Re: Medienberichte 2026
Verfasst: Sa 16. Mai 2026, 18:32
Expertenkritik an Verzögerung bei Sicherheitsstrategie
16.5.2026, 12.10 Uhr
Ö1 Mittagsjournal
https://oe1.orf.at/player/20260516/832125/1778926243000
16.5.2026, 12.10 Uhr
Ö1 Mittagsjournal
https://orf.at/av/audio/145252Christine Thönicke-Frenkenberger: "[...] Wo bleibt Österreichs neue Sicherheitsstrategie? Wir berichten über Gründe für die Verzögerung. Verteidigungsexperten üben Kritik. [...]"
[...]
THÖNICKE-FRENKENBERGER: "Und in einem radikal veränderten globalen Bedrohungsumfeld wollte die Bundesregierung schon Ende des Vorjahres eine neue Sicherheitsstrategie vorlegen. Doch die Vorlage des Papiers verzögert sich. Grund dürfte eine Verschränkung mit der Wehrdienstreform sein. Hier spießt es sich bekanntermaßen zwischen ÖVP, SPÖ und NEOS.
Verteidigungsexperten üben Kritik. Die Verzögerung bei der Sicherheitsstrategie sei nicht nachvollziehbar. Niklas Lercher informiert."
Niklas Lercher: "Die zuständigen Ministerien sind mit der Überarbeitung der Sicherheitsstrategie eigentlich längst fertig. Im Büro von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger von den NEOS betont man, das Ministerium habe seinen Teil fertiggestellt und an das federführende Kanzleramt weitergeleitet. Auch der Teil des ÖVP-geführten Verteidigungsministeriums steht, dem Vernehmen nach, schon seit Anfang Jänner. Eine fertige Sicherheitsstrategie hat die Regierung bisher trotzdem noch nicht vorgelegt.
Thomas Starlinger, ehemaliger Verteidigungsminister und mittlerweile im Ruhestand, hat bis zuletzt als Berater im Außenministerium an der neuen Sicherheitsstrategie mitgearbeitet. Für die Verzögerung hat er wenig Verständnis."
Thomas Starlinger: "Ich kann die Verzögerung überhaupt nicht nachvollziehen, weil das Papier war ja fertig! Mit dem Input der Ministerien, sogar mit wissenschaftlicher Expertise und auch den Bürgerforen."
LERCHER: "Die Verzögerung soll vor allem an einer Verschränkung mit der Reform des Wehrdienstes liegen, ist zu hören. Eine Einigung dort steht aus - Ergebnis: offen.
Im ÖVP-geführten Kanzleramt bestreitet man auf Anfrage, dass die beiden Themen miteinander politisch verknüpft sind. Allerdings heißt es in einer Stellungnahme weiter: ,Auch Fragen der Landesverteidigung sowie der Weiterentwicklung der zukünftigen Ausgestaltung des Wehrdienstes und des Wehrersatzdienstes werden in die strategischen Überlegungen zur Sicherheitsstrategie einbezogen.' Für Starlinger ist das nicht nachvollziehbar."
STARLINGER: "Das empfinde ich als absoluten Nonsens. Und grundsätzlich brauche ich eine Strategie, um dann das entsprechende Wehrsystem für einen Start abzuleiten."
LERCHER: "Und auch Walter Feichtinger, der stellvertretende Leiter der Wehrdienstkommission hält fest:"
Walter Feichtinger: "Ich sehe hier keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den beiden Themen, weil die Sicherheitsstrategie ist das übergeordnete Dokument."
LERCHER: "Im Büro von Kanzler Christian Stocker führt man noch ein weiteres Argument ins Feld: Aufgrund der dynamischen geopolitischen Lage - Stichwort: Iran-Krieg - werde die Sicherheitsstrategie derzeit von Expertinnen und Experten überprüft, heißt es.
Der ehemalige hohe Militär Starlinger kann dem wenig abgewinnen. Eine Sicherheitsstrategie sei ein Grundsatzdokument, das in jedem Fall die nächsten fünf bis zehn Jahre seine Gültigkeit habe."
STARLINGER: "Wenn man dann bei jeder geopolitischen Krise die Strategie wieder ändert oder es als Anlass nimmt, ein bestehendes Dokument weiter zu verzögern, dann werden wir die nächsten zehn Jahre keine Sicherheitsstrategie in Österreich haben."
LERCHER: "So lange soll es dann doch nicht dauern. Im Kanzleramt hält man fest: Angepeilt werde eine Fertigstellung gegen Beginn des Sommers."
https://oe1.orf.at/player/20260516/832125/1778926243000
- Wofür Österreich 12 Punkte verdient (Leitartikel)
https://kurier.at/meinung/leitartikel/o ... /403160557Realitätsverweigerung. Bei der Verteidigungspolitik gibt es immerhin ein vorsichtiges Umdenken (wir können uns nicht darauf verlassen, dass im Krisenfall irgendwer hilft, nur weil wir eh so lieb sind). Beim zu frühen Pensionsantritt blockiert die SPÖ faktenleugnend seit Jahrzehnten eine Reform, auch die ÖVP war da nur unter Wolfgang Schüssel mutig. Und: Dass nicht einmal ein Großereignis wie der ESC dazu führt, mitten in der Wiener Tourismuszone die Geschäfte wenigstens temporär am Sonntag zu öffnen, ist einfach unwürdig. Null Punkte dafür.