Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

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Acipenser
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von Acipenser » Sa 17. Aug 2019, 01:11

Laut Schweizer Fernsehen 10vor10 hat es Saab noch immer nicht geschafft den Grippen E zu präsentieren. Er gilt fortan als "Papierflieger". Erst Wochen nach der Präsentation der anderen verfügbaren Modelle hat es Saab geschafft einen Grippen C der schwedischen Luftwaffe in die Schweiz zu schicken um ein paar Flugmanöver zu zeigen. Somit ist er laut Schweizer Regierung aus dem Rennen. Wundert mich nur das der vorvorige österreichische Verteidigungsminister überhaupt auf die Idee gekommen ist den Grippen als Ersatz für unsere bewährten Eurofighter durchzurechnen.
Es ist also nicht ein Problem von Airbus das nicht immer alles so läuft, wie es auf den Papier laufen könnte. Ist wohl ein Problem mit dem alle in der Branche kämpfen, wenn man sich die Verzögerungen beim F35 so ansieht

theoderich
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich » Sa 17. Aug 2019, 01:24

Von der JAS-39E gibt es erst drei Stück:
  • 39-8 (Erstflug: 15. Juni 2017; Verwendung: Erprobung von Außenlastkonfigurationen)
  • 39-9 (Erstflug: 26. November 2018; Verwendung: Erprobung von taktischen Sensoren)
  • 39-10 (Erstflug: 11. Juni 2019; Verwendung: Erprobung des Gesamtsystems)
Die Firma befindet sich noch mitten im Entwicklungsprogramm. Kein Wunder, dass man das Flugzeug nicht zur Flugerprobung nach Emmen schicken kann.

Acipenser hat geschrieben:
Sa 17. Aug 2019, 01:11
Wundert mich nur das der vorvorige österreichische Verteidigungsminister überhaupt auf die Idee gekommen ist den Grippen als Ersatz für unsere bewährten Eurofighter durchzurechnen.
Das Angebot, das damals eingeholt wurde, betraf das Leasing veralteter JAS-39C/D, wenn auch neu gebaut:
Von den Israelis wollte man sich die deutlich über 30 Jahre aten F-16C/D "Barak" anbieten lassen, die Kroatien erwerben wollte und die bereits abgeflogen und nicht mehr flugtauglich waren:
Mag. Karl Gruber: Ja. Das war notwendig. Wir haben auch bei anderen Regierungen angefragt, und es gab in Summe nur drei Regierungen, die uns etwas angeboten haben. Das eine waren die Amerikaner über Government-to-Government, die anderen waren die Schweden und das Dritte war ein Angebot aus Israel. Die israelische Luftwaffe hat uns angeboten, gebrauchte F-16 zu übernehmen.

Abgeordneter Andreas Ottenschläger (ÖVP): Hat der damalige Bundesminister Doskozil da irgendwelche Präferenzen erkennen lassen?

Mag. Karl Gruber: Nein, überhaupt nicht. Aufgrund der vorhin diskutierten Weisung musste ich mit der US-Regierung, mit Schweden und auch mit Israel, ja, detaillierte Gespräche führen, um dann nähere Entscheidungsgrundlagen zu haben, in welche Richtung man gehen kann, in der Hoffnung, dann konkretere Zahlen als bei der etwas groben Rückantwort, die die Firmen und die Länder natürlich im Frühjahr gegeben haben, zu bekommen. Wir sind nur mit diesem Prozess nicht fertig geworden, weil dann der Regierungswechsel war, dieser Auftrag storniert wurde und das nicht mehr weiter fertig bearbeitet wurde.
https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XX ... ndex.shtml

Und was die USA betrifft ... ich habe da einen Verdacht:

Colombia requests pricing on second hand U.S. F-16C/D (7. Dezember 2018)
According to Infodefensa´s correspondant, Erich Saumeth, the Republic of Colombia has sent a Letter of Request for pricing on 18 U.S. Government F-16 fighters. These USAF and ANG fighters as Excess Defense Articles (EDA) could be taken both from aircraft still in service or aircraft stored and mothballed within the 309th Aerospace Maintenance and Regeneration Group (AMARG) in Davis-Monthan Air Force Base. AMARG currently holds an inventory of 136 single seat F-16C and 13 two seat F-16D, of 30 to 35 years old but also U.S. Government could instead offer aircraft still in active duty, this being said a “hot transfer”.
https://latamilitary.com/2018/12/07/col ... s-f-16c-d/
Zuletzt geändert von theoderich am Sa 17. Aug 2019, 02:08, insgesamt 3-mal geändert.

Acipenser
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von Acipenser » Sa 17. Aug 2019, 01:50

Nein das diente nur dazu Airbus wieder mal vor dem Kopf zu schlagen, die beiden von Theo erwähnten Varianten waren nur Milchmädchenrechungen um Eurofighter zu provozieren und in der österreichischen Öffentlichkeit lächerlich zu machen. Es wurde sehr wohl mit den neuesten Maschinen spekuliert, und siehe da sie wären nicht lieferbar gewesen.
Die Taktik ist eine SPÖ Ureigensde: Etwa beim Behördenfunk wurde durch die SPÖ ein bereits etablierter Vertrag mit 100 Mitarbeiter aus der Regierung Schwarz Blau aufgelöst um dann eine SPÖ genehmen Behördenfunk mit viel Verspätung zu installieren, was Österreich ganz schön Zusatzkosten verursacht hat!

opticartini
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von opticartini » So 18. Aug 2019, 13:17

Beschaffungsvorgänge in der Schweiz wurden ja durch Direkt-Demokratie verzögert, sodass jetzt ein gewisser Termindruck vorhanden ist. Die neuen Gripen wären schlichtweg nicht rechtzeitig fertig gewesen, das sollte wohl schon bekannt gewesen sein. Daher war es sinnlos von den Schweizern, die überhaupt einzuladen und Saab hätte deutlicher darauf hinweisen müssen. Offensichtlich war die Kommunikation auf beiden Seiten nicht optimal.

