Medienberichte 2020

Landesverteidigung, Einsätze & Übungen, Sicherheitspolitik, Organisation, ...
theoderich
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von theoderich »

Bundesheer im Umbruch
"Heute würde ich meinen Söhnen davon abraten, Milizoffizier zu werden"


https://www.kleinezeitung.at/steiermark ... hnen-davon




Militärkommandant Heinz Zöllner"Ich scheue mich nicht vor mehr Verantwortung"

https://www.kleinezeitung.at/steiermark ... t-vor-mehr

theoderich
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von theoderich »

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theoderich
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von theoderich »

Gaiswinkler: „Beim Heer greift die Politik tief in Postenbesetzungen ein“
Wie wirkt sich in der 6. Gebirgsbrigade die allgemein unbefriedigende Situation im österreichischen Bundesheer aus?

Brigadier Johann Gaiswinkler: Da müssen wir zwischen dem Tagesgeschäft und der allgemeinen Situation unterscheiden. Unter der generellen Lage leidet nicht nur die 6. Gebirgsbrigade, sondern das Bundesheer insgesamt. Negative Einflussfaktoren sind die Finanzen, die Politik und das eigene Unvermögen. Über die Finanzen müssen wir nicht diskutieren, da liegt alles auf dem Tisch. Heuer sind wir bei 2,545 Milliarden Euro, im nächsten Jahr geht das Heeresbudget wieder runter. Die Personalkosten fressen die Investitionen auf. Man will offensichtlich nicht mehr für das Heer ausgeben, obwohl wir es unseren ausländischen Partnern immer wieder anders kommunizieren. Das ist allerdings ein Widerspruch.

Die von Übergangs-Verteidigungsminister Thomas Starlinger geforderte Anhebung des Heeresbudgets in den nächsten zehn Jahren auf 3,1 Milliarden Euro wird es so vermutlich nicht spielen?

Gaiswinkler: Egal, wie wir uns mit der Reform drehen und wenden, am Ende des Tages landen wir wieder beim Geld. Der zweite Aspekt ist die Politik, weil sie beim Militär tief in Postenbesetzungen eingreift. Und daher haben wir in der jetzigen Situation sehr viele schweigende Generäle, weil sie aufgrund irgendwelcher Beziehungen in die jeweilige Position gekommen sind. Es sind nicht alle so, aber ein gewisser Teil schon. Schon auf der Ebene der Bataillonskommandanten mischt die Politik mit. Und ich behaupte, dass dabei nicht immer die besten Offiziere zum Zug kommen, sondern diejenigen, die gerade zur jeweiligen Administration passen.

Also ist es um die Qualität des Führungspersonals auch nicht zum Besten bestellt?

Gaiswinkler: Es hat Entscheidungen gegeben, bei denen der Zweit-, Dritt- oder Viertbeste genommen wurde. Das geht quer durch alle Farben, egal, welche Partei das war.

Die Politik trägt demnach Mitschuld am inneren Zustand des Heeres.

Gaiswinkler: Sie ist mitverantwortlich dafür, dass wir zu viele Generäle haben, wahrscheinlich sogar mehr als aktive Leutnants. Das ist ein unhaltbarer Zustand. Das kam auch deshalb zustande, weil eine Reform die andere gejagt hat und die Politik überall die Finger drinnen hat. Ich habe mich einmal um die Position eines Bataillonskommandanten beworben, darin waren dann drei Nationalräte, der Bundespräsident und der Landeshauptmann involviert. Das ist, höflich ausgedrückt, schon eine eigenartige Situation.

Weil Sie vorher die Reformen angesprochen haben: Zuletzt hat doch jeder Verteidigungsminister eine Reform verkündet.

