten Ansatz würde ich aus den sechs Monaten das Maximum rausholen.
Der Grundwehrdienst dauert, was die reine Ausbildung betrifft, seit ca. 21 Jahren nur knapp über zwei Monate (10 Wochen). Der Vorwand ist aber angesichts der veröffentlichten Daten zur Erreichung der Ausbildungsziele im GWD berechtigt:

Miliz nicht voll einsatzbereit
Das Ministerium führte mit dem Einrückungstermin Oktober 2020 das Modell „Mein Dienst für Österreich“ ein. Ziel des Modells war es, ab dem zweiten Quartal 2021 keine Grundwehrdiener mehr für den sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz Migration einzusetzen, den Grundwehrdienst zu attraktivieren und eine uneingeschränkte Beorderung in die Einsatzorganisation zu ermöglichen. Mit finanziellen Anreizen sollten Grundwehrdiener nach der Grundausbildung zu Einsätzen im Assistenzdienst und bei der Miliz bewogen werden. Etwas mehr als 4 % der Grundwehrdiener meldeten sich für einen Assistenzeinsatz; zur Milizkaderausbildung meldeten sich 0,35 %. Obwohl keine Grundwehrdiener im sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz Migration mehr eingesetzt werden sollten, stellten diese mit Stand 9. November 2021 rd. 32 % (385 Grundwehrdiener) der im Einsatz befindlichen Soldatinnen und Soldaten.
https://www.rechnungshof.gv.at/rh/home/ ... ereit.html


Jahresbericht 2022
Assistenzeinsätze (Migration, COVID-19, Bewachung von Botschaften etc.) werden seit Jahren in einer hohen Intensität durchgeführt. Die Kernaufgabe eines Verbandes, Ausbildung und Fähigkeitserhalt in der jeweiligen Waffengattung, kann dadurch nur rudimentär geübt werden. Dies bewirkt bei den Rekruten keine Identifikation mit den Aufgaben der Truppe. Diese fehlende Attraktivität des Grundwehrdienstes erschwert die Rekrutierung von Nachwuchs aus dem Pool der grundwehrdienstleistenden Soldaten. Das Modell 3 Monate Funktionsdienst unmittelbar nach dem Grundwehrdienst unterstützt vorwiegend bei der Abdeckung des Personalbedarfs in den permanenten, verschiedenen Assistenzeinsätzen. Das Ziel, Grundwehrdiener nicht mehr in den sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz an der Grenze zu schicken, wurde nicht erreicht.
VI.4 Prüfbesuch beim Jägerbataillon 24 in Lienz

[...]
  • Das Kaderpersonal wird – wie die GWD – intensiv für Assistenzeinsätze herangezogen, damit ist sowohl die BA 2 und 3 nicht durchführbar als auch der Fähigkeitserhalt des Bataillons nicht möglich.
  • Selbst bei einer Vollkontingentierung der Grundwehrdiener entfällt die gebirgsspezifische BA 2 und 3. Nur sehr wenige GWD können motiviert werden im Verband zu bleiben.
https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVII/III/1042

Jahresbericht 2023
Von den derzeit 36000 Soldaten im Milizstand sind 21000 Soldaten übungspflichtig und 15000 befristet beorderte Soldaten der Miliz nicht. Im Normalfall kommen drei Viertel der Milizübungspflichtigen regelmäßig zu den Übungen. Ein Fähigkeitserhalt auf freiwilliger Basis findet nicht statt. Daher ist das Üben der vollständigen Truppe nicht möglich. Es entstehen Führungsdefizite im Erhalt und Ausbau der Führungsmöglichkeiten, die zum Verlust von Fertigkeiten führen.
https://www.parlament.gv.at/dokument/un ... K_2023.pdf

Grundwehrdienerausbildung

10.1 (1) Das Ministerium begann im Juni 2013 mit der Umsetzung der Empfehlungen einer von der Bundesregierung eingesetzten Arbeitsgruppe zur „Reform und Attraktivierung des Wehrdienstes“. Mit den „Durchführungsbestimmungen für die Basisausbildung 2014“ (September 2014) gestaltete es die Grundwehrdienerausbildung neu, insbesondere standen zwei grundlegende Ausbildungsmodule und vier Wahlmodule für die Grundwehrdiener zur Auswahl. Der Präsenzdienst begann mit einer vierwöchigen Basisausbildung „Kern“, gefolgt von sechs Wochen Basisausbildung 1 und – bis zum Ende des Präsenzdienstes – den Basisausbildungen 2 und 3 mit den Wahlpflichtmodulen und einer vorbereitenden Milizausbildung.