Wird interessant wie das in der Schweiz ausgeht, die kaufen ja gerne bei den Amerikanern. Die F-35 halte ich für die rein defensiven Aufgaben eines neutralen Landes nicht für optimal, außerdem reißen mich die veröffentlichten Daten (z. B. eingeschränktes Supercruise, max. Speed Mach 1,6) für einen Abfangjäger nicht vom Hocker. Das Preis-Argument scheint nicht mehr zu ziehen, denn zumindest laut Berechnung der Belgier ist die F-35 langfristig billiger als EF und Rafale. Zusätzlich ist die Lobby der amerikanischen Rüstungsindustrie mächtig, den Belgiern wurden angeblich Gegengeschäfte von 3,6 Milliarden Euro versprochen (EF: 2,6 Milliarden).

Die neuesten F-18 "Super Hornet" Modelle wären vermutlich am bewährtesten und kosteneffizientesten (z. B. hinsichtlich der Umschulung des Personals), die Frage ist aber, ob die nicht in der öffentlichen Wahrnehmung als veraltet angesehen werden - obwohl sie dem geforderten Stand der Technik entsprechen. Die "Super Hornet" ist verglichen mit der Konkurrenz ein wahres Monster - mit 18,5 Metern Länge (Hornet: 17m) und 13,5 Metern Spannweite (Hornet: 11,5m) ist das Ding rund 3 Meter länger und breiter als F-35, EF, Rafale.

Eurofighter wäre eine propate Lösung, Flugzeugträger-Fähigkeit brauchen die Schweizer sowieso nicht. Allerdings sehen sich die Schweizer eher als Antithese zur europäischen Integration, als solches hat der Flieger allein schon wegen des Namens ein für Schweizer negatives "Geschmäckle". Zudem hat der EF den Ruf, dass die Luft-Boden-Fähigkeiten schwächer sind als die Konkurrenz und irgendwie scheinen die Schweizer doch großen Wert aufs Bomberl schmeißen zu legen, warum auch immer.

Rafale hat den Start-Vorteil, dass sie die letzte Evaluation zur Nachfolge der F-5 gewann (auch wenn es dann aus wirtschaftlichen Gründen die Gripen werden hätten sollen). Ich kann mir vorstellen, dass aus Schweizer Sicht die Rafale den besten Mix aus Fähigkeiten, aktueller Technik und Preis verfügen.

opticartini
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von opticartini » Do 22. Aug 2019, 23:15

Aus österr. Sicht sind die Schweizer zu beneiden, rund sieben Milliarden Euro sollen in die Aufrüstung der Luftraumverteidigung investiert werden. Wobei Kampfflugzeuge nur ein Teil sind, auch Boden-Luft-Raketen stehen auf der Einkaufsliste.

Dabei verlassen sich die Schweizer nicht auf die Verkaufsprospekte der Hersteller, sondern prüfen die Geräte selbst und veranstalten ein Vergleichsfliegen, wo Missionen zu absolvieren sind. Dagegen wirkt das, was unsere Politiker und Militärs fabrizieren, einigermaßen amateurhaft.

theoderich
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich » Do 22. Aug 2019, 23:30

opticartini hat geschrieben:
So 18. Aug 2019, 13:17
Zudem hat der EF den Ruf, dass die Luft-Boden-Fähigkeiten schwächer sind als die Konkurrenz und irgendwie scheinen die Schweizer doch großen Wert aufs Bomberl schmeißen zu legen, warum auch immer.
Wie kommst Du auf diese Idee?!? Jedes moderne Kampfflugzeug kann Luft-Boden-Waffen einsetzen. Selbst unsere Eurofighter in Tranche 1 Block 5-Konfiguration (GBU-16 Paveway II).

Die deutschen Eurofighter können momentan die GBU-48 AWX kR einsetzen. GBU-54 (LJDAM) und Brimstone müssen erst zertifiziert werden.
  • Luft-Boden-Rolle: Neue Fähigkeit für den Eurofighter (19. Dezember 2017)
    Am 18. Dezember 2017 wurde beim Taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ in Nörvenich ein neues Kapitel in der Fähigkeitsentwicklung des Eurofighter aufgeschlagen. Die laser- und GPS-gesteuerte Bombe GBU-48, entwickelt zur Bekämpfung möglicher Ziele am Boden, wurde im Rahmen eines Appells an die Luftwaffe übergeben.
    https://www.luftwaffe.de/portal/a/luftw ... J10PNC0026
  • 21.09.2018

    Antwort
    der Bundesregierung

    auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sevim Dağdelen, Heike Hänsel, Andrej Hunko, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE. – Drucksache 19/3939 –

    Das Jagdflugzeug „Eurofighter“ als Jagdbomber

    3. In welchem Zeitraum soll die Beschaffung der GBU-48-Bomben stattfinden (bitte die Tranchen nach Zeiträumen und Anzahl der anzuschaffenden Bomben sowie der entsprechenden Kosten auflisten)?

    Die Beschaffung der GBU-48-Umrüstsätze wurde im Jahr 2016 abgeschlossen.
    10. Seit wann besitzen nach Kenntnis der Bundesregierung die Eurofighter Großbritanniens und Spaniens bereits die Mehrrollenfähigkeit (www.welt.de/wirtschaft/article171748835 ... oeren.html)?

    Die Mehrrollenfähigkeit des Waffensystems EUROFIGHTER (u. a. Beladung und Einsatz von Luft-Luft- und Luft-Boden-Waffen) wurde mit dem Ergebnis des viernationalen Entwicklungsprogramms „Phase 1 Enhancements“ für die Nationen Großbritannien, Italien, Spanien und Deutschland Ende des Jahres 2017 erreicht.
    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/043/1904396.pdf
Spanien hat schon 2016 die EGBU-16 am Eurofighter getestet - diese Waffe wird an den Flugzeugen der Tranche 2 und 3 genutzt. Mit OFP-02E können EGBU-16 und MK-83 auch auf Tranche 1-Eurofightern verwendet werden. Außerdem verwendet die Ejército del Aire den KEPD-350 Taurus am Eurofighter.