Gaiswinkler: Fast jeder, aber keine ist jemals mit letzter Konsequenz umgesetzt worden. Eigentlich sind wir über die Jahre immer schwächer geworden. Als ich in den 1990er-Jahren Kommandant einer schweren Kompanie in Spittal an der Drau war, hatte ich mehr Waffensysteme als heute als Brigadekommandant mit fünf Bataillonen. Wir sind in einzelnen Bereichen besser geworden, wie im Umgang mit den Grundwehrdienern. Oder in der Präzision beim Schießen. Aber das ist verschwindend gering im Vergleich zu den Verschlechterungen.

Sie vertreten die Truppe, wird die Truppe noch gehört?

Gaiswinkler: Wie geht es der Truppe? Ein Zitat von Alexander Puschkin drückt es am besten aus: Wir, die Willigen, von den Unwissenden geführt, tun das Unmögliche für die Undankbaren. Wir haben so lange so viel mit so wenig vollbracht, dass wir inzwischen in der Lage sind, alles mit nichts zu erreichen. Das gibt die Stimmung der Truppe derzeit wieder.

In der Corona-Krise war das Bundesheer im Assistenzeinsatz ein wichtiger Eckpfeiler. Hat das die Stimmung nicht verbessert?

Gaiswinkler: Dem kann ich nicht zustimmen. Im Regierungsprogramm ist die Stärkung der Truppe klar verankert. Wir haben uns alle erwartet, dass sie es jetzt endlich angehen und den großen Wiener Moloch mit den Zentralen, den Ämtern oder den Schulen durchforsten. Wo kann man da sparen, wo können wir effizienter werden? Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Plötzlich wird von der Auflösung der Brigaden und der Truppe geredet, die dem Militärkommando unterstellt werden sollen. Mag schon sein, dass der eine oder andere, der jetzt im Assistenzeinsatz war, zufrieden ist. Doch die generelle Stimmung in der Truppe ist schlecht.

Wie steht es um die Ausrüstung?

Gaiswinkler: Wenn ich bei mir die Jägergruppe mit acht Mann hernehme und das dann über die Brigade lege, dann kann ich drei bis vier Mann davon mit einem vernünftigen Standard ausrüsten. Der Rest hat nichts. Da spreche ich aber nicht die Bewaffnung an, denn da sind wir de facto entwaffnet. Da sind wir weit weg von einem modernen Standard. Die Hägglunds haben wir bekommen, das ist ein tolles Produkt, das uns dient und hilft. Aber jetzt haben wir kein Geld für einen Tieflader oder für ein Bergesystem. Und was tun wir, wenn wir einmal im Gelände hängen bleiben? Ich möchte aber auch noch die Panzer erwähnen.

In welchem Zusammenhang?

Gaiswinkler: Bundeskanzler Sebastian Kurz hatte im Vorjahr gemeint, dass vielleicht der Panzerkampf im Weinviertel nicht mehr das Zukunftsbedrohungsszenario sei. Den hat es nicht gegeben und ist ein Totschlagargument. Natürlich benötigen wir bei der Gebirgstruppe ebenfalls Panzer. International gesehen, hat jede Gebirgstruppe mechanisierte Fahrzeuge. Das ist ja nicht nur ein Fahrzeug für die ,Panzerschlacht‘, sondern da geht es notfalls auch um den Schutz der Zivilbevölkerung. Sollte einmal die Zivilbevölkerung evakuiert werden müssen, dann benötige ich schweres Gerät. Ein Panzer ist nicht nur als Kampffahrzeug zu sehen, sondern er ist mehr – auch ein Bergemittel.

Die Zusammenführung mit den Militärkommandos wird von Brigaden strikt abgelehnt. Warum?