(2) Mangels Ausbildungscontrolling bei den Bataillonen der 4. Panzergrenadierbrigade überprüfte der RH – um die Einhaltung der Durchführungsbestimmungen beurteilen zu können – die Wochendienstpläne
  • des Einrückungstermins Oktober 2018 der 1. Panzergrenadierkompanie/I. Zug beim Panzergrenadierbataillon 13 und
  • des Einrückungstermins Jänner 2021 der 2. Aufklärungskompanie/II. Ausbildungszug beim Artillerie–Aufklärungsbataillon 4.
10.2 Der RH hielt kritisch fest, dass die 4. Panzergrenadierbrigade – ebenso wie das Pionierbataillon 3 – über kein Ausbildungscontrolling verfügte. Der RH stellte kritisch fest, dass das Panzergrenadierbataillon 13 und das Aufklärungs– und Artilleriebataillon 4 nicht alle vorgegebenen Ausbildungsziele ausbildeten. Darunter befanden sich auch die zur Attraktivierung des Grundwehrdienstes vorgesehenen Wahlpflichtmodule.

Der RH empfahl dem Ministerium, ein digitalisiertes Ausbildungscontrolling zu entwickeln, damit eine unzureichende Erfüllung von Ausbildungszielen rechtzeitig erkannt wird und auf die Einhaltung der Ziele hingewirkt werden kann.
Basisausbildung 2 und 3 aufgrund Assistenzeinsatzes nicht ausgebildet
https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVIII/III/23


Nachfrageverfahren im Jahr 2023
Eine vollständige personelle, materielle und ausbildungsmäßige Einsatzbereitschaft der Miliz war vom Ministerium unter den derzeitigen Rahmenbedingungen – Budget, Dauer des Grundwehrdienstes, Anzahl der Grundwehrdiener – nicht zu erreichen.
https://www.rechnungshof.gv.at/rh/home/ ... 023_BF.pdf


Bericht zur Wirkungsorientierung 2023
14.3.6 Anteil der Rekruten mit abgeschlossener Ausbildung zum Einsatzsoldaten [%]

[...]

Mit erfolgreichem Abschluss der BA2/3 ist die Feldverwendbarkeit als Einsatzsoldat (EinsS) gegeben.

Von jenen im Jahr 2023 eingerückten Grundwehrdienern (16.174) haben 14.446 ihren Grundwehrdienst entweder als Einsatzsoldat (69,67 %/11.268) oder als Funktionssoldat (19,65 %/3.178) regulär beendet. Die Differenz zu den insgesamt eingerückten Grundwehrdienern ergibt sich aufgrund vorzeitiger Entlassungen aus gesundheitlichen Gründen (8,26 %/1.336) bzw. sonstigen Gründen (0,10 %/16), aber auch durch den positiven Umstand, dass ein Übertritt in den Ausbildungsdienst (AD) erfolgte (2,32 %/375).

Für ca. 31,61 % jener der Ausbildung zum Einsatzsoldaten zugeführten GWD (ca. 11.268) erfolgte die Speicherung der positiv abgeschlossenen BA2/3.

Die Quote der Rekruten bezogen auf die Gesamtzahl der Grundwehrdiener die im Jahr 2023 den Grundwehrdienst vollständig absolviert haben (14.446), beträgt somit ca. 25 %
https://oeffentlicherdienst.gv.at/wp-co ... 23_WEB.pdf


Bericht zur Wirkungsorientierung 2024
14.3.6 Anteil der Rekruten mit abgeschlossener Ausbildung zum Einsatzsoldaten [%]

[...]

