Medienberichte 2020

Landesverteidigung, Einsätze & Übungen, Sicherheitspolitik, Organisation, ...
theoderich
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von theoderich »

Robos hat geschrieben:
So 19. Jul 2020, 12:19
Jetzt muss die Post die Pakete wieder selber schupfen und der Billa seine Konservendosen und die Grillkohle wieder selbst durch die Lager transportieren. Bravo Miliz, adäquate Arbeit geleistet!
Bei keiner dieser Unterstützungsleistungen sind Milizsoldaten zum Einsatz gekommen! Was sollen diese Unterstellungen?

Robos
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von Robos »

theoderich hat geschrieben:
So 19. Jul 2020, 13:24
Robos hat geschrieben:
So 19. Jul 2020, 12:19
Jetzt muss die Post die Pakete wieder selber schupfen und der Billa seine Konservendosen und die Grillkohle wieder selbst durch die Lager transportieren. Bravo Miliz, adäquate Arbeit geleistet!
Bei keiner dieser Unterstützungsleistungen sind Milizsoldaten zum Einsatz gekommen! Was sollen diese Unterstellungen?
das wäre wünschenswert gewesen, ist aber leider falsch! Sogar Offiziere der Miliz waren in Inzersdorf dabei!

chuckw
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von chuckw »

Tanner bestätigt Beschwerde im STANDARD-Forum: Anfangs vier Duschen für 350 Soldaten

https://www.derstandard.at/story/200011 ... schen-fuer
Alles läßt sich durch Standhaftigkeit und feste Entschlossenheit erreichen. (Prinz Eugen v. Savoyen)

theoderich
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von theoderich »


theoderich
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von theoderich »

Auch Klaudia Tanners Beraterstab gerät nun unter Beschuss

https://www.derstandard.at/story/200011 ... r-beschuss


Die Zukunft des Bundesheers: Welche Reformen braucht es?

https://www.derstandard.at/story/200011 ... braucht-es


Bild
https://www.facebook.com/11214201885726 ... &__tn__=-R
Zuletzt geändert von theoderich am Sa 25. Jul 2020, 21:25, insgesamt 1-mal geändert.

theoderich
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von theoderich »

"Druck und Einschüchterungsversuche"
Verteidigungsministerium sucht nach Miliz-Brief Informanten

https://krone.at/2197132

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Oberleutnant
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von Oberleutnant »

Die Verantwortlichen in dieser Republik sind so dermaßen fehl am Platz! Transparente und offene Fehlerkultur sind massive Fremdbegriffe bei der Baggage.
Mit was soll mich so ein Ministeriumskasperl den als Miliziffizier unter Druck setzen wollen. Sollen sich, wenn es ihnen nicht passt, andere für diesen Job suchen der beruflich und privat nur Nachteile bringt!
Operettenrepublik!
Wir sind Österreicher. Was bedeutet, daß grundsätzliche Kurskorrekturen und deutliche Prioritätensetzungen nicht unsere Sache sind. Man ist froh, einigermaßen über die Runden zu kommen und Probleme irgendwie auszusitzen. (Zitat v. Alfred Payrleitner)

Dr4ven
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von Dr4ven »

Richtig, aber am Ende zählt doch nur das Geld, dafür lassen wir uns doch gerne für dumm verkaufen.

Was mir aber partout nicht in den Kopf will, ist die Tatsache (!), dass es für den Generalstabsoffizier keinerlei Nachteile für seine Pensionsbezüge gibt, wenn man sich einfach mal gegen das Ministerbüro offen und aktiv quer legt, keinerlei Befehle umsetzt und einfach mal den Eid auf die Verfassung geltend macht!

