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Re: Entwicklungen Luftraumüberwachung

Verfasst: Fr 10. Apr 2026, 18:49
von opticartini
https://militaeraktuell.at/justin-bronk ... undesheer/

Justin Bronk über Österreichs Eurofighter-Nachfolge:
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"Für ein defensiv ausgerichtetes Land wie Österreich sollten aus meiner Sicht hohe Verfügbarkeit und Einsatzraten im Mittelpunkt stehen. Selbst wenn man diese Intensität im Ernstfall nicht sehr lange durchhalten könnte, braucht Österreich im Krisenfall die Fähigkeit zu einem fortlaufenden, „rollenden” Flugbetrieb. Aus einer kleinen Flotte muss man maximale Einsatzklarheit herausholen. Dafür halte ich Gripen E und F-16 Block 70 für besonders geeignet. F-35 und zweistrahlige Muster bieten zwar größere Fähigkeiten, sind aber komplexer und im Betrieb erheblich teurer. Zudem ist Machtprojektion über größere Entfernung für Öster­reich wohl kaum relevant. Wenn jedoch die Unterdrückung feindlicher Luftverteidigung eine Kernanforderung wäre, wäre der F-35 großartig – ebenso können Eurofighter Tranche 5 oder Rafale F5 über weite Strecken Wirkung erzeugen. Die Frage ist nur: Würde Österreich das jemals tun – und, wenn ja, in welchem Gebiet?"
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Österreich benötigt eher keine Expeditionsfähigkeit. In feindlichen Luftraum eindringen oder über weite Distanzen schweren Bomben schleppen, zählt nicht zu den Aufgaben des Bundesheers. Zur Überwachung des Luftraums sind natürlich Überschall-Flugzeuge nötig. Zur Verteidigung des Luftraums spielen hingegen Kampfflugzeuge eine untergeordnete Rolle, die knappen Ressourcen müssen hierzu auf andere Systeme und auf Masse konzentriert werden.

Insofern wird die Beschaffung von Kampfflugzeugen mit Hirn ablaufen müssen. Wenn ich da schon wieder irgendwas von wegen Steigrate und Geschwindigkeit vernehme, dann muss ich attestieren, dass das völlig daneben und aus dem letzten Jahrhundert ist. Solange eine gewisses Mindestanforderung erreicht wird (die von allen Kandidaten erfüllt wird), darf es für die kinetische Leistung eines Flugzeugs keine Zusatzpunkte geben.

Re: Entwicklungen Luftraumüberwachung

Verfasst: Fr 10. Apr 2026, 19:29
von Woyzeck
Genauso ist es - das Bundesheer schläft in der Pendeluhr und will sich halt die Träume der letzten 50 Jahre endlich erfüllen - so wie damals mit der absurden EF-Entscheidung. Zweistrahlige Jets für die reine LRÜ, dafür weit unterhalb der Fähigkeit bewaffnet und mit so hohen Betriebskosten, dass man dann leider kaum damit fliegen konnte. Jetzt will man 36 Maschinen, weil man "Luftraumverteidigung" machen will, kann sich dann aber das notwendige Drumherum wie Shelter, Ausweichbasen, viel mehr FlA und Sensorik nicht leisten. Und gegen Drohnenschwärme, die der wahrscheinlichste Gegner gegen mikitärische wie zivile Ziele sind, wird das genauso wenig nützen wie die vielen Kampfflugzeuge der Amerikaner im aktuellen Krieg gegen den Iran, wo man es nicht einmal schafft, Hochwertziele wie die eigenen Baden gegen Billigdrohnen zu schützen. Dazu die unverständliche Entscheidung, eine komplett einsatzunerfahrene Miniluftwaffe die Jetpilotenausbildung selbst machen zu lassen und dafür gleich mal über eine Milliarde zu investieren. Wie viele Piloten kann man um das Geld im Ausland ausbilden lassen ?
Jetzt gabs mal eine peinliche Rüge vom Rechnungshof zur HS-Beschaffung. "Dringender Bedarf", aber leider mangels Piloten nicht nutzbar - und das trotz mehrjähriger Lieferverzögerung.