Von den 15.528 (100 %) im Jahr 2024 eingerückten Grundwehrdienern (GWD) haben 13.352 (85,99 %) ihren Grundwehrdienst regulär beendet; davon 8.946 (57,61 %) als Einsatzsoldat und 4.406 (28,37 %) als Funktionssoldat.

Die Differenz zu den insgesamt eingerückten GWD ergibt sich aufgrund vorzeitiger Entlassungen aus gesundheitlichen Gründen von 1.576 GWD (10,15 %) bzw. aus sonstigen Gründen von 12 GWD (0,08 %), aber auch durch den positiven Umstand, dass 588 GWD (3,79 %) in den Ausbildungsdienst (AD) übergetreten sind.

Von den 8.946 GWD-Einsatzsoldaten erfolgte für 3.892 (43,51 %) die Speicherung der positiv abgeschlossenen BA2/3.

Die Quote der Rekruten, bezogen auf die Gesamtzahl der GWD, die im Jahr 2024 den Grundwehrdienst vollständig absolviert haben (3.892 von 13.352), beträgt 29,15 %.

Bezogen auf die Gesamtzahl der 2024 eingerückten GWD (3.892 von 15.528) haben 25,06 % die BA2/3 positiv abgeschlossen.

[...]

Historische Daten vor 2023 sind mangels Vergleichbarkeit nicht vorhanden.
https://oeffentlicherdienst.gv.at/wp-co ... imiert.pdf

Bericht über die Wirkungsorientierte Folgenabschätzung 2025
Problemdefinition

Seit Jahrzehnten – mit Unterbrechung vom Herbst 2015 bis zum Frühjahr bzw. Herbst 2016, da hier der Einsatz von Grundwehrdienst leistenden Soldaten (GWD) im sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz/Migration explizit ausgeschlossen war – werden die oa. Soldaten im Rahmen ihres Grundwehrdienstes auch in diesem Assistenzeinsatz eingesetzt. Dies ist/war zwar kostengünstig und organisatorisch relativ einfach zu bewerkstelligen, führt(e) aber dazu, dass die dabei eingesetzten Grundwehrdienst leistenden Soldaten in aller Regel nur etwa drei Monate nach den geltenden Durchführungsbestimmungen für die Basisausbildung militärisch ausgebildet werden und daher die notwendige Qualifizierung für eine Beorderung als Milizsoldat nur eingeschränkt erreichen.
https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVIII/III/339


Bundesvoranschlag 2026 (Mai 2025)
Kennzahl 14.1.5 Anteil der Wehrpflichtigen, die im Grundwehrdienst die Basisausbildung zum Einsatzsoldaten absolvieren

Berechnungsmethode

Auswertung der Speicherungen der Absolvierung der Abschnitte der Basisausbildung

Datenquelle

BMLV Personalinformationssystem

Messgrößenangabe

%

Entwicklung

Istzustand 2022

n.v.

Istzustand 2023

25

Zielzustand 2024

30

Zielzustand 2025

35

Zielzustand 2026

40

Zielzustand 2032

70
Erläuterungen:

Die 6-monatige Basisausbildung untergliedert sich in die 4-wöchige Basisausbildung Kern (BAK), die 6-wöchige Basisausbildung 1 (BA1) und die 16-wöchige waffengattungsspezifische Basisausbildung 2/3 (BA2/3). Alle Grundwehrdiener (Einsatz- und Funktionssoldaten) sollten die BAK und auch die BA1 absolvieren. Der Anteil der Grundwehrdiener, die in der BA2/3 zum feldverwendungsfähigen Einsatzsoldaten und damit auch für eine Beorderung in der Einsatzorganisation ausgebildet werden, sollte möglichst groß sein.

Für den geplanten Zielzustand wird als Grundlage die Zahl der ausbildbaren GWD aus der Gesamtanzahl der für den Grundwehrdienst (GWD) vorgesehenen Wehrpflichtigen (2024: geplant 15.600 Einzuberufende) herangezogen. Die Verhältniszahl zwischen Zahl der ausbildbaren GWD und GWD mit BA2/3 stellt den Zielwert dar.