7L*WP
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von 7L*WP »

Die Kleine Zeitung widmet heute die Titelseite, plus die ersten 4 Seiten dem Bundesheer unter der Schlagzeile.
Das ruinierte Heer
Leider ist der Bericht in der Onlineausgabe wieder einmal nur für Abo- Besitzer zu lesen!
https://www.kleinezeitung.at/politik/in ... -spaet-ist
Das desolate Heer: Warten bis es zu spät ist

Bei der Landesverteidigung kracht es an allen Ecken und Enden. Jetzt schlagen Ranghohe Offiziere in ganz Österreich Alarm.

„Airbus wird mich kennen lernen.“ So tönte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) vor Monaten.
Umgemünzt auf das Bundesheer heißt das:“Meine Soldaten werden mich kennen lernen.“
Und die empfinden das als Bedrohung. Die Ministerin aus dem niederösterreichischen Bauernbund ohne militärische Erfahrung startete einen Reformprozess ohne Einbindung der Truppe. Nicht einmal Informationen gab es. „Wie mussten vieles häppchenweise aus den Medien erfahren,“ lautet daher der Grundtenor der Kritik…
Der Kommandant der 6. Gebirgsbrigade, Brigadier Johann Gaiswinkler bringt die Stimmung der Truppe mit einem Zitat von Alexander Puschkin auf den Punkt:
„Wir, die Willigen, von den Unwissenden geführt, tun das Unmögliche für die Undankbaren. Wir haben so lange so viel mit so wenig vollbracht, dass wir inzwischen in der Lage sind, alles mit nichts zu erreichen.“
Ich glaube, diesem Zitat braucht man nichts mehr hinzufügen!!

theoderich
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Re: Medienberichte 2020

Beitrag von theoderich »






Tristes Bild: Heer ist Fall für den Konkursrichter
„Airbus wird mich kennen lernen." So tönte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (VP) vor Monaten. Umgemünzt auf das Bundesheer heißt das: „Meine Soldaten werden mich kennen lernen." Und die empfinden das als Bedrohung. Die Ministerin ohne militärische Erfahrung startete einen Reformprozess ohne Einbindung der Truppe. Nicht einmal Informationen gab es. „Wir mussten vieles häppchenweise aus den Medien erfahren", lautet daher der Grundtenor der Kritik.
Minister Hans Peter Doskozil hatte bei vielen Interesse am Soldaten-Job geweckt. Das zeigten die Zahlen der Heeresunteroffiziersakademie (HUAk) in Enns. „Der Hype lässt nach. Das hatte sich aber schon abgezeichnet", sagt Brigadier Nikolaus Egger. Vizeleutnant Othmar Wohlkönig, Präsident der Unteroffiziersgesellschaft, formuliert das schärfer. „Nach dem Anstieg der vergangenen Jahre befinden sich schon heuer um ein Drittel weniger Anwärter als 2019 bei den Kursen."

Das Schweigen der Generäle

Ungeachtet dessen, dass es in vielen Soldaten innerlich brodelt: Die Loyalität speziell der Führungskräfte in Wien scheint ungebrochen. Die Mehrzahl der Generäle übt sich im Schweigen und Erdulden einer Entwicklung, die einer Todesspirale der Landesverteidigung gleicht. Alarm schlagen dagegen jetzt hochrangige Militärs in Interviews mit den Bundesländerzeitungen. So bringt etwa der Chef der 6. Gebirgsbrigade, Brigadier Johann Gaiswinkler, in Absam die Stimmung in der Truppe mit einem Zitat von Alexander Puschkin auf den Punkt: „Wir, die Willigen, von den Unwissenden geführt, tun das Unmögliche für die Undankbaren. Wir haben so lange so viel mit so wenig vollbracht, dass wir inzwischen in der Lage sind, alles mit nichts zu erreichen."

Was das Nichts betrifft, so vergleicht Vorarlbergs Militärkommandant Gunther Hessel das Heer mit einer eher schiefen Holzhütte. Wie marode die Infrastruktur in den Bundesländern ist, zeigen die Daten des Militärkommandos Salzburg auf: 70 Prozent wären hier zu sanieren, Investitionsbedarf 100 Millionen.

