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Re: Schweiz: Programm "Air2030"

Verfasst: Fr 12. Dez 2025, 16:29
von theoderich

Re: Schweiz: Programm "Air2030"

Verfasst: Sa 13. Dez 2025, 09:12
von Doppeladler
Die Schweiz kauft aufgrund der Kostensteigerungen nicht alle 36 F-35A, sondern nur möglichst viele innerhalb des bewilligten Budgets von 6,4 Mrd. EUR. Insgesamt liegt der Bedarf aber bei 55 bis 70 modernen Kampfflugzeugen (ohne Typenfestlegung).

https://www.news.admin.ch/de/newnsb/c-m ... 4zuk2-mRCc

Interessant für Österreich: Beim Bundesheer errechnete man die erforderliche Stückzahl zur Eurofighter-Nachfolge mit 36 Kampfflugzeugen. Man fühlte sich durch die Schweizer F-35 Bestellung in gleicher Höhe bestätigt. Dort plant man aber langfristig mit anderen Zahlen.

Re: Schweiz: Programm "Air2030"

Verfasst: Sa 13. Dez 2025, 13:39
von theoderich
Hier die Frage in der Medienkonferenz zur Erhöhung der Stückzahl der Kampfflugzeuge. Laut BR Pfister wären für die Evaluation eines neuen Kampfflugzeugs ca. zehn bis zwölf Jahre Vorlaufzeit erforderlich. Man wird in den nächsten Jahren überlegen, wie man die Stückzahl vorläufig auf 36 erhöhen kann, diese Zahl stelle das Minimum für die Verteidigungsfähigkeit dar, über die Anforderungen für eine weitere Erhöhung auf 70 Kampfflugzeuge (potenziell mit einem anderen Flugzeugtyp) laufen interne Diskussionen im VBS. Der Bundesrat wird Ende Januar über die Eckwerte für die notwendigen finanziellen Mittel zur Aufstockung des Beschaffungsumfangs auf 36 F-35 entscheiden:


Einordnung Programm Air2030

Die vom Parlament mit der Armeebotschaft 2022 beschlossene Beschaffung von 36 F-35A und dem System zur bodengestützten Luftverteidigung grösserer Reichweite Patriot entspricht von der Leistung her knapp der im damaligen Bericht dargestellten Option 2. Dieser Entscheid wurde noch zu Beginn der sich zunehmend verschlechternden geopolitischen Lage gefällt. Mit der Armeebotschaft 2023 hat das Parlament die Beschaffung der Lenkwaffe PAC-3 MSE für das System Patriot beschlossen, um die Abwehr ballistischer Lenkwaffen zu stärken. Mit der Armeebotschaft 2024 wurde zusätzlich die Beschaffung des Systems zur bodengestützten Luftverteidigung mittlerer Reichweite IRIS-T SLM beschlossen.

Mit einer zur Armeebotschaft 2022 leicht reduzierten Anzahl F-35A könnten in der normalen Lage die Anforderungen an das neue Kampfflugzeug noch erfüllt werden. Jedoch muss mit einer höheren Abnutzung der Kampfflugzeuge gerechnet werden, da bei gleichbleibender Leistungserbringung die vorgesehenen Flugstunden der gesamten F-35A Flotte auf weniger Kampfflugzeuge verteilt werden müssten. Dies würde in etwa der im damaligen Bericht dargestellten Option 3 entsprechen.

Aufgrund der aktuellen Bedrohungslage ist eine stärkere Gewichtung der Luftverteidigungsfähigkeit gegenüber dem Luftpolizeidienst erforderlich – bereits in Phasen erhöhter Spannungen. Daraus ergibt sich, dass die aus heutiger Sicht notwendige Verfügbarkeit von Kampfflugzeugen das in Option 2 vorgesehene Mengengerüst von 40 Flugzeugen übersteigt. Dies gilt insbesondere bei länger andauernden erhöhten Spannungen. Wird diesem Umstand nicht Rechnung getragen, wäre in der Verteidigung lediglich noch eine sehr beschränkte Anfangsleistung möglich. Insgesamt muss zum Schutz vor Bedrohungen aus der Luft eine höhere Durchhaltefähigkeit über alle Lagen sichergestellt werden, was in direktem Zusammenhang mit der Flottengrösse steht. Die Tatsache, dass ein Kampfflugzeug der 5. Generation ein sehr breites Fähigkeitsspektrum in ein und demselben Einsatz abdecken kann, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es dazu einer soliden Flottengrösse bedarf. Die notwendige Stärkung der Verteidigungsfähigkeit und der damit einhergehende Bedarf an einer qualitativ und quantitativ wirksamen Luftverteidigung beruhen auf der Umsetzung von Option 1.
Im neuen Bericht stehen auch einige Zusatzanforderungen an den Nachfolger der F/A-18, die bisher noch nicht berücksichtigt worden sind:
Einsatzspektrum der Luftwaffe als Folge der sicherheitspolitischen Zäsur

