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BeitragVerfasst: 07. Mai 2005, 08:09 
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Zitat:
Weltkrieg II? - "Nicht mehr darüber reden"
Umfrage: Die Hälfte der Österreicher will die Zeit vor 1945 abgeschlossen wissen. Tendenz steigend.

Die Unlust der Österreicher, sich mit der Zeit vor 1945 auseinander zu setzen, steigt. Laut Marktforschungsinstitut IMAS ("Presse" exklusiv) ist schon jeder Zweite dafür, "dieses Kapitel abzuschließen und nicht mehr darüber zu reden". Dass die Erinnerungen an die Verbrechen im Zweiten Weltkrieg wachgehalten werden sollen, meint nur noch knapp ein Drittel, das sind sechs Prozent weniger als vor zehn Jahren und beträchtlich weniger als in Deutschland. Dafür plädieren die Österreicher stärker als die Deutschen für ein Wachhalten der Erinnerung an die Bombardierung der eigenen Städte durch die Alliierten, die Leiden der Kriegsgefangenen in Russland oder das Verhalten der Besatzungstruppen.

Auffallend schwer tun sich die Österreicher mit der Frage, ob das Ende des Zweiten Weltkriegs eher eine Befreiung oder eine militärische Niederlage war. Über vierzig Prozent der Befragten antworteten mit "unentschieden/keine Angabe" - das sind mehr als doppelt so viele wie in Deutschland. Weit mehr Österreicher als Deutsche zweifeln außerdem an der Glaubwürdigkeit der Berichterstattung zum Zweiten Weltkrieg.

Die unterschiedlichen Ergebnisse für Österreich und Deutschland hätten damit zu tun, "dass die ältere Generation der Österreicher noch stärker dem alten Denken verhaftet ist", meint Gerhard Botz vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Verantwortlich dafür sei die "grundlegend unterschiedliche politische Entwicklung nach 1945" in den beiden Ländern. Sie habe dazu geführt, dass die positive Erinnerung an den Nationalsozialismus in Österreich erst viel später zum Problem geworden sei.

Die Studie "Der Zweite Weltkrieg in der Sicht der Zentraleuropäer" wurde in insgesamt acht mittel- und osteuropäischen Ländern durchgeführt. Überall haben sich Interesse und Wissensstand zur Zeit vor 1945 innerhalb der letzten zehn Jahre drastisch reduziert. So können in Österreich sieben von zehn Befragten überhaupt nichts mit dem Namen des ehemaligen Wiener Gauleiters Baldur von Schirach anfangen. Andreas Kirschhofer, Geschäftsführer von IMAS International in Linz: "Die Umfrage zeigt, dass die mentale Verbindung zu den Geschehnissen abreißt. Der Weltkrieg wird heute eher atmosphärisch wahrgenommen, ohne eine über den Holocaust hinausgehende Kenntnis." Mit dem Umfang der Holocaust-Berichterstattung sind viele Österreicher unzufrieden: 23 Prozent finden, dass das Leiden der Juden in den Konzentrationslagern überbetont wird.

Die Presse, 07.05.2005

_________________
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BeitragVerfasst: 08. Mai 2005, 19:32 
Um ehrlich zu sein strapazieren mich die Anschluß-/Schuld-/Befreiungs- und sonstige Themen im Zusammenhang mit dem 2.WK auch. Und nicht etwa weil ich kein Geschichtsbewußtsein habe oder mich gegen eine ordentliche Aufarbeitung wehre, sondern weil zu Stichtagen mediale Berichterstattungswellen entstehen, zu denen Gedenkfeiern an denen Festtagsredner mit betretener Miene die selben Stehsätze seit 60 Jahren wiederholen (nicht daß sie falsch wären, aber langsam fad) und alles in allem den (oft unfreiwillig) Anwesenden und den (noch öfter unfreiwillig teilnehmenden) Medienkonsumenten die Schuld einer fast ausgestorbenen (und m.M. nach trotzdem zum größeren Teil schuldunfähigen) Generation aufzuladen versuchen.

Und, als hätte ich die Schlagzeilen hierzu bestellt, möchte ich zwei Kernaussagen aus heutigen Online-Medien, allerdings Deutschland betreffend - was thematisch i.g.F. ziemlich einerlei ist - gegenüberstellen:

Köhler: "Es gibt keinen Schlussstrich"
http://kurier.at/ausland/979799.php
Zitat:
"Es gibt keinen Schlussstrich", sagte Köhler am Sonntag bei dem Festakt von Bundestag und Bundesrat im Berliner Reichstag.


Putin und die deutsche Weltmachtrolle
http://www.saar-echo.de/news.php?news_ID=22162
Zitat:
Der russische Präsident hat die Deutschen unmittelbar vor dem 60. Jahrestag des Kriegsendes als ,,Opfer'' der NS-Regierung bezeichnet und ihnen in der Berliner Boulevardpresse zugerufen, sie sollten sich nicht ,,zwingen'' lassen, ihr Haupt mit ,,Asche zu bestreuen und sich dauernd zu geißeln''.


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BeitragVerfasst: 17. Mai 2005, 11:18 

Registriert: 17. Mai 2005, 11:13
Beiträge: 2
Ich versteh das Ganze sehr gut! Niemanden hilft es, wenn jedes Jahr eine weitere Gedenktafel angebracht wird oder ein weiterer Platz mit einem modernen Mahnmal verschandelt wird. Meine Generation (1975) hat keinen Grund einem jüdischen Mitbürger mit schlechten Gewissen gegenüberzutreten oder Wehrmachtsdesserteure um Entschuldigung zu bitten.


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 Betreff des Beitrags: Vorwärts
BeitragVerfasst: 31. Jul 2005, 00:47 

Registriert: 22. Mai 2005, 11:52
Beiträge: 4
Wohnort: Deutschland
Jede Zeit hat ihre eigenen Probleme. da muß man nicht ständig zurück sehen.
Endlich fallen die Grenzen in Europa, wir können uns frei bewegen.
Fragen wir uns doch mal . wem nützen die jährlichen Rituale ?

Frank E. 8)


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