Agusta Bell AB 212

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theoderich
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Re: Agusta Bell AB 212

Beitrag von theoderich »

MADER Georg: Was geht noch in die Luft?, in: Militär Aktuell, H 1 (2020)
AB-212

Die beginnend mit 1980 zugelaufenen 23 Zweiblattrotor-Maschinen wurden ab 2010 bis 2016 um rund 70 Millionen Euro einem sogenannten Midlife-Upgrade unterzogen. Jenes ermöglicht die Steigerung des Situationsbewusstseins (Situational Awareness) bei gleichzeitiger Reduzierung sowie Herabsetzung der Arbeitsbelastung der Piloten. Dazu wurden eine moderne 3-Display-Auslegung der Überwachungs- und Anzeigesysteme der Flugsteuerung, neue Navigationsanzeigen mit Kartendarstellung, ein Helmdisplay, aber auch Selbstschutzsensoren mit Täuschkörperwerfern eingerüstet. Flugaufträge sind dank nachtsichttauglichem Cockpit sowie Nachtsichtbrillen auch 24/7 möglich, es gibt folglich bei den "212er" sogar eine Nacht-Einsatzbereitschaft von allerdings nur zwei Maschinen. Diese geringe Zahl ist das Ergebnis einer dünnen Personaldecke bei Piloten und Werftpersonal. Statt der nötigen rund 50 Piloten für die AB-212 stehen aktuell nur rund 20 im Bundesheer-Sold. Die derzeit in Ausbildung befindlichen 20 Piloten (drei Jahre Ausbildungszeit) werden den Bedarf kaum decken können, da weiter mit einer massiven Abwanderung in die Privatwirtschaft zu rechnen ist. Inzwischen soll aufgrund der tristen Personalsituation die Hälfte der Maschinen - also eine ganze Staffel - "stehen", von der zweiten Staffel soll ein harter Kern von sechs Stück im Bestand gehalten werden. Allerdings: Sollen diese auch stets einsatzbereit sein, wären dafür nach der 3-Regel (Startbereit, Reservemaschinen, Werft) 18 Maschinen notwendig. Aktuell plant das Bundesheer den Betrieb seiner AB-212-Flotte bis 2030.
https://www.yumpu.com/de/document/fulls ... ell-1-2020

Vor zehn Jahren hat der damalige Minister Darabos noch vollmundig angekündigt, die 23 AB-212 würden, dank punktuell neuen Cockpitinstrumenten und Selbstschutzsystem, noch für 100.000 Flugstunden oder "weitere 25 Jahre voll einsatzfähig" sein ;-))

Berni88
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Re: Agusta Bell AB 212

Beitrag von Berni88 »

Und wir werden sie auch noch 25 Jahre betreiben, wirst sehen!!! ;-)

Tribun
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Re: Agusta Bell AB 212

Beitrag von Tribun »

Was das Bundesheer plant, interessiert die Politik absolut null!
Und wenn die 212er ersetzt werden, dann werden maximal 18-24 Stück leichte Mehrzweckhubschrauber und ebensoviele mitlere Mehrzweckhubschrauber übrig bleiben.
Daher sollte man froh sein, solange alle 212er noch im Bestand sind.

Einer der Gründe, warum dem Bundesheer die Piloten davonlaufen, ist, dass sie aufgrund der niedrigen Personalstärke sehr viel im Ausland sein müssen. Und sie wissen oft nicht, wo sie in der nächsten Woche eingesetzt sind, was für das Familienleben sehr hinderlich ist. Beim ÖAMTC wissen sie zwei Monate im Voraus ihren Dienstplan und fliegen dort auch ca 250 Stunden

Acipenser
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Re: Agusta Bell AB 212

Beitrag von Acipenser »

Da hast Du völlig recht, die AB 212 war und ist über viele Jahre das Einsatzmuster des ÖBH und es bleibt uns hoffentlich noch lange erhalten und Einsatzfähig. Doch muss man schon heute (vor-)planen was in 10-20 Jahren ist. Die Schulungshubschrauber und leichten Mehrzweckhubschrauber die hoffentlich bald realisiert werden können diese Lücke aber nicht schließen die sich bald öffnet. Doch die bereits "gegroundete" 2. Staffel AB 212 ist ein untrügliches Zeichen dass bereits heute Ersatz für diese Anzuschaffen sei. Wenn überhaupt nur mehr ein Schwarm (oder 2) bei den Schneekatastrophe der letzten Jahre aufgeboten werden konnte, hätte man längst eine volle Staffel Black Hawks neu-gebraucht dazu bestellen müssen und nicht nur 3 zur Vervollständigung der 1 Staffel S70!
Denn bei dem Kauf der S70 hatte man immer darauf verwiesen das ja noch AB 212 in 2 Staffeln (23Stk) vorhanden sind und hat nur 9 S70 tatsächlich gekauft bei 3 Option damals nach Galtür.
Das mit den Personal lässt sich nur durch den Kauf neuer Moderner Hubschrauber lösen da man dann glaubhaft bei Anwerbern damit werben kann. Ala Airpower und Leistungsshow am Heldenplatz und Airport Innsbruck am Feiertag!

Tribun
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Re: Agusta Bell AB 212

Beitrag von Tribun »

Das einzige Problem, das die 212er-Staffel haben, ist die dünne Personaldecke und nicht der Hubschrauber.
Und diese resultiert aus den guten Angeboten aus der Privatwirtschaft. Sowohl von den Arbeitsbedingungen als auch Bezahlung. Hier gehört der Hebel angesetzt...
Natürlich wären neue Hubschrauber sinnvoll und für Pilotenzuwachs fördernd, aber da wird es ähnlich ablaufen wie bei der Alouette... über zwanzig Stück außer Dienst und nur zwölf Stück für den Einsatz nachbeschafft.