Im Bericht Luftverteidigung der Zukunft aus dem Jahr 2017 lag der Fokus auf einer integrierten Luftverteidigung, die primär der Abwehr von Kampfflugzeugen und Kampfhelikoptern, gegebenenfalls von Marschflugkörpern diente. Mit der seither zunehmenden Verbreitung moderner Kampfflugzeuge und weitreichender Abstandswaffen, insbesondere ballistischer Lenkwaffen und Angriffsdrohnen, erweitert sich das Einsatzspektrum zu einer integrierten Luftverteidigung und Lenkwaffenabwehr (engl. IAMD, Integrated Air and Missile Defence).

Unterschiedliche Bedrohungen erfordern unterschiedliche, sich ergänzende Waffensysteme, um auch bei gleichzeitigen Angriffen durch mehrere gegnerische Kampfflugzeuge und Abstandswaffen erfolgreich darauf reagieren zu können.

Ein wesentliches Element der integrierten Luftverteidigung und Lenkwaffenabwehr sind offensive Fähigkeiten, die zur Abhaltewirkung beitragen: Eigene Abstandswaffen wie Luft-Boden-Lenkwaffen signalisieren einem potenziellen Gegner, dass ein Angriff auf die Schweiz mit hohen Kosten verbunden ist. Dazu werden die F-35A sowie weitere weitreichende Waffensysteme, Cyberoperationen und Spezialkräfte nicht nur defensiv, sondern im Rahmen der Verteidigung auch offensiv eingesetzt.
Bild
https://www.lockheedmartin.com/en-us/pr ... jassm.html
Da sich die Phasen der Bedrohung – normale Lage, erhöhte Spannungen und bewaffneter Konflikt – immer weniger voneinander trennen lassen, müssen die Mittel der Luftverteidigung bereits im Alltag einsatzbereit sein. Heute steht nicht mehr der Luftpolizeidienst im Vordergrund, sondern die frühzeitige Erkennung und Bekämpfung komplexer Bedrohungen. Schnelle Reaktionszeiten sind dabei entscheidend. Seit 2021 hält die Schweizer Luftwaffe rund um die Uhr zwei bewaffnete Kampfflugzeuge für Interventionen im Rahmen des Luftpolizeidienstes bereit. Angesichts der kurzen Vorwarnzeiten bei Bedrohungen aus der Distanz dürfte diese Einsatzbereitschaft künftig jedoch nicht mehr ausreichen, sondern müsste auf weitere Systeme erweitert werden. Daher muss der Quick Reaction Alert zur Abwehr neuer Bedrohungsformen befähigt werden, was einen höheren Bedarf an Ressourcen wie Personal, Systeme und Instandhaltung nach sich zieht. Zudem wäre eine erhöhte Bereitschaft bei den bodengestützten Luftverteidigungssystemen erforderlich, um auch auf überraschend auftretende Bedrohungen rasch reagieren zu können. Sich darauf zu verlassen, dass solche Bedrohungen während ihres Fluges über fremdes Staatsgebiet neutralisiert werden, birgt erhebliche Risiken für die Schweiz.
Stärkung der Verteidigungsfähigkeit

