Gerald Schober: "Das Österreichische Bundesheer rüstet auf! Letzter Neuzugang, wenn man das so sagen kann, ist eine moderne Drohnenabwehr. Heute ist sie in der Schwarzberg-Kaserne in Wals-Siezenheim in Salzburg vorgestellt worden. Und dazu ist jetzt bei mir der Verantwortliche, der am Aufbau entscheidend mitgewirkt hat, Brigadier Wolfgang Prieler. Grüß Gott, Herr Brigadier!"
Wolfgang Prieler (Brigadier, Österreichisches Bundesheer): "Grüß Gott! Dankeschön für die Einladung."
SCHOBER: "Sie haben das heute sehr imposant präsentiert in der Schwarzenbergkaserne, aber es war dann doch sehr ,träge'. Wie funktioniert denn das System an und für sich?"
PRIELER: "Ja, die Drohnenabwehr müssen Sie sich so vorstellen, dass wir ein zugeordnetes Schutzobjekt bekommen, zum Beispiel in Kleßheim das Stadion, und wir dann einen ... einen Zylinder drübersetzen. Das können wir bis zu 3 x 3 Kilometer. Und das kann dann so überwacht werden, dass hier nichts mehr drinnen fliegt."
SCHOBER: "O.K., das ist jetzt keine akute Warnung, sondern wenn irgendeine Bedrohung ist, dass Sie gerufen werden un dann die Drohne sozusagen vom Himmel holen. Sondern das ist, [Einspielung der Gefechtsvorführung in der Schwarzenbergkaserne während des Besuchs von BM Tanner und LH Edtstadler] wie wir hier ganz gut sehen, heute Vormittag in Wals: Da steigt eine Drohne, fliegt in ein Gefährdungsgebiet, wo Sie diesen Schutzschirm drübergelegt haben - ein Fußballspiel ... das kann ein Flughafen sein oder auch zum Beispiel ein Politikertreffen - und wenn dann jemand reinfliegt, dann wird es zur Landung gezwungen. Kann man das so sagen?"
PRIELER: "Ja, in diesem Fall ist das jetzt mit einem Jammer passiert, also das ... es wird elektronisch gestört und diese Störung bewirkt, dass der Bediener die Verbindung zur Drohne verliert und dann wird die Drohne ... entweder kehrt sie zurück zum ... zum Bediener bzw. landet oder stürzt ab."
SCHOBER: "O.K. Die stürzt ab, also die kann auch wirklich runterstürzen und dann vielleicht wieder wen gefährden? [PRIELER: "Na ja, das ..."] Oder wird's kontrolliert gelandet?"
PRIELER: "Das wird schon beobachtet. Das hängt von der Drohne ab. [SCHOBER: "O.K."] Die Drohne ... es gibt verschiedene Typen und das hängt von der Programmierung der Drohne ab und das macht sie dann."
SCHOBER: "Und wie erkennen Sie eine gefährliche Drohne?"
PRIELER: "Ja, also wenn wir einen, einen, einen, einen Luftraum sperren, dann ist alles, was da drinnen fliegt, uns bekannt. Also alles, was da drinnen ist, das gehört zu uns und ist als quasi als ,freundlich' bezeichnet. Alles was nicht hier drinnen ist, ist einmal verdächtig! Und wenn dieses verdächtige Flugobjekt zum Schutzobjekt fliegt, wo es nichts verloren hat, dann wird es zur Landung gezwungen."
SCHOBER: "Mittels Ausschlussprinzip einfach."
PRIELER: "Genau."
SCHOBER: "O.K. Jetzt war das heute eine sehr handelsübliche Drohne, die man gern im G'schäft kaufen kann. Auch wenn ich sie vielleicht nicht fliegen darf. Aber bis zu welcher Größe geht das?"
PRIELER: "Ja, Drohnen, die gibt's von ganz klein - also wie wir sie heute gesehen haben ... gibt es noch kleiner! - geht aber rauf bis zu einer Spannweite von 25 Metern. Das sind militärische [SCHOBER: "Aber das geht dann mit diesem Jammer nimmer."] Drohnen. Und das wird mit diesem Jammer nicht funktionieren. Dafür gibt's ja unterschiedliche Waffensysteme. Da könnt' ma zum Beispiel den Eurofighter einsetzen."
SCHOBER: "O.K. Wie wahrscheinlich ist ein Drohnenangriff auf Österreich?"
PRIELER: "Der ist sehr wahrscheinlich. Und der findet auch permanent statt. Wir ... ich darf nur erinnern an den Flughafen in München, der letztes Jahr im September, glaub' ich, zwei Mal gesperrt wurde."
SCHOBER: "Aber auch bei uns in Österreich?"
PRIELER: "In Österreich ist mir so etwas nicht unmittelbar bekannt. Aber es gibt auch schon Gegenmaßnahmen dazu, dass man einfach das nicht zulässt, dass hier Drohnen fliegen."
SCHOBER: "O.K. Wie viele dieser Einrichtungen wird es in Österreich geben?"
PRIELER: "Von diesem Drohnenabwehrsystem?"
SCHOBER: "Ja."
PRIELER: "Also wir werden in Salzburg drei Feuereinheiten, Drohnenabwehr, haben - also nur für die Drohnenabwehr. Und drei in ... in Zeltweg. Und dazu gibt es einen riesen Mix an zusätzlichen Abwehrmaßnahmen, wie boden ... bodengebundene Raketenabwehr mittlerer Reichweite, kürzerer Reichweite. Sodass wir von null bis 50 Kilometer das beherrschen. Und alles was darüber hinaus ist, ist jetzt im Aufbauplan noch nicht beinhaltet."
SCHOBER: "O.K. Jetzt haben wir diese Woche sehr gut mitbekommen, dass das Österreichische Bundesheer oder dass Österreich auch mehr Schulden machen darf und sozusagen das Österreichische Bundesheer mehr ausgeben darf. Soldaten sagen mir aber, dass das nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, dass das Bundesheer in den vergangenen Jahrzehnten zu Tode gespart wurde und das jetzt eigentlich nur mehr ganz schleppend vorangeht. Was sagen Sie dazu?"
PRIELER: "Na ja, könnte man meinen. Natürlich ist in der Vergangenheit das ... das Militär immer reduziert worden. Es wurde eingespart. Das war halt auch der ... der sicherheitspolitischen Situation in der Vergangenheit in Europa geschuldet. Das hat sich seit 2022 gänzlich verändert und wir haben hier ganz konkret einen Aufbauplan entwickelt, der vorsieht, bis 2032 wieder verteidigungsbereit zu sein, sodass das Militär Österreich auch verteidigen kann und der wird jetzt umgesetzt."
SCHOBER: "Material bekommen wir sehr viel. Aber auch wieder Soldaten sagen mir, dass wir die Manpower nicht haben, [PRIELER: "Ja."] die das Material bedienen können. Wie begegnen Sie dem?"
PRIELER: "Also überall dort - das ist meine Beobachtung - wo modernes Gerät zuläuft, kommt auch das entsprechende Personal. Wir haben jetzt den AW169 in Aigen in Betrieb genommen und es wird ausgebildet und vorbereitet und hier kommen auch die entsprechenden Techniker dann, die qualifizierten."
SCHOBER: "Sind wir gespannt. Dann wird das Bundesheer wieder ,cool'."
PRIELER: "Natürlich!"
SCHOBER: "Herr Brigadier, danke sehr. Schönes Wochenende!"
PRIELER: "Dankeschön!"