Großbritannien: Aufklärungspanzer AJAX

Wehrtechnik & Rüstung, Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik
theoderich
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Re: Großbritannien: Aufklärungspanzer AJAX

Beitrag von theoderich »






Ministry of Defence hands over another £600m for tanks that can’t shoot when they’re moving

https://www.thetimes.co.uk/article/mini ... -9hphdmk9f
Zuletzt geändert von theoderich am Do 27. Mai 2021, 13:11, insgesamt 3-mal geändert.

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Doppeladler
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Re: Großbritannien: Aufklärungspanzer AJAX

Beitrag von Doppeladler »

Mir sind ähnliche Berichte vom österreichischen Ulan nicht bekannt. Weiß jemand mehr?
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theoderich
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Re: Großbritannien: Aufklärungspanzer AJAX

Beitrag von theoderich »

Dieser Thread ist recht aufschlussreich:



Man muss dabei auch bedenken, dass der AJAX, wie auch der "Pizarro" und der "Ulan", eine konventionelle Drehstabfederung hat, die aber - im Gegensatz zu den Vorgängermodellen - um hydraulische Endanschlagsdämpfer erweitert wurde:

Bild
Advanced torsion bar suspension system
https://generaldynamics.uk.com/gallery/ajax/
As well as the extra power, Scout SV has a significantly upgraded dual-rate suspension system over the original ASCOD design, combining torsion bars and hydraulic dampers to provide an improved ride for the crew and a more stable firing platform over rough terrain.
http://www.doppeladler.com/forum/viewto ... 541#p45541

Rolf Hilmes hat im Februar einen hochinteressanten Artikel in der ES&T veröffentlicht:

HILMES Rolf: Fahrwerkstechnologie für Kettenfahrzeuge, in: Europäische Sicherheit & Technik, H 2 (2021), p. 66-70
p. 67 hat geschrieben:Ein weiterer wichtiger Meilenstein wurde Ende der 1930er Jahre mit der Einführung von drehstabgefederten Fahrwerken erreicht. Annähernd zeitgleich wurde die Drehstabfederung ca. 1939 in Deutschland beim Panzerkampfwagen III Ausführung E und in der Sowjetunion im Kampfpanzer (KPz) KW I eingeführt. Eine gewisse Vervollkommnung von Kettenfahrwerken wurde ab dem Jahr 1943 bei den US-KPz M26/46/47 erreicht. Hier wurde die Drehstabfederung, die Endverbinderkette mit gummierter Bolzenlagerung und die Gummiummantelung des gesamten Rohrkörpers (zur Straßenschonung) in gelungener Weise kombiniert.
p. 69 hat geschrieben:Ein großes Problem stellt bei Kettenfahrzeugen die Schwingungsanregung und die damit verbundenen Vibrationen dar, die im Kampfraum zu einem hohen Schalldruckpegel von teilweise bis 140 dB(A) führt. Die Anregungen kommen vorwiegend durch das Einlaufen der Endverbinder in den Triebkranz (Polygoneffekt) und durch das Überrollen des Spaltes zwischen zwei Kettenglieder durch die Laufrollen. In den vergangenen 50 Jahren wurde eine Vielzahl von Versuchen und Einzelmaßnahmen zur Reduzierung der Schwingungsanregung unternommen, die insgesamt nicht zu einem nennenswerten Erfolg geführt haben. Der entscheidende Durchbruch gelang Krauss-Maffei Wegmann in den 1980er Jahren durch die Konzeption des abgekoppelten Laufwerks (ALW). Hierbei werden alle Schwingungsquellen in einem Laufwerksträger gelagert, der durch Gummielemente schwingungsgedämpft mit der Wanne verbunden ist. Bei richtiger Auslegung kann damit eine Reduzierung des Innengeräusches um ca. 20 dB(A) erreicht werden - was z.B. eine deutlich längere Expositionszeit für die Besatzung ermöglicht. Neben dem unbestreitbaren Vorteil der Lärmreduzierung weist das ALW auch eine Reihe von Nachteilen auf. Neben den höheren Kosten beansprucht der Laufwerksträger an jeder Seite einen gewissen Platbedarf, der für die nutzbare Wannenbreite unter Umständen verloren geht.

