Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

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theoderich
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich »

HANFSTINGL Mjr Ulrich: Anpassung der Eurofighterausbildung in Österreich, in: Aquila. Die Fachpublikation der Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule, Bd. 20 (2021), p. 24-27
Bis 2020 wurde die Jet Grundausbildung auf der SAAB 105OE in HÖRSCHING absolviert. Mit Herbst 2020 wurde diese Ausbildung vorläufig nach LECCE/ITA verlegt. Weiter erfolgt dann die Schulung auf dem Lfz T-346A in LECCE. In der nächsten Ausbildungsphase wechselt der Militärpilot dann auf das Lfz EFT um in LAAGE/DEU die Grundlagen des Fliegens mit dem Waffensystem EFT zu erlernen. Die letzte Phase ist dann die nationale Einsatz-Militärpilotenausbildung auf dem EFT in Zeltweg.

Die beschriebene Ausbildung umfasst einen Zeitraum von - idealerweise - vier Jahren.

Es ist leicht ersichtlich, dass viele der oben erwähnten Schritte an einem anderen Ort und mit einem Luftfahrzeug mit völlig unterschiedlichem technischem Stand zu meistern sind.
DA-40 bis PC-7 (Phasen I-IIIa)

Diese Phasen erstrecken sich über einen Zeitraum von etwa eineinhalb Jahren. Auf Grund der zeitlichen Distanz zum eigentlichen Ausbildungsziel ergeben sich in diesem Abschnitt fast keine Möglichkeiten, durch Änderungen am jeweiligen Syllabus entscheidend in die Entwicklung der zukünftigen EFT-Piloten einzugreifen.

Jedenfalls erwähnenswert ist, dass mit der Ausphasung der SAAB 105OE die folgende Phase der Jet Grundausbildung im Ausland absolviert wird. Somit endet bereits nach dieser kurzen Zeit die Möglichkeit, einen Militär-Flugschüler national zu beobachten, zu bewerten und möglicherweise gezielt zu fördern.

Auch die Möglichkeit des Militär-Flugschülers sich mit den Eigenheiten des Fliegens in ÖSTERREICH (Luftraumstruktur, Gelände, Meteorologie, Organisation der Kontrollstellen, etc.) vertraut zu machen, sind in diesem Fall begrenzt.

Vor allem dieser Punkt wird in zukünftige Betrachungen mit einfließen müssen.

Jet Grundausbildung (Phase IIIb)

Auf Grund der bevorstehenden Änderungen im Ablauf der Ausbildung wird diese Phase in zwei unterschiedlichen Ebenen dargestellt.

Ebene 1 - SAAB 105OE

Während dieses Ausbildungsschrittes liegt der Fokus auf dem Kennenlernen des zukünftigen Geschwindigkeitsspektrums und der grundsätzlichen Herausforderungen, ein Strahlflugzeug in der Rotte effektiv zu fliegen. Taktische Überlegungen stehen zu diesem Zeitpunkt noch eindeutig im Hintergrund.

Im Laufe der letzten zehn Jahre ist es zu etlichen Anpassungen des Syllabus SAAB 105OE gekommen, um die Vorbereitung der Militärpiloten zu verbessern, beziehungsweise um diese optimal auf die Herausforderungen des unmittelbar folgenden Ausbildungsschrittes vorzubereiten.

Als wesentlichstes Problem bei den Bemühungen das Training adäquat anzupassen, hat sich die technische Ausstattung der SAAB 105OE herausgestellt. Ohne den, in Kampfflugzeugen üblichen, Systemen wie "Head up display" (HUD), "Tactical Air Navigation" (TACAN), Darstellungen von Waffensymbolen und einem geeigneten Mittel Flugspuren für eine gezielte Nachflugbesprechung zur Verfügung zu haben, hat man hier die Grenze der Anpassbarkeit des Trainings erreicht.

Diese wurden durch entsprechende Maßnahmen ausgenutzt, weiteres Optimierungspotential besteht jedoch nicht mehr.