Gaiswinkler: Da gibt es mehrere Aspekte: Das Militärkommando ist ein Verwaltungskörper und ein Verbindungsorgan, es macht Einsätze unterer Intensität. Wir in der Brigade trainieren Einsätze mittlerer und hoher Intensität. Wir üben immer im Verbund, bei uns sind alle vertreten, u. a. Pioniere, Artillerie, Jäger, Funker oder die Aufklärung. Die jetzige Idee vergleiche ich damit, wenn etwa die Stadt Innsbruck sagen würde, wir lösen das Kommando der Berufsfeuerwehr Innsbruck auf und die Stadtgärtnerei übernimmt jetzt diese Funktion. Beides hat seine Berechtigung, aber ein Verwaltungsorgan ist kurz- und mittelfristig nicht in der Lage, dieses Zusammenwirken zu bewerkstelligen. Wenn dann noch die beabsichtigte Bundesländergrenze kommen sollte, gibt es in Tirol nur zwei verminderte Jägerbataillone mit sehr geringen Fähigkeiten.

Wo liegt aus Ihrer Sicht der Fehler in der aktuellen Reformdebatte?

Gaiswinkler: In Wien herrscht ein Denkfehler vor, weil man offensichtlich an die alten Landwehrstammregimenter denkt. Damals hatten wir in Tirol alles – von den Pionieren bis hin zur Artillerie. Aber davon ist nichts mehr da. Wenn jetzt etwa das Konstrukt von Landwehrstammbataillonen geschaffen wird, dann muss man erst alles wieder aufbauen. Und das kostet wiederum Geld. Um ein ineinandergreifendes Zusammenwirken aufzubauen, benötigt es schon zehn Jahre. Sollten wir die aktuelle Struktur zerschlagen, ist in den nächsten zehn Jahren nichts.

Was könnte aus Ihrer Sicht das wahre Motiv für die mögliche Verschmelzung der Brigaden mit den Militärkommanden sein?

Gaiswinkler: Das weiß ich nicht. Der Weg ist insofern absurd, als er sich von allen internationalen bzw. europäischen Entwicklungen entfernen würde, wo Brigaden gebildet werden. Entweder man geht davon aus, sich viel Geld zu sparen, was so nicht stimmt. Dann kommen wir bereits wieder zur Politik. Ich habe manchmal das Gefühl, dass es politische Günstlinge aus der zweiten und dritten Reihe gibt, die mit einem Versprechen ausgestattet sind, vielleicht mehr zu werden, und dann Kompromisse eingehen, die nicht klug sind.

Sind die Strategen für die Reform, die großteils im Büro von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner sitzen, weit weg von der Heeres-Realität?

Gaiswinkler: Ja, weil wir einen unglaublichen Zentralismus haben. Ich trage zwar einen Stern, aber im Prinzip kann ich in meinem Haus nichts selbst bestimmen. Es werden sogar strategische Weisungen gegeben, wie man einen Fragebogen ausfüllt. Wir haben keine Personal- oder Budgethoheit. Das wird alles zentralistisch mit einem riesigen Apparat von Wien aus gesteuert.

Rückt die klassische Verteidigungsdoktrin nicht in den Hinter- und Cyberabwehr in den Vordergrund?

Gaiswinkler: Wenn ich heute ernsthaft Cyberabwehr oder Drohnenabwehr betreiben möchte, muss ich viel Geld in die Hand nehmen. Das kann ich nicht mit ein paar Computern oder ein paar Experten bewältigen. Wer sagt uns denn, dass uns im Falle des Falles die NATO wirklich beisteht? Sollten wir weiter Trittbrettfahrer sein, werden uns unsere Partner einmal fragen: Ihr habt bis jetzt nichts beigetragen, warum sollen wir euch trotzdem helfen? Ich glaube nicht an einen zeitnahen militärischen Konflikt an unserer Grenze, aber es geht auch um eine mögliche Terrorbekämpfung. Wir sind derzeit mit unserer Ausrüstung und Bewaffnung am untersten Limit. Das Einzige, was das Bundesheer derzeit noch rettet, ist der Wille unser Leute. Zerstören wir diese Strukturen, dann ist es aus.

Wie sehen Sie die personelle Zukunft des Heeres?

Gaiswinkler: Wenn alles so kommt, wie es verbreitet wurde, dass es keine Landesverteidigung und kein militärisches Selbstverständnis mehr gibt, verlieren wir sicher unsere Leute. Wird die Gebirgs- oder die Panzergrenadierbrigade aufgelöst, nehme ich den Soldaten etwas weg – Identität und Corpsgeist.