Neuausrichtung

Berücksichtigt man die aktuelle geopolitischen Lage und die Entwicklung in der modernen Luftkriegführung, ist für eine konsequente Stärkung der Verteidigungsfähigkeit die Option 1 massgebend. Nur mit dieser kann in der normalen Lage eine höhere Alarmbereitschaft, während anhaltender erhöhter Spannungen ein durchhaltefähiger Einsatz und im Verteidigungsfall eine hohe Anfangsleistung sowie eine integrierte Luftverteidigung und Lenkwaffenabwehr über längere Zeit sichergestellt werden. Zudem sind die Mittel der bodengestützten Luftverteidigung mittlerer und grosser Reichweite auszubauen, entsprechende Munition zu beschaffen und durch ein System bodengestützter Luftverteidigung kleiner Reichweite in ausreichender Anzahl zu ergänzen.
Es braucht Priorisierungen, um sicherzustellen, dass keine sicherheitsrelevanten Fähigkeitslücken entstehen. Deshalb ist angezeigt, die Option 1 schrittweise zu erreichen: In einem ersten Schritt werden die mit den Armeebotschaften 2022, 2023 und 2024 beschlossenen Beschaffungen (F-35A, Patriot, Lenkwaffe PAC-3 MSE und IRIS-T SLM) umgesetzt. In einem oder mehreren weiteren Schritten sollen die für die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit fehlenden Kampfflugzeuge und Systeme bodengestützter Luftverteidigung kleiner, mittlerer und grosser Reichweite sowie die dazugehörige Munition beschafft werden.
Für den ersten Schritt zur Umsetzung der Option 1 im Bereich der Kampfflugzeuge soll aktuell an der vom damaligen Chef VBS 2018 vorgegebenen und von der damaligen Chefin VBS 2020 bestätigten Einflottenstrategie festgehalten werden. Dies aufgrund der Grösse der Luftwaffe und insbesondere des zur Verfügung stehenden spezialisierten Personals und Infrastruktur. Die technische und operationelle Machbarkeit seitens Armee ist nicht gegeben, parallel zur Sicherstellung der Wahrung der Lufthoheit und des Schutzes vor Angriffen aus der Luft mit den bestehenden Waffensystemen, eine zweite Kampfflugzeugflotte über die nächsten fünf bis zehn Jahre einzuführen und zu betreiben. Die Einflottenstrategie entspricht denn auch der Praxis von mit der Schweiz vergleichbaren Luftwaffen.
Was den österreichischen "Sonderweg" betrifft: Das Schweizer VBS verweist auf die höheren Kosten einer Zwei-Flotten-Strategie und lehnt die Einführung eines bewaffneten Trainingsflugzeugs klar ab:


Ob im Rahmen des schrittweisen Erreichens von Option 1 nach erfolgreicher Einführung der F-35A gegebenenfalls dennoch ein Wechsel auf eine Zweiflottenstrategie angezeigt ist, muss zu gegebener Zeit geprüft werden – unter Berücksichtigung von technologischen Entwicklungen (z. B. CCA, 6. Generation Kampfflugzeug), Investitionskosten, Unterhaltskosten, Personalaufwand, Weiterentwicklung von Fähigkeiten, Betriebs- und Supportdauer durch den Hersteller, Interoperabilität und Einsatzdoktrin. Bereits heute ist klar: Bewaffnete Trainingsjets sind keine Alternative zu Kampfflugzeugen, da sie die Anforderungen moderner Luftkriegführung – insbesondere hinsichtlich integrierter Sensorik – nicht erfüllen.
https://cms.news.admin.ch/dam/de/der-sc ... t_2017.pdf


https://www.facebook.com/share/17RLoSHLNb/

Re: Schweiz: Programm "Air2030"

Verfasst: So 14. Dez 2025, 00:55
von muck
Eigenlob stinkt, aber ich hatte schon 2021 behauptet, der Preis sei verdächtig niedrig angesetzt, insbesondere vor dem Hintergrund der seinerzeit galoppierenden Inflation und der Höhe der vereinbarten Gegengeschäfte. Entweder wurde das VBS über den Tisch gezogen, oder man hat die Öffentlichkeit belogen.

In diesem Zusammenhang sei abermals an die damalige Aussage von US-Senator Timothy Kaine erinnert:
theoderich hat geschrieben: Fr 19. Nov 2021, 20:05I was intrigued, when Switzerland made a decision by 5.5 billion dollar contract […] to buy F-35s in the United States, because there were less expensive offers on the table […]
Wie es scheint, stellte er lediglich eine Tatsache fest.

Re: Schweiz: Programm "Air2030"

Verfasst: Mi 24. Dez 2025, 20:55
von theoderich
Kampfflugzeuge für die Schweiz
Billig-Kampfjet soll F-35-Flotte ergänzen
Die Zürcher Nationalrätin und SP-Sicherheitspolitikerin Priska Seiler-Graf ist auch heute noch der Meinung: Ein einfaches Kampfflugzeug wie der Leonardo wäre als Ergänzung optimal für die Schweiz. «Ein leichter Kampfjet könnte die andere Flotte entlasten bei leichten luftpolizeilichen Aufgaben», sagt Seiler-Graf, eine scharfe Kritikerin des US-Hightech-Jets F-35.