Ebene 2 - MB339CD

Beginnend mit Herbst 2020 soll diese Phase der Ausbildung an die internationale Flugschule der italienischen Luftwaffe ausgelagert werden. Mit dem Luftfahrzeug MB-339CD steht ein zeitgemäßer Jettrainer zur Verfügung.

Der Fokus der Ausbildung ist zunächst der gleiche wie unter Ebene 1 beschrieben. Auf Grund der technischen Ausstattung des Lfz werden allerdings erste taktische Überlegungen miteinbezogen.

Erstmals stellt sich hier ein wesentlicher Unterschied in der Zielsetzung des internationalen Trainings zur nationalen Ausbildung dar. Anders als in Österreich, wo das Schwergewicht der Aufgaben im Bereich "Luft-Luft" liegt, werden zukünftige Militärpiloten während ihrer internationalen Ausbildung auch in anderen Einsatzarten geschult.

Daraus ergeben sich einerseits gewünschte Blicke über den eigenen Tellerrand, andererseits werden mögliche Erfahrungen im Zielspektrum nicht gemacht. Auf Grund der Tatsache, dass die Ausbildung von einer fremden Luftwaffe konzipiert ist, sind die Anpassungsmöglichkeiten auf nationale Notwendigkeiten in diesem Abschnitt gering.

Der geografisch gleiche Ausbildungsort wird allerdings viel Druck von den Anwärtern nehmen, wenn es darum geht, sich auf die folgende Phase IV in lokale Verfahren einzugewöhnen.

Jet Fortgeschrittenenausbildung (Phase IV)

Seit Herbst 2011 werden österreichische Militärpiloten in LECCE/ITA in diesem Ausbildungsschritt auf den EFT vorbereitet. Nachdem während dieses Trainingsabschnittes die unmittelbar relevanten taktischen Einsatzarten eines Kampfflugzeuges geübt werden, kommt dieser Phase zentrale Wichtigkeit in Bezug auf die Beurteilung der Relevanz der Inhalte zu.

Um gegenüber den internationalen Partnern die geforderte Flexibilität anbieten zu können, hat die italienische Luftwaffe dieses Training mit einem modularen Syllabus ausgestattet. Dieser erlaubt eine gezielte Auswahl der Ausbilungsinhalte durch die Partnerluftwaffen.

Trotz dieser Gestaltungsmöglichkeit orientiert sich der Inhalt der geflogenen Übugen immer noch an den Standards einer fremden Luftwaffe. In einigen Bereichen sind diese, nicht zuletzt auf Grund der Ausstattung der österreichischen EFT, unterschiedlich zu den nationalen Bedürfnissen.

Luft - Luft Anteile

Nachdem der österreichische EFT beinahe ausschließlich auf die Luftraumüberwachung bzw. die Luftraumsicherung ausgerichtet ist, sind in diesem Bereich erstmals die zukünftigen Einsatzarten abgebildet. Diese Übungen legen einen wesentlichen Grundstock für die weiter unten folgenden Anpassungen der internationalen und nationalen EFT-Ausbildungsprogramme.

Luft - Boden Anteile

Wie oben ersichtlich, stellt dieser Bereich derzeit keine Kernkompetenz dar. Das Arbeiten mit komplexen Lfz-Systemen bringt aber im Gesamten dennoch einen sehr großen Erfahrungsgewinn wenn es darum geht, dass Militärjetpiloten ihre Aufmerksamkeit zur richtigen Zeit an die richtige Stelle lenken.

EUROFIGHTER Grundausbildung (Phase V)

Seit Beginn des Flugbetriebes mit dem EFT findet die Umschulung auf das Waffensystem EFT in LAAGE/DEU statt. Geflogen wird dort mit Flugzeugen der deutschen Luftwaffe. Dies ist der letzte Schritt im Ausland, um die angehenden Einsatzmilitärpiloten EFT auf das Zielwaffensystem vorzubereiten.

Über die Jahre hat sich in diesem Abschnitt wesentliches verändert. Begonnen wurde mit einem allgemein entwickelten Luftfahrzeug, das über alle Betreiberstaaten hinweg in etwa den gleichen technischen Stand hatte.