Fehlt Ministerin Klaudia Tanner die militärische Denke?

Gaiswinkler: Ich weiß nicht, ob ein Politiker diese militärische Denke überhaupt benötigt. Es hängt immer von den Beratern ab und davon, welche politische Agenda der Minister verfolgt. Hans Peter Doskozil hat die eigene Partei überrascht, weil er ziemlich robust in das Heer hineingefahren ist. Ihm ist es gelungen, einen Geist zu prägen. Er wurde als hemdsärmeliger Minister wahrgenommen, die Leute haben gesagt, er steht vor uns. Dann ist die blaue Administration gekommen. Da haben wir uns gedacht, jetzt geht es weiter. Das war nicht der Fall, eine Zeitlang ist überhaupt nichts passiert. Im Gegenteil, es wurden wieder politische Besetzungen vorgenommen. Danach war die Ära zu Ende und wir waren sehr dankbar für das Reformpapier von Thomas Starlinger.

Und Tanner?

Gaiswinkler: Ich habe in einigen persönlichen Gesprächen mit der Ministerin zwei Ebenen wahrgenommen: Da ist sie im persönlichen Gespräch sehr sympathisch und aufgeschlossen, aber gibt es noch eine Kerngruppe, die etwas macht, das von außen angestoßen wird.

Meine Sie damit Generalsekretär Dieter Kandlhofer?

Gaiswinkler: Er ist ja nur der Katalysator für Militärs, die dahinterstehen. Denen hat man möglicherweise etwas versprochen, weshalb sie willfährige Erfüllungsgehilfen gegen den Hausverstand sind.

Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft Ihrer Brigade?

Gaiswinkler: Ich würde mir wünschen, dass man die Truppe einmal in Ruhe lässt und sich zuerst einmal die Zentralstelle, die Ämter, die Schulorganisation und vor allem die Prozesse im Bundesheer anschaut. Je weniger Ausrüstung wir erhalten haben, desto mehr wurde die Verwaltung aufgebläht. Die erste Hausaufgabe wäre, die starren Strukturen aufzulösen. Das geht bis zum Dienstrecht, weil wir flexibler werden müssen. Dann würde ich mir eine Entpolitisierung der Streitkräfte wünschen, denn es muss endlich Leistung etwas wert sein. In Niederösterreich soll es derzeit einen Fall mit einem Bestgereihten geben, doch er wird es nicht, weil seine Lebensgefährtin die Vizebürgermeisterin einer Gemeinde ist und leider die falsche Parteifarbe hat. Und drittens hoffe ich, dass wir nicht einfach alles über Bord werfen und auf dieser Basis moderner und besser werden.
https://www.tt.com/artikel/30743552/gai ... zungen-ein


Miliz ohne eigenes Fahrzeug: „Es fehlt hinten und vorne“
Nicht nur die präsenten Kräfte im Bundesheer (Heeresangehörige), sondern auch die Miliz kämpft mit großen militärischen Mangelerscheinungen. Elmar Rizzoli, er ist Kommandant des Tiroler Jägerbataillons der Miliz mit 780 Mann, betont, dass es „in der Miliz hinten und vorne bei der Mobilität und der Schutz­ausrüstung fehlt. Ganz miserabel ist die Situation bei der Funkausrüstung, dort fehlt es sehr. Uniform und Waffen sind allerdings für jedes Bataillon vorhanden.“

Der Dauerbrenner bleibt der Fuhrpark. „Als Jägerbataillon haben wir nicht einmal ein einziges Fahrzeug, das müssen wir uns immer ausleihen.“ Für eine Übung werden rund 50 Fahrzeuge benötigt, „die müssen wir dann quer durch Österreich zusammensammeln“. Dass auch die Miliz reformiert werden soll, findet Rizzoli grundsätzlich positiv. „Es gibt jetzt politische Willensäußerungen, das war in den vergangenen 15 Jahren so nicht der Fall.“ Wenn verstärkt auf die Miliz zurückgegriffen werden sollte, habe das aber konkrete Auswirkungen. „Da benötigt es neben der politischen Absicht auch sichtbare Verbesserungen“, fordert der Miliz-Kommandat vor allem Taten.

