Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

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theoderich
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich »

opticartini hat geschrieben:
So 19. Apr 2020, 22:02
Dazu kommt, dass es einige Halbgebildete gibt, die dann meinen dafür bräuchte man unbedingt ein IRST
Frag' mal "Halbgebildete" wie den Kommandanten der Luftraumüberwachung oder des Überwachungsgeschwaders, was sie von solchen Unterstellungen halten!

opticartini
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von opticartini »

theoderich hat geschrieben:
So 19. Apr 2020, 22:40
opticartini hat geschrieben:
So 19. Apr 2020, 22:02
Dazu kommt, dass es einige Halbgebildete gibt, die dann meinen dafür bräuchte man unbedingt ein IRST
Frag' mal "Halbgebildete" wie den Kommandanten der Luftraumüberwachung oder des Überwachungsgeschwaders, was sie von solchen Unterstellungen halten!
Ah ja, ein Autoritätsargument, das bringst du sehr gerne. Da Autorität als solche keine Garantie für Wahrheit ist, handelt es sich nicht um eine logisch zwingende Schlussfolgerung.

Ich frag lieber die Deutschen, wie die das machen, dass sie seit mittlerweile über einem Jahrzehnt nicht nur ihren eigenen, bedeutend größeren Luftraum überwachen, sondern auch im Auftrag der NATO den Russen am Schwarzen Meer und Baltikum Paroli bieten und an renommierten, internationalen Manövern wie Red Flag in den USA und Blue Flag in Israel teilnehmen. Und zwar geht das alles ohne das eingebaute IRST, ohne das die österreichischen Kommandanten ihre Flieger angeblich in der Nacht nicht einsetzen können. Das ist doch lächerlich.

theoderich
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich »

opticartini hat geschrieben:
Mo 20. Apr 2020, 19:21
Ah ja, ein Autoritätsargument, das bringst du sehr gerne. Da Autorität als solche keine Garantie für Wahrheit ist, handelt es sich nicht um eine logisch zwingende Schlussfolgerung.
So ein Blödsinn! Von wegen "Autoritätsargument"! Das sind keine Leute die "herumtheoretisieren", sondern tagtäglich mit dem System zu tun haben!!
opticartini hat geschrieben:
Mo 20. Apr 2020, 19:21
Ich frag lieber die Deutschen, wie die das machen, dass sie seit mittlerweile über einem Jahrzehnt nicht nur ihren eigenen, bedeutend größeren Luftraum überwachen, sondern auch im Auftrag der NATO den Russen am Schwarzen Meer und Baltikum Paroli bieten und an renommierten, internationalen Manövern wie Red Flag in den USA und Blue Flag in Israel teilnehmen. Und zwar geht das alles ohne das eingebaute IRST, ohne das die österreichischen Kommandanten ihre Flieger angeblich in der Nacht nicht einsetzen können. Das ist doch lächerlich.
Hier ein bisschen Hintergrundwissen, wieso die deutschen "Eurofighter" über kein IRST verfügen. Das hat nichts mit populistischem "Braucht man nicht!" zu tun:
  • Drucksache 14/5043

    02. 01. 2001

    Antwort
    der Bundesregierung

    auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jürgen Koppelin, Günther Friedrich Nolting, Dr. Wolfgang Gerhardt und der Fraktion der F.D.P.

    – Drucksache 14/4981 –

    Entwicklung des Eurofighter 2000

    7. Wird der EF 2000 mit FORWARD LOOKING INFRARED (FLIR) ausgerüstet sein?

    Die Einrüstung von FLIR-Geräten in die deutschen Serien EUROFIGHTER ist bisher nicht vorgesehen.

    8. Wenn nein, plant die Bundesregierung dieses System oder ein ähnliches System zu beschaffen, und mit welchen Kosten ist dafür zu rechnen?

    Siehe Antwort zu Ziffer 7.

    Die deutsche Lw hat für den EUROFIGHTER grundsätzlich ein FLIR gefordert. DEU hat sich wegen des absehbaren sehr hohen Entwicklungsrisikos allerdings an der FLIR Entwicklung nicht beteiligt. Es beteiligt sich an der Integration des FLIR in das WS, d. h. die deutschen Serien EUROFIGHTER sind für die Einrüstung des FLIR der Partnernationen vorbereitet. Der Serienstückpreis der deutschen EUROFIGHTER enthält die Einbaufähigkeit des FLIR.

