Bundeswehr: Schützenpanzer PUMA

Wehrtechnik & Rüstung, Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik
theoderich
Beiträge: 9555
Registriert: So 29. Apr 2018, 18:13

Re: Bundeswehr: Schützenpanzer PUMA

Beitrag von theoderich »



theoderich
Beiträge: 9555
Registriert: So 29. Apr 2018, 18:13

Re: Bundeswehr: Schützenpanzer PUMA

Beitrag von theoderich »

JANKER Ralf/Christian SCHMIDT: 50 Jahre Schützenpanzer Marder 1971 - 2021, in: Europäische Sicherheit & Technik, H 5 (2021), p. 86-91
p. 90-91 hat geschrieben:Die Serie

Bemerkenswerterweise ergaben sich auch nach intensiver Erprobung und eingehenden Truppenversuchen später immer wieder Wünsche der Nutzer nach funktionellen Verbesserungen, auch erforderte die Anpassung des Kampfwertes an die aktuelle Bedrohungslage eine stetige Modellpflege.

Stichwortartig seien die bislang durchgeführten Kampfwertsteigerungsmaßnahmen (KWS) aufgeführt:
  • 1977 - 1979: Adaption der Waffenanlage (WA) Milan mit vier Flugkörpern an Bord, die Absitzstärke reduzierte sich dadurch auf sechs bzw. sieben Soldaten
  • 1979 - 1982: 1. KWS zum Marder 1A1 (sowie neun weitere Modifikationen):

    U.a. Einbau passiver Nachtsehrgeräte der 1. Generation (Restlichtverstärker) mit Wärmeortungsempfänger, Doppelgurtzuführer (DGZ) für die MK, Verstärkung des Seitenrichtgetriebes.
  • 1984 - 1989: 2. KWS zum Marder 1A2:

    U. a. Umrüstung von 1.462 Fahrzeugen auf Wärmebildgerät (WBG-X) beim Richtschützen bzw. Einsatz von Milan-Infrarot-Adapter (MIRA) für WA Milan, Entfall der Hecklafette, Umrüstung auf SEM 80/90, Einführung des Fleckentarnanstriches.
  • 1989 - 1998: 3. KWS zum Marder 1A3:

    U. a. Ausrüstung von 2.097 Fahrzeugen mit einer Zusatzpanzerung für Turm und Wanne (Schutz gegen MK 30 mm), Neugestaltung von Munitionslagerung und -zuführung, Verlagerung des Turm-MG aus Waffengehäuse an die linke Turmseite, Anbringung von Staukästen bei gleichzeitigem Verzicht auf die Nutzung der Kugelblenden, Reduzierung der Dachluken für den hinteren Kampfraum von vier auf drei, Vergrößerung der Fahrerluke und Wegfall der Luke hinter dem Kraftfahrer, Einbau verstärkter Drehstäbe, neue Sitze für Kommandant und Richtschütze, neue Heckklappe mit größerem Ladevolumen, Gewichtsanstieg auf 33,5 t.
  • 1998 - 2000: KWS zum Marder 1 A4:

    Verwendung dieser Version als bewegliche Befehlsstelle, damit zusätzliche Ausstattung von 26 Fahrzeugen mit Funkgeräten SEM 93.
  • 2002 - 2005: KWS zum Marder 1 A5:

    U. a.: Nachrüstung von 74 Fahrzeugen mit einem Schutz gegen Blast- und projektilbildende Minen; Änderung des Verstauungskonzeptes, Freiräumen des Kampfraumbodens, Befestigung des Sitzgestells am Wannendach; Installation eines GPS-Empfängers (PLGR), neue Kettenschürzen (Panzerstahl), breitere Kette (500 mm), Ersatz der Kegelstumpffedern durch hydraulische Endanschläge, Installation von drei zusätzlichen Staukästen, Auskleidung des Kampfraumes mit einem Anti spall-Liner, Gewichtsanstieg auf 37,4 t.
  • 2006: Studie zur Integration eines neuen Triebwerkes:
p. 91 hat geschrieben:Ablöseplanung und die Zukunft

Das Ende der Nutzung des Schützenpanzers Marder ist bisher noch nicht absehbar. Auch wenn die NDV kontinuierlich von 2025 bis auf aktuell mindestens 2030 verlängert wurde, sind bereits jetzt erste Absichten erkennbar, dass der Schützenpanzer Marder möglicherweise nicht gänzlich aus der Bundeswehr herausgelöst wird.

