Milizler hat geschrieben: ↑Mi 5. Jan 2022, 09:47Wobei ich hier schon die Frage stellen würde was der große Mehrwert einer Neuinvestition gegenüber der Generalsanierung wäre. Etwas mehr Leistung bei etwas weniger Verbrauch?
Man hätte eher logistische Vorteile. Ein einfacheres System, höhere Traglasten, deutlich kürzere Errichtungszeiten und eine dramatische Personalreduktion (beim Bau der 85-Tonnen-Fähre in Melk im vergangenen August waren 32 Mann für Aufbau und Betrieb erforderlich). Und bei zwei der möglichen Lösungen spart man sich außerdem die Schubboote:
Hey, wir haben doch von den Schubbooten gesprochen, nicht vom Fährsystem oder? Wenn nicht habe ichs falsch verstanden - ich dachte es ginge um die Generalsanierung der M-Boote.
Re: Boote beim ÖBH
Verfasst: Mi 5. Jan 2022, 13:30
von theoderich
Ich habe noch nie gehört, dass die Schubboote für etwas anderes als zur Unterstützung des Fährsystems verwendet werden.
Re: Boote beim ÖBH
Verfasst: Mi 5. Jan 2022, 13:34
von Milizler
Ok, also deine Aussage ist eigentlich dass die zugrundeliegenden Fährsysteme nicht mehr Stand der Technik sind und die Generalsanierung der M-Boote aus diesem Kontext hinterfragenswert ist.
Re: Boote beim ÖBH
Verfasst: Mi 5. Jan 2022, 13:41
von theoderich
Genau. Das dazugehörige Aluminium-Kriegsbrückengerät ist beinahe 40 Jahre alt, die Planung für Beschaffung und Einführung erfolgte Ende der 1970er-Jahre:
1975
[...]
Am 1. und 2. September werden neue, in HOLLAND gebaute Pontons einer eingehenden Erprobung unterzogen. Da Form und Ausrüstung sehr entsprechen, werden diese Versuche zum Ausgangspunkt einer neuen Ausführungsart von in Österreich erzeugten Brückenpontons aus Leichtmetall.
Es ist beeindruckend, was die Pioniere in Melk nach wie vor aus diesem Material "herausholen", aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das eine langfristige Lösung ist.
Wir sind mit diesem Stand der Technik aber nicht unbedingt alleine. Ungarn, die Slowakei und Tschechien nutzen z.B. nach wie vor das sowjetische PMP-Brückensystem, das etwa Mitte der 1970er-Jahre eingeführt worden ist (Mit diesem Gerät kann man anscheinend - im Gegensatz zum österreichischen System - nur Lasten von maximal 80 t übersetzen. Dafür ist es aber einfacher konstruiert.):
Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung über die Beschaffung von Kriegsmaterial (Rüstungsprogramm 1961) (Vom 27. Januar 1961)
e. Übersetz-, Steg- und Brückenmaterial
(39,975 Millionen Franken)
Schlauchboote und Steg-Einheiten Modell 58 für die Geniebataillone und Genieparks sowie 900 m der 18/50 Tonnen Schlauchbootbrücke für die 13 Pontonierkompagnien und das Schulmaterial für gesamthaft 39,975 Millionen Franken.
SIEGENTHALER R.: Ausblick des Waffenchefs (Technische Mitteilungen für Sappeure, Pontonniere und Mineure), in: Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift, H 9 (1985), p. 30
Wir haben davon auszugehen, dass die Schwimmbrücke 61 bis ins Jahr 2000 ihre Lebensdauer erreicht haben wird. Das Projekt "Brücke der 90er Jahre" fiel dem Sparzwang zum Opfer, einerseits wegen zu hoher Kosten und Risiken, anderseits, weil man an der Fähigkeit zweifelt, unter heutiger und künftiger Bedrohung grosse Kriegsbrücken mit Ordonnanzmaterial überhaupt noch einbauen und schützen zu können. Der Umfang an Material und Fahrzeugen ist derart, dass ein unbemerkter Zusammenzug an einer Baustelle als kaum mehr realisierbar betrachtet wird.
Die Deutschen nützen teilweise sogar kommerzieller Jetfloat Schwimmelemente aus Plastik, wie sie in Freibädern verwendet werden, als Fähren...
Re: Boote beim ÖBH
Verfasst: Mi 5. Jan 2022, 16:43
von theoderich
So eine Konstruktion habe ich noch nie gesehen.
Das Alu-Brückengerät hätte in den letzten 25 Jahren schon zweimal ersetzt werden sollen:
Situationsbericht 1996 des Bundesministers für Landesverteidigung (III-73 d.B.)
Im Zusammenhang mit dieser Prioritätenfestlegung werden u.a. folgende Einzelprojekte verfolgt:
[...]
Die Hauptaufgabe der Pioniertruppe, das Fördern der Bewegung, ist erst erfüllbar, wenn neues Kriegsbrücken- und Fährengerät, sowie PatrouIlienboote zur Überwachung der Donau beschafft werden. Die erforderlichen Projekte laufen.
Vorerst wird das Bataillon mit dem Zulauf von bereits in Beschaffung befindlichen Arbeits- und Sturmbooten das Auslangen finden müssen. Längerfristig ist jedoch der Ersatz des Fährgerätes durch moderne Amphibienfahrzeuge absehbar, da ein Übersetzen von Gefechtsfahrzeugen mit mehr als 50 Tonnen Gewicht (z. B. Kampfpanzer "Leopard") mit dem derzeit im Bundesheer verfügbaren Fährgerät nicht möglich ist. Auch für den Katastropheneinsatz ist ein solcher Bedarf gegeben (Evakuierung, Dammsicherung, …).