Schließlich hat sich auch der hydraulische Endanschlagsdämpfer (EAD) als eine sehr erfolgreiche Innovation erwiesen. Fast alle Federelemente benötigen einen Endanschlag, damit sie bei hoher Belastung vor einer Zerstörung geschützt werden. Bei den Kampfpanzern der Nachkriegsepoche wurden über lange Zeit sogenannte Kegelstumpffedern als Endanschläge genutzt, die am Ende der Einfederung die aufgenommene Federarbeit ohne Dämpfung wieder an den Schwingarm abgeben. Beim Leopard 2 AV wurden zwischenzeitlich PU-Puffer als EAD untersucht - die aber auch keinen nennenswerten Fortschritt brachten. Erst mit dem hydraulischen EAD wurde eine gute Lösung gefunden, da der hydraulische Dämpfer am Ende der Einfederung zusätzlich Energie aufnimmt und in Wärme umwandelt. Mit der Kombination Drehstabfeder mit gesteuertem mechanischem Reibungsdämpfer und hydraulischem EAD wurde beim Leopard 2 ein relatives Optimum erreicht. Durch die Kombination von wegabhängig wirkenden Lamellendämpfern und geschwindigkeitsabhängig wirkenden EAD konnten die Nickschwingungen der Wanne wirksam reduziert werden.
p. 69-70 hat geschrieben:Eine prinzipielle Lösung auf diesem Gebiet stellt das sogenannte Aktive Fahrwerk dar.

Als Zwischenstufen auf dem Weg dorthin können semiaktive Fahrwerke betrachtet werden, die eine geringere Komplexität, aber auch geringere Leistungssteigerungen erwarten lassen. Bei den semiaktiven Fahrwerken kommen adaptive Dämpfer zum Einsatz, deren Dämpferkräfte im Betrieb variiert werden können. Dies ist einerseits bei ölgefüllten Dämpfern durch eine Ansteuerung und Veränderung der Ventilquerschnitte möglich. Bei einer anderen Art von semiaktiven Dämpfern sind diese mit einer rheologischen Flüssigkeit (Rheologie: Lehre von der Fließkunde) gefüllt.

Dabei unterscheidet man zwischen elektrorheologischen Fluiden (ERF) und magnetorheologischen Fluiden (MRF). Bei beiden Flüssigkeiten kann durch Anlegen eines äußeren elektrischen Feldes (bei ERF) bzw. eines Magnetfeldes (bei MRF) in kürzester Zeit die Viskosität verändert werden. Die Stärke der Felder wird dabei durch Sensoren und eine Steuerungselektronik vorgenommen, die zahlreiche fahrdynamische Werte der Radaufhängung und des Aufbaus verarbeiten. Damit kann zumindest die Höhe der Dämpferkräfte der aktuellen Anregung bzw. Erfordernissen angepasst werden. Semiaktive Fahrwerke mit variablen Dämpferkräften sind im zivilen Pkw-Bau schon seit den 1980er Jahren bekannt. Die Herausforderungen stellen dabei u. a. notwenig hohen Regelfrequenzen (100 bis 500 Hz) und die Verzugszeiten zwischen der Sensierung und dem Einsetzen des erwünschten Effektes dar. BAE Systems (Hägglunds) hat für den CV90 einen adaptiven Dämpfer entwickelt, bei dem durch eine sensorgesteuerte Variation des Öldrucks ein Lamellenpaket innerhalb der Dämpfer an den Laufrollenstationen 1 und 7 zusammengepresst wird. Das System nennt sich "Anti Dive" und soll insbesondere zu einer Reduzierung der Nickschwingungen führen. Bereits im Jahr 2010 wird in russischen Berichten üb den Prototyp des KPz T-95 ein System von adaptiven Dämpfern mit einer magnetorheologischen Flüssigkeit beschrieben. Es kann avon ausgegangen werden, dass auch der T-14 Armata über ein derartiges semiaktives Fahrwerk verfügt.

Während bei dem semiaktiven Fahrwerk nur die Dämpfercharakteristik variiert wird, kann bei dem Aktiven Fahrwerk der Radaufhängung Energie zu- bzw. abgeführt werden. Hierbei wird in der Radführung das Federelement durch einen hydraulischen oder elektrischen Aktuator ersetzt. Ziel des aktiven Fahrwerks ist es, durch ein hochdynamisches Energiemanagement bei der Bewegung des Fahrzeugs die Reaktionskräfte auf den Aufbau möglichst konstant zu halten und damit eine Schwingungsanregung möglichst zu vermeiden. Damit sollen Nick-, Wank- und Hubwinkel des Aufbaus weitestgehend minimiert werden. AUch die Radlastschwankungen sollen durch das aktive Fahrwerk reduziert werden.