Experte rät zu einfacheren Modellen

Österreich hat sich zum Kauf des Leonardo-Kampfjets für Training, Luftpolizei und Drohnenabwehr entschieden. Die Jets sollen die österreichischen Eurofighter ergänzen und später allenfalls auch die F-35, deren Kauf Österreich ebenfalls erwägt.

Der österreichische Kampfflugzeug-Experte Georg Mader ist Korrespondent der internationalen Militärzeitschrift «Janes Defence». Für Mader wäre eine zweite Flotte mit einfachen Kampfflugzeugen auch eine Option für die Schweiz. «Die Schweiz will ja 50 bis 70 Plattformen, das werden wohl kaum alles F-35 sein können», rechnet Mader vor.

«Luftpolizei-Einsätze könnten von diesem einfacheren Gerät übernommen werden. Alles da oben, was einfacher ist, ist auch billiger als das Gesamtsystem F-35», so Mader. Ein einfacheres Kampfflugzeug wäre im Betrieb und Unterhalt wohl deutlich günstiger als der F-35.

SVP-Politiker wollen mehr F-35

Auch bei FDP-Sicherheitspolitikerinnen gibt es Sympathien für eine Zweiflottenstrategie bei der Luftwaffe. So bei der Waadtländer FDP-Nationalrätin Jacqueline de Quattro, der neuen Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats. «Vielleicht brauchen wir tatsächlich zu den grossen Kampfflugzeugen noch leichtere dazu.»

Nichts von einer Zweiflottenstrategie mit einem günstigen Jet hält hingegen der SVP-Nationalrat und ehemalige Kampfjet-Pilot Thomas Hurter. «Wenn man ein zweites System beschafft, gibt es auch sehr grosse zusätzliche Kosten», warnt Hurter. Es brauche eine zusätzliche Pilotenausbildung, zudem koste der Unterhalt mit Mechanikern.
https://www.srf.ch/news/schweiz/kampffl ... -ergaenzen

Re: Schweiz: Programm "Air2030"

Verfasst: Do 22. Jan 2026, 07:31
von theoderich

Re: Schweiz: Programm "Air2030"

Verfasst: Mi 28. Jan 2026, 20:09
von theoderich
Verschlechterte Bedrohungslage: Befristete Mehrwertsteuer-Erhöhung zur Stärkung der Sicherheit
Angesichts der verschlechterten geopolitischen Lage will der Bundesrat die Sicherheit und Verteidigung der Schweiz substanziell stärken. Dafür sind zusätzliche Mittel von rund 31 Milliarden Franken nötig – für zivile Bundesstellen mit Sicherheitsaufgaben sowie für die Armee. Zur Finanzierung sieht der Bundesrat eine befristete, zweckgebundene Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,8 Prozentpunkte ab 2028 für zehn Jahre vor. Diese zusätzlichen Einnahmen fliessen in einen verschuldungsfähigen Rüstungsfonds. Gemeinsam mit dem Entlastungspaket 2027 wird dadurch die Basis für einen ausgeglichenen Bundeshaushalt geschaffen. An seiner Sitzung vom 28. Januar 2026 hat der Bundesrat das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS beauftragt, dazu bis Ende März eine Vernehmlassungsvorlage auszuarbeiten.
Priorisierung von Rüstungsbeschaffungen der Armee

Um die Schweiz vor Angriffen aus der Distanz und hybriden Konflikten zu schützen, hat die Armee ihre Rüstungsplanung innerhalb des ordentlichen Budgets erneut priorisiert. Dadurch können dringendere Lücken in der Abwehr von wahrscheinlichen Bedrohungen schneller geschlossen werden. Vorgezogen und bereits in die Armeebotschaften 2026 und 2027 aufgenommen werden beispielsweise neue Systeme zur bodengestützten Luftverteidigung kleiner Reichweite und zur Abwehr von Mini-Drohnen oder zusätzliche Systeme zur bodengestützten Luftverteidigung mittlerer Reichweite. Ebenfalls Priorität haben Investitionen in die Informatik, in den Cyberschutz oder in die elektromagnetische Aufklärung und Abwehr.

