Kampfwertsteigerung für "Pandur" A1

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theoderich
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Re: Kampfwertsteigerung für "Pandur" A1

Beitrag von theoderich » 01. Nov 2016, 19:33

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ORF2, ZiB2, 25. 10. 2016, 22:00

Dabei dürfte es sich um die belgischen "Pandur" handeln, die zusätzlich angekauft worden sind:


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Re: Kampfwertsteigerung für "Pandur" A1

Beitrag von Elo59 » 01. Nov 2016, 21:50

Die beiden oberen Bilder müssen belgische Fahrzeuge sein, da eine nach hinten wirkende Nebelwurfanlage sichtbar ist.

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Re: Kampfwertsteigerung für "Pandur" A1

Beitrag von theoderich » 01. Nov 2016, 22:26

Das war auch mein Gedanke. Außerdem haben sie Markierungen der Composante Terre.

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Re: Kampfwertsteigerung für "Pandur" A1

Beitrag von theoderich » 04. Nov 2016, 00:55

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Wie will man bei diesen Platzverhältnissen eine Minenschutzplatte unterbringen?

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Re: Kampfwertsteigerung für "Pandur" A1

Beitrag von Elo59 » 04. Nov 2016, 07:48

Warum soll das nicht gehen?

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Re: Kampfwertsteigerung für "Pandur" A1

Beitrag von theoderich » 04. Nov 2016, 11:40

Ich habe mich vielleicht nicht richtig ausgedrückt: Es würde ja funktionieren, nur wird das ohnehin geringe Platzangebot im Mannschaftsraum nochmals reduziert.

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Re: Kampfwertsteigerung für "Pandur" A1

Beitrag von GG » 04. Nov 2016, 14:27

Die Struktur der Wanne des Pandur I ist überhaupt nicht auf wirksamen Minenschutz (wir reden hier von 8 - 10 kg Richtsplitterladungen unter dem Rad) ausgelegt. Wie man das machen müßte - siehe Pandur II. Die innere Bodenplatte/Kampfraumboden (beim Pandur I aufgeschraubte Baustahlbleche zwichen den Achsgetriebekästen) müßte voll in die Wannenstruktur integriert, d. h. mittels besonders ausgebildeter und angeordneter Schweißnähte verbunden sein, um ein Aufplatzen der Wanne im unteren Bereich zu vermeiden - das geht hier sicher nicht. Die Sitze müßten von der Bodenplatte entkoppelt und elasisch ausgehängt sein - siehe letzen Beitrag von Theoderich zum Thema Updates im Dingo 2-Bericht - wie z. B. beim Piranha 5. Unter den Sitzen darf nichts verstaut werden - verstärkt die Sprengwirkung durch Splitterwirkung. Die Sitzanordnung müßte das Aufstellen der Beine der Kampfraumbesatzung auf einem Bügel am gegenüberliegenden Mannschaftssitz ermöglichen, um ein Zerschmettern der Wadenknochen zu verhinder, und natürlich müßten die Leute fest angeschnallt und mit Halsstützen versehen werden, um die Wirbelsäulen der Kampfraumbesatzung zu entlasten (alles im Fall der Explosion). Von der besonders ausgebildeten äußeren Bodenplatte und der Problematik der Getriebe und Antriebsteile sowie der Federung - Drehstäbe - im Kampfraumbereich rede ich hier noch gar nicht. Also: mit dem Pandur I - bei all seinen Vorzügen - ist das nicht zu machen. Lösung: Pandur II oder ähnliche Fahrzeuge und natürlich in Version 8x8, denn die Fahrzeugmasse wird stark zunehmen.

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Re: Kampfwertsteigerung für "Pandur" A1

Beitrag von Elo59 » 04. Nov 2016, 14:30

Natürlich ist das zu machen, wird ja, wie man hört, zur Zeit auch grad umgesetzt. Warum da GD nicht dabei ist wird mir langsam klar.

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Re: Kampfwertsteigerung für "Pandur" A1

Beitrag von Ramses » 04. Nov 2016, 16:54

@ GG: Danke für deine wie immer profunden Anmerkungen. Als aufmerksamer Leser deiner Beiträge, ist es mir nicht entgangen, dass du tiefen Einblick über die Entwicklung und Produktion bei der ehemaligen SSF hast.