    Es ist geplant, dass die Einrüstung von FLIR in die Serien Lfz der Partnernationen im Jahre 2003 beginnen soll.

    Nachdem die „Multirole“-Fähigkeit des EUROFIGHTERS deutlich an Bedeutung gewonnen und die Luftwaffe ihre operationellen Forderungen aktualisiert hat, wird die Bundesregierung über eine Kauflösung für FLIR zu entscheiden haben. Dies wird nicht vor 2003 der Fall sein.
    15. Welche weiteren Kampfwertsteigerungen oder Leistungsverbesserungen hält die Bundesregierung zum jetzigen Zeitpunkt für den EF 2000 für notwendig und mit welchen Kosten ist dabei zu rechnen?

    Derzeit hält die Bundesregierung keine Kampfwertsteigerungsmaßnahmen für erforderlich. Über die bekannten Maßnahmen
    
    • Integration und Beschaffung der Luft/Luft-Lenkflugkörper IRIS-T und METEOR,
    • Integration und Beschaffung der Abstandsbewaffnung MAW TAURUS und Laser- und GPS-gelenkter Präzisionsmunition,
    • Integration und Beschaffung eines Laser Designator Pods für den Einsatz lasergelenkter Präzisionsmunition.
    • Einführung der 2. Stufe der Verbesserungen des EURODASS
    hinaus ist geplant, in folgenden Bereichen Entscheidungen über Leistungsverbesserungen vorzunehmen:
    • Kauf und Einrüstung FLIR.
    • Ausrüstung des EUROFIGHTER mit einem Laser-Warn-System.
    • Anpassung der Waffen/Avionik wegen Nichtverfügbarkeit von Bauelementen (Obsoleszenz), neuer NATO-Standards oder neuer gesetzlicher Bestimmungen.
    https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/14/050/1405043.pdf

opticartini
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von opticartini »

Ein "FLIR" ist aber kein "IRST", wo wir dann wieder bei den Halbgebildeten wären.
FLIR = Forward-Looking Infrared = Ein vorwärtsgerichteter Infrarot-Sensor, der ein Bild anzeigt.
IRST = Infrared Search & Track = Hochpräziser Infrarot-Sensor plus entsprechende Computer und Software, welche automatisiertes Finden und Verfolgen von Zielen ermöglicht.
Zweiteres kann die Funktion von ersterem erfüllen, ist für Identifikation bei Nacht nicht zwingend nötig, dazu reichen sogar Nachtsichtbrillen (Restlichtverstärker) mit Aufnahmefunktion, wie sie etwa im Striker II Helm integriert sind.

Anhand der Beantwortung der Ministerin soll ich glauben, dass wir keine handelsüblichen NVGs haben bzw. nicht damit fliegen können? Echt jetzt?

Unabhängig von diesen technischen Besonderheiten bleibt die ursprüngliche Frage bestehen wie das die Deutschen machen.

theoderich
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich »

opticartini hat geschrieben:
Di 21. Apr 2020, 01:12
Ein "FLIR" ist aber kein "IRST", wo wir dann wieder bei den Halbgebildeten wären.
Was die deutsche Luftwaffe betrifft, sind FLIR und IRST ein und dasselbe! Auf so eine ziellose "Philosophiediskussion", wie wir sie bereits hatten, lasse ich mich bestimmt nicht mehr ein! PIRATE hat IRST-Betriebsmodi und FLIR-Betriebsmodi.

Die Optronique Secteur Frontal (OSF) der Dassault Rafale ist ebenfalls FLIR und IRST:

Bild
https://www.safran-electronics-defense. ... /optronics

https://www.thalesgroup.com/sites/defau ... %20FSO.pdf
opticartini hat geschrieben:
Di 21. Apr 2020, 01:12
Anhand der Beantwortung der Ministerin soll ich glauben, dass wir keine handelsüblichen NVGs haben bzw. nicht damit fliegen können? Echt jetzt?
Es gibt keine NVGs für die österreichischen Eurofighter. Diese wären zusätzlich zum PIRATE erforderlich gewesen, wurden aber ebenfalls gestrichen.
  • Luftraumüberwachungsflugzeuge: Vergleich der Republik Österreich mit der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH (Reihe BUND 2009/1)
    Einsatzausrüstung

    Im operativ–taktischen Konzept vom November 2007 waren u.a. die Verfügbarkeit von Zusatztanks und die Fähigkeit zur Identifizierung von Luftzielen bei Nacht mit Sehhilfen enthalten.