Mit dieser Priorisierung ist es im Rahmen der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel möglich, den Schutz vor den wahrscheinlichsten Bedrohungen bis in die 2030er Jahre zu verbessern. Dieser Schutz ist aber noch nicht umfassend.

Angespannter Rüstungsmarkt: Preissteigerungen und hohe Anzahlungen

Herausforderungen bestehen darin, dass die im aktuellen Budget und Finanzplan enthaltenen finanziellen Mittel nicht mehr den Realitäten des Rüstungsmarkts entsprechen. Unter anderem werden Rüstungsgüter laufend teurer, dies bis zu 40 Prozent (Teuerung, gesteigerte Nachfrage). Hinzu kommt, dass in der Regel eine Anzahlung von mindestens einem Drittel des Kaufpreises zu leisten ist. Ohne Anpassung der Finanzmittel an die neue Preisrealität würde sich der Fähigkeitsaufbau reduzieren. Dies wirkt sich negativ auf den Schutz von Bevölkerung und Land vor Bedrohungen aus. Konkret könnten beispielsweise weniger kritische Infrastrukturen sowie Ballungszentren geschützt werden.
https://www.vbs.admin.ch/de/newnsb/trNR ... 32dBYGgJPI






Re: Schweiz: Programm "Air2030"

Verfasst: Sa 7. Feb 2026, 23:44
von theoderich
theoderich hat geschrieben: Fr 11. Apr 2025, 10:23Bodengestützte Luftverteidigung mittlerer Reichweite: armasuisse erprobte neuen Radar zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit

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Vom 31. März bis 11. April 2025 erprobte das Bundesamt für Rüstung armasuisse in Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee den Sensor (Radar) TRML-4D für das neue System zur bodengestützten Luftverteidigung mittlerer Reichweite.
Das Bundesamt für Rüstung armasuisse beabsichtigt, für Bodluv MR vier oder fünf Systeme IRIS-T SLM des deutschen Herstellers Diehl Defence GmbH & Co. KG zu beschaffen. Die Verhandlungen mit dem Hersteller sind in einer fortgeschrittenen Phase. Die Vertragsunterzeichnung findet voraussichtlich im zweiten Quartal 2025 statt. Die Beschaffung soll im Rahmen einer Programmvereinbarung der European Sky Shield Initiative stattfinden.
https://www.ar.admin.ch/de/nsb?id=105630



https://de.linkedin.com/posts/armasuiss ... 19680-uFUh
theoderich hat geschrieben: Mi 23. Jul 2025, 06:57

https://www.linkedin.com/posts/hensoldt ... 62976-Zia2

Re: Schweiz: Programm "Air2030"

Verfasst: So 8. Feb 2026, 11:36
von theoderich
Verspätete Patriot-Raketen: Auch Bürgerliche rufen nach Alternativen
Nicht jeden Tag gibt ein Bundesrat offen Einblick in seinen Gemütszustand. «Sie haben heute einen glücklichen Verteidigungsminister vor sich», sagte Bundesrat Martin Pfister diese Woche vor versammelter Presse in Bern. Grund für die gute Laune: Die Landesregierung hatte kurz zuvor seinem Vorschlag zur Erhöhung der Mehrwertsteuer zugunsten der Armee zugestimmt. Da darf ein Departementschef auch einmal gut gelaunt sein. Fragt sich bloss, wie lange die Stimmung anhält.

Denn selbst wenn das Verteidigungsdepartement (VBS) dereinst mehr Geld bekommt, ist fraglich, was sich mit diesen Mitteln in absehbarer Zeit überhaupt beschaffen lässt. Besonders deutlich zeigt sich diese Schwierigkeit bei der bodengestützten Fliegerabwehr. Um sich gegen Angriffe über grössere Distanzen, etwa durch Raketen oder Marschflugkörper, zu wappnen, bestellte der Bund in den USA fünf Patriot-Einheiten. Kostenpunkt für das moderne Raketensystem: knapp 2 Milliarden Franken. Ursprünglich sollten die fünf Einheiten bis 2028 geliefert werden. Doch daraus wird nichts. Es wird wesentlich länger dauern, bis die Abwehrraketen allesamt bei der Armee eintreffen. Und diese dürften wohl auch mehr kosten.