Aus dem Istzustand 2024 (30%) lässt sich ableiten, dass weniger als jeder dritte Grundwehrdiener bis zur Feldverwendungsfähigkeit ausgebildet werden konnte. Dieser Anteil sollte gem. aktueller Planung im Jahr 2032 zumindest 70% betragen.

Der Istzustand 2024 beträgt 30%.

Die Kennzahl besteht seit dem BVA 2023.
https://www.parlament.gv.at/dokument/XX ... 694505.pdf

Re: Medienberichte 2026

Verfasst: Mi 24. Jun 2026, 14:12
von theoderich
„SPÖ sollte Position prüfen“: Roter Appell für längeren Wehrdienst

https://www.diepresse.com/32571041/spoe ... wehrdienst


Wehrdienst: Neue Verhandlungsrunde startet

24.6.2026, 12.27 Uhr
Ö1 Mittagsjournal
Martine Petschile (ORF): "Wir kommen jetzt zurück nach Österreich. Noch im Sommer soll die Wehrdienstreform stehen. Das hat Kanzler Christian Stocker gefordert und auch seinen ÖVP ... seine ÖVP-Parteikollegin, Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, zuletzt in Aussicht gestellt. Heute findet erneut eine Verhandlungsrunde der Dreierkoalition im Parlament statt. Niklas Lercher, aus unserer Innenpolitikredaktion, beobachtet dieses Tauziehen schon lange. Und er ist dazu, wieder einmal, im Journalstudio zu Gast. Hallo!"

Niklas Lercher (ORF): "Schönen Mittag!"

PETSCHILE: "Nach monatelangem Stillstand scheint wieder Bewegung in die Sache rund um eine Verlängerung des Wehrdienstes zu kommen. Woran lässt sich das festmachen?"

LERCHER: "Schlicht und ergreifend am Druck, der jetzt von der Regierungsspitze kommt. In dieser Frage hätt' ich eine Einigung zu erzielen. Bisher verhandeln ja die Wehrsprecher von ÖVP, SPÖ und NEOS im Parlament. Und da geht wenig bis gar nichts weiter, hören wir.

Das einzige Ergebnis bisher: Die Regierungsparteien haben sich öffentlich ihre Vorstellungen ausgerichtet. Die ÖVP ist bekanntermaßen für das sogenannte ,Österreich plus'-Modell der Wehrdienstkommission, also acht statt bisher sehcs Monate Grundwehrdienst plus zwei Monate verpflichtende Milizübungen. Die SPÖ hat 6+2 ins Rennen geschickt. Und die NEOS wiederum wollen überhaupt mindestens zwölf Monate Wehrdienst - allerdings auf freiwilliger Basis.

Dem Bundeskanzler geht das mittlerweile auch zu langsam. Christian Stocker von der ÖVP hat ja sinngemäß gemeint: Genug geredet, jetzt muss eine Einigung her.

Und auch Parteikollegin Verteidigungsministerin Klaudia Tanner hat am Wochenende hier bei uns im Ö1-Journal Kompromissbereitschaft angedeutet. In die Richtung, die ÖVP wolle zwar das 8+2-Modell, aber es gäbe ja noch andere Vorschläge der Wehrdienstkommission. Eine ausgestreckte Hand an die Koalitionspartner."

PETSCHILE: "Niklas, blättern wir im Bericht der Wehrdienstkommission, welches Modell kommt da am ehesten infrage? Neben dem 8+2-Modell, das die Wehrdienstkommission ja ausdrücklich empfiehlt."

LERCHER: "Die Kommission hat insgesamt vier Modelle angeführt, allerdings zwei davon gleich wieder als ,nicht praktikabel' abgeheftet. Bleibt somit, neben dem 8+2-Modell, nur noch das sogenannte ,Stufenmodell' übrig. Das sei ebenfalls schnell umsetzbar, heißt es dazu im Bericht.