Zunächst verfügten alle angehenden österreichischen Militärpiloten EFT über große fliegerische Erfahrung insgesamt und im Speziellen in Bezug auf das Fliegen mit Abfangjägern. Die gezielte Vorbereitung der ersten Militärjetpiloten gemäß dem bisher beschriebenen Ausbildungssystem kam hier noch nicht zur Anwendung. Es wurde ein Ausbildungssyllabus für LAAGE festgelegt, der nach eingehender Beurteilung geeignet erschien, den Anforderungen Rechnung zu tragen.

Nach wenigen Jahren wurden dieser Ausbildung erstmals Militärjetpiloten mit weniger allgemeiner Vorerfahrung allerdings mit entsprechend zielgerichteter internationaler Ausbildung (beispielsweise vom NFTC in KANADA) zugeführt. Erschwerend kam von jetzt weg hinzu, dass sich die technische Ausstattung der deutschen EFT immer mehr von den österreichischen zu unterscheiden begann. Aus den genannten Gründen wurde der Syllabus in LAAGE erstmals angepasst.

Dementgegen stand eine wesentlich spezifischere Ausbildung, die durch die Adaptionen an den durchlaufenen Syllabi erreicht werden konnte. Seit dem Jahr 2019 haben alle angehenden Militärpiloten EFT mit der T-346A ein Trainingsflugzeug der 4. Generation zur Verfügung. Der technische Schritt vom Trainer zum Einsatzflugzeug ist somit sehr klein geworden.

Der technische Schritt vom deutschen EFT ("Tranche III") wird allerdings immer größer zum österreichischen EFT ("Tranche I"). Es ergibt sich also in gewisser Weise ein Paradoxon, wenn es darum geht, den Fortschritt im Positiven wie im Negativen Sinn in der Ausbildungsgestaltung zu berücksichtigen. Es kam also neuerlich zu einer Anpassung des Syllabus in LAAGE. Für das ÖBH konnten dadurch etliche Flugübungen in DEUTSCHLAND eingespart werden.

Die nationale EFT-Ausbildung (Phase VI)

Bis Anfang 2020:

Die nationale Ausbildung bis zur LRÜ Reife hat bis Anfang 2020 ungefähr 70 Übungen umfasst. Diese wurden aufgeteilt auf den Simulator und das Flugzeug geflogen.

Im Bedarfsfall konnten zusätzliche Übungen in den jeweiligen Einsatzarten als angepasstes Training durchgeführt werden. Nach Abschluss dieses Programmes konnte der Militärpilot EFT nun erstmals am Waffensystem EFT für die Luftraumüberwachung eingesetzt werden.

Der Vollständigkeit halber muss erwähnt werden, dass im Anschluss an den gezeigten Syllabus noch andere Ausbildungsschritte existieren, die die erweiterte Nutzung des EFT schulen.

Seit Anfang 2020:

Die bisher umrissenen Punkte bilden die Grundlage für die Überlegungen, die nationale EFT-Ausbildung zu adaptieren.

Ein Leitfaden bei der Anpassung war, neben der Wirtschaftlichkeit, auch die Verfügbarkeit von EFT-Flugstunden in ÖSTERREICH. Im Rahmen der letzten nationalen EFT-Schulung von April 2019 bis Dezember 2019 wurden die Ausbildungsfortschritte der beiden Militärpiloten evaluiert und mit den bisher gesammelten Erkenntnissen aus den vorangegangenen Ausbildungsschritten kombiniert.

Die Vorgabe sowohl frü die Kursteilnehmer als auch für die Militär-Fluglehrer war, während des gesamten Kurses nach möglichen Verbesserungen zu suchen und die entsprechenden Beobachtungen am Ende der Ausbildungsphase in den Entwicklungsprozess des neuen Syllabus miteinzubringen.

Wie geplant wurde im letzten Schritt unter Zusammenwirkung aller Beteiligten, ein neuer Syllabus für die nationale EFT-Ausbildung erstellt. Der Übungsumfang bis zum Erreichen der LRÜ Reife umfasst jetzt ungefähr 80 Übungen.