Wenn nun beispielsweise — als große Errungenschaft — angekündigt wird, mit einem Investitionspaket die Miliz zu stärken, dann ist das lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Kommandant des Tiroler Jägerbataillons, Oberstleutnant Elmar Rizzoli, sagt zum Ist-Zustand: „Als Jägerbataillon haben wir derzeit nicht einmal ein Fahrzeug — das müssen wir ausleihen."

Wer nun annimmt, die Miliz wäre eben das Stiefkind, die aktive Truppe dafür zumindest passabel ausgestattet, der irrt. Für Truppenbewegungen in einem Bundesland müssten entweder Unterstützung aus anderen Ländern angefordert oder eben Fahrzeuge angemietet werden, sagt Oberösterreichs Militärkommandant Dieter Muhr. „Wenn aber alles gleichzeitig eingesetzt werden muss, dann wird es sehr eng."

Österreichweit wurden seit 2016 alleine 1093 Heeresfahrzeuge „ausgeschieden" — prozentuell waren das etwa in Salzburg 50 Prozent. „Es gibt einen großen Nachholbedarf, den wir im gesamten Heer haben. Das betrifft Fahrzeuge, Funkgeräte, bis in den Bereich der persönlichen Schutzausrüstung", sagt Wiens Militärkommandant Kurt Wagner.

Am Ende der Lebensdauer

Steiermarks Militärkommandant Heinz Zöllner streicht besonders die Fliegerabwehr hervor, deren Waffensysteme „am Ende der technischen Lebensdauer" angekommen wären. Alleine in diesem Bereich sind laut seinem Vorgänger, Generalmajor Heinrich Winkelmayer, Investitionen in Höhe von 460 Millionen Euro erforderlich.

Warten, bis es zu spät ist

Dass Beschaffungen dringend nötig wären, ist durchaus auch im Ministerium angekommen. Aber dort fehlt es regelmäßig an Geld und alles dauert — aus Sicht der Truppe — ewig. Denn Spezialgerät ist nicht so einfach und schnell zu bekommen wie ein Privatauto. Und dann kommt oftmals der Sparzwang dem Militär in die Quere. Nach der Lawinenkatastrophe in Galtür 1999 sollte das Heer mit zwölf Black-Hawk-Hubschraubern aufgerüstet werden. 2002 kamen tatsächlich die ersten, insgesamt wurden es aber nur neun. Erst jetzt sollen laut Wolfgang Wagner, Chef des Kommandos Luftunterstützung in Hörsching die fehlenden drei Großraumhubschrauber ankommen. In vielen anderen Bereichen heißt es dagegen weiter warten: Warten, bis es zu spät ist.
https://www.tt.com/artikel/17172143/tri ... ursrichter


Kritik von Generalleutnant Reißner: „Gelinde gesagt unprofessionell“
Dieses Déjà-vu hätte sich Generalleutnant Franz Reißner gerne erspart. Seit 2016 befinden sich das operative Kommando und die nachgeordneten Ebenen und Truppenkörper in permanenter Neugliederung. „Manche glauben, wenn wir eine andere Truppeneinteilung machen, können wir damit unsere Probleme lösen. Darauf fiel leider bisher jede Ressortleitung hinein“, geht der Kommandant der Streitkräfte auch mit den Planern im eigenen Haus hart ins Gericht.
„Gelinde gesagt unprofessionell“ nennt Reißner das Vorgehen in den letzten fünf Jahren. Strukturänderungen seien mehrfach „aus dem Bauch heraus“ und ohne begleitende wissenschaftliche Prozesse und wirtschaftliche Analysen der Politik vorgeschlagen worden. Als Beispiel nennt er die damals geplante Aufstellung von zusätzlichen Einheiten bei gleichzeitig sinkender Zahl Grundwehrdienern und fehlender Ausrüstung.

