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BeitragVerfasst: 06. Mai 2008, 09:00 
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Registriert: 07. Nov 2006, 13:36
Beiträge: 883
Schöne Geschichte ...
orf.at hat geschrieben:
1945 als erster US-Soldat in Österreich

1923 als Sohn des Wiener Vizebürgermeisters geboren, flüchtete Ernst Florian Winter 1938 vor den Nazis nach Amerika. Sieben Jahre später war er 1945 der erste GI, der seinen Fuß im Innviertel nach Österreich setzte. Heute lebt er als Bergbauer in Osttirol.

Laue Nacht von 3. auf 4. Mai
Sie waren damals zwölf sehr junge Männer mit leichter Infanterie-Bewaffnung. Und bei Burghausen setzten sie in Schlauchbooten der US-Armee Anfang Mai 1945 von Bayern über die Salzach nach Österreich.

Das Ziel des militärischen Auftrages zur ersten Erkundung des westlichen Innviertels war die Ortschaft Gundertshausen; einige Kilometer von der Salzach entfernt in Richtung Salzburger Landesgrenze ...

Gemeinsame Spurensuche ...
Am späten Abend des 3. Mai 1945 stand der 22-jährige US-Offizier Ernst Florian Winter sieben Jahre nach seiner Flucht nach Amerika wieder auf heimatlichem Boden: “Gottseidank musste ich niemanden umbringen.“

Für die erste nächtliche Erkundung auf österreichischem Territorium hatten sie Fahrräder. Mit ihren halbautomatischen Browning-Gewehren schwangen sich die jungen Amerikaner und ihr österreichischer Kommandant in die Sättel der Drahtesel. Bei Sonnenaufgang erreichten sie am 4. Mai Gundertshausen.

Winter gehörte eigentlich zur 10. Gebirgsdivision der US-Armee, die in Süditalien kämpfte. Er war als gut ausgebildeter Europäer, Geheimdienst-Spezialist und Dolmetscher jedoch General Pattons 23. Infanterie-Division zugeteilt worden und schon bei der Invasion im Juni 1944 in der Normandie mit den Amerikanern an Land gegangen.

Im Innviertel trafen sie keine gegnerischen Soldaten mehr. SS und Wehrmacht hatten sich schon ins Salzkammergut zurückgezogen. Acht Tage später kam Winter mit der US-Armee in die Stadt Salzburg, wo er die Villa seines Schwiegervaters Georg von Trapp im Stadtteil Aigen inspizierte. Diese war während des Krieges von SS-Reichsführer Heinrich Himmler benutzt worden, dem obersten Massenmörder.

"Einer der schönsten Tage meines Lebens"
War Winter heiß darauf, nach Jahren des Exils als erster GI seinen Fuß in die alte Heimat Österreich zu setzen?

„Natürlich! Das war einer der schönsten Tage meines Lebens. In der Nacht sind wir von Burghausen gekommen. Das Innviertel ist eine so schöne Gegend, ein Stück Wald, dann Hügel mit Wiesen, dann wieder Wald, dann ein Bauernhof."

"Wir sind in dieser warmen Vollmondnacht im Frühling durchgeschlichen. Kein Mensch hat sich gerührt, es war alles friedlich. Ab und zu hat ein Hund angeschlagen. Wir haben hier in Österreich auch keine Bombentrichter mehr gesehen im Gegensatz zu Deutschland.“

"Bauernhof" war Brauerei Schnaitl
Und der Auftrag des amerikanischen Zuges unter Offizier Winter lautete, das auffällige Gebäude in Gundertshausen im oberösterreichischen Innviertel - nicht weit von der Salzburger Landesgrenze - zu besetzen, das sie durch Luftaufnahmen der amerikanischen Armee zuerst für einen Vierseit-Bauernhof hielten.

Sie sollten dort aushalten, bis wenige Tage später die 23. US-Division unter General Patton aus Bayern kommend hier ihr Hauptquartier für den Kampf um die Befreiung Österreichs aufschlagen würde. Das Gebäude war übrigens kein Bauernhof sondern die Brauerei Schnaitl in Gundertshausen, die es noch heute gibt.