Re: Entwicklungen Luftraumüberwachung

Verfasst: Fr 10. Apr 2026, 22:11
von theoderich
opticartini hat geschrieben: Fr 10. Apr 2026, 18:49Österreich benötigt eher keine Expeditionsfähigkeit. In feindlichen Luftraum eindringen oder über weite Distanzen schweren Bomben schleppen, zählt nicht zu den Aufgaben des Bundesheers.
Die Einführung von Abstandswaffen für Kampfflugzeuge wird sogar in der Schweiz (!) überlegt.
opticartini hat geschrieben: Fr 10. Apr 2026, 18:49Zur Verteidigung des Luftraums spielen hingegen Kampfflugzeuge eine untergeordnete Rolle, die knappen Ressourcen müssen hierzu auf andere Systeme und auf Masse konzentriert werden.
Deshalb hat die Ukraine jahrelang auf die Lieferung von Kampfflugzeugen gedrängt. Weil sie nur "eine untergeordnete Rolle" spielen ...
Woyzeck hat geschrieben: Fr 10. Apr 2026, 19:29Jetzt will man 36 Maschinen, weil man "Luftraumverteidigung" machen will, kann sich dann aber das notwendige Drumherum wie Shelter, Ausweichbasen, viel mehr FlA und Sensorik nicht leisten.
Ich finde es immer wieder belustigend, wenn die Planer im BMLV als Vollidioten hingestellt werden, weil sie ein an sich schlüssiges Konzept vorlegen, das eine Verbesserung zum Status quo darstellt. Mit dem Vorwurf, die bloße Überlegung sei lächerlich, weil man sie sich sowieso "nicht leisten" kann.

Woyzeck hat geschrieben: Fr 10. Apr 2026, 19:29Dazu die unverständliche Entscheidung, eine komplett einsatzunerfahrene Miniluftwaffe die Jetpilotenausbildung selbst machen zu lassen
Da gäbe es noch andere "einsatzunerfahrene Miniluftwaffen", die die Ausbildung ihrer Jetpiloten eigenständig durchführen, wie die Schweiz oder Belgien. Sogar Slowenien betreibt mit der Letalske šole (LETŠ) eine eigene Ausbildungsstätte für Militärpiloten. Und Österreich gehört nun einmal nicht zur NATO.




Re: Entwicklungen Luftraumüberwachung

Verfasst: Sa 11. Apr 2026, 00:46
von Woyzeck
theoderich hat geschrieben: Fr 10. Apr 2026, 22:11 Deshalb hat die Ukraine jahrelang auf die Lieferung von Kampfflugzeugen gedrängt. Weil sie nur "eine untergeordnete Rolle" spielen ...
Das war vor zwei Jahren und ist mit der Situation in Österreich nicht vergleichbar. Wir würden nie in einen jahrelangen Abnützungskrieg hinein schlittern, sondern in einen Konflikt, der wenige Tage dauern würde, vergleichbar mit der ersten Woche des Ukrainekriegs, als die ukrainische Luftwaffe zum Großteil am Boden zerstört wurde. Und das war vor der Drohnenrevolution. Tatsächlich hatte die Lieferung der F-16 und Mirage 2000 keinen wesentlichen Einfluss auf den Kriegsverlauf, sehr wohl aber die bedeutenden Entwicklungen im Drohnenbereich. Und dies nicht nur auf dem Gefechtsfeld, sondern auch in der Luftverteidigung und im strategischen Luftkrieg.
theoderich hat geschrieben: Fr 10. Apr 2026, 22:11 Ich finde es immer wieder belustigend, wenn die Planer im BMLV als Vollidioten hingestellt werden, weil sie ein an sich schlüssiges Konzept vorlegen, das eine Verbesserung zum Status quo darstellt. Mit dem Vorwurf, die bloße Überlegung sei lächerlich, weil man sie sich sowieso "nicht leisten" kann.
Das Bundesheer hat damals auch EF für die LRÜ beschafft und dafür auch sicher ein schlüssiges Konzept. War halt leider ein ziemlicher Schuss in den Ofen - in so gut wie jeder Hinsicht. Und jetzt will man wieder so tun, als wäre man in der ersten Liga dabei, statt eine am Budgetrahmen angemessene Lösung zu finden.
theoderich hat geschrieben: Fr 10. Apr 2026, 22:11 Da gäbe es noch andere "einsatzunerfahrene Miniluftwaffen", die die Ausbildung ihrer Jetpiloten eigenständig durchführen, wie die Schweiz oder Belgien. Sogar Slowenien betreibt mit der Letalske šole (LETŠ) eine eigene Ausbildungsstätte für Militärpiloten. Und Österreich gehört nun einmal nicht zur NATO.
Mit der Schweiz können wir uns vor allem im Luftbereicht nicht vergleichen und Belgien ist NATO-Mitglied und wird mit seinen paar PC-7, die übrigens nur einen Bruchteil unserer vergoldeten Leonardos kosten, sicher keine höheren Ausbildungsstufen in der Jetpilotenausbildung ausführen. Die schicken ihre Leute genauso in die USA wie alle anderen. Und was dort gelehrt wird, davon sind wir meilenweit entfernt.