Reißner will den Zustand des Bundesheeres nicht allein an dessen chronischem Finanzmangel festmachen. Ebenso lähmend für eine einsatzorientierte Organisation sei die schwerfällige Administration, hervorgerufen durch „höchst komplizierte und unübersichtliche Verhältnisse im Dienst- und Besoldungsrecht“. Mehr als 80 rechtliche Konstrukte existieren im Heer.

Der Zentralismus, der auch jede kleinste Beschaffung und jede Neuaufnahme zum bürokratischen Hindernislauf mache, erinnere an die 50er-Jahre. Warum dieser Missstand noch von keiner Regierung ernsthaft angegangen wurde? Reißner: „Manche im Apparat sind es so gewohnt und können in ihrer Komfortzone bleiben, schlagen es daher gar nicht vor.“

Die „Brigadefähigkeit“ verteidigt er gegen alle neuen Reformvorhaben, „ohne Brigadestruktur gäbe es keine Armee“. Und eine koordinierende übergeordnete Ebene – wie eben die Streitkräfte – sei unabdingbar.
https://www.tt.com/artikel/17172241/kri ... fessionell


Von allem immer zu wenig: Tirols Militärkommandant Gstrein im Interview
Stets wird über die Ausrüstung geklagt und oft der Fuhrpark genannt. Für die Militärmusik müssen private Busse angemietet werden.

Gstrein: Im Jahr 2014 war das Mobilitätsproblem sehr präsent und es wurde sogar ein eigener Mobilitätsbeauftragter im Ministerium implementiert. Durch die Beschaffung von Fahrzeugen wurde versucht, die Situation zu verbessern. Das ist zumindest teilweise gelungen. Vor allem im Einsatzbereich sind mit den Puch G und Pinzgauern schon noch uralte Fahrzeuge eingesetzt. Da benötigt man einen adäquaten Ersatz. Der diesbezügliche Beschaffungsvorgang ist meines Wissens eingeleitet.

Darauf wartet man offenbar schon seit Jahren.

Gstrein: Ich bin überzeugt, dass wir bald die ersten Fahrzeuge erhalten. Die Lkw sind ebenfalls eine gewisse Herausforderung, aber da hoffen wir auf die Umsetzung des von Ministerin Tanner angekündigten Milizpakets. Prinzipiell haben wir in Teilbereichen ein Mobilitätsproblem, an Lösungen wird gearbeitet.

Unabhängig davon, dass Ex-Verteidigungsminister Doskozil 2017 mit seiner Ankündigung, Pandur-Radpanzer für den Assistenzeinsatz an der Grenze nach Tirol zu verlegen, für Aufregung gesorgt hat: In Tirol hatte man keine.

Gstrein: Mit den BvS 10 Hägglunds hat es vor zwei Jahren einen großen Schritt nach vorne gegeben. Es ist ein modernes, geschütztes und trotzdem hochbewegliches Fahrzeug für die Hochgebirgsjäger, leider nicht in jener Anzahl, wie wir es benötigen würden.

Für die Landesübung „Scheitelhöhe“ 2019 in Tirol mussten Geräte aus ganz Österreich zusammengekratzt werden, damit sie durchgeführt werden konnte.

Gstrein: Das fällt in diesen Bereich. Eben deshalb werden 200 Funktionsfahrzeuge bzw. Lkw angekauft. Mit den BvS 10 Hägglunds hat es vor zwei Jahren einen großen Schritt nach vorne gegeben. Es ist ein modernes, geschütztes und trotzdem hochbewegliches Fahrzeug für die Hochgebirgsjäger, leider nicht in jener Anzahl, wie wir es benötigen würden.

Und dringend benötigte Helme und neue Uniformen bleiben in Wien hängen?

Gstrein: Nicht nur bei der Miliz gibt es großen Nachholbedarf an Ausrüstung, sondern in vielen Bereichen. Die neue Uniform wurde bereits in den Kasernen in St. Michael und Ried im Innkreis übergeben. Aber 55.000 neue Uniformen in mehrfacher Ausfertigung pro Soldat – das sind schon Dimensionen, die ins Geld gehen. Und das dauert dann.