    Bis zum Ende der Gebarungsüberprüfung war eine entsprechende Beschaffung nicht erfolgt.

    Der RH wies darauf hin, dass die im operativ–taktischen Konzept vom November 2007 vorgesehene Einsatzausrüstung der Flugzeuge (Zusatztanks und Sehhilfen zur Identifizierung von Luftzielen bei Nacht) noch fehlte. Er empfahl neuerlich, hinsichtlich der Einsatzausrüstung den Bedarf an den zu erwartenden Einsatzszenarien zu ermitteln (Reihe Bund 2005/3 S. 9 TZ 5).

    Laut Stellungnahme des BMLV sei die Einleitung zur Beschaffung der Zusatztanks erfolgt. Weiters sei die Klärung zur Ausstattung der Piloten mit Sehhilfen zur Identifizierung von Luftzielen bei Nacht eingeleitet worden.
    https://www.rechnungshof.gv.at/rh/home/ ... _Oesterrei
  • Bericht des Rechnungshofes
    Luftraumüberwachungsflugzeuge – Vergleich der Republik Österreich mit der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH; Follow–up–Überprüfung
    (Reihe BUND 2013/2)
    Durch den Vergleich waren Selbstschutz– und elektrooptische Zielerfassungssysteme für die Eurofighter abbestellt worden, die im Vergabeverfahren zwingend zu erfüllende Leistungselemente (Muss–Kriterien) dargestellt hatten. Weiters hatte die in militärischen Planungsdokumenten vorgesehene Einsatzausrüstung der Flugzeuge (Zusatztanks und Sehhilfen
    zur Identifizierung von Luftzielen bei Nacht) noch gefehlt.

    (2) Im Rahmen des Nachfrageverfahrens hatte das BMLVS mitgeteilt, dass Zusatztanks beschafft worden seien, deren Lieferung im Jahr 2010 erfolgt sei. Die Ausstattung der Piloten mit Sehhilfen zur Identifizierung von Luftzielen bei Nacht sei in Bearbeitung.
    Im Fähigkeitenkatalog für die Luftraumüberwachung und –Sicherung vom April 2011 wurde weiterhin eine Nachtsichtfähigkeit der Einsatzmittel gefordert. Das BMLVS hatte den Bedarf an entsprechender Einsatzausrüstung noch nicht konkretisiert. Laut BMLVS werde die Ausstattung mit Sehhilfen zur Identifizierung von Luftzielen bei Nacht bei einer der am Eurofighter–Programm teilnehmenden Nationen erprobt und vom BMLVS „weiter verfolgt“.
    Laut Stellungnahme des BMLVS werde die laufende Erprobung von Sehhilfen zur Identifizierung von Luftzielen bei Nacht (Nachtsichtbrillensystemen) bei einer der am Eurofighter–Programm teilnehmenden Nationen weiter verfolgt.
    https://www.rechnungshof.gv.at/rh/home/ ... ter_FU.pdf
  • Kommuniqué des Untersuchungsausschusses über das Kampfflugzeugsystem „Eurofighter Typhoon“ Veröffentlichung des wörtlichen Protokolls über die öffentliche Befragung der Auskunftsperson Karl Hofer (412/KOMM)
    Ministerialrat Karl Hofer: Dazu ist zu sagen: Ich bin derzeit auch in der sogenannten Sonderkommission eingesetzt, die bis Ende Juni herausfinden soll, ob es mit dem Eurofighter überhaupt weitergehen soll oder eine andere Lösung da ist. Selbstverständlich haben wir Szenarien, oder wir müssen diese Szenarien betrachten.

    Sie wissen, ohne diese Nachtsichtausstattung, ohne diese Ausrüstung, ist der Eurofighter in der Nacht nicht einsetzbar, aus zwei verschiedenen Gründen. Der eine Grund ist: Wenn man diese Wärmebildausstattung, FLIR, nicht hat, ist es einfach ein Flugsicherheitsrisiko, sich an ein Zielobjekt nur mit einem Radar anzunähern. Natürlich, das Radar funktioniert, nur zur Feinabstimmung bräuchte man so etwas. In der Nacht ist er daher nicht einsatzfähig. Und weil man ja, wenn man in der Nacht dorthin fliegt, nicht weiß, mit wem man es zu tun hat, wäre es schon aus Sicherheitsgründen auch notwendig, diese passiven Selbstschutzeinrichtungen zu haben.