Schon im Armeeleitbild XXI des Schweizer VBS aus dem Jahr 2001 wurde dieses Thema angesprochen:
Die Armee muss gleichzeitig den Kampf in der Tiefe, im unmittelbaren und im rückwärtigen Operationsraum führen können. Sie verfügt dazu je nach auftragsbezogener Gliederung über 6 bis 8 Kampfbrigaden, entsprechende Kampfunterstützungs- und Logistikverbände des Heeres sowie über die Leistungen der Luftwaffe. Diese führt die Luftverteidigung und unterstützt das Heer. Die Fähigkeit der Luftwaffe zur Bekämpfung von Bodenzielen ist zurzeit nicht vorhanden, soll jedoch wieder aufgebaut werden.
https://www.parlament.ch/centers/docume ... wurf-d.pdf


Luftwaffe Basisdoktrin

- FASSUNG WEISS -


Genehmigt am FAS LW vom 20. Dezember 2001

http://web.archive.org/web/200303151802 ... loads.html
  • 4.1 Raumsicherung und Verteidigung

    [...]

    4.1.2 Sicherheitspolitischer Beitrag der Luftwaffe

    Bereits in der normalen Lage stellt die Luftwaffe subsidiär im Auftrag des Bundesamts für Zivilluftfahrt (BAZL) die Kontrolle des Luftraumes zur Durchsetzung der schweizerischen Lufthoheit sicher.

    Die konsequente Durchführung des Luftpolizeidienstes zur Wahrung der schweizerischen Lufthoheit ist insbesondere in Krisenlagen von hoher Bedeutung. Sie kann unter Umständen darüber entscheiden, ob unser Land in einen Konflikt hineingezogen wird oder nicht.

    Aus den in den Abschnitten 1.4 bis 1.6 genannten Gründen ist die Erkämpfung bzw. Erhaltung der Luftüberlegenheit im eigenen Luftraum eine absolute Notwendigkeit im Verteidigungsfall. Sie ist die erste Priorität für die Luftwaffe. Die Luftüberlegenheit im eigenen Luftraum muss für die Dauer eines Konfliktes erkämpft und gehalten werden können und ist nicht nur in der ersten Phase eines Konflikts entscheidend.
    Grössere Operationen am Boden brauchen fallweise intensive Feuerunterstützung. Luftmacht bietet in der Erbringung dieser Feuerunterstützung wesentliche Vorteile, vor allem durch die überlegene Mobilität, die es ermöglicht, praktisch verzugslos zu einem entfernten Ziel vorstossen, das nicht im Wirkungsbereich terrestrischer Systeme liegt. Diese Fähigkeit von Luftmacht bedeutet Handlungsfähigkeit für die Armee. Sie basiert auf der Reichweite der luftgestützten Systeme einerseits und der grossen Einsatzdistanz heutiger Präzisionswaffen andererseits. Ein weiterer Vorteil luftgestützter Feuerunterstützung für das Heer ist die Möglichkeit zur Schwerpunktbildung und der Konzentration grosser Feuermengen innerhalb von Minuten über das ganze Land hinweg. Der mittelfristige Wiederaufbau entsprechenden Leistungsvermögens stellt ein wichtiges Ziel für die Luftwaffe dar.
    http://web.archive.org/web/200305200345 ... 12-20).pdf

Die Forderung nach einer Luft-Boden-Bewaffnung konnte auch aus dem Armeebericht 2010 abgeleitet werden:
Materielle Fähigkeitslücken bestehen vor allem bei der Abwehr eines militärischen Angriffs.

Bei der Fähigkeit zur Abwehr eines militärischen Angriffs, die sehr kostenintensiv ist, bestehen die meisten Fähigkeitslücken (z.B. operative Aufklärung aus der Luft, operatives Feuer, Luft–Boden-Fähigkeiten der Luftwaffe, Gefechtsfeldlogistik, indirekte taktische Feuerunterstützung Boden–Boden). Soweit diese nicht geschlossen werden können, verbleiben sie als Aufgabe für einen Aufwuchs beziehungsweise als kalkuliertes Risiko. Daraus ergeben sich Unsicherheiten für die Ausbildung, weil unklar ist, über welche Mittel die Armee verfügen beziehungsweise nicht verfügen wird.
4.5 Konsequenzen für die Armee

[...]

Die Luftwaffe verteidigt mit Flieger- und Fliegerabwehrmitteln den Luftraum und unterstützt das Heer aus der Luft.

Bezüglich Unterstützung des Heeres aus der Luft besteht seit fast zwanzig Jahren eine Fähigkeitslücke, die mit dem Tiger-Teilersatz zumindest bezüglich Know-how gefüllt werden soll.
6.3.2 Umsetzung in der Luft

Erhaltung und Weiterentwicklung der Kernkompetenz Verteidigung

Für Luftoperationen werden in allen Lagen und für das ganze Leistungsspektrum zahlreiche Fähigkeiten benötigt [Planung und Führung der Operationen und Einsätze auf allen Stufen, Luftraumüberwachung mit Sensoren, luft- und bodengestützte Luftverteidigung, Luftmobilität, Aufklärung mit luftgestützten Sensoren, Feuerunterstützung Luft–Boden, Betrieb und Unterhalt der Mittel und Infrastrukturen für Einsatz und Ausbildung sowie der Schutz der eigenen Kräfte.]. Die meisten Fähigkeiten und Mittel werden für alle Arten von Einsätzen benötigt, sind also vielfältig einsetzbar. Heute bestehen bei der Verteidigungskompetenz der Luftwaffe allerdings Fähigkeitslücken. So fehlen Fähigkeiten für die Feuerunterstützung Luft–Boden oder die operative Aufklärung mit luftgestützten Sensoren. Daneben fehlen bei der bodengestützten Luftverteidigung [Verbände, die mit Fliegerabwehr-Radargeräten, -Kanonen und -Lenkwaffen ausgerüstet sind.] Fähigkeiten, um Flugzeuge und Fernwaffen (Marschflugkörper oder Raketen) auf grösseren Höhen und auf grössere Distanzen bekämpfen zu können.