Den Tod vieler Kampfgefährten erlebt
Hier sitzen wir und trinken Kaffee, als Ernst Florian Winter vom harten Weg von der Atlantikküste her nach Österreich berichtet. Als US-Soldat war er nämlich auch bei den Kämpfen in der Normandie dabei, als so viele Amerikaner und Briten ihr Leben für die Befreiuung Europas von den Nationalsozialisten lassen mussten:

„Das letzte schwere Gefecht auf dem Weg zur österreichischen Grenze und nach Berchtesgaden hatten wir in Ansbach. Ich habe bis dahin die ganze Zeit Kameraden sterben gesehen. Aber in Österreich nicht, hier ist keiner von uns mehr gefallen, aber sonst sehr viele, auf der anderen Seite auch sehr viele junge Deutsche und Österreicher. Wenn ich dran denke, werde ich ganz wehmütig.“

In memoriam Leopold Kohr
Winter und der Politikwissenschafter Andreas Maislinger besuchen das Grab des Journalisten, Philosophen und Ökonomen Leopold Kohr in Oberndorf, der sich in Nordamerika bis 1945 in zahlreichen Zeitungsartikeln (New York Times, Washington Post, ...) für Österreichs Befreiung engagiert hatte.

Nach dem Krieg heiratete Ernst Florian Winter Johanna Trapp aus der weltbekannten Salzburger Musikerfamilie Trapp ("Sound of Music"). Seine Frau starb 1994.

Er wurde Professor für Politikwissenschaft an der Columbia University in New York und später Direktor der Diplomatischen Akademie in Wien.

Ranshofen-Wertheimer-Preis 2008
Am 3. Mai 2008 hat Ernst Florian Winter in Braunau am Inn von der Stadtregierung den Egon-Ranshofen-Wertheimer-Preis erhalten. Mit diesem werden verdiente Auslandsösterreicher geehrt.

Der Preis ist nach einem gebürtigen Braunauer benannt, der als ehemaliger Diplomat des Völkerbundes die US-Regierung während des Zweiten Weltkrieges beraten und 1945 auch an der Gründung der Vereinten Nationen in San Francisco mitgewirkt hatte.

Statt als Befreier gefeiert zu werden seien Männer wie Winter in der Nachkriegszeit nicht selten von früheren Nationalsozialisten, ihren Sympathisanten und Wehrmacht-Veteranen als „Verräter“ diffamiert worden, besonders darauf wies der hochrangige Diplomat Michel Cullin in seiner Laudatio für Ernst Florian Winter hin: „Das ist kein Ruhmesblatt in der Geschichte dieser neu gegründeten Republik.“

Nach seiner Pensionierung als Direktor der Diplomatischen Akademie Österreichs ließ sich Winter als Bergbauer und Pferdezüchter im Defereggental in Osttirol nieder. Diese Aufgabe erledigt er noch heute mit großer Freude.

Weiter Friedensdienst und Kulturarbeit
Der knapp 85-jährige Ernst Florian Winter ist - nicht zuletzt durch seine Arbeit als Bergbauer - noch sehr rüstig. Gelegentlich geht er noch für das österreichische Außenministerium auf diplomatisch-humanitäre Einsätze – zuletzt mehrfach nach Pristina in den Kosovo. Er war früher auch in leitender Position für die UNESCO tätig; auf Vorschlag der US-Regierung.


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BeitragVerfasst: 13. Mai 2008, 22:50 
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Registriert: 23. Mär 2005, 14:53
Beiträge: 1289
Cyclop hat geschrieben:
wo er die Villa seines Schwiegervaters Georg von Trapp im Stadtteil Aigen inspizierte. Diese war während des Krieges von SS-Reichsführer Heinrich Himmler benutzt worden


Georg Ritter von Trapp, der erfolgreiche österreichische U-Boot Kommandant aus dem 1. Weltkrieg, der als Vater der singenden Trapp Familie durch "Sound of Music" weltberühmt wurde. Sachen gibts.


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