öbh
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Re: Agusta Bell AB 212

Beitrag von öbh »

wir haben nun 23 modernisierte AB-212, die dzt neben den Blackhawks das Rückgrat der Transportleistung darstellen. Diese können und werden sicherlich noch etwa 10 Jahre im Dienst sein. Der Fehler beim Heer bzw der Politik war, zuwenig Piloten für die Hubschrauber auszubilden, ansonsten könnte es nicht soweit gekommen sein, das eine 212-Staffel wegen Pilotenmangel am Boden steht. Wenn schon jetzt 18 neue HS als Alouette/AB206-Ersatz angeschafft werden, ist aber kein Geldregen für das ÖBH ausgebrochen, um auch modernisierte 212-er auszuscheiden und dafür neue HS zu kaufen. Wenn man mehr Piloten haben will, müssen die Bedingungen und die Bezahlung dieser mal in Ordnung gebracht werden.

Acipenser
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Re: Agusta Bell AB 212

Beitrag von Acipenser »

Vielleicht sollte man in diesen Bereich vermehrt VBs also privat wirtschaftlich Angestellte (zumindest bei den Technikern) einsetzen um den Privaten Paroli zu bieten. Die deutsche Marine setzt zum Beispiel bei ihren Tankern Zivilisten Seeleute ein weil das besser klappt als mit Militärpersonal. Faktum ist aber es braucht mehr Geld und Sicherheit in der Truppe, und nicht immer Politiker die Panzerfahrer gegen EF Piloten ausspielen, um das plakativ zu sagen.

Ja die kleine AB, einmotorig, das waren Zeiten die haben sie uns Sang und Klanglos genommen. Ich sehe aber beim Kauf von 6 Schulungs- und 12 Mehrzweckhubschraubern durchaus Synergien für die AB 212 die hoffentlich noch 10-20 Jahre fliegen! Würde man mehr als 1 EF, 1 Saab 105 und 1 Black Hawk und 1 AB 212 Flugschüler durchschnittlich ausbilden hätte man Chancen auf volle Cockpits

forumla1express
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Re: Agusta Bell AB 212

Beitrag von forumla1express »

Wenn momentan die halbe Flotte der 212er am Boden steht, dann sollten die doch eigentlich noch länger verfügbar bleiben weil die Stundenanzahl pro Maschine geringer ist oder nicht? Und durch das MLU werden sie uns sicher noch einige Jahre zur Verfügung stehen.
Auch wenn es jetzt noch viel zu früh ist für österreichische Verhältnisse, wäre es sinnvoll die Anzahl an Mustern zu reduzieren. Sprich Blackhawks haben wir bald 12 Stück und zusätzlich die neuen Mehrzweckhubschrauber. Um die Transportkapazität hoch zu halten aber gleichzeitig günstige Stunden produzieren zu können wäre es daher meiner Meinung nach sinnvoll statt der AB-212 eine Mischung zwischen Blackhawks (die werden auch in x Jahren noch weltweit im Einsatz sein) und künftigem Mehrzweckhelikopter zu beschaffen, aber kein zusätzlich neues Muster zu beschaffen.
öbh hat geschrieben:
Mo 23. Mär 2020, 11:07
Wenn man mehr Piloten haben will, müssen die Bedingungen und die Bezahlung dieser mal in Ordnung gebracht werden.
Was ich weiß, sind die finanziellen Bedingungen gar nicht so schlecht wie oft dargestellt. Es gilt immerhin auch zu bedenken, dass man keinen Cent für eine der hochwertigsten Ausbildungen bezahlen muss die man in Österreich machen kann und deren Kosten auch bei Helikopterpiloten im höheren 6-stelligen Bereich liegen. Für junge Leute eher abschreckend sind wohl die Stützpunkte und die Lebensqualität. Das soll jetzt nicht polemisch klingen, aber welcher junge Mensch möchte angenommen als Vorarlberger, Tiroler, Burgenländer oder Wiener gerne in Aigen im Ennstal oder in Zeltweg im Murtal gebased sein? LOXT und LOXL sind dagegen ja noch human gelegen.

Acipenser
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Re: Agusta Bell AB 212

Beitrag von Acipenser »

Aigen ist sehr wohl human, weil hier Hochgebirgsfliegerei geübt und auch ernste Lagen abgearbeitet werden. Heerespiloten und auch begleitendes Personal sind Hochmobil und oft auch in Tirol, Kärnten und Salzburg aber auch im Ausland (Bosnien) aktiv. Der Standort ist gut geeignet um eben die Hochgebirgsfliegerei zu betreiben aber auch deren Familien die durchaus Alpinaffin zu bezeichen sind zu beheimaten oder zuzuziehen. Das betrifft eben auch Kindergärten, Schulen und ähnlichen Einrichtungen. Nicht vergessen darf man neben Piloten auch Flugretter, Techniker mobil wie auch Standortbezogen, Flughafenfeuerwehr.....

Gerade die Krise wie CoV zeigt wie wichtig es ist verschiedene Standorte für den systemrelevanten Flugbertrieb aufrecht zu erhalten. Lale ist als Ausbildungsplatz für Drehflügler und als wichtigster Standort für Spezialkräfte (PC 6, Kiowa, S70) und der nähe zu Wien wichtig zumal die Flugbereitschaft WrN aufgelöst (oder reduziert) wurde.
Hörsching muss als Logistik Standort ausgebaut werden, insbesondere für Krisenszenarien! Damit hier neben den 3plus1 Hercules auch private Transportmaschinen bei entsprechenden Lagen abgefertigt werden können. Das Militär kann sich nicht auf private Logistiker verlassen!

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