Bei der Weiterentwicklung der Komponente Luft geht es um die Erhöhung der Durchhaltefähigkeit und/oder die Handhabung von Fähigkeitslücken. Eine Erhöhung der Durchhaltefähigkeit für die Wahrung der Lufthoheit und für die Luftverteidigung erfordert den möglichst baldigen Teilersatz des Kampfflugzeuges F-5 Tiger. Damit könnten auch mehrere weitere Fähigkeitslücken zumindest teilweise geschlossen werden: die Feuerunterstützung Luft–Boden und die operative Aufklärung mit luftgestützten Sensoren. Die bodengestützte Luftverteidigung muss erste Fähigkeiten aufbauen, um Flugobjekte auf grösseren Höhen und auf grössere Distanzen bekämpfen zu können.
https://www.admin.ch/opc/de/federal-gaz ... 0/8871.pdf


Beim Tiger-Teilersatz waren "Missionsausrüstungen für Luft-Boden, inkl. Bomben (8 Flugzeuge)" gefordert. 8 Flugzeuge von 22, bei einer Gesamtflotte von damals geplanten 55 Flugzeugen (22 JAS-39E + 33 F/A-18C/D) sind wirklich nicht viel. Und es ging dabei explizit darum, die im Armeebericht angesprochenen Fähigkeitslücken in den Bereichen Luft-Boden und Luftaufklärung (4 "Missionsausrüstungen für Aufklärung") zu schließen und einen Fähigkeitserhalt auf niedrigem Niveau zu gewährleisten.
  • Botschaft
    zur Beschaffung des Kampfflugzeugs Gripen
    (Rüstungsprogramm 2012 und Gripen-Fondsgesetz)

    Beim Ersatz der F-5 Tiger – Tiger-Teilersatz (TTE) genannt – geht es darum, die 54 F-5 Tiger mit weniger, aber leistungsfähigeren Flugzeugen zu ersetzen. Mit 22 solcher Flugzeuge und den 33 F/A-18 wird der Schutz des Luftraumes in allen Lagen mit einer gewissen Durchhaltefähigkeit gewährleistet sein. Gleichzeitig sollen in bescheidenem Rahmen Grundfähigkeiten für die Luftaufklärung und die Unterstützung des Heeres
    bei der Bekämpfung von Bodenzielen wieder aufgebaut werden. Diese beiden Fähigkeiten sind mit den Ausserdienststellungen der Mirage IIIRS-Flotte 2004 und der Hunter-Flotte 1995 aus Prioritätsgründen vorübergehend aufgegeben worden.
    Sie sind aber für das Knowhow zur Abwehr eines militärischen Angriffs wesentlich; die Luftaufklärung dient zudem in allen Lagen der Nachrichtenbeschaffung.
    Bekämpfung von Bodenzielen (Luft-Boden)

    Aufgabe

    Im Fall eines militärischen Angriffes hat die Luftwaffe auch die Aufgabe, das Heer bei der Bekämpfung von Bodenzielen zu unterstützen. Mit der Ausserdienststellung der Hunter im Jahr 1995 wurde diese Fähigkeit aufgegeben. Es ist beabsichtigt, das Knowhow dafür mit wenigen, aber modernen Flugzeugen wieder aufzubauen – wie bei der Luftaufklärung als Grundfähigkeit, um das Knowhow in Zukunft erhalten und weiterentwickeln zu können. Die Bekämpfung von Bodenzielen und die Luftaufklärung haben aber keinen Einfluss auf die Anzahl der zu beschaffenden Flugzeuge, solange diese nur zum Aufbau einer Grundfähigkeit dienen. Die Anzahl bemisst sich am Bedarf für den Luftpolizeidienst und die Luftverteidigung.

    Anforderungen

    Das Flugzeug soll die Fähigkeit haben, rund um die Uhr und bei jedem Wetter mit Präzisionswaffen mit kombinierten Lenksystemen (Laser oder GPS) Einsätze gegen Bodenziele durchzuführen. Die dazu benötigten Zielinformationen werden entweder mit einem Missionsplanungssystem am Boden programmiert oder während des Fluges durch eine Bodenstation oder ein anderes Flugzeug per Datenverbindung übermittelt und im Flug programmiert. Die Zieleinweisung und die Zielbeleuchtung sollen sowohl aus der Luft als auch vom Boden aus möglich sein.

    Die Luft-Boden-Bewaffnung soll für jeden Einsatz entsprechend der Bedrohung und der geforderten Zielbekämpfung flexibel ausgestaltet werden können. Für die gleichzeitige Bekämpfung mehrerer Ziele mit Lenkbomben soll der bordeigene Computer die ideale Abwurfregion berechnen und dem Piloten darstellen können.

    Da die Fähigkeit zur Bekämpfung von Bodenzielen mit Präzisionswaffen parallel zur Luftverteidigungs-Rolle möglich sein soll, muss sich das Flugzeug im Hin- und Rückflug selbst gegen andere Flugzeuge und Fliegerabwehrsysteme verteidigen können. Zudem soll das System nach einem Angriff mit bordeigenen Sensoren eine erste Beurteilung der Waffenwirkung vornehmen können.

    Die Flugeigenschaften und die Wendigkeit des Flugzeugs dürfen durch die Beladung mit Luft-Boden-Waffen nur minimal reduziert werden. Nach dem Einsatz der Luft-Boden-Waffen soll das Flugzeug seine Flugeigenschaften voll ausnützen können und sofort für weitere Einsätze zur Verfügung stehen.
    Für Luft-Boden-Einsätze von Lenkbomben sind Laser-Zielbeleuchtungsbehälter vom Typ «Litening» vorgesehen. Sie werden ebenfalls von der schwedischen Luftwaffe verwendet. Als Lenkbomben sind 220 Kilogramm schwere Sprengbomben mit vor dem Abwurf wählbarer Laser- oder GPS-Lenkung vorgesehen. Sie weisen eine hohe Treffgenauigkeit auf und können auch nachts und bei schlechtem Wetter eingesetzt werden.
    https://www.admin.ch/opc/de/federal-gaz ... 2/9281.pdf

opticartini hat geschrieben:
Do 22. Aug 2019, 23:15
Dabei verlassen sich die Schweizer nicht auf die Verkaufsprospekte der Hersteller, sondern prüfen die Geräte selbst und veranstalten ein Vergleichsfliegen, wo Missionen zu absolvieren sind. Dagegen wirkt das, was unsere Politiker und Militärs fabrizieren, einigermaßen amateurhaft.
Als die "Draken"-Nachfolge vorbereitet wurde, gab es mit fast allen Kandidaten (außer dem "Eurofighter") Flugerprobungen:
  • 27 08 1997
    Bundesheer erprobt Leistungsfähigkeit von Kampfflugzeugen


    Wien (BMLV) - Seit Montag setzt das österreichische Bundesheer die Grundlagenerhebung bezüglich der Leistungsfähigkeit der allenfalls als Draken-Nachfolger in Frage kommenden Kampflugzeuge mit der Überprüfung der Mirage 2000-5 in Österreich fort. Bis Ende Oktober sind weitere Überprüfungen unter anderem mit dem Gripen und der MIG 29 vorgesehen. Diese Erhebungen dienen ausschließlich dazu, in einem objektiven Verfahren, das bereits seit 1996 läuft, Grundlagen für eine politische Entscheidung über ein mögliches Nachfolgemuster für den SAAB 35 OE Draken zu gewinnen.