muck
Beiträge: 317
Registriert: Do 9. Jul 2020, 05:10

Re: Bundeswehr: Schützenpanzer PUMA

Beitrag von muck »

theoderich hat geschrieben:
Sa 22. Mai 2021, 00:42
  • 2002 - 2005: KWS zum Marder 1 A5:

    U. a.: Nachrüstung von 74 Fahrzeugen mit einem Schutz gegen Blast- und projektilbildende Minen; Änderung des Verstauungskonzeptes, Freiräumen des Kampfraumbodens, Befestigung des Sitzgestells am Wannendach; Installation eines GPS-Empfängers (PLGR), neue Kettenschürzen (Panzerstahl), breitere Kette (500 mm), Ersatz der Kegelstumpffedern durch hydraulische Endanschläge, Installation von drei zusätzlichen Staukästen, Auskleidung des Kampfraumes mit einem Anti spall-Liner, Gewichtsanstieg auf 37,4 t.
  • 2006: Studie zur Integration eines neuen Triebwerkes
Gegenwärtig werden 71 Marder 1A5 mit neuen Wärmebildzielgeräten, Fahrersichtsystemen, der Lenkwaffe MELLS, neuen Kampfraumschutzanlagen sowie, vor allem, einem neuen, stärkeren Antriebsstrang kampfwertgesteigert. Das Fehl von drei Fahrzeugen im Vergleich zur letzten Nutzungsdauerverlängerung erklärt sich übrigens durch Verluste in Afghanistan.

Es ist keine dumme Idee, diese Fahrzeuge weiter zu verwenden, bis alle Bataillone mit dem ertüchtigten SPz Puma ausgestattet sind. Die Verfügbarkeit der Marder ist vergleichsweise gut, sie haben sich als belastbar erwiesen, und was den künftigen Rüststand anlangt, ist eigentlich nur das nicht mehr zeitgemäße Kaliber der Maschinenkanone ein Malus.

theoderich
Beiträge: 9555
Registriert: So 29. Apr 2018, 18:13

Re: Bundeswehr: Schützenpanzer PUMA

Beitrag von theoderich »

Rolf Hilmes hat dazu kürzlich für Rheinmetall Defence einen lesenswerten Übersichtsartikel publiziert, der weitgehend dem Artikel in der neuen Ausgabe der ESuT entspricht:

Happy Birthday!
50 Jahre Schützenpanzer Marder


https://rheinmetall-defence.com/de/rhei ... /index.php


da_mm
Beiträge: 20
Registriert: So 3. Jan 2021, 12:38

Re: Bundeswehr: Schützenpanzer PUMA

Beitrag von da_mm »

muck hat geschrieben:
Sa 22. Mai 2021, 17:13
Gegenwärtig werden 71 Marder 1A5 mit neuen Wärmebildzielgeräten, Fahrersichtsystemen, der Lenkwaffe MELLS, neuen Kampfraumschutzanlagen sowie, vor allem, einem neuen, stärkeren Antriebsstrang kampfwertgesteigert. Das Fehl von drei Fahrzeugen im Vergleich zur letzten Nutzungsdauerverlängerung erklärt sich übrigens durch Verluste in Afghanistan.

Es ist keine dumme Idee, diese Fahrzeuge weiter zu verwenden, bis alle Bataillone mit dem ertüchtigten SPz Puma ausgestattet sind. Die Verfügbarkeit der Marder ist vergleichsweise gut, sie haben sich als belastbar erwiesen, und was den künftigen Rüststand anlangt, ist eigentlich nur das nicht mehr zeitgemäße Kaliber der Maschinenkanone ein Malus.
Ganz so stimmt das nicht. Die Auftragslage ist da etwas durchwachsen:
  • Es werden 244 neue Wärmebildgeräte der dritten Generation (Saphir 2.6 MK von Rheinmetall) beschafft
  • Neue Triebwerke werden für die Marder 1A5 beschafft (insgesamt 78 Triebwerke, aber für nur 71 Marder)
  • Von den neuen Fahrersichtsystemen (SPECTUS II) werden nur 173 beschafft. Die Differenz zu der Neubeschaffung der WBGs legt nahe, dass die Marder 1A5A1 nicht mit SPECTUS II nachgerüstet werden; im Marder 1A5A1 ist standardmäßig das etwas leistungsschwächere Fahrersichtsystem SPECTUS I verbaut.
  • Bisher wurden erst 44 Waffenanlagen MELLS für den Marder 1A5 (nicht 1A5A1) beschafft. In der kommenden Sitzung des Bundestages bezüglich des Verteidungshaushaltes ist die Beschaffung weiterer MELLS kein Tagungspunkt.
Damit werden insgesamt 244 SPz Marder nutzungsdauerverlängert. Die Ersatzbeschaffung von bis zu 266 SPz Puma (von denen mehr als 40 für die GÜZ usw. gedacht sind) soll in der nächsten Sitzung des Verteidigungsauschusses des Bundestages (KW 25) beschlossen werden.