@ Elo59: Warum wird dir langsam klar, dass hier GD nicht dabei ist?

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Re: Kampfwertsteigerung für "Pandur" A1

Beitrag von GG » 04. Nov 2016, 22:00

@Ramses: Ich war mehr als 3 Jahrzehnte dabei und durfte viele Entwicklungen miterleben (z.B. SK 105, SK 105 A2 Brasilien, Spz G 127 und Varianten, Pandur I und II, KSPz 90 -> Ascod/Ulan). Es war eine tolle Zeit und eine super Arbeitsgemeinschaft.

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Re: Kampfwertsteigerung für "Pandur" A1

Beitrag von Elo59 » 04. Nov 2016, 23:07

Weder SSF noch GD haben in den letzten 30 Jahren Retrofit-bzw. Nachrüstungen an bestehenden Systemen eigener Produktion angeboten.

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Re: Kampfwertsteigerung für "Pandur" A1

Beitrag von theoderich » 05. Nov 2016, 08:50

Die Entwicklung von Panzerungen ist in ganz Europa ausgelagert. Im Prinzip gibt es vier bis fünf große Player:


Und ebenso wenige kleinere Firmen:


Außerhalb Europas wären noch folgende Unternehmen zu nennen:


Und von diesen haben nur Rafael und Plasan eine gewisse überregionale Bedeutung.

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Re: Kampfwertsteigerung für "Pandur" A1

Beitrag von GG » 05. Nov 2016, 11:24

Den Vorwurf von Elo59 möchte ich da schon relativieren: Anfang der 1980er Jahre hat SSF (damals noch SDP Werke Wien) einen Vorschlag zur Modernisierung der M-59 SPz der griechischen Armee gemacht, einen Prototyp gebaut und diesen erfolgreich erporobt (Potenial waren etwa 300 Fahrzeuge). Aufgrund der Wirtschaftlichkeitsproblematik des Umbaues hat sich Griechenland entschlossen, ca. 600 SPz G127 als Leonidas in Lizenz in GR zu bauen (Steyr Hellas, heute Elbo). Dann wurden, gemeinsam mit Noricum, die ÖBH-M60A1 auf den Stand M60A3Oe gebracht (120 Fahrzeuge). Desweiteren war die Modernisierung der Saurer SPz (etwa 450 Fahrzeuge) angestanden, wo SDP/SSF einen Prototypen erstellte (SK 105-Komponenten), allerdings wählte das ÖBH die Lösung von Eisenbeis (M 113-Komponenten). Nach der Insolvenz von Eisenbeis übernahm SSF die Fertigung der Eisenbeis-Komponenten, die Umrüstung erfolgte in den HZAs. Die Probleme, die anfangs auftraten, wurden aber immer SSF zugerechnet, obwohl dieses Unternehmen mit der Konzeption der Umrüstlösung nichts zu tun hatte (reine Lohnfertigung nach ÖBH-Unterlagen). Dann hat SSF auch die Wrtungs- und Verbesserungsarbeiten der amerikanischen Pandure (Special Command) durchgeführt. Außerdem hat man sich immer mit Kampfwertsteigerungsvorschlägen von nicht unternehmenseigenen Fahrzeugtypen befasst (BTR-60/80, BMP-3, schweizer M-113 usw.). Habe sicher auch schon einige Aktivitäten vergessen, aber ganz untätig war SDP/SSF in diesem Feld nicht.

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Re: Kampfwertsteigerung für "Pandur" A1

Beitrag von theoderich » 06. Nov 2016, 10:25

Wahrnehmungsbericht des Rechnungshofes. Teilbereiche des Steyr-Daimler-Puch-Konzerns (Reihe Bund 1994/8)

Forschung und Entwicklung

Allgemeines

Die Unternehmung hatte mit dem Radpanzer von der Steyr–Daimler–Puch AG ein bis zur Prototypenreife entwickeltes Produkt übernommen. Für Kettenfahrzeuge besaß die Unternehmung besondere Kenntnisse aus der Eigenfertigung und der Überholung samt Kampfwertsteigerung von Fremdprodukten.

Der RH vermerkte, daß die Unternehmung wegen ihrer Größe keine Grundlagenforschung betrieben hatte und die Vorentwicklungen neuer Produkte gering waren.