    Diese Überprüfung hat keine präjudizierende Wirkung. Eine Typenentscheidung kann erst nach der politischen Grundsatzentscheidung sowie einem Vergabe- bzw. Bewertungsverfahren erfolgen.

    Die Überprüfung der Flugzeuge dauert jeweils eine Woche, wobei insbesondere die Leistungsfähigkeit des Flugzeugsystems bei der Luftraumüberwachung im spezifischen Umfeld bzw. Einsatzraum geprüft wird. Die Erprobungen laufen nach Art und Umfang unter Ausschaltung aller möglicher Störfaktoren nach gleichem Schema ab, um einerseits eine identische Behandlung und andererseits vergleichbare Ergebnisse sicherzustellen. Die zu überprüfenden Flugzeugtypen wurden einer breiten Öffentlichkeit bereits anläßlich des Tages der österreichischen Luftstreitkräfte - Flugtag 97 in Zeltweg am 20. und 21. Juni 1997 vorgestellt.
    http://web.archive.org/web/199801291007 ... index.html
  • 200 "Gripen" für die schwedische Luftwaffe, in: Truppendienst, H 3 (1997), p. 276
    Österreichische Piloten testen "Gripen"

    Zwei Piloten und ein Flugtechniker des österreichischen Bundesheeres haben im März d. J. bei Saab in Linköping, Schweden, im Rahmen einer Vorevaluation für die "Draken"-Nachfolge den JAS-39B "Gripen" getestet. Dabei wurden neun Testflüge mit dem Doppelsitzer absolviert. Zuvor verbrachten die Piloten rund 50 Stunden am Simulator. Im Zuge des Besuches wurden auch die Produktionsanlagen in Linköping besucht sowie taktisch-militärische Fragen und der Themenkreis Wartung mit Piloten und Technikern der schwedischen Luftwaffe und von Saab besprochen.
    https://bibisdata.bmlv.gv.at/192592.pdf
  • Untersuchungsausschussprotokoll (1/GO) 7. Sitzung, 15. und 16.12.2006 - öffentlicher Teil (44/KOMM)
    GenMjr Mag. Erich Wolf: Im Projekt Nachfolge-Luftraumüberwachungsflugzeug bin ich geflogen: F-16, F-18, Mirage 2000-5, MiG 29, Kfir, Gripen. Das war, wie gesagt, in der Evaluierungsphase. Die Mirage und den Gripen auch in Österreich, wobei ich schon festhalten möchte, dass das keine Flüge waren, wo man einmal kurz eingestiegen ist und eine Runde gedreht hat, sondern wir haben für die Evaluierung ein sehr konkretes und gleichermaßen für alle angewendetes Programm entwickelt, basierend auf einer Ausbildung, die der zweite Pilot, also der jetzige Oberstleutnant Six und ich Ende 1995 erfahren haben.

    Da haben wir dann ein Programm entwickelt und gleichermaßen alle Luftfahrzeugsysteme evaluiert – basierend auf diesem Programm. Und für diese Evaluierung in Österreich wurde das Programm noch ganz spezifisch auf die österreichischen Verhältnisse angepasst, auf die Herausforderungen in Österreich. Bei den Systemen Mirage 2000-5 und Gripen konnte das – da hat es eine glückliche Wetterlage gegeben – fast unter „Laborbedingungen“, könnte man sagen, gleichermaßen abgewickelt werden.
    GenMjr Mag. Erich Wolf: Ich möchte noch einmal sagen: Es waren Evaluierungen. Wir unterscheiden zwischen Erprobung und Evaluierung. Evaluierung, um eben den Sachstand herauszufiltern, weil ja das auch immer eine Art Momentaufnahme ist – nämlich jene Systeme betreffend, wie Sie zu diesem Zeitpunkt verfügbar sind.

    Ganz klar war, dass an der Spitze der Entwicklung zum damaligen Zeitpunkt Mitte der neunziger Jahre, zweite Hälfte der neunziger Jahre – da wird man überrascht sein – die Mirage 2000-5 gestanden ist, also ein weitestgehend modernes und leistungsfähiges Flugzeug, wo alle Systeme, die es damals im Betrieb gegeben hat – das waren ja Luftfahrzeuge aus dem operationellen Betrieb –, nicht nur das Radar, sondern die sonstige Sensorik integriert vorhanden waren. Das war damals die Maschine, die am weitesten entwickelt war.

    Sicher waren bereits auch die Fähigkeit des Gripen beeindruckend, aber ich wiederhole noch einmal: Mirage war am weitesten entwickelt: die F-16, F-18, als diese Typen, wie sie erprobt wurden, ausgereizte Systeme der Type, wie sie waren – also A, B beziehungsweise F-16 in der Konfiguration Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre.

    Wir haben die Evaluierungen bei MiG-29 wegen – würde ich sagen – Zwecklosigkeit abgebrochen. Dasselbe haben wir auch beim Kfir in Israel wegen Zwecklosigkeit getan – weil historisch veraltet, Systeme nicht erkennbar in welcher Leistungsfähigkeit – kurz gefasst.
    https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XX ... ndex.shtml
"Amateurhaft" wurde es erst, als unter Doskozil nach dem Motto "Nach uns die Sintflut" nach einem Grund gesucht wurde, um den Eurofighter nach nur zehn Jahren Betrieb außer Dienst zu stellen und ohne Ausschreibung, Angebotsbewertung und Flugerprobung das Muster eines "parteipolitisch gewünschten" Herstellers anzuschaffen.
Zuletzt geändert von theoderich am Sa 12. Okt 2019, 20:58, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von opticartini » Fr 23. Aug 2019, 11:08

Einsetzen? Ja! Die Frage ist: Wie gut?