    […] Diese Ausrüstung für die Tranche-1-Flugzeuge – wir sprechen von Tranche 1, die wir haben –, gibt es nicht mehr neu; da ist die Produktion schon längst eingestellt. Wir werden uns bei den Core-Nationen umschauen müssen, ob wir gebrauchte Sätze bekommen; das ist jetzt im Prüfauftrag drinnen. Also die Ausstattung der Eurofighter mit diesen passiven Selbstschutzeinrichtungen wird geplant, und auch die Nachtsichtausstattung.

    Da wird es dann zwei Dinge geben: Das eine ist fix eingebaut, da ist im Helmvisier alles drinnen – eine ziemlich leistungsfähige Sache, bei der ich selbst die Kennung des Flugzeuges ablesen kann, also wirklich identifizieren kann, die gleichzeitig auch dokumentiert wird; das heißt, man braucht nicht mehr mit der Digitalkamera hinauszufotografieren. Da das System erst so 2020, 2021 verfügbar sein wird, werden wir in der Zwischenzeit mit sogenannten Night Vision Goggles arbeiten, damit wir auch Nachteinsätze mit dem Eurofighter machen können.
    Im letzten Absatz ist nichts anderes gemeint als PIRATE, gekoppelt mit dem HEA.
    Abgeordneter Michael Bernhard (NEOS): Aber derzeit sind wir nicht nachteinsatzfähig, oder irre ich?

    Ministerialrat Karl Hofer: Sie können in der Nacht fliegen. Das Radar ist das Primärinstrument, auch in der Nacht Ziele aufzugreifen, für das Radar ist das völlig wurscht. Für einen Identifizierungsauftrag, wo ich nahe an ein anderes Flugzeug herankommen muss, ist einfach entscheidend: Ich muss es sehen – und das kann ich nur mit einer Nachtsichtausstattung.
    https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XX ... ndex.shtml
Zuletzt geändert von theoderich am Di 21. Apr 2020, 10:28, insgesamt 7-mal geändert.

Dr4ven
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von Dr4ven »

opticartini hat geschrieben:
Di 21. Apr 2020, 01:12
Anhand der Beantwortung der Ministerin soll ich glauben, dass wir keine handelsüblichen NVGs haben bzw. nicht damit fliegen können? Echt jetzt?

Unabhängig von diesen technischen Besonderheiten bleibt die ursprüngliche Frage bestehen wie das die Deutschen machen.
zu 1: Das hat sie nicht gesagt.
"Zu 1d:

Aktuelle Einsatzrichtlinien erfordern vor einem möglichen Waffengebrauch jedenfalls eine Sichtidentifizierung, die in der Nacht nicht sichergestellt werden kann. Rein technisch sind Waffeneinsatz und Flugdurchführung in der Nacht nicht beeinträchtigt."
Achtung hier kommt gefährliches Halbwissen meinerseits:

Der Waffengebrauch erfordert auf jeden Fall eine Sichtidentifizierung, so viel ist ja klar, oder?
Was macht man jetzt, wenn es eventuell ein 'feindliches Kampfflugzeug' mit ausgeschaltetemTransponder ist?

Führt man den EF wie bei zivilen LFZ auf Sichtweite ran, um die Tailnummer abzulesen?

Das Grundproblem der Österreicher sind die fehlenden Bedrohungsbibliotheken, die man in DE als NATO Staat ja Zwecks der nichtkooperativen Zielidentifizierung und einer automatischen Zielsuche und Identifizierung installiert hat und die das CAPTOR Radar in Verbindung mit dem DASS zur Verfügung stellt, ergo dessen reicht denen auch das RADAR.
Bei passiver Herangehensweise reicht 1 PIRATE für die Rotte, Rest schaltet Radar aus/auf passiv und lässt sich mittels LINK16 die Zieldaten übermitteln - ist ja bekannt.
AT kann und hat nichts davon und muss bei den Briefings die solchen Übungen im Ausland vorangehen, immer den Raum verlassen und darf dann als Zieldarsteller fungieren.

Es gibt im BMLV wen, der an solchen Bibliotheken arbeitet, aber das ist ein Sisiyphus Unterfangen.