Re: Entwicklungen Luftraumüberwachung

Verfasst: Sa 11. Apr 2026, 01:06
von theoderich
Woyzeck hat geschrieben: Sa 11. Apr 2026, 00:46Und jetzt will man wieder so tun, als wäre man in der ersten Liga dabei, statt eine am Budgetrahmen angemessene Lösung zu finden.
Welchen Budgetrahmen denn? Den kennt niemand.

Re: Entwicklungen Luftraumüberwachung

Verfasst: Sa 11. Apr 2026, 10:07
von Timor
Was genau an dem Konzept schlüssig sein soll, wissen wohl nicht mal die Planer. Die Black Hawks wurden eh schon offiziell zerpflückt.
Die Aw169 kommen mit jahrelanger Verspätung, vorerst nur 4 Bewaffnungspaketen und einer Bewaffnung, wo der Pilot beten muss, dass der Feind keine Manpads hat oder schweren Maschinengewehre hat.
Die M346 sind ein total Reinfall: für die reine Pilotenausbildung viel zu teuer, für die echte Luftverteidigung ungeeignet und für Luft-Boden ebenso wie Aw169 ein Selbstmordkommando.
Die C390 kommt ohne Luftbetankung, obwohl bei der M346 genau diese Fähigkeit gefordert wurde.( Wozu eigentlich??)
Und bei der wirklichen Luftverteidigung, den Kampfjets, geht unserem Staat jetzt das Geld aus, konnten ja unsere Planer auf keinen Fall wissen bzw.ahnen.
Gehärtete Shelter waren ohnehin nie angedacht, ebenso wie bewaffnete Drohnen wohl bestenfalls in einer überschaubaren Anzahl kommen werden.
Mhm, sehr schlüssig das Konzept.
Bestenfalls kann man „ Logistiklastig“ unterstellen, angesichts der bestellten Transportfähigkeiten. Für LandesVERTEIDIGUNG in einer heißen Phase haben all diese Bestellungen aber nicht wirklich einen Mehrwert…

Re: Entwicklungen Luftraumüberwachung

Verfasst: Sa 11. Apr 2026, 10:57
von theoderich
Timor hat geschrieben: Sa 11. Apr 2026, 10:07 Was genau an dem Konzept schlüssig sein soll, wissen wohl nicht mal die Planer.
Sie haben die kürzlich veröffentlichte Broschüre mit der Begründung der Stückzahl wahrscheinlich nie gelesen.

https://inside.bundesheer.at/newsfeed?p ... id=5166675

Re: Entwicklungen Luftraumüberwachung

Verfasst: Sa 11. Apr 2026, 12:42
von Phoenix
Und die Betankungspods für die C390 kann man jederzeit auch bei unseren montieren

