Re: Medienberichte 2026
Verfasst: Mo 20. Apr 2026, 22:08
Obwohl Bau vorangeht
Warum die Römer Vorrang vor Militärfliegern haben
Schiebel-Chef Hannes Hecher: „Es gibt immensen Bedarf an Minenräumung im Meer
Warum die Römer Vorrang vor Militärfliegern haben
Nachdem die Hercules-Transportmaschine des Bundesheeres zu Beginn des Iran-Krieges aus technischen Gründen am Boden bleiben musste und Evakuierungsflüge nach Dubai ausfielen, hat die „Charlie Bravo“ jetzt drei Funktionstestflüge überstanden. Sie wurde, wie das Bundesheer bestätigt, in den „regulären Flugbetrieb“ aufgenommen. Die 58 Jahre alte Maschine ist derzeit das einzige Transportflugzeug des Heeres, das Schwesterflugzeug ist in Portugal zur großen Wartung und wird nicht vor November zurückerwartet. Die dritte Hercules wurde schon Ende November des Vorjahres dem Jagdkommando in Wiener Neustadt zum Üben „geschenkt“.
Weil die altersschwache Hercules noch zumindest bis 2028 fliegen muss, sind weitere Pannen vorprogrammiert – im Jahr 2023, als die Evakuierung aus Israel platzte, nachdem Verteidigungsministerin Klaudia Thanner (VP) noch vor der Maschine deren Einsatz verkündet hatte, mussten 71 Hercules-Flüge gestrichen werden. Als Übergangslösung gibt’s mit Portugal eine Vereinbarung, dass Transporter vom Typ Embraer bei Bedarf angemietet werden. Sie war während der Reparatur der Hercules schon über Linz zu sehen.
Die nötigen Hanger müssen erst gebaut werden. Derzeit sind am Gelände die Archäologen am Werk, fotografieren und kartieren römische Hinterlassenschaften, die dann unter den Hangern zugeschüttet werden.
https://www.krone.at/4112288Ob der Enns
Vorausdenken wieder gescheitert
Es ist zum Fremdschämen, wenn man sich die Fiaskos rund um die Hercules anschaut. Und da geht’s nicht nur um medienwirksame Evakuierungsflüge, die aus Altersschwäche gestrichen werden mussten und Österreicher nicht heimgeholt werden konnten. Im Hintergrund läuft mehr ab!
Wieder einmal ist das Vorausdenken gescheitert. Denn man wusste, dass die Hercules nicht ewig am Himmel bleiben wird. Aber mit dem Bestellen des Nachfolgers ließ man sich Zeit, bis nichts mehr geht.
Erinnert an den „unvorhersehbaren“ Lehrermangel. Vielleicht sollten Politiker weiter blicken, als die eigene Amtszeit reicht.
Schiebel-Chef Hannes Hecher: „Es gibt immensen Bedarf an Minenräumung im Meer
Sie haben bisher immer betont, Ihre sogenannten Camcopter seien unbewaffnet, schon weil die millionenteuren Geräte zu wertvoll seien, um als Waffen genutzt zu werden. Warum hat man umgedacht?
Hannes Hecher: Was wir derzeit in der Kriegsführung sehen, etwa in der Ukraine, sind Drohnen, die im Nahbereich fliegen, mit Sprengstoff ausgerüstet sind, sich dann auf ihre Zielobjekte stürzen und explodieren. Das machen wir nicht. Dafür hat unsere Lösung zu viele Möglichkeiten und ist zu teuer. Da hat sich nichts geändert. Was sich geändert hat, sind die geopolitischen Unsicherheiten, die ein Umdenken erfordern. Daher gehen wir einen Schritt weiter und bieten eine bewaffnete Lösung an. Was sich aber auch geändert hat, ist unser System, das hat das bisher nicht möglich gemacht. Wir hatten die Datenströme gebündelt. Unsere Flugsteuerung erfolgt vom Boden aus, die muss präzise sein, da darf nichts stören. Jetzt können wir mit einem neuen System die Flugsteuerung von der operativen Steuerung, also etwa dem Abschuss von Raketen, trennen. Da stört sich nichts mehr gegenseitig.
Schiebel-Camcopter können also künftig Raketen abfeuern?