In Abwesenheit der NATO Bibliotheken wären ein paar PIRATE ganz nützlich, denn diese kann man als IRST und FLIR nutzen - und den Nutzen beider werde ich dir mit Vollwissen hoffentlich nicht erklären müssen.

Und ich meine sehr wohl EF Piloten mit NVGs gesehen zu haben, kann mich aber täuschen.

theoderich
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich »

Bei diesen "Kapazundern" unter den Journalisten hat man es als Pressesprecher des Bundesheeres bestimmt nicht leicht:


opticartini
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von opticartini »

Da geht's nicht um "Philosophie" sondern um die genaue Benutzung der Begriffe, damit keine Missverständnisse entstehen.
Beispiel gefällig? Aus der fehlenden "Nachtidentifikationsfähigkeit" werden in den Medien sofort Schlagzeilen wie "Teurofighter können in der Nacht nicht fliegen" und "Der Eurofighter ist nicht nachtflugtauglich". Was eben falsch ist aber wenn sich das mal in den Köpfen festgesetzt hat, dann bringt man das schwer wieder weg.
theoderich hat geschrieben:
Di 21. Apr 2020, 09:22
Da wird es dann zwei Dinge geben: Das eine ist fix eingebaut, da ist im Helmvisier alles drinnen – eine ziemlich leistungsfähige Sache, bei der ich selbst die Kennung des Flugzeuges ablesen kann, also wirklich identifizieren kann, die gleichzeitig auch dokumentiert wird; das heißt, man braucht nicht mehr mit der Digitalkamera hinauszufotografieren. Da das System erst so 2020, 2021 verfügbar sein wird, werden wir in der Zwischenzeit mit sogenannten Night Vision Goggles arbeiten, damit wir auch Nachteinsätze mit dem Eurofighter machen können.
Im letzten Absatz ist nichts anderes gemeint als PIRATE, gekoppelt mit dem HEA.
Nein. Der letzte Absatz ist eine klare Ansage, dass "PIRATE" nicht beschafft werden wird. Denn mit dem "fix eingebaut" ist der Striker 2 Helm gemeint, der ab diesem Jahr verfügbar ist und wo die NVG "fix eingebaut" sind und das Bild direkt aufs Helmvisier werfen (HMD). Dazu wird aber kein PIRATE benötigt.

Und offenbar wollte man zumindest seit 2017 mit herkömmlichen NVGs arbeiten.

Dadurch ergibt sich folgendes Problem:
Dr4ven hat geschrieben:
Di 21. Apr 2020, 09:35
zu 1: Das hat sie nicht gesagt.
Die Ministerin hat behauptet, die Eurofighter könnten nach Einbruch der Nacht nicht zur Identifikation von Flugzeugen eingesetzt werden.

Wenn wir über Nachtsichtbrillen verfügen, dann ist das falsch, denn diese können natürlich dafür eingesetzt werden.

Das heißt entweder wurden die oben angesprochenen NVG nie beschafft, was eine ziemliche Unfähigkeit des Bundesheers darstellen würde ODER die Ministerin spricht die Unwahrheit.

Also: Unfähigkeit oder Lüge?

Dr4ven hat geschrieben:
Di 21. Apr 2020, 09:35
Der Waffengebrauch erfordert auf jeden Fall eine Sichtidentifizierung, so viel ist ja klar, oder?
Was macht man jetzt, wenn es eventuell ein 'feindliches Kampfflugzeug' mit ausgeschaltetemTransponder ist?

Führt man den EF wie bei zivilen LFZ auf Sichtweite ran, um die Tailnummer abzulesen?
Zu einem "möglichen Waffeneinsatz" gegen nicht-kooperative Ziele wird es sowieso nie kommen, denn wenn Kampfflugzeuge in bereits bekannter "feindlicher" Absicht über Österreich unterwegs sind, dann ist vorher schon so viel schiefgegangen, dass wir uns im Krieg befinden und die Eurofighter schon zerstört sind, aus politischen Gründen gar nicht aufsteigen oder auf jeden Fall versuchen werden, zuerst zu schießen.