Die Pionierkompanie in Schwaz wurde aufgelassen, eine neue Kompanie sollte in Landeck aufgebaut werden. Doch das stockt ebenfalls.

Gstrein: Nach Verteidigungsminister Kunasek (FP) wurde dieses Vorhaben in die zweite Reihe zurückgereiht. Es ist im neuen Regierungsprogramm generell angedacht, die Pioniertruppe zu stärken, aber wie, das ist noch unklar. Kleinere Pionieraufträge werden vom Baupionierzug des Militärkommandos professionell erfüllt. Größere Pioniereinsätze in Tirol wurden bislang von den Salzburger Pionieren sehr gut abgewickelt.

Dennoch wurde die Pionierkompanie als Zukunftsaktie für die Pontlatz-Kaserne in Landeck beworben.

Gstrein: Derzeit sind zwei Kompanien in der Pontlatz-Kaserne stationiert: eine Jägerkompanie des Jägerbataillons 23 und eine Kompanie, die dem Militärkommando untersteht. Aus dieser wäre geplant gewesen, die Pionierkompanie zu entwickeln. Es ist wünschenswert, dass zwei Kompanien dort stationiert sind, denn die Pontlatz-Kaserne ist als Stützpunkt für Einsätze im Oberland essenziell.

Ihr Vorgänger Herbert Bauer hat den Investitionsbedarf in den Tiroler Kasernen mit 68 Mio. Euro beziffert.

Gstrein: Unsere Kasernen sind im Vergleich mit anderen in einem guten Zustand. Natürlich müssen wir in allen Liegenschaften investieren. Größere Investitionsbedarfe gibt es in Landeck und Kranebitten, auch im Sanitätszentrum West in Innsbruck. In St. Johann und Lienz gäbe es ebenfalls Bedarf genauso wie am Truppenübungsplatz Li¬zum-Walchen.

Für Lizum-Walchen wird ja über eine Kooperation mit der deutschen Bundeswehr verhandelt. Wie weit sind die Gespräche gediehen?

Gstrein: Es gibt eine Absichtserklärung, Verhandlungen bis Ende März 2021 mit der deutschen Bundeswehr zu führen. Es geht um eine Beteiligung an notwendigen Investitionen.

Machen zwei Kasernen in Lienz noch Sinn?

Gstrein: Vor Jahren war bekanntlich die Schließung der Franz-Joseph-Kaserne im Gespräch. Momentan ist das kein Thema. Wenn sie geschlossen werden würde, müsste in die Haspinger-Kaserne massiv investiert werden.

Als Militärkommandant unterstehen Ihnen nur rund 340 Bedienstete. Wie würden Sie den Stellenwert des Militärkommandos einordnen?

Gstrein: Es hat eine wichtige Funktion im Bundesheer und im Land Tirol. Gerade während der Corona-Krise standen wir mit 550 Soldaten im Inlands¬einsatz. Als Militärkommandant bin ich Ansprechpartner für die Behörden, weil wir die infrastrukturelle Verantwortung sowie die Einsatzführung im Assistenzeinsatz haben. Militärisch gesehen nehmen natürlich andere Protagonisten eine größere Rolle ein, wie z. B. die 6. Gebirgsbrigade.

Jetzt wird über die Zusammenlegung der Brigaden mit den Militärkommandos diskutiert.

Gstrein: Die Brigade ist der Kern des Bundesheers. Jetzt wird darüber nachgedacht, die Brigaden und die Militärkommanden zu fusionieren. Dieser Idee kann man etwas abgewinnen. Letztlich kommt es wie immer auf die Umsetzung an, weil die Zusammenführung natürlich Konfliktpotenziale birgt. Insgesamt sollen die Führungsstrukturen verschlankt werden.

Wäre das nicht eine Aufwertung des Militärkommandos?