Auch für diesen Syllabus gilt, dass bei Bedarf mittels angepasstem Trainings ein unmittelbares Nachsteuern der Ausbildung jederzeit möglich ist. Wie schon bis Anfang 2020 gilt auch jetzt noch, dass zusätzliche Ausbildungsschritte existieren, die die erweiterte Nutzung des EFT schulen.
Zusammenfassung

[...]

Nachdem sich die fliegerischen Voraussetzungen der angehenden Militäpiloten EFT in den nächsten zwei bis drei Jahren grundlegend von denen der bisher ausgebildeten Militärpiloten unterscheiden, sind wiederum Änderungen zu erwarten.

Eine Steigerung der Ausbildungszeit in ÖSTERREICH war von vornherein erwartet und in Kauf genommen worden. Demgegenüber steht die Einsparung von etlichen Flügen in DEUTSCHLAND. Das alles zugunsten von zusätzlichen Flügen, die jetzt vollständig unter nationaler Aufsicht, im österreichischen Luftraum und mit dem eigenen Waffensystem durchgeführt werden können. Nach Betrachtung des Ergebnisses scheint der neue Syllabus ein gutes Ergebnis zu sein.

[...]

Ein wesentlicher Punkt der ganz Grundsätzliches in der gesamten Betrachtung verändern würde, ist eine mögliche Erweiterung der in ÖSTERREICH vorhandenen Simulatorkapazitäten. Hätte man hier zumindest ein zweites hochwertiges System zur Verfügung, könnte man einige Abschnitte der Ausbildung, die derzeit nur im Flug möglich sind, in den Simulator verlagern. Somit könnte die Effizienz aller Militärjetpiloten im Umgang mit einem derartig komplexen Waffensystem wie dem EFT ganz entscheidend gesteigert werden.

chuckw
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von chuckw »

AUCH AIRBUS DAGEGEN
Eurofighter-Verkauf an Indonesien droht zu platzen
Indonesien dürfte nicht mehr an Österreichs Eurofighter-Jets interessiert sein. Zu alt das Gerät, zu kompliziert die Nachrüstung, hieß es gegenüber der „Krone“ aus informierten Kreisen in Jakarta. Weil auch Hersteller Airbus hinter vorgehaltener Hand keine Freude mit dem Deal hätte, schwindet die Hoffnung von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP), die ungeliebten Jets rasch verkaufen zu können.

Trainingsjets wieder aktuell?
Für Österreich liegt damit wieder eine neue, alte Variante am Tisch, die vom Ministerium allerdings dementiert wird: Eurofighter weiterfliegen und für Aus- und Weiterbildung im Betrieb günstigere Trainingsjets anschaffen. Denn nach dem Ende der Saab 105 sind die verbliebenen Eurofighter in Zeltweg als einzige Kampfjets für die Luftraumüberwachung hart an ihre Grenzen geraten.
https://www.krone.at/2386521
Alles läßt sich durch Standhaftigkeit und feste Entschlossenheit erreichen. (Prinz Eugen v. Savoyen)

muck
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von muck »

Bevor ich Nonsens schreibe, möge man mich noch mal belehren: Die Luftstreitkräfte halten ständig eine 2-ship-Alarmrotte bereit, korrekt? Wie hoch ist die prozentuale Einsatzbereitschaft der Flotte?

Mir ist nämlich nicht ganz klar, woher dieser Druck rühren soll, dass mit fünfzehn Maschinen nicht zu stemmen sei, was ähnlich große Staaten wie Ungarn oder Tschechien mit ähnlich großen Flotten schaffen.

theoderich
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Re: Evaluierungskommission Luftraumüberwachung

Beitrag von theoderich »

Und die "Krone" verbreitet wieder einmal gezielt Fehlinformationen:
  • Krone.at hat geschrieben:Denn unsere Flugzeuge der allerersten Bautranche gehören zu den ältesten, die überhaupt noch fliegen. Großbritannien etwa hat all seine Jets dieser Tranche bereits in den Ruhestand geschickt.
muck hat geschrieben:
So 11. Apr 2021, 00:38
Die Luftstreitkräfte halten ständig eine 2-ship-Alarmrotte bereit, korrekt? Wie hoch ist die prozentuale Einsatzbereitschaft der Flotte?
Nicht "ständig". Es wurden von der Politik nie die Ressourcen zur Verfügung gestellt, um eine 24 h-EB überhaupt aufstellen zu können. Dazu fehlen Flugzeuge, die Finanzmittel für den Betrieb, Piloten, Techniker und Flugsicherer.