Das bringt Bundesrat Pfister und die Armeespitze zunehmend in die Bredouille. Schliesslich bezeichnet der Bundesrat Angriffe über grössere Distanzen als eine der wahrscheinlichsten Gefahren. Verteidigen kann sich die Schweiz dagegen momentan kaum. Oder wie es der ehemalige Berufsoffizier und FDP-Ständerat Josef Dittli formuliert: «Gegen Bedrohungen aus der Luft, seien es Drohnen oder Raketen, haben wir derzeit im Grunde nichts. Das ist die nackte Wahrheit.»

Verantwortlich dafür, dass diese Lücke noch länger klafft, ist aber nicht Bern, sondern Washington. Im vergangenen Juli gab die US-Regierung bekannt, erst einmal jene Länder zu bevorzugen, die ihre Patriots an die Ukraine abgeben. Seither wartet der Bund auf eine verbindliche Ansage der USA. Bislang vergebens.

Im Herbst setzte das VBS die Ratenzahlungen für die bestellten Patriots aus. 650 Millionen Franken sind bis dahin überwiesen worden. Genützt hat diese Form des Protests jedoch wenig. Die Gespräche liefen weiter, schreibt das zuständige Bundesamt für Rüstung Armasuisse auf Anfrage. Aber: Wegen «der Komplexität und länderübergreifenden Problematik», des zeitweiligen «Government-Shutdowns» und «anderer Interessenschwerpunkte der US-Regierung» seien der Schweiz noch keine weiteren Informationen oder Entscheidungen mitgeteilt worden. Sprich: Die amerikanische Regierung lässt Bern weiter zappeln.

Gemäss gut unterrichteten Quellen hofft der Bund darauf, dass die US-Vertreter bis Ende März wenigstens einen Fahrplan präsentieren, wann und zu welchen Kosten die Patriots geliefert würden. Zugleich macht man sich im VBS auch Gedanken für den Fall, dass sich das Prozedere weiter in die Länge zieht. Es sei nicht gänzlich ausgeschlossen, dass dann andere Hersteller in Betracht gezogen würden, heisst es aus gut informierten Kreisen. Offiziell gibt sich der Bund zugeknöpft. Man mache «derzeit keine Aussagen zu allfälligen weiteren Überlegungen oder zu Alternativen» zu den Patriot-Raketen, schreibt Armasuisse.

Es gibt andere Möglichkeiten

Andere werden deutlicher. Oberst Dominik Riner ist Präsident von Pro Militia, einer Vereinigung aktiver und ehemaliger Armeeangehöriger. Die Schweiz habe einfach keine Priorität mehr für die Amerikaner. «Diese Tatsache müssen wir akzeptieren. Denn leider ist davon auszugehen, dass sich die Situation in den nächsten Jahren nicht verbessert», mahnt Riner.

«Selbst wenn einmal ein Liefertermin feststehen sollte, wird es Jahre dauern, bis die Patriot-Batterien einsatzbereit sind», sagt der Offizier warnend. «Bis dahin ist die Schweiz vor Angriffen aus der Luft über grössere Distanz faktisch ungeschützt. Es ist höchste Zeit, Alternativen zu den Patriots ins Auge zu fassen.» Eine Möglichkeit wären laut Riner zum Beispiel die israelischen Abwehrraketen vom Typ Arrow. Eine andere Variante, die in Gesprächen mit Sicherheitspolitikern genannt wird, ist das von Italien und Frankreich entwickelte System SAMP/T, genannt «Mamba».

Selbst stramm bürgerliche Sicherheitspolitiker schliessen nicht länger aus, dass sich die Schweiz zur Not nach anderen Lösungen umschauen muss. «Wir brauchen ein bodengestütztes Luftabwehrsystem», betont der SVP-Nationalrat Mauro Tuena. «Wenn die Armee die Patriot-Systeme nicht spätestens 2029 einsetzen kann, müssen wir rechtzeitig über mögliche Alternativen nachdenken.» Denn diese gebe es, davon ist Tuena überzeugt.

«Pro Militia stellt die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt», findet auch Tuenas Parteikollege, der SVP-Ständerat Werner Salzmann. Wenn sich kommende Woche die Sicherheitspolitische Kommission der kleinen Kammer trifft, möchte Salzmann wissen, wie der zeitliche Ablauf der Beschaffung aller bodengestützten Luftverteidigungssysteme geplant und realisiert werden kann.