Gstrein: Eine der Grundideen der Reform ist es, die Militärkommanden zu stärken. Wir sind schließlich die Schnittstelle zum Land. Das Nebeneinander von mehreren Führungssträngen soll dadurch gestrafft werden.

Sollte alles bleiben, wie es ist: Würde man die Militärkommandos in ihrer aktuellen Struktur überhaupt noch benötigen, sie werden ebenfalls in regelmäßigen Abständen infrage gestellt.

Gstrein: Im militärischen Bereich könnte man das diskutieren, aber der Stellenwert der Militärkommandos in den Bundesländern ist wegen der wichtigen Schnittstellen ein sehr hoher. Wie gesagt, als Militärkommandant bin ich der zentrale Ansprechpartner für militärische Angelegenheiten in Tirol.

Personell soll dem Bundesheer in Tirol in den nächsten Jahren ein pensionsbedingter Aderlass drohen.

Gstrein: In den vergangenen drei Jahren hatten wir einen guten Zuspruch von jungen Menschen, die eine Unteroffizierslaufbahn eingeschlagen haben. Wir benötigen sie auch dringend für die Ausbildung bei der Truppe. Andererseits kommen Pensionsabgänge. Tausende Bedienstete werden in den kommenden Jahren österreichweit Pension gehen. Das sehen wir gleichzeitig aber als Chance, weil wir neue Strukturen entwickeln können, um Personal dorthin umzuschichten, wo es benötigt wird; in der Truppe, bei den ABC-Abwehrspezialisten und vor allem im Cyberbereich.

Gibt es genügend Grundwehrdiener, damit die Kasernen ausreichend belegt sind?

Gstrein: Das hängt von der neuen Struktur ab, zudem sollen die Tauglichkeitskriterien angepasst werden. Vielleicht steht uns dann etwas mehr Personal zur Verfügung, was für die Kasernenbewirtschaftung positiv wäre. Insgesamt sind die Kasernen gut ausgelastet.

Abschließend: Wie geht es mit dem Hubschrauberstützpunkt in Vomp weiter?

Gstrein: Der bleibt und ist wichtig für die zu implementierenden regionalen Schutz- und Hilfezonen, der Bundesheerhubschrauber wird anlassbezogen stationiert.

Der Stützpunkt Vomp ist der am weitesten im Westen gelegene Militärhubschrauberstützpunkt des ÖBH und für Katastrophenhilfe von besonderer Bedeutung.
https://www.tt.com/artikel/30743471/von ... -interview


Salzburger Militärkommandant zur Geldnot des Heeres: "Staat hat Prioritäten offenbar anders gesetzt"

https://www.sn.at/politik/innenpolitik/ ... t-90601471


Reform: "Eine Reparatur am laufenden Motor"

https://www.nachrichten.at/politik/inne ... 85,3277874


So ist es in Vorarlberg um das Bundesheer bestellt
Vorarlberger Militärkommandant spricht über die Baustellen beim Bundesheer

Mit dem Bundesheer sei es wie mit dem Hausbau. Man könnte Keller, Pool und Garten planen, sagt der Vorarlberger Militärkommandant Gunther Hessel. Viel wichtiger sei am Ende aber, dass ein solides Holzhaus mit Strom, Wasser und Wärme stehe. Das Heer gleiche aber eher einer schiefen Holzhütte: "Teilweise regnet es rein, die Heizung fällt immer wieder aus, die Stromleitungen sind zu schwach." Den VN gibt er einen Überblick über den aktuellen Zustand.

Der Fuhrpark. Derzeit kann nur ein Drittel des Jägerbataillons 23 mit den vorhandenen Fahrzeugen gleichzeitig bewegt werden, erklärt Hessel. Das liege vor allem am Mangel an geländegängigen und hochgebirgstauglichen Fahrzeugen. Die acht neuen gepanzerten Gebirgsspezialfahrzeuge Hägglunds seien die einzigen gepanzerten Fahrzeuge in Vorarlberg. Nicht einmal die Polizei habe welche. Um ein Bataillon auszustatten, benötige man zumindest 30 bis 40.