Der tägliche Klarstand der Flugzeuge soll wohl bei mindestens 30 % liegen - siehe die Beantwortung der Anfrage 3814/J-BR/2020. Täglich erforderlich sind bei normalem Ausbildungsbetrieb 5 - 6 Flugzeuge, bei QRA wären es 3 Flugzeuge in der EB und 3 für die Ausbildung.

Die 1.500 Flugstunden reichen mit Müh und Not für 18 Piloten und sechs Stunden Flugbetrieb pro Tag, wenn man eine 5-Tage-Woche zugrunde legt (also wenn es an Wochenenden grundsätzlich überhaupt keine aktive LRÜ gibt) - und das auch noch inklusive der obligatorischen Trainingsflüge:

Veröffentlichung des wörtlichen Protokolls über die öffentliche Befragung der Auskunftsperson Mag. Rupert Stadlhofer (253/KOMM)
Mag. Rupert Stadlhofer: Herr Verfahrensrichter, ich bedanke mich für die Frage. Ursprünglich wurden 18 Eurofighter gekauft und wir waren demzufolge in der ursprünglichen Planung auf 1 800 Flugstunden ausgerichtet. In den letzten Jahren – in den letzten zehn Jahren – haben wir nicht einmal die 1 500 Flugstunden erreicht, wobei der Grund - - Auf den möchte ich jetzt nicht eingehen.

Aus planerischer Sicht – und es ist auch die Aussage von heute – benötigen wir zur Erfüllung des Auftrags einen definierten Umfang, ungefähr 1 800 bis 1 900 Flugstunden.

Herr Verfahrensrichter, wie setzt sich das zusammen? – Ich brauche für die Erfüllung des Auftrags eine bestimmte Anzahl von Piloten, und diese Piloten brauchen Flugstunden. Es ist nicht so, dass ich nur die 50 Priorität Alpha abdecke, das wäre locker, ja, das wären dann 100 Flugstunden im Jahr. Ich brauche, damit ich – oder der Verband Luftraumüberwachung – die aktive Luftraumüberwachung in einem bestimmten Zeitraum, in einem durch die Politik beziehungsweise durch die strategische Führung definierten Zeitraum, durchführen kann, eine bestimmte Anzahl von Piloten; und diese Anzahl von Piloten ergibt einen Flugstundenbedarf von 1 800 bis 1 900 Flugstunden.

Verfahrensrichter Dr. Ronald Rohrer: Aber wir haben nur 1 500. Ist das nur auf die reduzierte Zahl der Flugzeuge zurückzuführen oder hat das auch etwas mit Kostenersparnis zu tun?

Mag. Rupert Stadlhofer: Wir haben nur 1 500, und aufgrund - oder eigentlich haben wir noch viel weniger. Wir haben heuer mit 1 280 Flugstunden ein Hoch gehabt, und ich habe nicht mehr Flugstunden, ich habe nicht mehr Piloten, und das wirkt sich dann aus, dass man lageangepasst die aktive LRÜ teils mit Eurofighter, teils mit Saab 105 durchführen muss.
Abgeordneter Hermann Brückl, MA (FPÖ): Noch eine abschließende Frage in der ersten Runde: War bei Ihnen und auch bei der Truppe das Bewusstsein da, dass dieser Vergleich dazu geführt hat, dass sich die effektive Luftraumüberwachung wirklich verschlechtert hat und dass es auch hätte sein können oder dass es auch tatsächlich der Fall war, dass sich die Überlebenschancen der Piloten im Ernstfall verschlechtert haben?