Es ist nicht so, dass wir selbstständig Raketen integrieren, das machen wir mit Geschäftspartnern. Wir stellen die Schnittstellen zur Verfügung, die bauen das auf. Bisher haben Kunden die Möglichkeit, mit der auf unseren unbemannten Helikoptern integrierten Sensorik zu detektieren, also etwa in Not geratene Schwimmer im Meer aufzuspüren oder Wasserminen zu finden – bis zu 25 Metern Tiefe, also nicht nur die, die oben schwimmen und zu sehen sind. Künftig hat man die Möglichkeit, zu ermitteln, was wo ist, und dann gegebenenfalls Abwehrmaßnahmen zu treffen.
Die Drohne ist also nicht selbst die Waffe, sie schießt etwas ab?
Korrekt.
Wo wird man produzieren und ab wann?
Schon bald, vielleicht nächstes Jahr. Wo, das hängt von den rechtlichen Rahmenbedingungen ab. Ob die Produktion in Österreich erfolgen kann, ist noch offen. Frankreich bemüht sich sehr um die Produktion, auch außerhalb von Europa wäre eine Produktion möglich.
Sehen Sie Chancen für Österreich oder ist die Neutralität ein Hemmnis?
Mit der Neutralität hat das nicht direkt zu tun. Beim Exportregime ist Österreich in den EU-Rahmen eingebunden. Es gibt eine klare EU-Vorgabe, die in Österreich interpretiert wird: was darf exportiert werden und wohin. Die Neutralität kommt erst ins Spiel, wenn das Land, in das man liefert, in einem Kriegskonflikt ist. Und da macht, wie wir jetzt in der Ukraine sehen, das Neutralitätsgesetz keinen Unterschied zwischen Angreifer und Angegriffenem. Da stellt sich meiner Meinung nach schon die Frage, ob das noch richtig ist. Was etwa, wenn die baltischen Staaten angegriffen werden: Liefern wir dann nichts zur Verteidigung? Faktum ist: Momentan ist die Rechtslage so und wir als Firma halten das ein.
Sie haben sich für eine Änderung bei den Exportbeschränkungen von Dual-Use-Gütern ausgesprochen, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Tut sich hier etwas?
Es gibt Militärgüter, also vereinfacht gesagt alles, was bewaffnet ist und schießt. Doch auch bei Dual-Use-Gütern, also etwa unbewaffneten Drohnen, gibt es Exportbeschränkungen. Hier ist es, glaube ich, notwendig, dass wir die Rahmenbedingungen in Österreich so anpassen, dass eine Industrie im Bereich Sicherheit und Verteidigung exportfähig sein kann. Wir etwa hatten bisher in Österreich keinen Markt und produzierten nur für den Export. Jetzt beschafft das Bundesheer wieder, das wird aber nicht reichen, um die Firmen, die es hier in Österreich gibt, auszulasten.
Der momentane Boom in der Rüstungsindustrie kann also von heimischen Unternehmen nicht genutzt werden?
Auf europäischer Ebene schon, weil es hier ein vereinfachtes Verfahren bei Dual-Use-Gütern und Militärgütern gibt. Außerhalb der Europäischen Union ist es dann schon sehr viel schwieriger.
https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreic ... art-646539Schiebel hat Tochterunternehmen in Indien, Abu Dhabi, Australien, den USA und Frankreich. Warum?
Nein, keine Tochterunternehmen, selbstständige Unternehmen. Zum einen ist es so, dass die Möglichkeiten zu exportieren, aber auch für Testflüge in Österreich schwierig sind. Zum anderen gibt es, wie etwa in Indien, auch Vorgaben, dass man bei öffentlichen Aufträgen eine Wertschöpfung von 60 Prozent in Indien selbst erbringen muss. Hier verstehe ich die österreichische Position nicht wirklich. Nehmen Sie die Ukraine, auch hier gibt es immensen Bedarf an Minenräumung, im Schwarzen Meer, Odessa oder der Donaumündung. Wir als Österreich zahlen bei den Ukraine-Hilfen mit, es scheint aber nicht möglich, dass wir wie andere Länder fordern, dass ein Teil der Hilfen für ohnehin benötigte Güter nach Österreich fließen soll. Die Geisteshaltung, dass die Politik die Wirtschaft unterstützen soll, ist in Österreich nicht sehr ausgeprägt.