Um künftig Personal sicherzustellen, benötigt es laut Rizzoli eine faire Entlohnung. „Zur Miliz zu gehen, muss attraktiver werden. Beim Einsatz während der Corona-Krise gab es massive Entlohnungs-Unterschiede, die zu großer Kritik führten.“ Die zum Milizeinsatz Zwangsverpflichteten erhielten mit rund 1300 Euro am wenigsten, die Freiwilligen deutlich mehr und die Soldaten der präsenten Kräfte am meisten. „Obwohl draußen alle denselben Job gemacht haben. Das sorgt für großes Unverständnis“, wie Rizzoli hinzufügt.

Andererseits geht es um Anreize für die Arbeitgeber, verweist Rizzoli darauf, dass etwa Ausbildungen gegenseitig anerkannt werden sollten. „Im Bundesheer werden schließlich fachlich sehr hochstehende Ausbildungen beim Bundesheer angeboten. Wenn jetzt daran gedacht wird, die Miliz öfters einzuberufen, braucht es auch von den Arbeitgebern Verständnis dafür.“ Da müsse sich die Politik etwas überlegen.
https://www.tt.com/artikel/17174805/mil ... -und-vorne




Vorarlberger Nachrichten hat geschrieben:"Die Bubis und Bobos wollen das Bundesheer einfach nicht"

Bundesheer II. Ex-Generalstabschef Edmung Entacher über die Reformpläne im Verteidigungsressort und die "Aushöhlung der Landesverteidigung".


Sie haben noch viel Kontakt zur Truppe. Wie ist die Stimmung dort nach den Ereignissen der vergangenen Wochen?

Edmund Entacher: Es herrscht völlige Verunsicherung durch den Kurs der Ministerin. Die Soldaten erfüllen selbstverständlich weiter loyal ihre Aufträge, aber viele sind sehr enttäuscht.

Worüber konkret? Was hat Verteidigungsministerin Klaudia Tanner falsch gemacht?

Meiner Einschätzung nach sehr viel. Das fängt schon bei der Informationspolitik an: Es ist offensichtlich, dass ihr Generalsekretär Dieter Kandlhofer eine Strategie des Kaputtsparens verfolgt, während die Ministerin behauptet, dass das alles nur Vorteile habe. Da geht doch die Glaubwürdigkeit vollkommen verloren! Noch dazu, wo Kandlhofer von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt das jährliche Rüstungsprogramm außer Kraft gesetzt hat. Damit ist unklar, ob heuer überhaupt noch irgendetwas beschafft werden kann.

Was steckt hinter den aktuellen Reformplänen?

Ich habe den Eindruck, dass die Landesverteidigung völlig ausgehöhlt werden soll, und zwar bis zur Ausschaltung. Die Qualität der Debattenbeiträge ist so lächerlich, dass ich vor Schmerzen nicht mehr lachen kann. Wenn zum Beispiel wieder über die Reduktion der schweren Waffen gesprochen wird: Da haben wir ohnehin nur noch Quantitäten, die kaum der Rede wert sind. Offensichtlich wird der Plan verfolgt, auf die Landesverteidigung gänzlich zu verzichten.

Wer verfolgt diesen Plan?

Meiner Meinung nach steckt ein moderner österreichischer Pazifismus dahinter. Man darf nicht alle in einen Topf werfen: Aber manche Bubis und Bobos in den Parteien wollen das Bundesheer einfach nicht. Und das ist ein wichtiger Teil der politischen Klasse.

Politiker machen doch immer das, was die Mehrheit will, oder?