Mag. Rupert Stadlhofer: Ja, zweifelsohne hat sich die - -, nicht nur aus Sicht der Piloten, auch aus der operativen und taktischen Führung. Ich habe es vorhin anzudeuten versucht: Die Anzahl der Flugstunden, die mir zur Verfügung stehen, bestimmen, wie viel aktive Luftraumüberwachung ich mit einem Primärsystem machen kann, und bestimmen auch, wie viele Piloten ich habe. Wir überwachen den Luftraum aktiv nicht über 24 Stunden. Mit der Reduktion von Flugstunden geht automatisch auch der Zeitraum nieder, wo wir den Luftraum aktiv mit dem Primärsystem überwachen.

Abgeordneter Hermann Brückl, MA (FPÖ): Herr Brigadier, sind diese Flugstunden mit dem Eurofighter oder sind das auch welche am Simulator?

Mag. Rupert Stadlhofer: Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich muss versuchen, den Eurofighter-Piloten ungefähr 80 bis 90 Flugstunden im Jahr zur Verfügung zu stellen – mindestens. Wenn wir die Rechnung anstellen: Insgesamt ist der Wert 180 Stunden. Ich behaupte oder ich stelle fest, dass wir dieses vielfältige Spektrum eines Nato-Piloten nicht erfüllen müssen.

Abgeordneter Hermann Brückl, MA (FPÖ): 180 eines Nato-Piloten?

Mag. Rupert Stadlhofer: 180, ja. Wir gehen von einem Wert von 120 aus und (Abg. Brückl: Erfüllen die aber auch nicht!) 40 davon werden durch den Simulator abgedeckt.
https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XX ... ndex.shtml


keine Nachbeschaffung der Saab 105 und weitere Maßnahmen der Luftraumüberwachung (2834/J)
20. Ist wie in der neutralen Schweiz ein Betrieb der aktiven Komponente 7 Tage die Woche rund um die Uhr geplant?
  • Zu 20 und 21:

    Das Österreichische Bundesheer (ÖBH) stellt seit Jahren die Einsatzbereitschaft von Militärflugzeugen über zehn Stunden pro Tag sicher und wird diese auch weiterhin sicherstellen.
21. Wenn nein, warum nicht?
  • Zu 21:

    Für eine 7-tägige Einsatzbereitschaft rund um die Uhr wären insbesondere mehr Luftfahrzeuge und rund 35 bis 45 Piloten notwendig, die dem ÖBH nicht zur Verfügung stehen.
https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XX ... ndex.shtml


aktive Luftraumüberwachung (3814/J-BR/2020) (Beantwortet am 27. Januar 2021)
Der Antwort auf die kurze schriftliche Budgetanfrage 987/JBA, Beilage zu GZ S91144/11-PMVD/2020, konnte entnommen werden:

„Für das Jahr 2021 sind für das System Eurofighter (EFT) rund 77 Mio. Euro budgetiert. Diese Budgetmittel decken den luftfahrtspezifischen Betriebsaufwand und Modifikationen zur Erhaltung der derzeitigen Fähigkeiten des EFT für 1.500 Flugstunden im Jahr 2021 ab.“
1. Warum schaffen die Tschechen 2000 Flugstunden mit 12 Saab Gripen und Österreich nur 1500 Flugstunden mit 15 Eurofightern?
  • Zu 1:

    Diese Frage betrifft nicht den Vollziehungsbereich des Bundesministeriums für Landesverteidigung.
2. Mit welchem Ressourceneinsatz (personell und materiell) wären in Österreich ähnliche Flugstunden pro Luftfahrzeug möglich (würde 2500 Flugstunden bedeuten)?
  • Zu 2:

    Abgesehen davon, das sich diese Frage derzeit nicht stellt, würde die Erhöhung der Flugstunden einen budgetären Mehrbedarf von mindestens 52 Mio. EURO ergeben. Darüber hinausgehende Kosten hängen von dem damit verknüpften Anforderungsprofil ab und können daher abstrakt nicht beziffert werden.
4. Was sind die durchschnittlichen Betriebsstunden der aktiven Luftraumüberwachung pro Tag?
  • Zu 4:

