Renaissance der Artillerie – Deutsches Heer soll weitere Rad- und Panzerhaubitzen sowie Raketenartilleriesysteme und Drohnen bekommen
Zur Erfüllung dieser Aufgabe soll die Artillerietruppe des Deutschen Heeres in der zukünftigen Struktur zusätzliche Dienstposten, Verbände sowie Waffensysteme und Fähigkeiten bekommen. Wie der Aufwuchs genau aussehen wird, ist aktuell noch nicht öffentlich bekannt, da die Struktur noch nicht durch das Verteidigungsministerium gebilligt wurde, gleichwohl sind hier und da einige Details durch das Heer veröffentlich worden bzw. sich auf anderem Wege durchgesickert. Diese Details erlauben zumindest einen groben Überblick in die anstehenden Beschaffungsvorhaben.
Vorhaben der Rohrartillerie
Nachdem das Vorhaben mehrere Jahre vorbereitet wurde, hat die Bundeswehr im Dezember 2025 mit der ARTEC GmbH – einem Joint Venture von Rheinmetall und KNDS Deutschland – eine Rahmenvereinbarung über die Herstellung und Lieferung von bis zu 500 Radhaubitzen des Typs RCH 155 geschlossen. Es wurden bis dato jedoch nur 84 Systeme fest bestellt, wovon 4 als Nachweismuster dienen sollen. Gut informierten Kreisen zufolge sollen die 80 Serienfahrzeuge von 2028 bis Ende 2030 der Truppe zulaufen. Dem Vernehmen nach besteht zudem ein Bedarf für rund 100 bis 150 weitere RCH 155, die Beobachtern zufolge noch dieses oder nächstes Jahr bestellt werden sollen.
Aus Kreisen der Streitkräfte ist zu hören, dass die Radhaubitze insbesondere auf Straßen und im leichten Gelände Mobilitätsvorteile gegenüber der Panzerhaubitze aufweist. Auch der Umstand, dass das Waffensystem nur noch von einer zweiköpfigen Mannschaft bedient werden kann, wird angesichts des generellen Personalmangels der Bundeswehr als Vorteil angesehen. In den Bereichen Schutz und Wirkung – hier insbesondere durch den doppelten Munitionsvorrat – sowie der Mobilität im schweren Gelände, kommt die Radhaubitze nicht ganz an die Leistungsfähigkeit der Panzerhaubitze heran. Daher wird offenbar weiterhin ein Bedarf für die Panzerhaubitze im Heer gesehen.
Generalleutnant Heico Hübner, Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres und Kommandeur Militärische Grundorganisation, erklärte bereits im April im Zuge des parlamentarischen Abends des Förderkreis Deutsches Heer e.V. in seiner Keynote, die später veröffentlicht wurde, dass das Deutsche Heer weitere Panzerhaubitzen 2000 erhalten wird.
Gut informierten Kreisen zufolge soll es sich dabei um rund 50 weiteren Panzerhaubitzen 2000 handeln. Träfe dies zu, würde das Heer über etwa 150 bis 160 dieser Waffensysteme verfügen, fast die Hälfte davon in der kampfwertgesteigerten Variante A4 – 25 davon sind bereits im Zulauf, die als Ersatz (22 Systeme) für abgegebene Panzerhaubitzen 2000 an die Ukraine beschafft wurden.
Ein umfassenderes Modernisierungspaket der Panzerhaubitze, die sicherlich noch einige Jahrzehnte Dienst in der Bundeswehr leisten wird, ist dem Vernehmen nach erst in den 2030er Jahren geplant. Dabei ist wohl auch vorgesehen, den Lademechanismus der Haubitze zu modernisieren und die Automatisierungsgrad des Artilleriesystems zu erhöhen, so dass die Besatzungsstärke reduziert werden könnte.
Gut informierten Kreisen zufolge soll dazu noch Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres eine Rahmenvereinbarung mit der in Gründung befindlichen Europuls GmbH – einem 50:50-Joint- Venture zwischen KNDS Deutschland und Elbit Systems – über die Beschaffung von rund 500 MARS 3 geschlossen werden. Dem Vernehmen nach will man davon etwa 200 Raketenartilleriesysteme für die Bundeswehr fest bestellen. Beobachter halten es jedoch für nicht ausgeschlossen, dass die Bestellung in mehreren Schritten erfolgen könnte.
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Zur Umsetzung dieser erhöhten Abstandsfähigkeit bedarf es noch einer Aufklärungskomponente, welche offenbar auch mittels unbemannter Systeme realisiert werden soll. Dazu wird gut informierten Kreisen zufolge in Kürze der Start eines Wettbewerbs für eine Aufklärungsdrohne mit entsprechender Reichweite und Stehzeit erwartet.
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