Dass der Eurofighter nicht von Grund auf als Erdkampfflugzeug ausgelegt wurde, ist weithin bekannt und wird auch nicht geleugnet. Soweit ich mich erinnere, war mangelhafte Luft-Boden-Fähigkeiten auch das Ergebnis bei der letzten Schweizer Evaluierung. Dass sich das mittlerweile stark verbessert hat, ist Experten bekannt, das ändert aber nichts an seinem Ruf, der in einer Direkt-Demokratie durchaus entscheidender sein kann, als die aktuellen Daten.

Politisch amateurhaft ist der gesamte Kampfflugzeug-Betrieb seit Jahrzehnten quer durch alle Parteien.

theoderich
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich » Fr 23. Aug 2019, 12:07

opticartini hat geschrieben:
Fr 23. Aug 2019, 11:08
Soweit ich mich erinnere, war mangelhafte Luft-Boden-Fähigkeiten auch das Ergebnis bei der letzten Schweizer Evaluierung.
Explizit als Minuspunkte wurden im Evaluationsbericht Sensordatenfusion und DASS ("EW suite") angeführt. Außerdem sei es mit dem Eurofighter nicht möglich gewesen, mehrere Bodenziele bei einem Einsatz anzugreifen.

EADS hätte den Eurofighter mit Tranche 3 P1E an die Schweizer Luftwaffe geliefert (P1E wurde 2007 unter Vertrag genommen und 2014 in Dienst gestellt. Es umfasste u.a. auch Erweiterungen, die bisher nur bei Tranche 1-Flugzeugen der Royal Air Force als "Drops" eingeführt waren. P1Ea wurde mit dem Software Release Package SRP 10 implementiert und P1Eb mit dem SRP 12.). In der Flugerprobung befanden sich aber die 30+42 der deutschen Luftwaffe, Produktionsnummer GT015, das letzte Flugzeug der Tranche 1 Block 5, und die 98+03, Produktionsnummer PT003, das erste bei EADS gefertigte Instrumented Production Aircraft aus der Tranche 1 (IPA3)!

Bild
https://www.mediathek.admin.ch/media/im ... dfa227c92b

Bild
https://www.mediathek.admin.ch/media/im ... 7945c0ac7b


Welche "Gripen" wurden erprobt? 822 und 829. Das sind JAS-39D, die dem Produktionsstandard MS19 entsprachen.

https://sv.wikipedia.org/wiki/Lista_%C3 ... _39_Gripen
  • 2002 september

    Fredagen den 6 september skedde en leveranscermoni av det första exemplaret av JAS39C från Saab till FMV. Det skedde i Linköping där generaldirektör Birgitta Böhlin symboliskt tog emot flygplanet genom att motta dess loggbok av Saab Aerospace vd Åke Svensson.
    http://web.archive.org/web/200312192142 ... ://fmv.se/
  • Saab receives 1 Billion SEK order for Continued Development of the Gripen System (3. Juli 2006)
    The order covers various software upgrades as well as other development activities supporting the long term development of the Gripen system.
    https://saabgroup.com/media/news-press/ ... en-system/
MS19 wurde im Februar 2010 vom FMV freigegeben und umfasste die IRIS-T, verbesserte Nachtflugfähigkeit (Nachtsichtbrillen), längere Flugdauer (8 statt 6,6 Stunden), neue Luft-Boden-Lenkwaffen und Bomben (Precision weapon system 39/PWS 39: Raytheon GBU-12, Laser Designator Pod) und Link 16:
The development of version 19 of the Gripen system started in 2006.
In February 2010, the Aviation Safety Inspectorate issued a Materiel System Clearance (MSI) for the JAS 39 Gripen system. This means that FMV has demonstrated that the work methods, procedures and documentation within the system satisfy the requirements of RML for an authorized supplier of defence systems and that the system is safe and meets the requirements.
http://web.archive.org/web/201108080749 ... ppslag.pdf

Bild
https://www.mediathek.admin.ch/media/im ... bdc983a117

Gewisse Fähigkeiten befanden sich damals für die JAS-39C/D nach wie vor in der Entwicklungsphase. Beispielsweise die MBDA "Meteor" oder die IRIS-T, die erst ein Jahr nach den Schweizer Testflügen die Freigabe auf der JAS-39 C/D erhielt. MS20 (Meteor, Small Diameter Bomb - SDB, ABC-Schutz, Ground Collision Avoidance System - GCAS) wurde gar erst im Mai 2016 vom FMV freigegeben:
Der "Gripen Demo" hatte erst vier Monate vor der Schweizer Evaluation seinen Roll-out und eine offizielle Order durch FMV folgte erst fünf Jahre später:

In den damaligen Schweizer Zeitungsberichten wurde aber suggeriert, die armasuisse hätte JAS-39E einer Flugerprobung unterzogen!
  • PLATTNER Titus: Gripen: Sechsmal Note ungenügend, in: Basler Sonntagszeitung vom 12. Februar 2012
    Die Details und die Einzelauswertungen dieses Luftwaffenberichtes vom November 2009 lassen kein gutes Haar am Gripen: Für Luftpolizei-Missionen erhielt er auf einer Skala von 0 bis 10 die Note 5,33. Mindestens eine 6 muss ein Jet erreichen, um die «minimalen erwarteten Fähigkeiten» zu erfüllen. Der Eurofighter kam im Bereich Luftpolizei auf 6,48, der Rafale auf 6,98.
    Doch auch der neue Gripen E/F, den die Schweiz beschaffen will (im Bericht als MS21 bezeichnet), erreichte in keinem der sechs getesteten Bereiche die Note 6. Für die Mission «Luftpolizei» erhielt der Gripen sogar die schlechteste Note. Vor allem wegen zu langsamer Abflugzeiten im Notfall (Note 4,7) und einer schlechten Ausdauerleistung (Note 3,8).
    Als Minimalnote 6 gilt die Leistung des F/A 18, den die Schweiz seit 1997 im Einsatz hat.
    http://sfae9b8224de93aec.jimcontent.com ... 12-003.pdf
  • Kampfjet Gripen mit unbefriedigenden Noten (27. November 2011)
    Dies zeigen zwei Evaluationsberichte, die Luftwaffenkommandant Markus Gygax unterschrieben hat. Der erste Bericht wurde 2008 verfasst, unmittelbar nach Abschluss der umfangreichen Flug- und Bodenerprobung der drei Kandidaten Rafale, Eurofighter und Gripen.