Im Normalfall gilt, speziell wenn sämtliche Kommunikationsmöglichkeiten scheitern, dass dann sowieso Sichtkontakt mit dem abzufangenden Flugzeug aufgenommen werden muss, egal um welchen Flugzeugtyp es sich handelt. Ein "feindliches Kampfflugzeug" taucht nicht plötzlich aus dem Nichts auf. Das ist erst mal nur ein Flugzeug wie jedes andere auch. Dass es "feindlich" ist, merkt man erst wenn es sich entsprechend verhält und solange es nicht selbst das Feuer eröffnet oder offensichtlich auf Kamikaze-Mission ist, wird es auch zu keinem Waffengebrauch von österreichischen Kampfflugzeugen kommen.

Ich persönlich halte IRST für grundsätzlich eine gute Idee, wenn Kampfflugzeuge auch für den Kampf vorgesehen sind. Für einen rein defensiven Abfangjäger, der sowieso zwecks Kontaktaufnahme nah ranfliegen muss, halten sich die Vorteile in Grenzen. Da müsste man erst mal das ganze System Eurofighter plus Waffen auf den aktuellen Stand bringen, dann kann man über die Sinnhaftigkeit von IRST nachdenken. Wie realistisch das ist, kann ja jeder selber beantworten.

Ich gehe davon aus, dass der Striker 2 Helm das Höchste der Gefühle sein wird (diese werden übrigens auch in Gripen verwendet, in den viele Politiker ja so verliebt sind.)

theoderich
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich »

opticartini hat geschrieben:
Mi 22. Apr 2020, 23:21
Nein. Der letzte Absatz ist eine klare Ansage, dass "PIRATE" nicht beschafft werden wird. Denn mit dem "fix eingebaut" ist der Striker 2 Helm gemeint, der ab diesem Jahr verfügbar ist und wo die NVG "fix eingebaut" sind und das Bild direkt aufs Helmvisier werfen (HMD). Dazu wird aber kein PIRATE benötigt.
Sagt dir "Steerable IR-Picture on Helmet" etwas? Der "Striker II" hat zwar eine eingebaute Nachtsichtkamera, deren Bild auf das Helmvisier projiziert wird, aber von einer Dokumentationsmöglichkeit ist nichts bekannt.
opticartini hat geschrieben:
Mi 22. Apr 2020, 23:21
Das heißt entweder wurden die oben angesprochenen NVG nie beschafft, was eine ziemliche Unfähigkeit des Bundesheers darstellen würde
Das ist keine "Unfähigkeit des Bundesheers", sondern es wurden sämtliche Investitionen beim Eurofighter, die über das im Vergleich von 2007 vereinbarte Maß hinausgingen (Retrofit 2 Program … 2011-2013: Implementierung des SRP 4.3, Einbau von neuem GPS und IFF) und die das absolute Mindestmaß zum Erhalt der Flugfähigkeit des Systems darstellen, politisch verhindert.

propellix
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von propellix »

Das Problem mit NVGs AUSSER dem im Striker 2 Helm integrierten ist, dass sie wegen ihres zusätzlichen Gewichtes dem Pilotem bei einem Ausstieg mit dem Schleudersitz das Genick brechen würden. Deshalb WOLLEN die Piloten das auch nicht. Es ist eine Sache, mit NVGs im Heli OHNE Schleudersitze zu fliegen und eben eine andere auf einem "Hot Seat" mit den NVGs zu sitzen.
@PIRATE:
Zumindest ist es bei der Promotion-Kampagne 2002 so behauptet worden: Mit Pirate kann man auf 40km Entfernung zu jeder Tageszeit erkennen, ob ein Flugziel bewaffnet ist (so gut ist die Auflösung), mit Pirate kann man LKW-Kennzeichen auf der Autobahn lesen (so scharf kann es sehen) und BEI NACHT die Kennung eines anderen Lfz LESEN, weil die unterschiedlichen FARBEN von Schrift und Flächenbemalung auch unterschiedliche IR-Signaturen haben (klingt nachvollziehbar). Ob Pirate aufzeichnen kann, wurde nie dezidiert gesagt; aber das hätte man möglicherweise einrüsten können.
Kann sein, dass das nur Werbung war und erstunken und erlogen war, es kann mMn aber auch stimmen.
Und WENN es stimmt, dann war diese Streichung ein KAPITALVERBRECHEN an der Luftraumüberwachung, für das der Zuständige zur Verantwortung gezogen werden sollte. Zu blöd, dass es in Österreich keine Ministerhaftung gibt.
Wenn es sie gäbe, sollte sie NIEMALS verjähren.
Den Striker 2 werden wir NIEMALS bekommen, weil das ist viel zu "teuer".

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