In diesem Fall würde es bei sechs Monaten Grundwehrdienst bleiben. Dazu kommen dann noch zwei Monate Truppenübungen plus vierzig Tage Milizübungen. Also sechs Monate plus einhundert Tage, wenn man so will. Der Zivildienst würde auf zwölf Monate verlängert werden.

Also soll heißen: Wenn die Regierung sich nicht auf das ,Österreich plus'-Modell einigen kann, aber sich grob an die Empfehlungen der Kommission halten will, dann wäre nur mehr das Stufenmodell eine weitere Option."

PETSCHILE: "Und warum sollen sich die drei Regierungsparteien ausgerechnet jetzt auf dieses Stufenmodell einigen können?"

LERCHER: "Es wäre eine Art Mittelweg, ohne größeren Gesichtsverlust für die Regierungsparteien, sag' ich einmal. Von der Dauer her ist das jetzt nicht so weit entfernt von der ÖVP-Position und die verpflichtenden Milizübungen wären damit auch fix. Die SPÖ würde sich darin ebenfalls wiederfinden, denn der Grundwehrdienst wäre gleich lang wie bisher. Am meisten bewegen müssten sich wohl die NEOS. Allerdings haben die sich ja auch schon indirekt dazu bekannt, die Milizübungen wieder einzuführen.

Fest steht aber auch: Wir befinden uns hier noch im Bereich der Kaffeesudleserei."

PETSCHILE: "Das ist auch ein ziemliches Zahlenspiel. Schauen wir auf die Wehrdienstkommission. Könnte die denn mit diesem Stufenmodell leben?"

LERCHER: "In Jubelschreie wird die Kommission jetzt nicht verfallen. Der Leiter der Wehrdienstkommission, Erwin Hameseder, zeigt sich aber pragmatisch. Nach dem Motto: ,Besser als nichts'."

Erwin Hameseder "Eine Entscheidung Richtung Stufenmodell ist eine Option. Es ist ja eine zweite Empfehlung, die wir abgegeben haben.

Betone noch einmal: Es ist nicht unsere ... meine erste Priorität, ist aber eine Möglichkeit, um das Bundesheer ma ... personell so auszustatten, dass wir Qualität und Quantität für eine militärische Landesverteidigung erzeugen können."

LERCHER: "Das Stufenmodell wäre aber erheblich teurer. Das kostet rund eine halbe Milliarde Euro. Und auch militärisch wäre ein zentrales Problem damit nicht gelöst: Im Ernstfall wären die Soldaten wieder nicht sofort einsatzfähig, sondern müssten zuerst einmal zwei Monate ausgebildet werden. Das wäre im 8+2-Modell anders."

PETSCHILE: "Sollte sich die Regierung wirklich noch in den kommenden Wochen zu einer Lösung durchringen, kann ein verlängerter Wehrdienst dann auch wirklich schon mit Anfang 2027 starten?"

LERCHER: "Alle Seiten versichern: Ja, das ist immer noch möglich. Treffen würde das dann aber junge Männer, die 2027 erst gemustert werden. Rückwirkend ist das wohl nicht möglich - Stichwort: Vertrauensschutz. Wirklich greifen würde die Reform damit frühestens nächsten Sommer."

PETSCHILE: "Niklas Lercher war das, aus unserer Innenpolitikredaktion, zur laufenden Debatte um die Wehrdienstverlängerung. Danke für Ihre Informationen."

LERCHER: "Gerne."
https://orf.at/av/audio/149793

https://oe1.orf.at/player/20260624/835599/1782296877000


Wehrdienst: Stufenmodell möglicher Kompromiss

24.6.2026, 17.02 Uhr
Ö1 Journal um fünf

https://orf.at/av/audio/149822


https://www.linkedin.com/posts/european ... 31203-SxBj

Re: Medienberichte 2026

Verfasst: Do 25. Jun 2026, 14:26
von theoderich
Neuer Vorschlag der ÖVP, aber noch keine Annäherung beim Wehrdienst

https://www.derstandard.at/story/300000 ... wehrdienst