Re: Entwicklungen Luftraumüberwachung

Verfasst: Sa 11. Apr 2026, 16:47
von Doppeladler
Woyzeck hat geschrieben: Sa 11. Apr 2026, 00:46 Das war vor zwei Jahren und ist mit der Situation in Österreich nicht vergleichbar. Wir würden nie in einen jahrelangen Abnützungskrieg hinein schlittern
Wie sicher ist das? Es kann ein Nachbar angegriffen werden, dem wir solidarisch Hilfe leisten (oder hineingezogen werden) oder es kann ein Angriff auf Österreich sein, bei dessen Abwehr uns unsere Nachbarn unterstützen. In beiden Fällen kann das lange dauern. Neutralität endet übrigens schlagartig beim ersten Schuss.
Tatsächlich hatte die Lieferung der F-16 und Mirage 2000 keinen wesentlichen Einfluss auf den Kriegsverlauf
Wie belegt man das? Es gibt nicht den gleichen Konflikt an anderer Stelle, bei dem die ukrainische Luftwaffe völlig zusammengebrochen ist, um zu vergleichen, wie die Situation dann aussieht. Geht eine Kapazität verloren, dann reagiert der Gegner und versucht die Lücke auszunutzen. Es ist sicherlich bekannt, dass die Ukraine versucht, wieder eine viel größere Luftstreitmacht zu errichten.
Das Bundesheer hat damals auch EF für die LRÜ beschafft und dafür auch sicher ein schlüssiges Konzept. War halt leider ein ziemlicher Schuss in den Ofen - in so gut wie jeder Hinsicht. Und jetzt will man wieder so tun, als wäre man in der ersten Liga dabei, statt eine am Budgetrahmen angemessene Lösung zu finden.
Auch da bin ich nicht dabei. Die Beschaffer beim Bundesheer haben einen zum Einsatzkonzept und den technischen Anforderungen passenden Bestbieter ermittelt, jedoch ausdrücklich vor den Betriebskosten gewarnt. Die Politik hat zugesichert, diesen Mehraufwand dem Budget zuzuschießen. Dann hat die Politik die Stückzahl reduziert (das Einsatzkonzept damit über Bord geworfen), ist auf die Sackgasse Tranche 1 umgestiegen und hat laufend das Budget gekürzt.
Timor hat geschrieben: Sa 11. Apr 2026, 10:07Was genau an dem Konzept schlüssig sein soll, wissen wohl nicht mal die Planer.
Das Konzept ist schon in sich schlüssig (theoderich hat den Link geteilt). Was brüchig ist, ist die Brücke vom Schutzlevel, den die Politik erreichen möchte, zum dazu passenden Einsatzkonzept des Bundesheeres hin. Für den Schutzlevel gibt es keinen parteiübergreifenden Konsens. Da wird von Politikern lieber über Stückzahl und Kosten dilettiert. Das Bundesheer muss die politischen Vorgaben interpretieren und auf Einsatzkonzepte übertragen. Stückzahlen und Kosten sind ein Ergebnis und nicht der Anfang.
Die Aw169 kommen mit jahrelanger Verspätung, vorerst nur 4 Bewaffnungspaketen und einer Bewaffnung, wo der Pilot beten muss, dass der Feind keine Manpads hat oder schweren Maschinengewehre hat.
Wo willst Du hin? Mehr AW-169MA oder weniger? Die Anzahl der Bewaffnungspakete soll nach vollständiger Zertifizierung aufgestockt werden. Natürlich werden auch Selbstschutzsysteme beschafft.
Die M346 sind ein total Reinfall: für die reine Pilotenausbildung viel zu teuer, für die echte Luftverteidigung ungeeignet und für Luft-Boden ebenso wie Aw169 ein Selbstmordkommando.
Im Rahmen eines integrierten Luftverteidigungssystems können M346 eine sinnvolle Rolle übernehmen - auch wenn dieses System in Friedenszeiten für eine Luftraumsicherungsoperation läuft. Diese benötigt darüber aber einen Überschall-Jet. Luft-Boden ist weder beim M346 noch beim AW-169 automatisch ein Selbstmordkommando. Es hängt von der Einsatzzweck, Einsatztaktik, Gegner, eigene Bewaffnung usw. ab.
Die C390 kommt ohne Luftbetankung, obwohl bei der M346 genau diese Fähigkeit gefordert wurde.( Wozu eigentlich??)
Die C-390 kann dazu nachgerüstet werden. Das Thema wird länger nicht schlagend. Luftbetankungsfähigkeiten steigern nicht nur Reichweiten, sondern auch Einsatzdauern. Z.B. Längere CAPs.
Gehärtete Shelter waren ohnehin nie angedacht.
Man soll auf Flugzeuge verzichten, weil es keine Shelter gibt? Dann wird man aber auch auf Shelter verzichten, weil es keine Flugzeuge gibt. Solche Spiralen zeigen immer nach unten.
ebenso wie bewaffnete Drohnen wohl bestenfalls in einer überschaubaren Anzahl kommen werden.
Bewaffnete Drohnen, FPV Drohnen, Loiterings usw. haben kürzere Beschaffungszyklen als Kampfflugzeuge und erfordern geringere Budgets. Sind völlig unabhängige Themen. FPV-Drohnen veralten innerhalb von Wochen. Da braucht man genug, um das Handwerk zu üben und ein kreatives Beschaffungssystem.

Re: Entwicklungen Luftraumüberwachung

Verfasst: Sa 11. Apr 2026, 17:27
von Doppeladler
Harald Vodosek, Rüstungschef des Bundesheeres, im Interview:

https://on.orf.at/video/14318173/160678 ... ueberblick
  • Bestehende Eurofighter lassen sich vertraglich bis etwa 2037/39 betreiben. Ab 2035 aber stark steigende Betriebskosten bei Tranche 1. Vodosek geht davon aus, dass der Eurofighter Tranche 1 abgelöst wird.
  • Budgetverhandlungen laufen bereits. Bereits jetzt sollte die Finanzierung berücksichtigt in der Folgejahreplanung werden [Anm: Doppelbudget für 2 Jahre!].
  • Beim Start des Ausschreibungsverfahrens Ende 2027/ Anfang 2028 muss die Finanzierung entsprechend hinterlegt sein [Anm: soll heißen, dass die künftigen Auszahlungen in den Mehrjahresvorschauen berücksichtigt sind].
  • Der Kaufvertrag für den EF-Nachfolger soll Ende 2028/2029 abgeschlossen werden. Dann kann ab 2033/2034 die Einführung des neuen Fliegers starten.
  • 36 Jets sind für Luftraumüberwachung, -sicherung und -verteidigung erforderlich. Das ist das fachliche Erfordernis aus Sicht der Experten beim Bundesheer.
  • Als mögliche Typen wurden hervorgehoben: Eurofighter Typhoon, Dassault Rafale, Saab Gripen, Lockheed Martin F-35 und Boeing F-15