Die Linke sieht sich in ihrer Kritik an den Geschäften mit den USA bestätigt. Die SP-Ständerätin Franziska Roth sagt: «Wie die Amerikaner mit der Schweiz umgehen, müsste uns doch endlich eine Lehre sein. Die Patriot-Raketen sind aus politischer und militärischer Sicht die falsche Lösung.» SP und Grüne plädieren stattdessen für eine engere Kooperation mit den europäischen Nachbarn. Gerade beim Kauf von Rüstungsgütern. «Wir haben es zur Genüge erlebt: Die USA sind kein verlässlicher Partner», so der grüne Nationalrat Balthasar Glättli. Die Beschaffungen der Patriot-Raketen und des F-35-Kampfjets seien folglich abzubrechen.

Es drohen Mehrkosten

Ein Abbruch wäre für Stefan Holenstein so ziemlich «das Dümmste». Der Oberst im Generalstab und Präsident des Verbandes der militärischen Gesellschaften plädiert stattdessen für eine komplett gegenteilige Strategie. Er schlägt vor, noch mehr US-Waffen zu bestellen. «Die Schweiz muss nun Goodwill schaffen, damit die Amerikaner auch uns möglichst rasch beliefern.» Dies sei möglich, wenn der Bund zusätzliche Patriot-Batterien bestelle. Die Schweiz hätte durchaus Verwendung für zehn Einheiten. «Damit können wir den USA signalisieren, dass es uns ernst ist mit der Erhöhung der Armeeausgaben und der Stärkung der Landesverteidigung», sagt Holenstein.

Wer aber weiter auf amerikanische Rüstungsgüter setzt, muss auch bereit sein, mehr zu bezahlen. Der Schweizer Rüstungschef Urs Loher schätzte die Teuerung auf dem internationalen Rüstungsmarkt jüngst auf bis zu 40 Prozent.

«Wie bei vielen internationalen Rüstungsprojekten sind auch beim Patriot-System Preisentwicklungen zu beobachten, insbesondere auch aufgrund der markant gestiegenen Nachfrage», schreibt Armasuisse dazu. Ob und inwieweit auch die Schweiz davon betroffen sei, werde derzeit mit der US-Regierung diskutiert.

«Die Patriot-Systeme dürften teurer werden, das scheint mir klar», räumt auch Stefan Holenstein ein. «Und diese Summe dürfte nicht gering ausfallen.»

Verlangen die USA wie schon beim F-35 massiv mehr Geld für die bestellten Fliegerabwehrraketen, ist der öffentliche Aufschrei sicher. Das weiss auch Bundesrat Pfister. Glück ist meist ein flüchtiger Zustand. Gerade für einen Verteidigungsminister.
https://www.nzz.ch/schweiz/verspaetete- ... ld.1923400

Re: Schweiz: Programm "Air2030"

Verfasst: Mi 11. Feb 2026, 19:56
von theoderich
Frühzeitige Informationen vor Bedrohungen: Bundesrat will den Austausch von Luftlagedaten mit Partnern stärken
Der Bundesrat will den Schutz vor Bedrohungen aus der Luft weiter erhöhen. Er hat an seiner Sitzung vom 11.02.2026 beschlossen, Verhandlungen aufzunehmen, um internationale Abkommen zum Austausch von Luftlagedaten zu erweitern oder neu abzuschliessen.
Heute bestehen Abkommen zum Austausch von Daten für den Luftpolizeidienst mit Deutschland, Italien, Österreich, Frankreich sowie der NATO. Für die Abwehr von militärischen Bedrohungen wie etwa Distanzwaffen sind diese Daten jedoch kaum relevant.

Damit Sensor- und Luftlagedaten über zivile und militärische Flugobjekte in allen Lagen ausgetauscht werden können, hat der Bundesrat der Aufnahme von folgenden Verhandlungen zugestimmt:
  • Abschluss eines Sensor Visibility Arrangements mit der US Air Force in Europe;
  • Erweiterung des Abkommens zum Air Situation Data Exchange mit dem Bundesministerium der Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland und dem Supreme Headquarters Allied Forces Europe (SHAPE), um klassifizierte Sensor- und Luftlagedaten über zivile und militärische Flugobjekte austauschen zu können;
  • Abkommen zum Austausch von klassifizierten Sensor- und Luftlagedaten über zivile und militärische Flugobjekte mit Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich.
https://www.vbs.admin.ch/de/newnsb/B0da ... OjscUYfPiA