    Der zweite Bericht datiert aus dem Jahr 2009 und schliesst die zweite, bis heute massgebende Evaluationsphase ab. Ziel dieser zweiten Evaluationsphase war es, die bei jedem der drei Flugzeuge vorgesehenen Anpassungen und Verbesserungen zwischen der praktischen Flugversuchsphase 2008 und der vorgesehenen Auslieferung im Jahr 2015 zu eruieren.

    Offiziell wurde bisher stets verlautbart, alle drei Kampfflugzeuge genügten den Minimalanforderungen. In einem Interview vom vergangenen Samstag in der NZZ erklärte Korpskommandant Markus Gygax etwa: «Wir haben eine Benchmark gesetzt, wobei uns die F/A-18 als Vergleichsgrösse diente. Ich habe dem Bundesrat gemeldet, dass alle evaluierten Typen unser Anforderungsprofil erfüllen.» Und weiter gab der Kommandant der Luftwaffe zu Protokoll: «Ich bin glücklich, dass alle an der Evaluation beteiligten Typen die Benchmark erreichen. Das heisst, dass ich mit jedem Entscheid leben kann.»

    Berichte widersprechen Gygax

    Die beiden vertraulich klassifizierten Berichte widersprechen dieser Darstellung nun aber deutlich. Gemäss dem Evaluationsbericht 2009 ist das preislich günstigste Flugzeug unter den Anbietern klar durchgefallen, nämlich der schwedische Gripen von Saab. Im Bericht heisst es: «Der Rafale ist das einzige Flugzeug, welches die Anforderungen der Luftwaffe in allen Einsatzarten erfüllt hat.»

    Gripen habe in der zweiten Evaluationsphase gegenüber den beiden anderen Flugzeugen zwar aufholen können. «Trotzdem reichte es nicht, dass Gripen diese Schwelle grundsätzlich und unabhängig vom Missionstyp überschreiten konnte.» Im ersten Evaluationsbericht, der nach einer Vielzahl von Tests sowie simulierten Kampf-, Luftpolizei und Aufklärungsaufträgen verfasst wurde, heisst es: «Der Gripen konnte in allen Einsatzarten eingesetzt werden, zeigte aber mehrere Defizite, welche eine effiziente Durchführung der Aufträge ernsthaft infrage stellten. Aufgrund seiner Konstruktion waren die Einsatzdauer, die Flugleistungen sowie die maximale Waffentraglast die am meisten einschränkenden Faktoren.»

    Minimalziele nicht erreicht

    Als «unbefriedigend» bezeichnen die Jet-Experten von Armasuisse und Luftwaffe den Gripen in den Bereichen «Luft-Luft» (das heisst in der Luftverteidigung und im Kampf gegen andere Flieger) sowie im Bereich «Luft-Boden». Mit «Luft-Boden» ist die Bekämpfung von Bodenzielen aus der Luft gemeint.

    Demnach sei die modernisierte Version des Gripen, der MS 21 heisst, nicht in der Lage, die beiden anderen Kampfflugzeugtypen Rafale und Eurofighter zu konkurrieren. Gripen habe in allen Anforderungsbereichen die Minimalziele nicht erreicht. Noch schlechter schnitt Gripen im ersten Evaluationsbericht ab: «Die Leistung des Gripen wurde bei Luft-Luft-Einsätzen sowie Angriffseinsätzen als ungenügend beurteilt», heisst es schon in der englischsprachigen Einleitung.

    Eher überraschend dürfte sein, dass der Gripen auch bei Luftpolizeieinsätzen das Prädikat «unbefriedigend» erhalten hat; dies, weil er in vier von dreizehn getesteten Punkten ungenügend abgeschnitten hat (darunter Ausdauer, Datenverbreitung, Leistung). In diesem Anforderungsprofil haben der französische Rafale und der deutsch-englisch-spanische Eurofighter klar bessere Leistungen gebracht.
    Die bekannt gegebene Absicht von Luftwaffe und Verteidigungsminister Maurer ist es, künftig auf eine Einflottenpolitik zu setzen. Das heisst, der neu zu beschaffende Kampfjet soll zuerst den veralteten Tiger ersetzen, später dann auch die F/A-18. Schlecht sieht es diesbezüglich für Gripen aus. Im Bericht heisst es auf Seite 16 unter Punkt 5.3: «Rafale und Eurofighter zeigten generell bessere Leistungen als die F/A-18, Gripen schlechtere (‹the Gripen performed worse›)».
    https://www.bazonline.ch/schweiz/standa ... y/10934828

Und was die "Rafale" betrifft: Erprobt wurden die Flugzeuge 301 und 307. Diese entsprachen dem Standard F2 (MICA IR, MICA RF, SCALP-EG, AASM/armement air-sol modulaire, Luft-Boden-Funktion für Bordradar RBE2, Optronique Secteur Frontal, MIDS-LVT, Modular Data Processing Unit, Direct Voice Input System, Luft-Boden-Betriebsart für das Bordradar RBE2, 3D-Datenbank für Betrieb als Geländefolgeradar, zusätzliche Betriebsarten für Selbstschutzsystem Spectra). F2 wurde ab Dezember 2004 an die Armée de l'Air geliefert:

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https://www.mediathek.admin.ch/media/image/series/5153

Im Dezember 2005 qualifizierte die DGA den Standard F2.1, im Juni 2006 den Standard F2.2 (Obsoleszenzbeseitigung). Als das französische Verteidigungsministerium Anfang Oktober 2006 ein Urgent Operational Requirement für lasergesteuerte Waffen an der "Rafale" verlautbarte, wurde am 17. November mit Dassault Aviation ein Vertrag zur Integration der GBU-12/22 abgeschlossen (die Besatzungen mussten sich mangels Laserzielbehälter mit "buddy-lasing" oder der Unterstützung durch Forward Air Controller begnügen).

Der Standard F3 (Seezielflugkörper AM39/Exocet; Aufklärungsbehälter RECO NG; Nuklearmarschflugkörper ASMPA; HMD Sagem Gerfaut; SAR-Modus für das Bordradar) wurde im Juni 2010, nach sechsjähriger Entwicklung (Vertrag: Februar 2004 - geplante Einführung: 2008), freigegeben:
Dazwischen gab es auch noch einen Standard F3.3, der seit Mai 2013 bei der Armée de l'Air eingeführt ist. Dabei wurden Verbesserungen bei Link 16 und der Feuerleitung lasergesteuerter Waffen eingeführt (Laserzielbehälter Damoclés; GBU-24), wie auch neue Sensorik (Front Sector Optronics-Improved Technologies/FSO-IT; Missile Warning System-New Generation/MWS-NG).