    Laut Stellungnahme des Vorstandes verfüge die Unternehmung mit den beiden Panzertypen über zwei Produktlinien, die jeweils eine beachtliche Anzahl von Ausführungsvarianten aufwiesen. Außerdem könnten angesichts der vorhandenen Modernisierungstechnologien dem Kunden jederzeit verschiedene Kategorien leichter Panzer angeboten werden.



Schriftliche Anfrage (3645/J) (Beantwortet am 7. Juni 1989)

13. Von wem sind Anbote zur Kampfwertsteigerung der M 109 des Bundesheeres eingeholt worden?

    Zu 13:

    Folgende Stellen wurden eingeladen, Angebote zur Kampfwertsteigerung der M 109 vorzulegen:

      US-Regierung
      Fa. BMY, YORK, USA
      ROYAL ORDNANCE, NOTTINGHAM, GB
      KW THUN, SCHWEIZ
      EISENBEISS & SÖHNE, ENNS
      NORICUM, LINZ
      SONDERTECHNIK, LINZ
      STEYR SPEZIALFAHRZEUGE, WIEN


Kostenüberschreitung bei Rüstungsvorhaben des BMLV (6243/J) (Beantwortet am 9. Juli 1999)

14. Welche Kosten sind durch die letzte Generalüberholung und Nachrüstung der Kampfpanzer auf M60 A3 entstanden?

    Zu 14:

    Die Grundüberholung und Modifikation des M6OA1 auf A3 liegt dreizehn Jahre zurück; nach den mir vorliegenden Unterlagen betrugen die Gesamtkosten einschließlich der Modifikation des Motors rd. 1 Mrd. öS.

15. Welche Firma hat diese vorgenommen?

    Zu 15:

    Grundüberholung und Modifikation wurden durch das Konsortium Steyr - Noricum durchgeführt, die Modifikation des Motors durch die US - Army in Mainz.

24. Welche Kosten sind durch die letzten beiden Generalüberholungen und Nachrüstungen der KÜRASSIER entstanden?

31. Wie viele Stück KÜRASSIER wurden dabei jeweils nachgerüstet?

    Zu 24 und 31:

    Für die Grundüberholung von 171 Stk. Jagdpanzern Kürassier mit Nachrüstung auf die Version A1 wurden insgesamt rd. 803,4 Mio. öS aufgewendet. Die Nachrüstung von 120 Stk. Kürassieren mit dem Feuerleitsystem (Version A2) kostete rd. 345,6 Mio. öS.

26. Welche Firmen haben diese vorgenommen?

    Zu 26:

    Steyr Daimler Puch Spezialfahrzeuge AG.

28. Gab es für diese Projekte eine öffentliche Ausschreibung?

Wenn ja: wer hat sich daran beteiligt?

Wenn nein: warum nicht?

    Zu 28:

    Ja; dazu wurden die Unternehmen Steyr Daimler Puch Spezialfahrzeuge AG Maschinenfabrik Liezen, Eisenbeiss & Söhne, Intertechnik GmbH & Co KG, Assmann und Ballistik - Defence - Products - Wehrtechnik GesmbH eingeladen.

29. Wann wurden diese GÜ befohlen?

    Zu 29:

    Der diesbezügliche Vertrag wurde am 5. Dezember 1991 abgeschlossen.

34. Welche Kosten sind durch die letzte Generalüberholung und Nachrüstung der Schützenpanzer SAURER entstanden?

    Zu 34:

    Die Gesamtkosten für die Generalüberholung betrugen rd. 1,06 Mrd. öS

36. Welche Firma hat diese vorgenommen?

    Zu 36:

    Die Umrüstungssätze wurden bei der Steyr Daimler Puch Spezialfahrzeuge AG beschafft, die Umrüstung wurde im Heeres - Materialamt durchgeführt.

38. Gab es für dieses Projekt eine öffentliche Ausschreibung?

Wenn ja: wer hat sich daran beteiligt?

Wenn nein: warum nicht?

    Zu 38:

    Ja; es beteiligten sich Steyr Daimler Puch AG, Voest Alpine AG, Eisenbeiss & Söhne.

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Re: Kampfwertsteigerung für "Pandur" A1

Beitrag von GG » 06. Nov 2016, 12:53

Interessanterweise haben beim M60-Projekt SDP als Fahrzeugtechnikunternehmen den Turm und Noricum als Kanonenhersteller das Fahrgestell bearbeitet.

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