Ein funktionstüchtiges aktives Fahrwerk bietet zahlreiche Vorteile, da sowohl der Fahrkomfort als auch die Fahrsicherheit erhöht werden. Die Erhöhung des Fahrkomforts wäre im militärischen Bereich insbesondere bei Sanitätsfahrzeugen von großem Interesse. Die Verbesserung der Fahrsicherheit ist für alle Fahrzeuge von Relevanz, allerdings kann ein aktives Fahrwerk auch nur im Rahmen der vorherrschenden fahrmechanischen Kennwerte (Reibungsbeiwerte, Kammscher Kreis usw.) arbeiten. Wie zu erwarten, so werden die erhofften Vorteile eines aktiven Fahrwerks durch eine Reihe von Nachteilen erkauft. Hier ist an erster Stelle die hohe Komplexität und die damit verbundenen Auswirkungen auf Kosten und Zuverlässigkeit zu nennen. Die bei dem semiaktiven Fahrwerk genannten Problembereiche verschärfen sich bei dem aktiven Fahrwerk um ein Mehrfaches. Die geforderten, hohen Regelfrequenzen (500 bis 1.000 Hz) und kürzeste Verzugszeiten stellen höchste Ansprüche an Pumpen (Verstellbarkeit) und deren Antriebsmotoren (Leistungsaufnahme). Für die Antriebsmotoren eines aktiven Fahrwerks muss bei einem 36-t-Fahrzeug (8x8) mit einer Leistung von (temporär) bis zu 100 kW gerechnet werden. Das erfordert zur Begrenzung der Stromspitzen bei einem 24-V-Bordnetz im Regelfall die Installation eines zusätzlichen Hochvolt-Netzes (400 V). Viele Bauteile unterliegen im Fahrwerksbereich einer hohen Beanspruchung und einer hohen Verschmutzung. So müssen insbesondere Sensoren und Steckverbindungen/Kupplungen und Schlauchleitungen extrem robust ausgeführt werden.

BAE Systems hat vor sechs Jahren eine aktive Federung für den CV90 MkIV vorgestellt:

https://resources.baesystems.com/pages/ ... 0d7230e71#





Der erste Kunde für dieses System, der mir bekannt ist, ist die Schweiz. Dort sollen alle 186 SPz 2000 (CV9030) nachträglich mit einem aktiven Fahrwerk ausgestattet werden:
In den Niederlanden war noch 2019 geplant, den CV9035NL mit einem aktiven Fahrwerk auszustatten [PLENDER LtCol Ron (Royal Netherlands Army Combat Development Centre Ground Maneuvre): Futureproofing CV9035NL (Future Armoured Vehicles Active Protection Systems USA Conference, 3. Juni 2019)]. In den Vertrag ist diese Maßnahme dann aber nicht mehr eingeflossen:

theoderich
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Re: Großbritannien: Aufklärungspanzer AJAX

Beitrag von theoderich »


The Sun hat geschrieben:NEW tanks which cost the Army £5.5billion were grounded after making troops sick and damaging their hearing.

Crews suffered nausea, swollen joints and tinnitus from the din and vibrations inside the Ajax armoured vehicles.

Trials were halted for the four months to March and test crews are now limited to 105 minutes inside, a source said.

All soldiers who has been in one must have a hearing test.

Only 14 of the 589 vehicles have so far been delivered. They are the Aries variant which has no turret.

Suspension troubles mean turrets on the others cannot fire when the tank is moving.
The Sun hat geschrieben:An Army source said: “It’s a complete shambles.

“The entire fleet has been out of action because of problems with the suspension and noise issues.

“Soldiers who ride in the Ajax complain their hearing has been affected. Taxpayers’ money is being wasted on this scheme which isn’t working.”

Defence expert Francis Tusa said: “The noise problem is so bad  . . .  the noise cancelling earphones don’t work.”

The Ministry of Defence said the tank trials were halted on moving vehicles from November 5 last year to March to protect soldiers.

They said: “An investigation, incorporating trials, is being carried out jointly with the manufacturer.”