Außerdem den Standard F3.4+, der Softwareupgrades in den Bereichen Erfassung von Informationen durch den Piloten, Umwandlung von Koordinaten in den NATO-Standard MGRS, einer Warnanzeige bei ungewöhnlicher Fluglage im HUD, ein Alarmsignal bei möglicher Überlastung des Flugzeugs beim Start und die Möglichkeit zur Umschaltung zwischen Geländefolgeradar und Digitalkarte in Echtzeit umfasste:
Im übrigen wird die MBDA "Meteor" bei der Armée de l'Air erst mit dem Standard F3-R der Dassault Rafale eingeführt werden, der sich seit 2019 in der Erprobung befindet. Das bedeutet die Einführung folgender Fähigkeiten: MBDA "Meteor"; Laserzielbehälter Talios (PDL NG); Laserlenkung für AASM zum Einsatz gegen bewegliche Ziele; AGCAS (Automatic Ground Collision Avoidance System); weiterentwickeltes Selbstschutzsystem SPECTRA. F3-R beinhaltet außerdem IFF Mode 5, verbesserten Link 16, neue GPS-Chips und die "Rafale" der Marine Nationale erhalten darüber hinaus eine neue Luftbetankungssonde.
Heuer wurde die Entwicklung des Standards F4 gestartet. D.h. Verbesserung des Selbstschutzsystems Spectra, des IRST Optronique secteur frontal (OSF), des Zielbehäters Talios, des Radars mit elektronischer Strahlschwenkung RBE2, die Einführung von verbesserten Waffen der Typen ASMP-A, SCALP und AASM 1000 kg sowie neuer Diagnosefunktionen für die (präventive) Wartung des Flugzeugs und die Erneuerung des Rechners des Triebwerks M88:

P.S.: SRP 12/P1E(b) wurde übrigens u.a. am IPA2 getestet, das ist jener Eurofighter, anhand dem die österreichischen Flugzeuge auf Tranche 2-Funktionalität aufgerüstet worden wären. Derzeit fliegen wir mit SRP 4.3A:
Die Fähigkeiten der verschiedenen Software Release Packages der Tranche 1 sind hier beschrieben:
  • SRP 1 (Entry into Service; entrada en servicio/EIS)
  • SRP 2 (Initial Operating Capability)
    • ASRAAM
    • IRIS-T (analog)
    • AIM-9L Sidewinder
    • AMRAAM (Basisfähigkeit)
  • SRP 3 (Vollbefähigung Luft-Luft)
    • DASS (Basisfähigkeit)
  • SRP 4 (Basisbefähigung Luft-Boden)
    • Luft-Boden-Betrieb des Bordradars CAPTOR
    • Direct Voice Input (DVI)
    • Carefree Handling (CFH)
    • AMRAAM
  • SRP 4.1/SRP 4.2 (Swing Role)
    • AMRAAM C-5
    • GBU-10/16
    • Paveway II
      • Laserbeleuchtung für Enhanced Paveway II (SRP 4.2; wurde nur von UK implementiert)
    • Laser Designator Pod
    • IRST (PIRATE)
    • Helmdisplay mit eingeschränkter Funktion (Projektion des HUD ins Helmdisplay)
    • eingeschränkte Sensorfusion
  • SRP 4.3 (FOC)
    • Helmdisplay mit voller Funktion
    • Carefree Handling (CFH) mit voller Funktion
    • DASS inkl. Towed Decoy
    • IRST
    • volle Sensorfusion
    • Funkgeräte (8,33 MHz)
    • GPS
    • Neue Funktionen von MIDS zur Interoperabilität in zivilen Lufträumen
http://www.ejercitodelaire.mde.es/stweb ... 243EB7.pdf
Zuletzt geändert von theoderich am So 25. Aug 2019, 00:34, insgesamt 48-mal geändert.

Berni88
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von Berni88 » Fr 23. Aug 2019, 16:25


opticartini
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von opticartini » So 25. Aug 2019, 18:56

theoderich hat geschrieben:
Fr 23. Aug 2019, 12:07
opticartini hat geschrieben:
Fr 23. Aug 2019, 11:08
Soweit ich mich erinnere, war mangelhafte Luft-Boden-Fähigkeiten auch das Ergebnis bei der letzten Schweizer Evaluierung.
Explizit als Minuspunkte wurden im Evaluationsbericht Sensordatenfusion und DASS ("EW suite") angeführt. Außerdem sei es mit dem Eurofighter nicht möglich gewesen, mehrere Bodenziele bei einem Einsatz anzugreifen.

https://www.offiziere.ch/wp-content/upl ... lease1.pdf[/list][/list]
Genau den Bericht hatte ich in Erinnerung.

- Rafale gewann Flugtests
- Eurofighter wurde in fast allen Bereichen schwächer als Rafale eingestuft
- Gripen wurde trotz deutlichen Schwächen (im Vergleich zu den vorhandenen F-18) aus finanziellen und politischen Gründen ausgewählt

Artikel dazu: https://www.ainonline.com/aviation-news ... ning-point

>>Reviewing the decision a few months ago, former Swiss Air Force commander Gen. Max Gygax admitted that, in the end, the choice was a political one. “The Gripen is multi-role, and life-cycle costs are very important,” he told journalists at the Paris Air Show in June. “The Gripen-E is a big step forward from the current C/D version,” he noted. But even the latter’s performance in the 2008 fly-off was much closer to that of the Eurofighter and Rafale than the Swiss evaluation team had anticipated, he told AIN.

As the clear winner of the flight evaluation, the Rafale won the battle, but lost the war in Switzerland. The Eurofighter did not emerge with much credit. Gygax told AIN that he did not expect the four-nation jet to score worse than the Rafale in air-to-air roles. Moreover, he added, the unpublished reports on maintenance and training did not rate the Eurofighter any better than the Rafale. “The spares are possibly cheaper because of the large number of aircraft, but it’s a very manpower-intensive aircraft,” he said.<<

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