Man könnte den Bürgern die Notwendigkeit der Landesverteidigung durchaus verständlich machen. Man braucht nur die Frage zu stellen: Wollt Ihr, dass Österreich im Ernstfall nicht verteidigt wird? Denn ein Blick auf die Landkarte zeigt: Wenn Europa in einen militärischen Konflikt gerät, dann ist Österreich mitbetroffen. Weil es geografisch gar nicht anders geht.

Müsste der Generalstab gegen die Sparpläne aufstehen?

Das ist nicht seine Aufgabe. Aufgabe des Generalstabs ist es, Entscheidungsgrundlagen zu liefern. Das Kandlhofer-Papier ist ohne Mitarbeit des Generalstabs entstanden - und dementsprechend ohne Tiefgang. Aus den Zeiten der Minister Mario Kunasek und Thomas Starlinger liegen umfangreiche Papiere des Generalstabs vor, die außerordentlich fundiert sind.

Sehen Sie an den Reformplänen auch etwas Positives?

Wenn es stimmt, dass in die Miliz, die Pioniere und in die Cyber- und ABC-Abwehr mehr Geld fließen, dann ist das positiv.

Was halten Sie davon, dass kein Ersatz für die alten Flieger Saab 105 gekauft wird?

Das halte ich für sehr schlecht. Bisher konnten die Luftraumüberwachung und die Pilotenausbildung zwischen teuren und billigeren Maschinen aufgeteilt werden. Das geht dann nicht mehr. Ebenso schlecht ist die Entscheidung, die Eurofighter nicht nachzurüsten. Das könnte unter Umständen dazu führen, dass sie gar nicht mehr einsetzbar sind.

Wie sehen Sie unterm Strich die Zukunft der Landesverteidigung?

Das Heer erfüllt derzeit noch alle Aufträge. Es ist ein kleines österreichisches Wunder, dass das bei diesen Rahmenbedingungen noch so gut funktioniert. Aber Tatsache ist, dass die Katastrophenhilfe nicht mehr in dem Ausmaß möglich ist wie früher. Und dass die militärische Landesverteidigung heute nicht mehr darstellbar ist. Das halte ich für gravierend, denn ohne Vorsorge kann man im Ernstfall nicht auf einen Knopf drücken. Da passiert dann nämlich nichts.
Zuletzt geändert von theoderich am Mo 27. Jul 2020, 03:23, insgesamt 2-mal geändert.

Dr4ven
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von Dr4ven »

Doskozil, Kunasek & Entacher: Buntes Trio tritt gegen Tanner auf

Die beiden Ex-Heeres-Minister Doskozil und Kunasek sowie der Ex-Gerenalstabchef Entacher treten gemeinsam gegen Klaudia Tanner auf. Sie fordern drei Milliarden Heeresbudget.

Einen Tag bevor der Nationale Sicherheitsrat tagt, will ein buntes Trio Verteidigungsministerin Klaudia Tanner den Marsch blassen. Die beiden Ex-Heeresminister Hans Peter Doskozil (SPÖ), Mario Kunasek (FPÖ) und der ehemalige Bundesheer-Generalstabchefs Edmund Entacher geben heute eine gemeinsame Pressekonferenz. Entacher war einer der wenigen Generäle, der sich traute, öffentlich gegen einen Minister aufzutreten.

Er verteidigte 2011 die Wehrpflicht gegen die Pläne der SPÖ und dem damaligen Verteidigungsminister Norbert Darabos, ein Berufsheer aufzubauen. Entacher wurde von Darabos, der von einer „Meuterei“ sprach, suspendiert, gewann aber in der Berufung. Nun zieht der Ex-General wieder ins Gefecht.

Im Visier der drei Militär-Experten: Tanner und ihre heftig umstrittenen Pläne, das Heer umzubauen.

Die Idee zum Schulterschluss der beiden Ex-Minister und Entacher entstand, so heißt es aus dem Büro von Burgenlands Landeshauptmann Doskozil, vor wenigen Wochen. Bei einem Besuch von FPÖ-Chef Norbert Hofer, wo auch Kunasek aus Graz extra nach Eisenstadt anreiste, war man sich inhaltlich schnell einig.