theoderich
Beiträge: 9555
Registriert: So 29. Apr 2018, 18:13

Re: Bundeswehr: Schützenpanzer PUMA

Beitrag von theoderich »

Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr steigt erneut

https://www.bmvg.de/de/aktuelles/einsat ... ut-5087614
  • 13. Bericht des Bundesministeriums der Verteidigung zu Rüstungsangelegenheiten
    Mit Stand 30. April 2021 sind insgesamt 349 Schützenpanzer (SPz) PUMA (davon acht Fahrschulpanzer) ausgeliefert; gemäß Vertrag hätten es zu diesem Zeitpunkt 350 Fahrzeuge sein müssen. Das Ende der Auslieferung ist derzeit gegenüber dem vertraglich vereinbarten Termin um insgesamt 16 Monate, auf Mitte des zweiten Quartals 2021, verschoben.
    Auf Basis des nunmehr erreichten, stabilen technischen und einsatztauglichen Konstruktionsstandes ist beabsichtigt, im Rahmen der „konsolidierten Nachrüstung“ weitere SPz PUMA hochzurüsten.

    Die Beschaffung eines 2. Loses SPz PUMA wurde Mitte Oktober 2020 auf frühestens 2022 verschoben. Der diesbezügliche Vorbehalt einer erfolgreichen Nachweisführung im Rahmen des Vertrages "Leistungspaket System Panzergrenadier VJTF 2023" konnte ausgeräumt werden.
    https://www.bmvg.de/resource/blob/50876 ... n-data.pdf
  • Bericht zur materiellen Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr I/2021
    Beim SPz PUMA haben wir sichtbare Fortschritte erreicht. Die materielle Einsatzbereitschaft betrug durchschnittlich 54 % und in der Spitze 60 %. Erreicht wurde dies maßgeblich durch die zwischen Bundeswehr und Industrie geschlossene Zielvereinbarung, die für 2021 noch erweitert wurde und in der eine Vielzahl verschiedener Maßnahmen für die Verbesserung der Einsatzbereitschaft gebündelt ist.
    Beim SPz PUMA konnte die positive Entwicklung bei der Einsatzbereitschaft weiter fortgesetzt werden. Neben dem erfolgreichen Abschluss der Taktischen Untersuchung des „Systems Panzergrenadier“ (SPz PUMA im Konstruktions-stand (K-Stand) VJTF und das erweiterte System Infanterist der Zukunft im K-Stand VJTF) wurde die „Zielvereinbarung SPz PUMA“ für 2021 fortgeschrieben, um die Maßnahmen zur Verbesserung der Einsatzbereitschaft bei diesem System weiter in enger Zusammenarbeit mit der Industrie, dem Bun-desministerium der Verteidigung (BMVg), dem BAAINBw, dem Heer sowie der HIL GmbH voranzutreiben. Die Maßnahmenpakete sollen sich u.a. in einer weiteren Steigerung der Einsatzbereitschaft des Systems im zweiten Halbjahr 2021 auswirken. Darüber hinaus erfolgt seit März 2021 die Technisch-Logistische Einsatzprüfung (TLEP) des SPz PUMA im K-Stand VJTF, die bis September 2021 abzuschließen ist. Mit einem ersten Zwischenbericht zur Jahresmitte 2021 soll die Versorgbarkeit des Systems im Einsatz im Rahmen der NATO Response Force (NRF (L)), der Eingreiftruppe der NATO, 2022 bis 2024 bewertet werden.
    https://www.bmvg.de/resource/blob/50876 ... t-data.pdf
Im Bericht vom Dezember 2020 stand noch, dass man eine Einsatzreife bis 2025 anstrebe:
Die „Zielvereinbarung SPz PUMA“ zwischen BMVg, Heer und Industrie wirkt gezielt in rüstungsrelevante Handlungsfelder und sorgt damit für ein ganzheitliches Herangehen, auch in enger Wechselbeziehung zum Fokusprojekt „Erhöhung Einsatzbereitschaft und Verbesserung Systemstabilität: SPz PUMA“ im Rahmen der Initiative Einsatzbereitschaft, um die Einsatzreife des SPz PUMA bis 2025 zu erreichen.

Antworten