Die Kasernen. In Vorarlberg seien die Kasernen in gutem Zustand. "Für die Hägglunds wäre aber ein Garagentrakt nötig, und eine Art Rüsthalle. Es braucht nicht viel. Eigentlich nur Garagentore. Dann können wir die Fahrzeuge auch munitioniert, bewaffnet und betankt geschlossen abstellen", erklärt Hessel. Sehr wichtig wäre auch ein Hubschrauberhangar. Im Winter oder bei möglichem schlechtem Wetter könne ein Hubschrauber witterungsgeschützt bereitgehalten werden. Außerdem mangele es an technischer Ausstattung und Infrastruktur der Kasernen, um im Fall eines kompletten Blackouts voll einsatzfähig zu sein. In Bregenz und Bludesch seien Investitionen in die Notstromversorgung nötig. "Auch die Tankanlage in Bregenz, die aus Kostengründen stillgelegt wurde, sollte dringend in Betrieb genommen werden."

Die personelle Situation. Im Militärkommando in Bregenz und im Jägerbataillon 23 sind 70 Prozent der Planstellen besetzt. Der Kommandant ist optimistisch, dass die bevorstehende Pensionswelle mit der guten Personalentwicklung im Kader abgefedert werden kann.

Die Ausrüstung. "Die Soldaten und Aufklärer sind noch fast immer mit normalen Ferngläsern unterwegs", kritisiert Hessel. Nachtsichtgeräte und andere Beobachtungsmittel - seien es nur Taschenlampen - gebe es viel zu wenige. Gleiches gelte für Schutzwesten. "Es fehlt auch an Scharfschützengewehren." Hessel kritisiert außerdem, dass die Lenkwaffe mit 2000 Metern Reichweite nicht nachbeschafft werden soll.

Die Miliz. Einsätze der Miliz müssen weitgehend unabhängig von den präsenten Kräften stattfinden können, dazu bräuchte die Miliz aber erst eine eigene Ausstattung. Der Kommandant fordert auch, dass sie als Gesamtes üben kann. Das sei seit vielen Jahren nicht mehr der Fall gewesen. Die Miliz brauche weiterhin klar begrenzte Aufträge, wie schon aktuell den Schutz kritischer Infrastruktur: "Das wäre mit gezielten Übungen und darauf abgestimmter Ausstattung ein planbarer und eventuell leistbarer Kompromiss."

Der Katastrophenschutz. Der Katastrophenschutz sei gewährleistet: "Weil wir mit den vorhandenen Mitteln das Beste daraus machen", sagt Hessel. Es müsse aber jedem bewusst sein, dass die Hilfe bei mangelndem oder altem Gerät nicht so rasch, nicht so effizient und nicht so gut möglich sei.

Das Ministerium. Ministerin Klaudia Tanner und Generalstabschef Robert Brieger arbeiten auf Basis des Berichts von Ex-Minister Thomas Starlinger an der Weiterentwicklung des Heeres, berichtet Hessel. Die darin geforderten 16 Milliarden Euro seien aber sehr unrealistisch. Er vertraue jedoch darauf, dass vom Generalstab vernünftige Strukturvorschläge kämen. Ohne zusätzliches Geld gehe das aber nicht. Das der Starlinger-Bericht als Basis herangezogen wird, wertet er als Erfolg.
https://www.vn.at/vorarlberg/2020/07/25 ... estellt.vn


Bundesheer in der Krise
Walter Gitschthaler: "Haben zu viele Häuptlinge und zu wenige Indianer"


https://www.kleinezeitung.at/kaernten/v ... n-zu-viele
Zuletzt geändert von theoderich am Sa 25. Jul 2020, 20:08, insgesamt 1-mal geändert.

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