Im Mittelpunkt der heutigen Pressekonferenz werden einige Forderungen an die Heeresministerin stehen. Übrigens soll die Pressekonferenz in dieser Konstellation keine einmalige Aktion sein, sondern, wenn die parteipolitischen Ansichten übereinstimmen, künftig öfters am Programm stehen.

Wie der KURIER erfuhr, werden Doskozil, Kunasek und Entacher für 2021 ein Heeresbudget von drei Milliarden Euro fordern, damit das Heer nicht kaputt gespart wird. Zum Vergleich: Derzeit liegt das Budget bei 2,545 Milliarden. Das ist eine Steigerung von 9,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor zwei Wochen gab es weitere 200 Millionen Euro extra für die bessere Ausstattung der Miliz.

Außerdem fordert das Triumvirat einen Stopp der Personal- und Strukturänderungen, die bis zu 6000 Arbeitsplätze kosten. In Zeiten der hohen Arbeitslosigkeit sei das eine Katastrophe, heißt es aus dem Büro von Doskozil.

Ein weiterer Appell an Ministerin Tanner: Die Kompetenz des staatlichen Katastrophen- und Krisenmanagement muss als Inlandsaufgabe Bundesheeres definiert werden - inklusive des Budgets und der Arbeitsplätze.

Da nur 24 Stunden nach dem Auftritt der Nationale Sicherheitsrat tagt, werden Doskozil und Kunasek auch zu den Vorwürfen Stellung nehmen, dass es Gespräche über ein angebliches Libyen-Projekt des untergetauchten Wirecard-Managers Jan Marsalek 2017 und 2018 gegeben hätte.

Die Gespräche zwischen dem Ressort und der deutschen Expertengruppe haben noch unter Doskozil begonnen und sich bis 2018, als Kunasek Verteidigungsminister war, gezogen. Marsalek plante die Errichtung einer 15.000 Mann starken Miliz zur Überwachung der Libyschen Südgrenze.
https://kurier.at/politik/inland/doskoz ... /400982474

theoderich
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von theoderich »

Pressekonferenz: Überparteilicher Schulterschluss für unser Bundesheer

Mo., 27.7.2020 | 9.55 Uhr

https://tvthek.orf.at/live/Pressekonfer ... r/14076574

muck
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von muck »

General Gaiswinklers Interview ist ein echter Augenöffner.

opticartini
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von opticartini »

Doskozil, nach Darabos der zweite "Gottseibeiuns" der Eurofighter-Fangemeinde, möchte also das Bundesheer retten.

Dr4ven
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von Dr4ven »

opticartini hat geschrieben:
Mo 27. Jul 2020, 09:21
Doskozil, nach Darabos der zweite "Gottseibeiuns" der Eurofighter-Fangemeinde, möchte also das Bundesheer retten.
Er will eben auch der ÖVP noch eine reinwürgen.
So lange er im Burgenland bleibt kümmert es ohnehin niemanden was der von sich gibt. :-)

Karl P.
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von Karl P. »

.......So lange er im Burgenland bleibt kümmert es ohnehin niemanden was der von sich gibt. :-)


Da bin ich nicht dieser Meinung. Doskozil versteht es ganz gut, Unbedarfte mit einfachen Ansagen anzusprechen. Das zieht leider immer und überall.

Dr4ven
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von Dr4ven »

theoderich hat geschrieben:
Mo 27. Jul 2020, 00:23
Pressekonferenz: Überparteilicher Schulterschluss für unser Bundesheer

Mo., 27.7.2020 | 9.55 Uhr

https://tvthek.orf.at/live/Pressekonfer ... r/14076574
Was für eine Farce!
Danach KEINE einzige Frage zum Gesagten, nur parteipolitisch motivierter Blödsinn.

Gesperrt