Hmmwv
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Re: Großbritannien: Aufklärungspanzer AJAX

Beitrag von Hmmwv »

BBC hat dazu auch einen Artikel wo sie davon reden das der Ajax bisher "nur" Tinitus geliefert hat:

https://www.bbc.com/news/uk-57348573

theoderich
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Re: Großbritannien: Aufklärungspanzer AJAX

Beitrag von theoderich »

Improving the performance of major equipment contracts

https://www.nao.org.uk/report/improving ... contracts/
  • Programme

    Warrior armoured vehicle upgrade

    Stage reached

    Cancelled in March 2021 having been in the 'demonstration' phase with the prime contractor since 2011

    Procurement approach

    Competitive

    Prime or lead contractor

    Lockheed Martin UK (LMUK)

    Main contract management issues

    The Department's contracting approach to the work required on the vehicle, notably the fitting of a new turret equipped with a cannon supplied under a separate contract, left it with a challenging task in integrating the contributions of a range of suppliers and providing key components to the lead contractor. The lead contractor and supplier of the cannon were not in a contractual relationship although their work was interdependent.

    Design delays affected progress since 2011 and the contract with the prime contractor was re-set in 2014. A significant contract amendment followed in 2017 to incorporate integration of the cannon which had only been at the prototype stage at the time of the 2014 re-set. The Department was responsible for delivering the cannon to the prime contractor as Government Furnished Assets (GFA) .In Evidence to the House of Commons Defence Committee in 2020, LMUK stated that some 80% of schedule delays were related to factors other than its design work. The Department stated that it "broadly agreed" with this assessment during the accompanying evidence session.

    By the end of 2018, the Department's view was that senior engagement with the prime contractor, new governance procedures, and personnel changes had improved working relationships. The improved working relationships continued during 2019 and 2020.

    In October 2020, the Infrastructure and Projects Authority (IPA) did not consider the programme to proceed to the full manufacture stage. Subsequently, the Department paused progress of the Full Business Case towards approval as part of its consideration of the Integrated Review, prior to cancellation in March 2021.
    Programme

    Stage reached

    Procurement approach

    Prime or lead contractor

    Main contract management issues
    https://www.nao.org.uk/wp-content/uploa ... tracts.pdf

theoderich
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Re: Großbritannien: Aufklärungspanzer AJAX

Beitrag von theoderich »


Urgent talks are due to be held over the future of the army’s new light tanks as it emerged that more than 20 soldiers suffered hearing loss after trials.

A further 83 soldiers will need annual hearing tests to check for symptoms after spending prolonged periods inside the Ajax armoured vehicle.

Army officers have now been ordered to look at other options, in the first sign that the programme could be dropped and more than £3 billion wasted, sources told The Times.

Senior officers will hold talks with industry partners next week to discuss alternative vehicles if ministers pull the plug on the £5.5 billion deal.

The Ajax programme has become an embarrassment for ministers who believe they may have been kept in the dark about the true extent of the problems with the tank so it was not abandoned as part of the integrated review.

Jeremy Quin, the defence procurement minister, will be questioned by senior MPs next month on the tanks.

The MoD placed an order with General Dynamics in 2014 for 589 reconnaissance vehicles, 245 of which will be used in support of the Boxer armoured vehicle. The Ajax was meant to be delivered from 2017 through to 2024. So far only 14 vehicles without a turret have been delivered. Noise, vibration and risky levels of radiation have resulted in troops reporting hearing loss, headaches, nausea and swollen joints.

Baroness Goldie, the defence minister, said there were 21 “incidents of hearing treatment” recorded after the suspension of trials in November, while 83 more troops would receive yearly hearing tests. As trials resumed in May, restrictions were placed on how long soldiers could spend inside, and hearing protection was handed out, but two more reported hearing loss this month.

Lord Vernon Coaker, Labour’s shadow defence minister in the Lords, who uncovered the figures, said it was “totally unacceptable” that the government was failing in its primary responsibility to ensure proper protections for personnel “many of whom are going to be dealing with their injuries for years to come”.

He said: “Ministers must get a grip of the Ajax programme immediately, get on with delivering these important vehicles safely, and ensure nobody else gets hurt or injured.”

An MoD spokesman said: “The permanent secretary has instigated a thorough safety investigation.”



theoderich
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Re: Großbritannien: Aufklärungspanzer AJAX

Beitrag von theoderich »


theoderich
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Re: Großbritannien: Aufklärungspanzer AJAX

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theoderich
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Re: Großbritannien: Aufklärungspanzer AJAX

Beitrag von theoderich »

Ajax Vehicles: Testing

Question for Ministry of Defence


https://questions-statements.parliament ... 7-08/29737

Antworten