    Im Jahr 2020 wurden mit Stand 30. November 2020, inklusive anderer Luftfahrzeuge wie PC7 sowie Black Hawk usw., für die aktive Luftraumüberwachung 3.038 Betriebsstunden bereitgestellt. Das ergibt durchschnittlich rund neun Stunden aktive Luftraumüberwachung pro Tag.
7. Wie hoch war im Jahr 2020 der Anteil der Saab 105 an der aktiven Luftraumüberwachung?
  • Zu 7:

    An 76 Tagen übernahm das Luftfahrzeug der Type Saab 105 OE die Bereitschaft für die aktive Luftraumüberwachung im Jahr 2020.
8. Welcher zusätzliche Ressourcenaufwand (personell und materiell) entsteht durch die Nichtnachbeschaffung eines Saab 105 Ersatzes im Bereich der aktiven Luftraumüberwachung?
  • Zu 8:

    Wegen der Nichtnachbeschaffung eines Ersatzes für die Luftfahrzeuge der Type Saab 105 OE werden bei gleichbleibender Flugstundenanzahl für das System Eurofighter Typhoon insgesamt, sowohl personell als auch materiell, weniger Ressourcen für die aktive Luftraumüberwachung aufgewandt werden.
17. Wie werden die erforderlichen Trainingsstunden unter gleichzeitiger Aufrechterhaltung der aktiven Luftraumüberwachung mit dem Eurofighter erreicht?
  • Zu 17:

    Die Trainingsstunden werden erreicht, indem zwei von den drei für die aktive Luftraumüberwachung bereitgestellten Luftfahrzeuge im Rahmen von Trainingsflügen eingesetzt werden.
18. Falls die Eurofighterflotte durch technische Probleme „gegroundet“ wird, wie wird dann die aktive Luftraumüberwachung für die Souveränität des österreichischen Luftraumes durchgeführt?
  • Zu 18:

    In diesem Fall ist die aktive Luftraumüberwachung durch nichtstrahlgetriebene Luftfahrzeuge wahrzunehmen.
https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/BR ... ndex.shtml


Was dazu kommt, sind die gesetzlich vorgeschriebenen Flugstunden für Militärpiloten gemäß der Militärluftfahrt-Personalverordnung 2012:
Grundbefähigung

§ 11. (1) Die Grundbefähigung ist die Befähigung, Militärluftfahrzeuge eines bestimmten Typs im Fluge nach Sichtflugregeln bei Tag sowie den dazu erforderlichen Sprechfunkverkehr zu führen.

[...]

(3) Für den Erhalt der Gültigkeit der Grundbefähigung sind die nach dem jeweiligen Stand der Technik und den militärischen Erfordernissen erforderliche Flüge mit, nach Typ des Militärluftfahrzeugs differenziert, mindestens 40 bis 60 Flugstunden pro Jahr als verantwortlicher Militärpilot oder unter Aufsicht eines Militärfluglehrers im Rahmen der Einsatzmilitärpilotenausbildung im Fluge einschließlich der erforderlichen Überprüfungsflüge zu absolvieren. Bei Militärluftfahrzeugen, für die eine Doppelbesatzung zwingend vorgeschrieben ist, sind die Flugzeiten des zweiten Militärpiloten (Co-Pilot), unter Aufsicht eines verantwortlichen Piloten (Captain), auf die Flugzeiten als verantwortlicher Militärpilot anzurechnen. Auf die, nach Typ des Militärluftfahrzeugs differenzierten, 40 bis 60 Stunden als verantwortlicher Militärpilot können nach dem Kalkül des § 1 Abs. 3 bis zu 20 Flugstunden auf Simulatoren angerechnet werden. Im Falle einer mehr als dreimonatigen dienstlichen Fortbildungsmaßnahme kann das Stundenerfordernis für den jeweils betroffenen Militärpiloten unter Berücksichtigung des Qualitätsmaßstabes nach § 1 Abs. 3 um drei Prozent pro Monat herabgesetzt werden.

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